Tracklist
01. C.I.A.M.
02. I’m Okay
03. Immer Schneller (Speeding German Version)
04. Party Ganze Nacht
05. So Sorry
06. Speeding
07. Summer Vibes // Neon Lights
08. Tornado
09. Down (feat. Ben Zimmermann)
10. Club Night (feat. Morgana)
Besetzung
Giu – Gesang
Dario – Gitarre
Hendrik – Gitarre
Fabian – Bass
Kris – Schlagzeug
Gäste:
Ben Zimmermann – Gesang auf „Down“
Morgana – Gesang auf „Club Night“
Ist Das Die Zukunft? Wenn man »Neoncore« von Caught In A Mirror hört, kann man diese Frage durchaus stellen. Hier wird Metalcore nämlich nicht nur mit ein paar Synths hübsch angemalt, sondern gleich komplett mit EDM, Hardstyle, Partycore und Neonlicht in den Club-Moshpit geschubst. Genre in einem Satz: Neoncore ist Metalcore mit Rave-Gen, Breakdowns, Drops, Clean-Hooks, Screams und genau jener Energie, bei der die Nebelmaschine freiwillig Überstunden macht und der Strobo schon nach drei Songs kündigen möchte.
MOSHPIT TRIFFT MAIN FLOOR
»Neoncore« ist kein Album für Leute, die bei elektronischen Beats im Metal sofort die Kutte zuknöpfen, beleidigt Richtung Ausgang marschieren und dabei murmeln: „Früher war mehr Holz.“ Caught In A Mirror wollen genau diese Grenze sprengen. Hier treffen Metalcore-Aggression, Club-Ästhetik, Hardstyle-Schub und ein gewisser Humor aufeinander, der das Ganze angenehm entkrampft. Das klingt nach Krawall mit LED-Streifen, funktioniert aber erstaunlich konsequent.
Die Band aus Hemer setzt auf Direktheit. Keine endlosen Intros, keine verkopfte Konzeptprosa, kein zehnminütiges Selbstfindungsriff. Stattdessen gibt es Songs, die schnell auf den Punkt kommen, den Refrain nicht vergessen und trotzdem genug Wucht haben, um im Pit nicht nur höflich mit den Schultern zu wackeln.
DER SPIEGEL LEUCHTET BUNT
»C.I.A.M.« eröffnet das Album wie eine Visitenkarte mit Stroboskop. Clean Vocals, harsche Ausbrüche, elektronische Elemente und ein klarer Fokus auf Live-Wirkung werden direkt in Stellung gebracht. Das Stück macht nicht lange herum, sondern sagt: Willkommen, hier wird getanzt und geprügelt, manchmal sogar gleichzeitig.
»I’m Okay« öffnet danach eine etwas persönlichere Seite. Der Song ist melodischer, emotionaler und weniger reine Party-Abrissbirne. Gerade diese Nummer zeigt, dass Caught In A Mirror nicht nur Neon-Konfetti werfen wollen, sondern auch verstehen, dass moderne Core-Musik zwischen Selbstbehauptung, innerem Druck und ordentlich Druckluft funktionieren kann.
DEUTSCH, SCHNELLER, DRECKIGER
Mit »Immer Schneller (Speeding German Version)« zieht das Album das Tempo an. Der Song wirkt wie ein überdrehter Autobahntrip zwischen Metalcore-Club und Eskalationsmodus. Die deutsche Sprachfärbung gibt dem Ganzen mehr Direktheit, fast schon etwas Rotziges. Das passt, weil der Track ohnehin nicht nach polierter Hochglanz-Show klingt, sondern nach Adrenalin mit Blaulicht.
»Party Ganze Nacht« ist dann genau das, was der Titel verspricht. Kein subtiler Kammermusikabend, sondern Neoncore mit ausgestrecktem Mittelfinger und breitem Grinsen. Die Breakdowns knallen, die elektronischen Elemente schieben, und man merkt sofort: Live dürfte das Ding eine sichere Bank sein. Natürlich ist das nicht gerade zurückhaltend, aber Zurückhaltung wäre hier auch ungefähr so sinnvoll wie ein Stehplatzverbot im Circle Pit.
ZWISCHEN HAKEN UND HITFAKTOR
»So Sorry« fällt im Gesamtbild etwas glatter aus. Der Song ist sauber gemacht, aber im Vergleich zu den stärkeren Nummern weniger bissig. Hier ist die Hook vorhanden, die Produktion sitzt, doch der besondere Neoncore-Funken springt nicht ganz so stark über. Kein Ausfall, aber eher ein Durchatmer als ein Volltreffer.
Mit »Speeding« sind Caught In A Mirror dann wieder deutlich stärker unterwegs. Aufgebaut auf ein bombenfestes Fundament aus Drums und Bass werden die Gitarren wuchtig, modern und treffsicher perfekt draufgesetzt. Darüber knallen elektronische Elemente, ohne die Riffs zu kastrieren. Genau so muss diese Mischung funktionieren: nicht Metal mit Laptop-Anhängsel, sondern ein gemeinsamer Motor mit viel zu viel Koffein im Tank.
