BEYOND THE STYX - DIVID - album cover

Band: BEYOND THE STYX 🇫🇷
Titel: DIVID
Label: Innerstrength Records
VÖ: 08/05/26
Genre: Metalcore/Hardcore

Tracklist

01. Dust Off [feat. Okan Deniz from I Am Revenge]
02. Bystander
03. Never Ending War
04. Chaosystem
05. Flowerviolence [feat. Delphine from Sisterhood Issues]
06. Anyøne
07. Graveyard FS
08. Kiss of the Cobra
09. Deadlock V
10. Storm of Life

 

Besetzung

Emile – vocals
Adrien – drums
David – rhythmic guitar
Yoann – bass
Guillaume – lead guitar

 

Bewertung:

3,5/5

Wenn Hardcore die Bruchlinien der Welt spiegelt

BEYOND THE STYX kommen aus Frankreich und stehen seit Jahren für eine Mischung aus Metalcore und Hardcore, die sich weniger an Genregrenzen interessiert als an Druck, Tempo und Haltung. Mit »DIVID«, ihrem vierten Album, schärft die Band diesen Ansatz noch einmal nach. Das Line-up bleibt stabil. Emile am Gesang, Adrien am Schlagzeug, David an der Rhythmusgitarre, Yoann am Bass und Guillaume an der Leadgitarre. Zusammen entsteht ein Klangbild, das kontrolliert wirkt und trotzdem ständig kurz davor steht zu kippen.

Produziert wurde das Album gemeinsam von der Band und Daan Nieboer, der auch für Engineering, Mixing und Mastering verantwortlich ist. Das Ergebnis klingt klar, aber nicht glatt. Die Kanten bleiben hörbar, die Energie wirkt nicht normiert. Gerade im Hardcore-Kontext ist das eine bewusste Entscheidung, denn »DIVID« lebt von Reibung.

Ein Album über Trennungslinien

Inhaltlich kreist die Platte um ein Thema, das sich durch alle zehn Songs zieht, Spaltung. Gemeint ist kein abstraktes Konzept, sondern ein sehr konkretes Bild von Welt. Gesellschaften, die sich voneinander entfernen, politische und soziale Spannungen, aber auch persönliche Brüche. Krieg, Umweltzerfall und Gleichgültigkeit stehen gleichberechtigt neben inneren Konflikten. Das Album zeichnet kein dystopisches Szenario als Zukunft, sondern beschreibt eher einen Zustand, der bereits Realität ist.

Diese Perspektive zieht sich ohne große Umwege durch die Songs. Es gibt keine Umwege über Metaphern, die alles weichzeichnen würden. Stattdessen setzt die Band auf direkte Sprache und eine musikalische Umsetzung, die diesen Druck transportiert.

Sound zwischen Kontrolle und Eskalation

Musikalisch bewegt sich »DIVID« zwischen klassischem Metalcore und moderner Hardcore-Ästhetik. Die Gitarrenarbeit ist dicht, oft rhythmisch geführt, aber mit genug Raum für melodische Spitzen in den Lead-Parts. Der Bass bleibt präsent im unteren Frequenzbereich, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Adrien am Schlagzeug sorgt für ein hohes Maß an Dynamik, mit vielen Tempowechseln und präzisen Breaks.

Emiles Gesang pendelt zwischen aggressivem Shouting und kontrollierter Härte. Dabei entsteht kein permanenter Ausnahmezustand, sondern ein Wechselspiel aus Spannung und Entladung. Gerade diese Kontrolle verhindert, dass das Album in reine Wut kippt.

Zwischen Gastbeiträgen und Kollisionen

Zwei Features setzen zusätzliche Akzente. Bei »Dust Off« ist Okan Deniz von I AM REVENGE zu hören. Der Track wirkt dadurch noch rauer und bekommt eine zusätzliche Ebene an Intensität. »Flower Violence« bringt Delphine von SISTERHOOD ISSUES ins Spiel, was dem Stück eine andere emotionale Färbung verleiht, ohne den Grundton zu verändern.

Diese Gäste sind keine dekorativen Elemente. Sie fügen sich in die Struktur ein und verstärken die Grundidee des Albums. Verschiedene Stimmen in einem gemeinsamen, konflikthaften Raum.

Songs als Zustandsbeschreibungen

»Bystander« arbeitet mit dem Gefühl des Wegschauens, während »Never Ending War« den zentralen thematischen Kern schon im Titel trägt. »Chaosystem« spielt mit der Idee eines strukturierten Zusammenbruchs, während »Deadlock V« eher mechanisch und fast kalt wirkt. Gegen Ende öffnet »Storm of Life« noch einmal mehr Raum, ohne die Grundspannung aufzulösen.

Wirkung und Grenzen

So geschlossen das Konzept wirkt, so sehr zeigt sich auch eine gewisse Gleichförmigkeit im Mittelteil des Albums. Einige Übergänge ähneln sich strukturell, was die Dynamik leicht dämpfen kann, wenn man das Album am Stück hört. Gleichzeitig bleibt die Produktion stabil genug, um diese Momente abzufangen.

BEYOND THE STYX setzen weniger auf Überraschung als auf Konsequenz. Das funktioniert besonders dann, wenn man sich auf die Wiederholung als Stilmittel einlässt. Wer jedoch stärkere Brüche oder unerwartete Richtungswechsel sucht, wird hier nur punktuell fündig.

»DIVID« ist ein konzentriertes, technisch sauberes und thematisch klares Album. Es verliert sich nicht in Details, sondern bleibt bei seiner Grundidee. Die Band zeigt Erfahrung im Umgang mit Druck und Struktur, ohne sich in Selbstdarstellung zu verlieren.

Fazit: »DIVID« von BEYOND THE STYX ist mehr als nur Musik, es ist ein Aufruf zum Nachdenken über gesellschaftliche Konflikte und persönliche Zerwürfnisse.

Internet

BEYOND THE STYX - DIVID - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.