Tracklist
01. Lo Palestrion
02. Ira Dei Cadit
03. Vailets
04. Lo xivau de hèr
05. La hialaira
06. Princi Negue
07. Maria
08. Lo pont deu Diable
Besetzung
Pierre Delaporte – Vocals, Boha, Accordion (diatonic), Clarinet, Uilleann pipes, Low whistle, Tin whistle
Florent Gilles – Bass
Luca Quitadamo – Guitars
Adrian Gilles – Drums, Vocals (choirs)
Baptiste Labenne – Vocals, Bass, Aboès [oboe from Couserans], Guitars, Guitars (acoustic), Keyboards, Mandolin, Bouzouki
Verwurzelt in der Gascogne
Die Folk-Metal-Formation BOISSON DIVINE gehört zu den spannendsten Vertretern einer Szene, die Tradition nicht nur zitiert, sondern lebt. Die Musiker stammen aus der Gascogne im Südwesten Frankreichs und haben sich über die Jahre eine unverwechselbare Identität erarbeitet. Ihr Ansatz ist eine kraftvolle Metal-Basis, kombiniert mit regionalen Instrumenten und Texten in okzitanischer Sprache. Das Ergebnis ist keine folkloristische Spielerei, sondern ein ernst gemeinter kultureller Beitrag.
Mit ihrem vierten Album »Eretatge« knüpft die Band an die Entwicklung der letzten Jahre an und führt ihren Stil konsequent weiter. Nach Tourneen quer durch Europa und sogar bis nach Japan wirkt dieses Werk wie eine Standortbestimmung, selbstbewusst, vielseitig und fest im eigenen kulturellen Fundament verankert.
Klang zwischen Tradition und Druck
Schon der Opener »Lo Palestrion« macht klar, wohin die Reise geht. Druckvolle Gitarren treffen auf treibende Rhythmen, während diatonisches Akkordeon, Dudelsackvarianten und Flötenlinien den Songs eine eigenständige Farbe geben. Die Produktion bleibt dabei angenehm roh, ohne Details zu verschlucken. Gerade diese Balance sorgt dafür, dass die traditionellen Instrumente nicht als Gimmick wirken, sondern integraler Bestandteil des Gesamtklangs sind.
Die Band bewegt sich dabei souverän zwischen verschiedenen Intensitätsstufen. »Ira Dei Cadit« setzt stärker auf epische Elemente und hymnische Strukturen, während »Vailets« eine fast tänzerische Leichtigkeit entwickelt. Immer wieder blitzen Einflüsse aus Power-Metal und sogar Punk auf, ohne den roten Faden zu verlieren.
Vielschichtiges Line-up als Stärke
Ein entscheidender Faktor für diese stilistische Bandbreite ist das außergewöhnlich vielseitige Line-up. Frontmann Pierre Delaporte trägt die Songs mit markanter Stimme, während Boha mit einer ganzen Batterie an traditionellen Instrumenten das klangliche Fundament erweitert. Dazu kommen Florent Gilles am Bass, Luca Quitadamo an den Gitarren sowie Adrian Gilles am Schlagzeug, der zusätzlich für chorale Gesänge sorgt.
Besonders hervorzuheben ist Baptiste Labenne, der gleich mehrere Rollen übernimmt. Von Gesang über Saiteninstrumente bis hin zu seltenen Klangfarben wie der Aboès. Diese musikalische Flexibilität hört man dem Album deutlich an! Jeder Song wirkt durchdacht arrangiert, ohne überladen zu sein.
Höhepunkte und Kontraste
»Lo xivau de hèr« gehört zu den dynamischsten Tracks der Platte. Hier verbindet sich ein fast marschartiger Rhythmus mit eingängigen Refrains, die sich schnell festsetzen. Im Kontrast dazu steht »La hialaira«, das ruhiger beginnt und sich schrittweise steigert. Solche Spannungsbögen ziehen sich durch das gesamte Album und sorgen dafür, dass »Eretatge« auch über die volle Länge interessant bleibt.
Mit »Princi Negue« und »Maria« zeigt die Band ihre melodische Seite. Gerade »Maria« entwickelt eine emotionale Tiefe, die sich erst nach mehreren Durchläufen vollständig erschließt. Die Mischung aus Melancholie und unterschwelliger Energie funktioniert hier besonders gut.
Der Abschluss »Lo pont deu Diable« überrascht mit neoklassischen Anklängen und wirkt fast wie ein musikalischer Abspann. Ein bewusst gesetzter Schlusspunkt, der das Album in einem anderen Licht erscheinen lässt.
Sprache als Statement
Ein zentrales Element von »Eretatge« ist die konsequente Verwendung der okzitanischen Sprache. Für viele Hörer mag das zunächst ungewohnt sein, doch genau darin liegt ein großer Teil der Wirkung. Die Texte transportieren nicht nur Inhalte, sondern auch ein Lebensgefühl und eine kulturelle Identität, die sich nicht ohne Weiteres übersetzen lässt.
Die Band versteht es, diese sprachliche Eigenheit nicht als Barriere, sondern als Stärke einzusetzen. Selbst ohne jedes Wort zu verstehen, erschließt sich die emotionale Ebene der Songs unmittelbar.
Entwicklung mit klarer Linie
Im Vergleich zum Vorgänger »La Halha« wirkt »Eretatge« reifer und strukturierter. Die Songs sind kompakter, die Arrangements zielgerichteter. Gleichzeitig bleibt genug Raum für Experimente, sodass das Album nie vorhersehbar wird.
Man merkt, dass die Band ihren Stil gefunden hat und nun gezielt daran arbeitet, ihn weiter auszubauen. Es geht nicht mehr darum, sich zu definieren, sondern darum, die eigene Handschrift zu verfeinern.
»Eretatge« ist ein Album, das seine Stärken vor allem in der Verbindung von Authentizität und musikalischer Vielfalt ausspielt. Nicht jeder Moment zündet sofort, und an einigen Stellen hätte etwas mehr Konsequenz gutgetan. Dennoch überzeugt die Platte durch ihre Eigenständigkeit und ihren kulturellen Anspruch.
Mit einer Bewertung von 3,5 von 5 bewegt sich das Album im oberen Mittelfeld, nicht makellos, aber deutlich über dem Durchschnitt. Für Fans von Folk-Metal, die mehr suchen als Standardformeln, ist »Eretatge« definitiv einen genaueren Blick wert.
Fazit: Mit »Eretatge« gelingt BOISSON DIVINE erneut ein Werk, das tief in ihrer Heimat verwurzelt ist und doch universell wirkt.






