Band: APOCALYPSE 🇬🇧
Titel: Last Man Standing
Label: High Roller Records
VÖ: 25/09/26
Genre: Heavy Metal, NWOBHM

Tracklist

01. Phoenix Rising
02. You Called The Fight
03. This Is What It Feels Like
04. The Prophet (Redemption)
05. Vulture Of The Skies
06. Urban Decay
07. The Waning Moon
08. The Last Man Standing
09. We Are The Chosen

 

Besetzung

Steve Grainger – Vocals and all instruments

 

Bewertung:

4/5

Noch lange nicht Geschichte

Manchmal steckt hinter einem Album weit mehr als ein paar neue Songs. Bei „Last Man Standing“ von APOCALYPSE muss man eigentlich gar nicht lange suchen, um zu verstehen, warum diese Platte so persönlich geworden ist. Der Titel ist Programm. Von der ursprünglichen Besetzung ist heute nur noch Steve Grainger übrig. Sein Bruder ist ebenso verstorben wie Schlagzeuger Marc und Bassist Dave Robertson. Was hier also unter dem Namen APOCALYPSE läuft, ist nicht einfach irgendein Comebackversuch einer alten NWOBHM-Band. Es ist die Fortsetzung einer Geschichte, die eigentlich schon lange hätte beendet sein können.

Dabei reicht die Geschichte ordentlich zurück. APOCALYPSE gehörten Anfang der Achtziger zur britischen New Wave Of British Heavy Metal und konnten sich mit der Single „Storm Child“ von 1982 zumindest einen Namen in der Szene machen. 1985 folgte „The Prophet“, allerdings inzwischen unter dem Namen OMEGA. Ein erzwungener Namenswechsel hatte APOCALYPSE damals ausgebremst.

Über vierzig Jahre später steht Steve Grainger wieder mit APOCALYPSE am Start. Oder, wie er die Band mittlerweile nennt, APOCALYPSE NWOBHM.

Alte Songs, neue Bedeutung

Grainger hat bei „Last Man Standing“ ordentlich selbst Hand angelegt. Gesang, Gitarren und sämtliche Instrumente stammen von ihm. Das klingt zunächst nach einem ziemlichen Ein-Mann-Unternehmen, bekommt aber durch die Geschichte dahinter eine ganz andere Dimension.

Denn hier wird nicht einfach versucht, mit dem alten Bandnamen noch einmal ein paar Nostalgiepunkte abzuräumen. Grainger holt auch Songs aus der eigenen Vergangenheit zurück. Einige Stücke gehen ursprünglich sogar auf seine erste Band PHAZE zurück, die er gemeinsam mit seinem Bruder betrieb. Dazu kommen neue Songs, die sich ganz selbstverständlich in den APOCALYPSE-Kosmos einfügen.

Genau das funktioniert überraschend gut. Die alten Nummern wirken nicht wie irgendwelche aus dem Keller gezerrten Demo-Leichen, die man vierzig Jahre später noch schnell auf eine Platte gepackt hat. Sie haben diesen typischen britischen Metal-Spirit und passen erstaunlich gut neben das neuere Material.

Dazu kommen Beiträge von Marc und Dave sowie textliche Verbindungen zu früheren APOCALYPSE-Songs. Dadurch bekommt das Album eine zusätzliche Ebene. Wer die Bandgeschichte kennt, wird hier vermutlich mehr entdecken als jemand, der einfach nur eine neue Heavy-Metal-Platte auflegt.

Keine Hochglanz-NWOBHM

Musikalisch bleibt Grainger erfreulich bodenständig. „Last Man Standing“ braucht keine moderne Hochglanzfassade, um zu funktionieren. Die Gitarren stehen im Mittelpunkt, die Songs sind klassisch aufgebaut und der NWOBHM-Einschlag ist jederzeit präsent.

Dabei klingt das Album nicht wie der verzweifelte Versuch, 1982 zurückzuholen. Und genau das ist gut so. Natürlich hört man die Wurzeln deutlich, aber die Platte wirkt nicht wie eine schlecht sitzende Lederjacke aus dem Second-Hand-Laden. Sie gehört einfach zu dieser alten britischen Heavy-Metal-Schule und macht daraus keinen Hehl.

Graingers Gesang passt ebenfalls gut zum Material. Hier geht es nicht darum, irgendeinen Hochleistungs-Shouter aus dem Hut zu zaubern. Die Stimme transportiert vielmehr die Songs und vor allem deren Atmosphäre. Das wirkt glaubwürdig und passt zum gesamten Charakter der Veröffentlichung.

Ein Album mit Geschichte

Was „Last Man Standing“ letztlich von vielen Retro-Veröffentlichungen unterscheidet, ist die Tatsache, dass hinter dem Namen tatsächlich eine Geschichte steckt. Steve Grainger versucht nicht, eine längst vergangene Band künstlich zusammenzubauen. Er führt das Kapitel APOCALYPSE mit den Mitteln weiter, die ihm geblieben sind.

Und natürlich schwingt dabei auch eine gewisse Melancholie mit. Wenn man weiß, dass wichtige Weggefährten nicht mehr dabei sein können, hört man manche Passagen automatisch mit anderen Ohren. Das Album wird dadurch aber keineswegs zu einer Trauerplatte. Dafür steckt noch genügend Energie in den Songs.

Vielmehr fühlt sich „Last Man Standing“ wie eine musikalische Verbindung zwischen damals und heute an. Alte Ideen bekommen ein neues Zuhause, neue Stücke halten die Sache am Laufen und Erinnerungen werden nicht einfach konserviert, sondern weitergespielt.

Das gefällt mir an dieser Platte besonders. Sie versucht nicht, jünger zu wirken, als sie ist. Sie rennt keinem Trend hinterher und braucht auch keinen modernen Stempel, um ihre Existenz zu rechtfertigen. APOCALYPSE machen Heavy Metal. Punkt.

Der letzte Mann macht weiter

„Last Man Standing“ ist damit weit mehr als eine nostalgische Reise zurück in die NWOBHM. Es ist ein persönliches Album, das seine Vergangenheit kennt und trotzdem nach vorne schaut. Sicherlich wird nicht jeder Song bei jedem Hörer sofort zünden. Dafür ist die Platte zu sehr in ihrer eigenen Geschichte verwurzelt.

Wer allerdings etwas mit klassischem britischem Heavy Metal anfangen kann und keine Berührungsängste mit einer ordentlichen Portion Achtziger-Flair hat, sollte APOCALYPSE eine Chance geben. Steve Grainger ist tatsächlich der letzte Mann, der hier noch steht. Und statt die Geschichte einfach abzuhaken, dreht er noch einmal die Verstärker auf.

Fazit: Mit „Last Man Standing“ setzen APOCALYPSE ein klares Zeichen: Trotz aller Widrigkeiten und persönlicher Verluste sind sie weiterhin „der letzte Überlebende“, der den Geist des Heavy Metals hochhält und neue Kapitel schreibt.

Internet

APOCALYPSE - Last Man Standing - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.