Backengrillen – Backengrillen

Band: Backengrillen 🇸🇪
Titel: Backengrillen
Label: Svart Records
VÖ: 23/01/2026
Genre: HC Punk, Free Jazz, Noise, Experimental Jazz, Death Jazz

Tracklist

  1. A Hate Inferior
  2. Dör för langsamt
  3. Repeater II
  4. Backengrillen
  5. Socialism or Barbarism

Besetzung

Dennis Lyxzén – Vocals, Effects
Mats Gustafsson – Saxophone, Flute, Live Electronics
Magnus Flagge – Bass
David Sandström  Drums, Electronics

Bewertung:

5/5

Am 23. Jänner 2026 öffnete sich für mich ein Genre, von dem ich bis dahin nicht wusste, dass ich es brauche. Experimental Jazz und Free Jazz waren mir vertraut. Doch was sich mir nun offenbarte, nannte sich Death Jazz – sofern man dieses Etikett überhaupt gelten lassen will. Denn das selbstbetitelte Debütalbum von Backengrillen entzieht sich jeder sauberen Kategorisierung. Die Musiker – teils von REFUSED stammend, teils mit Wurzeln im Jazz-Rock Ensemble Nirvana (1980), verweigern sich konsequent jeder Schublade. Genau darin liegt ein Teil der Faszination.

Langsamkeit als Täuschung, Wiederholung als Mittel zur Eskalation

Gleich der Opener „A Hate Inferior“ macht von Beginn an unmissverständlich klar, worauf man sich einlässt. Zehn Minuten Spielzeit, die frontal auf das Hörzentrum zielen. In den ersten Momenten schlich sich bei mir der Verdacht ein, mein Ausgabegerät habe einen Defekt – ein Irrtum. Was zunächst zäh und beinahe statisch wirkt, gewinnt mit jeder Sekunde an Gewicht, Intensität und Dringlichkeit. Diese Dramaturgie zieht sich durch das gesamte Album: Langsamkeit als Täuschung, Wiederholung als Mittel zur Eskalation.

Die Band selbst beschreibt ihren Ansatz sinngemäß so: Ein Death-, Doom- oder Noiserock-Riff wird so lange gespielt, bis es jede ursprüngliche Bedeutung verliert – um es anschließend vollständig zu zerlegen. Man mag über diese Bildsprache schmunzeln, doch musikalisch setzen Backengrillen genau das um. Mit beeindruckender Konsequenz. Ebenso glaubhaft wirkt die Behauptung, die Stücke seien getränkt vom allgegenwärtigen Selbsthass der schwedischen Provinz Västerbotten, aus der die Band stammt. Nach einer Stunde mit diesem Album fällt es schwer, dem zu widersprechen.

„Backengrillen“ lebt von Ambivalenz. Die Songs schleppen sich scheinbar träge dahin, wirken düster, depressiv, selbstzersetzend – und entwickeln zugleich Groove, Spannung und eine eigentümliche Melodik. Eine Art extrem stupide, chaotisch-depressive-Harmonie, die sich gerade durch ihre Widersprüche trägt. Hier perfekt hinein passt die Entstehungsgeschichte: Donnerstag geschrieben bei der ersten gemeinsamen Probe, Freitag live gespielt, Samstag aufgenommen. Klingt nach Übertreibung, vielleicht sogar bewusster Provokation. Doch nach dem letzten Ton glaubt man es ihnen.

Unterm Strich ist „Backengrillen“ eine gut einstündige Jam-Session, die trotz aller Wildheit erstaunlich durchdacht wirkt. Kontrolliertes Chaos, das sich seiner Wirkung jederzeit bewusst ist.

Mein Fazit: Mit ihrem Debütalbum demonstrieren Backengrillen eindrucksvoll, welch Ausnahmemusiker hier am Werk sind. Über eine Stunde entfesselt die schwedische Formation ein infernales Geflecht aus Flöten, Saxofon, verzerrtem Geschrei, wuchtigem Bass und ruhelosen Drums. Ein düsterer Höllenritt, schwer beladen mit Selbsthass und von einer brachialen Wucht, die sich nicht zähmen lässt. Ein Album, das seine Hörerschaft verschlingt – sie in einen Fiebertraum versetzt, auszehrt und schließlich erschöpft, aber überglücklich zurücklässt.
FANTASTISK och MAGNIFIK.

Internet

BACKENGRILLEN - Backengrillen

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