BLOOD PYTHON - Voidseeker - cover artwork

Band: BLOOD PYTHON 🇳🇴
Titel: Voidseeker
Label: Independent
VÖ: 21/05/26
Genre: Heavy Metal

Tracklist

01. 10,000 AD
02. Death on Four Wheels
03. Voidseeker
04. Cromlech
05. Divine Electronic Doom
06. Midnight Ritual
07. We Emerge
08. Entranced in Desire
09. The False Dreamer

 

Besetzung

Martin Horn Sørlie – All instruments, Vocals

 

Bewertung:

4/5

Aus dem Norden in den Abgrund

Hinter BLOOD PYTHON steht der norwegische Musiker Martin Horn Sørlie, der sämtliche Instrumente selbst einspielt und auch den Gesang übernimmt. Das Projekt stammt aus den dichten, oft mystisch verklärten Wäldern Ostnorwegens und bewegt sich stilistisch im Spannungsfeld von okkultem Heavy Metal, rauem 80s-Charme und einer bewusst roh gehaltenen Produktion. Seit »Acheron« (2022) und dem Nachfolger »Thunder City« (2023) hat sich ein klar erkennbarer Sound entwickelt. Eigenständig, leicht lo-fi und getragen von einer düsteren, fast rituellen Atmosphäre.

Mit »Voidseeker« legt BLOOD PYTHON nun das dritte Kapitel dieser Entwicklung vor. Das Album wirkt entschlossener, schwerer und gleichzeitig experimentierfreudiger als seine Vorgänger. Die Grundidee bleibt gleich, klassischer Heavy Metal mit okkultem Unterton, ergänzt durch thrashige Beschleunigungen und synthetische Elemente, die sich immer wieder überraschend in den Vordergrund schieben.

Zwischen Ritual und Riffgewitter

Der Einstieg über »10,000 AD« fällt kurz aus, wirkt aber wie ein bewusst gesetztes Intro, das die Tür in eine andere Welt öffnet. Ohne Umwege folgt mit »Death on Four Wheels« ein direkter, treibender Heavy-Metal-Song, der sofort zeigt, wo die Reise hingeht, kantige Riffs, eine raue Gesangsperformance und ein Rhythmus, der eher drückt, als glänzt.

Der Titeltrack »Voidseeker« bildet das emotionale Zentrum des Albums. Hier verbindet sich die typische BLOOD PYTHON-Ästhetik mit einer fast hypnotischen Struktur. Die Gitarren wirken kreisend, der Gesang schiebt sich wie eine Beschwörung durch den Mix. Es ist kein Song, der sich sofort erschließt, sondern einer, der sich langsam festsetzt.

»Cromlech« geht danach stärker in Richtung klassischer Heavy-Metal-Strukturen, bleibt aber durch kleine atmosphärische Einschübe eigenständig. Besonders interessant wird es mit »Divine Electronic Doom«, das den synthetischen Aspekt des Albums stärker betont. Die elektronischen Elemente wirken nicht dekorativ, sondern setzen gezielt Brüche im ansonsten organischen Soundbild.

»Midnight Ritual« und »We Emerge« bewegen sich wieder stärker im traditionellen Bandkontext. Hier dominiert der treibende Rhythmus, begleitet von Gitarren, die zwischen klassischem Heavy Metal und leicht thrashigen Anleihen pendeln. Besonders »We Emerge« wirkt dabei wie ein kurzer Moment des Aufatmens, ohne die Grundstimmung wirklich aufzulösen.

Dunkler als zuvor, klarer im Konzept

Im Mittelteil zeigt sich, wie sehr sich BLOOD PYTHON seit den frühen Veröffentlichungen verändert hat. Während frühere Aufnahmen stärker von roher Energie geprägt waren, wirkt »Voidseeker« kontrollierter, aber auch bewusster aufgebaut. Jeder Song scheint eine klare Funktion innerhalb des Gesamtbildes zu haben.

»Entranced in Desire« bringt eine fast überraschend melodische Seite ins Spiel, ohne die düstere Grundstimmung zu verlieren. Der Song arbeitet stärker mit Dynamikwechseln und setzt auf eine fast schleichende Intensität. »The False Dreamer« schließt das Album schließlich mit einem bedrückenden, schwer schleppenden Finale ab, das die okkulte Grundstimmung konsequent zu Ende führt.

Gerade diese letzte Phase zeigt, dass das Projekt nicht nur auf einzelne starke Ideen setzt, sondern versucht, ein geschlossenes Albumgefühl zu erzeugen. Die Übergänge wirken fließend, die Stimmung bleibt konstant dunkel, aber nicht eindimensional.

Produktion zwischen Rohheit und Kontrolle

Die Produktion von »Voidseeker« bewegt sich bewusst auf einer schmalen Linie. Einerseits bleibt der Sound roh genug, um den Underground-Charakter des Projekts zu erhalten. Andererseits ist genug Klarheit vorhanden, um die vielen Schichten aus Gitarren, Vocals und Synthesizern sauber voneinander zu trennen.

Diese Balance funktioniert besonders gut in den Momenten, in denen elektronische Elemente auf klassische Metal-Strukturen treffen. Statt sich gegenseitig zu überlagern, erzeugen sie eine gewisse Reibung, die dem Album Tiefe verleiht. Gerade diese Reibung hebt »Voidseeker« von vielen vergleichbaren Ein-Mann-Projekten ab.

Ein Schritt nach vorn

»Voidseeker« zeigt BLOOD PYTHON in einer gereiften Form. Das Album wirkt durchdachter als die bisherigen Veröffentlichungen, ohne die ursprüngliche Wildheit zu verlieren. Die Mischung aus okkultem Heavy Metal, Thrash-Anleihen und synthetischen Experimenten greift hier besser ineinander als zuvor.

Nicht jeder Song zündet sofort, und manche Passagen verlangen Geduld. Genau darin liegt aber auch ein Teil der Wirkung. Das Album entfaltet seine Stärke über Zeit, nicht über den ersten Eindruck. Am Ende bleibt ein Werk, das seinen eigenen Raum schafft und diesen konsequent füllt, ohne sich an gängige Erwartungen anzupassen.

Fazit: »Voidseeker« ist eine gelungene Fortsetzung der musikalischen Reise von BLOOD PYTHON.

Internet

BLOOD PYTHON - Voidseeker - CD Review

Vorheriger ArtikelMOONSPELL veröffentlichen Musikvideo
Nächster ArtikelHAEMOTH – Black Dust
Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.