Tracklist
01. The Great Deceiver
02. Jólablót
03. Saturday Night Head Removal Extravaganza
04. Here Be Dragons
05. Crimson Sun
06. It Serves You Right
07. Wrath
08. Shirts of Black (F.O.A.D.)
09. Of Demise and Men
10. Endtyme
11. Shit Show
Besetzung
Hallvard Gaardløs – Bass, Vocals (lead)
See also: Spidergawd
Andre Drage Haraldsen – Drums
Even Helte Hermansen – Guitars, Vocals (backing)
Zwischen Druck und Dreck
Die norwegische Formation DRAKEN kommt aus Oslo und setzt seit ihrer Gründung 2019 auf Wucht statt Finesse. Gitarrist und Sänger Even Helte Hermansen, Bassist und Frontmann Hallvard Gaardløs sowie Drummer André Drage spielen sich durch ein Terrain, in dem dreckiger Hard-Rock und schwerer Metal ineinandergreifen. Nach dem Debüt und dem starken »Book of Black« folgt nun mit »Here Be Draken« das dritte Album. Aufgenommen wurde erneut mit klarem Fokus auf Druck und Direktheit, produziert von der Band selbst zusammen mit Engineer Kim Lillestøl.
Schwer, roh, zielgerichtet
»Here Be Draken« lebt von heruntergestimmten Gitarren, massiven Riffs und einer Produktion, die wenig beschönigt. Statt steriler Perfektion gibt es hier Kanten, Luft und ein gewisses Maß an Chaos. Der Einfluss von Bands wie HIGH ON FIRE oder MOTÖRHEAD ist nicht zu überhören, doch DRAKEN kopieren nicht einfach, sondern verdichten diese Einflüsse zu einem kompakten, oft ziemlich rabiaten Sound.
Die Songs sind meist auf den Punkt gespielt. Kein unnötiges Ausufern, keine verkopften Arrangements. Stattdessen dominiert ein stoischer Groove, der sich durch große Teile der Platte zieht. Dabei funktioniert besonders das Zusammenspiel von Bass und Gitarre. Gaardløs liefert ein Fundament, das nicht nur trägt, sondern oft selbst zur treibenden Kraft wird.
Starker Einstieg, wilder Mittelteil
Der Opener »The Great Deceiver« macht sofort klar, wohin die Reise geht. Ein zäh schleppendes Riff, dazu ein aggressiver Gesang, der mehr knurrt, als singt. »Jólablót« legt danach an Tempo zu und bringt eine leicht nordisch-düstere Note ins Spiel, ohne in Klischees abzurutschen. Hinzu kommen sehr verdreckte Groove Linien, welche den Song merklich wuchtiger klingen lassen.
Einer der auffälligsten Tracks ist »Saturday Night Head Removal Extravaganza«. Der Titel klingt nach Augenzwinkern, und genau das hört man auch. Hier blitzt so etwas wie schwarzer Humor auf, verpackt in einen rumpelnden, fast punkigen Rhythmus. Das Stück wirkt wie ein kurzer Kontrollverlust, der dem Album gut steht.
Mit »Here Be Dragons« folgt ein zentrales Stück der Platte. Schwer, getragen und mit einem fast epischen Unterton. Hier zeigen DRAKEN, dass sie auch Atmosphäre können, ohne ihre rohe Energie zu verlieren. Der Song baut sich langsam auf und bleibt hängen.
Licht und Schatten
Nicht jeder Track zündet gleich stark. »Crimson Sun« und »It Serves You Right« liefern solide Kost, bleiben aber etwas hinter den Highlights zurück. Hier fehlt manchmal die letzte Idee, die aus einem guten Riff einen wirklich erinnerungswürdigen Song macht.
»Wrath« dagegen überzeugt wieder mit kompromissloser Härte. Kurz, direkt und ohne Umwege. Auch »Shirts of Black (F.O.A.D.)« fällt auf, vor allem durch seine rotzige Attitüde. Das Stück wirkt wie eine bewusste Provokation und bringt zusätzliche Energie in die zweite Hälfte des Albums.
»Of Demise and Men« und »Endtyme« bewegen sich dann wieder stärker im Midtempo-Bereich. Gerade »Endtyme« punktet mit einer düsteren Grundstimmung und einem fast doomigen Einschlag. Der Abschluss »Shit Show« ist schließlich genau das, was der Titel verspricht. Laut, chaotisch und bewusst überdreht.
Gesang und Dynamik
Gesanglich setzt Hallvard Gaardløs auf eine raue, oft kehlige Stimme, die gut zum Sound passt, aber wenig Variation bietet. Das funktioniert über weite Strecken, kann auf Albumlänge jedoch etwas eintönig wirken. Die Backing Vocals von Hermansen lockern das Bild punktuell auf, bleiben aber eher im Hintergrund.
Dynamisch bewegt sich die Platte meist im gleichen Spannungsfeld. Es gibt zwar Unterschiede im Tempo und in der Intensität, doch echte Ruhepunkte fehlen weitgehend. Das sorgt für einen durchgehenden Druck, nimmt dem Album aber auch etwas an Tiefe.
Druck statt Glanz
Die Produktion ist bewusst roh gehalten. Gitarren sägen, der Bass drückt, das Schlagzeug klingt direkt und ungefiltert. Alles wirkt, als stünde die Band in einem kleinen Raum und spiele mit maximaler Lautstärke. Das passt zur Musik und zur Haltung von DRAKEN. Manchmal hätte ein wenig mehr Klarheit den Songs gutgetan. Gerade in dichteren Passagen verschwimmen einzelne Elemente. Gleichzeitig ist genau dieses leicht überladene Klangbild Teil des Reizes.
»Here Be Draken« ist ein Album, das keine Kompromisse macht. Es setzt auf Energie, Lautstärke und Direktheit, weniger auf Vielfalt oder Feinarbeit. Die stärksten Momente entstehen, wenn die Band ihren Groove findet und sich darin festbeißt.
Nicht jeder Song erreicht dieses Niveau, und über die gesamte Laufzeit fehlt es etwas an Abwechslung. Trotzdem bleibt ein solides, ehrliches Stück Stoner-Metal und Hard-Rock, das vor allem durch seine rohe Kraft überzeugt.
Fazit: »Here Be Draken« bestätigt den Ruf von DRAKEN als eine der spannendsten neuen Bands im norwegischen Hard-Rock- und Metal-Universum.