SOMMER, LICHT UND ABRISSKANTE
»Summer Vibes // Neon Lights« ist einer dieser Songs, bei denen der Bandname fast Programm wird. Man erkennt den eigenen Metalcore-Reflex, aber im Spiegelbild tanzt plötzlich ein Rave-Zombie mit Sonnenbrille. Die Nummer verbindet harte Gitarren, Gutturals, elektronische Beats und eine auffallend helle Grundstimmung. Klingt widersprüchlich? Ist es auch. Genau deshalb bleibt es hängen.
»Tornado« gehört zu den klaren Höhepunkten des Albums. Der Track hat Zug, Hook, Druck und diesen direkten Live-Charakter, den man nicht künstlich herstellen kann. Hier sitzt die Balance zwischen Party und Prügel besonders gut. Die Band dreht auf, ohne das Songwriting zu vergessen. Das ist moderner Metalcore, der nicht so tut, als müsste Härte immer bierernst aus der Wäsche schauen.
PERSÖNLICHER, ABER NICHT ZAHM
»Down« mit Ben Zimmermann zeigt eine zugänglichere, fast radiotauglichere Seite, ohne völlig weichgespült zu wirken. Der Song setzt stärker auf Emotion, Melodie und Mitsingmoment. Das dürfte manche Härtefraktion kurz skeptisch gucken lassen, aber im Albumfluss ist diese Nummer wichtig. Sie zeigt, dass Neoncore nicht nur aus Drop, Breakdown und Partyansage besteht.
Zum Abschluss macht »Club Night« mit Morgana noch einmal den Deckel vom Neonfass. Der Track klingt wie der logische Endpunkt dieser Platte: Club, Core, Energie, Gaststimme, Eskalation. Nicht alles daran ist subtil, aber Subtilität war hier auch nie die Mission. Der Song will den Raum anzünden, nicht die Steuererklärung sortieren.
SOUND MIT STROBOSKOP UND STAHLKAPPE
Produktionstechnisch ist »Neoncore« klar auf Wirkung getrimmt. Die Drums drücken, der Bass hält das Fundament fest, die Gitarren schneiden modern und klar durch den Mix, während die elektronischen Elemente nie nur Zierrat sind. Gerade das ist entscheidend: Die Synths, Drops und Beats wirken nicht wie nachträglich aufgeklebtes Festival-Konfetti, sondern gehören zum Grundkonzept.
Giu liefert zwischen Clean Vocals, Screams und Growls eine starke Leistung. Er muss hier nicht nur Härte liefern, sondern auch den Party-Charakter tragen, ohne ins Peinliche abzurutschen. Die Gitarrenarbeit von Dario und Hendrik setzt die modernen Core-Kanten, während Fabian am Bass und Kris am Schlagzeug das Ganze stabil nach vorne schieben. Kurz gesagt: Untenrum steht das Ding bombenfest, obenrum blinkt es wie ein Jahrmarkt nach Stromschlag.
NICHT FÜR JEDEN, ABER MIT KLARER MISSION
Klar, wer bei EDM-Beats im Metal sofort die Kutte zuknöpft und beleidigt Richtung Ausgang marschiert, wird mit »Neoncore« seine liebe Not haben. Manche Passagen sind bewusst überdreht, manche Hooks sehr glatt, manche EDM-Elemente mit Ansage auf Eskalation gebaut. Das kann man feiern oder ablehnen, aber egal ist es nicht.
Und genau das spricht für die Band. Caught In A Mirror haben eine klare Identität. Sie wollen nicht klingen wie der nächste austauschbare Modern-Metalcore-Act mit schwarzen Hoodies und tieftrauriger Promo-Pose. Sie bringen Farbe, Licht, Bewegung und ein ordentliches Maß Wahnsinn rein. Das muss man sich erst einmal trauen, gerade in einer Szene, in der viele lieber denselben Breakdown zum zwölften Mal anders anmalen.
FAZIT:
»Neoncore« ist ein modernes, grelles und extrem energiegeladenes Album, das Metalcore mit EDMcore, Hardstyle und Party-Ästhetik zusammenzwingt, bis die Sicherungen fliegen. Caught In A Mirror liefern keinen Underground-Monolithen für Kerzenschein und Grabesmiene, sondern einen neonbunten Abriss zwischen Moshpit und Mainfloor.
Die stärksten Momente sind »Immer Schneller (Speeding German Version)«, »Party Ganze Nacht«, »Speeding«, »Summer Vibes // Neon Lights«, »Tornado« und »Club Night«. Kleine Abzüge gibt es für einzelne glattere Passagen und dafür, dass nicht jeder Song denselben Punch hat. Aber wenn diese Platte zündet, dann richtig.
Für Fans von Electric Callboy, modernem Metalcore, EDMcore, Partycore und Bands, die keine Angst vor Neonlicht haben, ist »Neoncore« ein klarer Fall. Nicht immer fein, nicht immer tiefgründig, aber verdammt effektiv. Hoschi, das ist kein Album für die Sofaecke – das ist der Soundtrack für den Circle Pit mit Getränkebon im Schuh und blinkendem Neonarmband am Handgelenk.






