Musth - Jollysad - cover artwork

Band: Musth 🇳🇴
Titel: Jollysad
Label: Codfather Records
VÖ: 22.05.2026
Format: Digital / LP als Jollysad / Under Nature’s Skirt Vinyl ab 29.05.2026
Genre: Alternative Metal / Noise Rock / Experimental Rock / Prog Metal

Tracklist

01. Jollysad
02. Pixeldust
03. Disposable Income in the Hands of Teenagers
04. En Passant

Besetzung / Credits

Alexander M. Delver – Gesang
Musth – Performance / Co-Produktion
Sigve Bull – Produktion / Co-Produktion
Adam Muñoz – Mix
Magnus Gulbrandsen – Mastering

Aufgenommen in den Phat Cat Studios, November 2025

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Aus Norwegen kommt mit »Jollysad« von Musth eine EP, die schon im Titel verrät, dass hier Frohsinn und seelischer Dachschaden zusammen in einem schlecht beleuchteten Proberaum eingeschlossen wurden. Genretechnisch bewegen sich Musth irgendwo zwischen Alternative Metal, Noise Rock, Experimental Rock und angeknackstem Prog-Wahnsinn. Kurz gesagt: Das ist Musik für Leute, die bei geraden Songstrukturen nervös werden und bei schiefen Grooves anfangen zu grinsen.

Albumplaylist:

KONTROLLIERTER KOLLAPS MIT GRINSEN

»Jollysad« ist keine EP, die höflich anklopft. Sie fällt eher durch die Tür, trägt einen kaputten Zylinder und fragt, ob hier zufällig jemand Bock auf schiefe Takte, Theaterstimme, Noise-Kanten und kleine musikalische Nervenzusammenbrüche hat. Musth klingen dabei nicht beliebig verrückt, sondern überraschend präzise. Hinter dem ganzen Wahnsinn steckt Arrangement-Arbeit, Timing und ein ziemlich klares Gefühl dafür, wann Chaos Spaß macht und wann es einfach nur nervt.

Aufgebaut auf ein bombenfestes Fundament aus Drums und Bass werden die Gitarren mal zackig, mal schräg, mal beinahe surfartig perfekt draufgesetzt. Darüber turnt der Gesang von Alexander M. Delver zwischen Theater, Wutausbruch, schrägem Charme und leichtem Kontrollverlust. Das ist nichts für Puristen mit Lineal im Proberaum. Aber wer seine Musik gerne kantig, lebendig und ein bisschen durch den Fleischwolf gedreht mag, bekommt hier ordentlich Futter.

DER TITELTRACK MACHT DEN DECKEL AUF

»Jollysad« eröffnet die EP mit genau dieser Mischung aus Übermut und innerem Knacks. Opernhafte Gesten, kantige Gitarren und ein Aufbau, der erst so tut, als wüsste er, wohin er will, nur um dann bewusst einen Haken zu schlagen. Der Song ist verspielt, aber nicht albern. Schräg, aber nicht ziellos. Ein starker Einstieg, weil er sofort klarmacht: Musth spielen nicht nach Regelbuch, sie haben höchstens mal eines angezündet.

PIXELSTAUB UND PROG-KIRMES

»Pixeldust« legt noch eine Schippe Eigenwilligkeit drauf. Da treffen zupackende Riffs auf verspielte Gitarrenfiguren, kurze Ruheinseln und vokale Verrenkungen, die irgendwo zwischen Mr. Bungle-Nervosität und Alternative-Metal-Dramatik liegen. Der Song wirkt wie ein schlecht gelaunter Zirkusautomat, der plötzlich anfängt, richtig gute Grooves auszuspucken.

Das funktioniert vor allem, weil die Band trotz aller Sprünge den roten Faden nicht verliert. Ja, das Ding macht Faxen. Aber es macht Faxen mit Können. Und genau da trennt sich bei solcher Musik die Spreu vom Hoschi.

