Band: ØLYP 🇫🇷
Titel: I(m)MORTAL
Label: Klonosphere Records
VÖ: 25/09/26
Genre: Modern Progressive Metal / Ambient Post-Metal

Tracklist

01. The Human Error
02. 797
03. Molden
04. One’s Tormented Mind Is A Crumbling Universe
05. Solace
06. The Great Acceleration
07. The Great Denial – Part 1
08. The Great Denial – Part 2

 

Besetzung

Thibaud Lépicier – Guitar, bass & additional production
David Annenkoff – Drums

 

Bewertung:

4/5

ØLYP ist ein Duo, das die dissonante Beziehung zwischen Mensch und Natur mit einer zugängigen Mischung aus Progressive und Ambient Metal ausdrückt. Ursprünglich aus Norwegen stammend, leben Thibaud Lépicier und David Annenkoff nun in Frankreich. Während David ausschließlich am Schlagzeug sein Werk vollbringt, widmet sich Thibaud den übrigen Instrumenten: Gitarren, Bass und zusätzliche Arrangements. Und was ist mit dem Gesang? Den gibt es nicht. Die Band komponiert ausschließlich instrumentale Stücke. Wie dieses Konzept in Summe klingt, demonstrieren ØLYP nun auf ihrem Debüt „I(m)MORTAL“.

Zugänglicher Prog mit viel Dynamik

Schnell wird einem bewusst, dass ØLYP nicht den Anspruch haben, sämtliche technischen und rhythmischen Hirngespinste in ihre Musik zu packen, die sie kennen. Die Band verbindet komplexe Rhythmen und ausgefeilte Arrangements mit groovigen, eingängigen Passagen, die den Songs trotz ihrer technischen Finesse einen unmittelbaren Zugang ermöglichen. Besonders das Schlagzeug übernimmt dabei eine zentrale Rolle: Vertrackte Rhythmen und ungewöhnliche Akzente treffen auf geradlinige Beats und sorgen für eine lebendige Dynamik. Bereits „The Human Error“ bringt diese Mischung auf den Punkt. Während das Schlagzeug mit komplexen Rhythmen die progressive Seite betont, halten sich die Gitarren zunächst mit vergleichsweise einfachen Melodien zurück. Im weiteren Verlauf werden auch sie komplexer, ohne dass der Song seinen roten Faden verliert. Wiederkehrende Parts sorgen für Orientierung, bevor das Stück gegen Ende in einen kraftvollen, wütenden Abschnitt kippt.

Streicher-Arrangements in disharmonischer Klanglandschaft

Das Spiel zwischen zugänglichen, groovigen Abschnitten und den komplexeren Passagen zieht sich durch „I(m)MORTAL“ hindurch. Spannend wird es, wenn plötzlich Streichinstrumente in die Klanglandschaft eingebettet werden. In „Molden“ wird der zweite Teil des Liedes durch ein überraschendes Streicherintermezzo angekündigt. Dieses mündet kurz darauf in einem infernalen Blastbeat-Part, während die Melodie weitergeführt wird – einer der markantesten Momente des Albums. Auch in dem sanften „Solace“ fügen sich die Streicher harmonisch in die zunehmend intensiver werdende Stimmung ein. In den beiden Parts von „The Great Denial“ gibt es markante Streicher-Intros, die den Liedern automatisch etwas Dramatisches verleihen.

Prog trifft auf Ambient

Atmosphärisch besonders dicht wird es bei „One’s Tormented Mind Is A Crumbling Universe“. Tiefer gestimmte Gitarren, Blastbeats und heftiges Shredding erzeugen eine dystopische Stimmung, die stellenweise an Black Metal erinnert. Nach einer beklemmenden Passage aus Herzschlag und beschleunigtem Atmen wird das Stück zunehmend schwerfälliger und endet mit den wortwörtlich letzten Atemzügen. Auch „Solace“ arbeitet stark mit Dynamik: Aus beinahe vollkommener Ruhe entwickelt sich der Song schrittweise zu seinem Höhepunkt, bevor er wieder in ruhigere und melancholische Passagen zurückfällt. Die beiden Teile von „The Great Denial“ bilden schließlich einen inhaltlich wie musikalisch zusammenhängenden Abschluss. Auf das sanfte, wehmütige Intro des ersten Teils folgt ein gesprochenes Statement über den Umgang des Menschen mit der Natur. Teil zwei verwandelt diese Nachdenklichkeit in Wut und Verzweiflung und stößt den Hörer regelrecht in den Song hinein.

Schönheitsfehler

Die volle Punktezahl verdient „I(m)MORTAL“ dennoch nicht. Zwar überzeugt das Album mit Dynamik, technischer Finesse und einem abwechslungsreichen Songwriting, vereinzelt verlieren sich die Kompositionen jedoch etwas und büßen dadurch an unmittelbarer Wirkung ein. Mit „The Great Acceleration“ wird das Klangbild z. B. ziemlich dissonant und fordernd. Ganz treu bleiben sie hier dem Titel des Liedes auch nicht. Man rechnet damit, dass es immer schneller wird und zum Schluss seine Höchst-BPM erreicht hat. Dem ist aber nicht so. Das Lied wird immer wieder abgebremst mit ruhigen Passagen. Der Groove bleibt, aber es zählt trotzdem zu den schwächeren Liedern. ØLYP gelingt ein anspruchsvolles, zugleich zugängliches Instrumentalalbum, dem für die Höchstwertung letztlich noch einige herausragende Momente fehlen, die auch langfristig im Gedächtnis bleiben.

Fazit: „I(m)MORTAL“ gelingt damit eine überzeugende Balance zwischen technischem Anspruch und Eingängigkeit. ØLYP zeigen, dass progressive Musik auch grooven und unmittelbar funktionieren kann – und machen ihr Album dadurch nicht nur für Prog-Fans interessant.

Internet

ØLYP – I(m)MORTAL

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