TEENAGER, GELD UND DER WAHNSINN DAZWISCHEN

»Disposable Income in the Hands of Teenagers« ist der kürzeste, aber vielleicht bissigste Track der EP. Hier wird nervös geschnitten, geschoben und gerüttelt. Post-Hardcore-Anrisse, Noise-Rock-Druck, schräge Breaks und ein fast absurdes Gefühl für Timing prügeln sich um die Vorherrschaft. Und doch fällt der Song nicht auseinander.

Die Nummer wirkt wie ein Kommentar auf Konsum, Überforderung und jugendliche Selbstzerlegung, ohne dabei zum trockenen Lehrstück zu werden. Statt erhobenem Zeigefinger gibt es einen musikalischen Tritt in die Einkaufswagenreihe. Kurz, knackig, schön bekloppt.

GERADER? JA. NORMAL? NICHT WIRKLICH.

»En Passant« spielt im Vergleich etwas direkter. Hier kommen die Alternative-Rock-Qualitäten der Band stärker nach vorne. Der Song baut dynamisch auf, hat einen besseren Fluss und wirkt zugänglicher, ohne die eigene Schräglage komplett aufzugeben. Genau das tut der EP gut, denn nach drei Tracks voller Kurvenfahrten braucht es diesen etwas klareren Abschluss.

Trotzdem bleibt auch »En Passant« weit genug weg vom Standard. Die Gitarren greifen sauber, das Rhythmusfundament sitzt stabil, und der Song zeigt, dass Musth nicht nur Chaos können, sondern auch Spannung, Struktur und Druck.

LIVE-ENERGIE STATT HOCHGLANZPOLITUR

Besonders sympathisch ist der Sound. »Jollysad« wurde bewusst live und roh angelegt, nicht totpoliert, nicht klinisch glattgezogen. Das hört man. Die EP atmet, knarzt, springt und hat Kanten. Genau dadurch wirkt sie lebendig. Wo andere Bands jedes Schlagzeugfell digital bügeln, lassen Musth lieber den Proberaumschweiß drin.

Das Ergebnis ist nicht immer hübsch, aber verdammt wirksam. Die Produktion gibt den Songs genug Druck, ohne ihnen den Charakter rauszuziehen. Gerade bei dieser Art Musik ist das Gold wert. Zu glatt produziert, wäre das nur noch eine Freakshow im Museum. So aber hat das Ding Puls.

KURZ, SCHRÄG, ABER MIT SUBSTANZ

Mit knapp 17 Minuten ist »Jollysad« natürlich kein abendfüllender Monolith. Aber die Kürze steht der EP gut. Mehr davon hätte vielleicht ermüdet, weniger wäre nur ein Appetithappen gewesen. So bleibt das Ganze kompakt, bissig und angenehm unberechenbar.

Nicht jeder Moment zündet sofort. Manche Wendung wirkt beim ersten Durchlauf eher wie ein Stolperstein als wie ein Geistesblitz. Doch gerade das macht den Reiz aus. Musth sind keine Band, die man nebenbei wegsortiert. Man muss sich auf diesen leicht durchgeknallten Kosmos einlassen. Dann macht das Ding richtig Laune.

FAZIT:

»Jollysad« ist eine kurze, schräge und sehr unterhaltsame EP zwischen Alternative Metal, Noise Rock, Experimental Rock und proggigem Irrsinn. Musth liefern keine glatte Genre-Ware, sondern einen kompakten Haufen kontrolliertes Chaos mit starken Grooves, mutigen Brüchen und herrlich schrägem Humor.

Die stärksten Momente sind »Jollysad«, »Disposable Income in the Hands of Teenagers« und »En Passant«. Kleine Abzüge gibt es dafür, dass die EP in ihrer Kürze eher wie ein wilder Zwischenruf wirkt als wie ein vollständig ausgearbeitetes Statement. Aber was für ein Zwischenruf das ist, meine Güte.

Für Fans von Mr. Bungle, Faith No More, System Of A Down, schrägem Noise Rock und unberechenbarem Alternative Metal ist »Jollysad« ein richtig feines Teil. Nicht glatt, nicht brav, nicht bequem – aber mit Hirn, Humor und ordentlich Druck im Gebälk.

Jollysad EP Stream:

Internet

Musth - Jollysad - EP Review

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