Tracklist
01. I Welcome Thy Arrow
02. The Monochrome Blade
03. Anima
04. The Face of God
05. I Gave You Wings
06. Asteria Beneath the Tranquil Sea
07. Cold Heavens
08. Misanthrope River
09. Lethe
Besetzung
Johan Ericson – Guitar, Vocals, Keys
Anders Jacobsson – Vocals
Lisa Johansson – Vocals
Daniel Arvidsson – Bass
Niklas Nord – Guitar
Daniel Johansson – Drums
Rückkehr in die Schattenwelt
Die schwedische Formation DRACONIAN gehört seit Jahren zu den verlässlichen Größen im Gothic/Doom/Death Metal. Gegründet Mitte der 90er, hat sich die Band mit ihrem charakteristischen Wechselspiel aus tiefen Growls, klarem Gesang und melancholischer Atmosphäre eine feste Nische geschaffen. Das aktuelle Line-up mit Johan Ericson (Gitarre, Vocals, Keys), Anders Jacobsson (Vocals), Lisa Johansson (Vocals), Daniel Arvidsson (Bass), Niklas Nord (Gitarre) und Daniel Johansson (Drums) wirkt eingespielt und fokussiert. Mit ihrem neuen Album »In Somnolent Ruin« knüpfen sie an ihre Stärken an und wagen zugleich kleine Verschiebungen im Klangbild.
Klang zwischen Schwere und Zerbrechlichkeit
Schon der Opener »I Welcome Thy Arrow« macht klar, wohin die Reise geht, schleppende Riffs, getragen von einer dichten, fast greifbaren Melancholie. Anders Jacobssons Growls wirken kontrollierter als auf früheren Veröffentlichungen, während Lisa Johanssons Stimme wie ein Gegenpol aus Licht durch die Dunkelheit schneidet. Diese Dynamik bleibt das Herzstück des Albums.
»The Monochrome Blade« vertieft diesen Eindruck mit stärkerem Fokus auf Atmosphäre. Hier zeigt sich die Band besonders detailverliebt. Gitarrenflächen und Keyboard-Teppiche greifen ineinander, ohne sich gegenseitig zu überladen. Es ist diese Balance, die DRACONIAN von vielen Genre-Kollegen abhebt.
Emotionale Tiefe statt bloßer Schwere
Mit »Anima« und »The Face of God« bewegt sich das Album in eine introspektivere Richtung. Die Songs wirken weniger monumental, dafür persönlicher. Gerade »Anima« lebt von seinem zurückgenommenen Aufbau und der fein dosierten Steigerung. Hier wird deutlich, dass die Band nicht nur auf Wucht setzt, sondern gezielt mit Stille und Raum arbeitet.
»I Gave You Wings« gehört zu den zugänglichsten Stücken der Platte. Die klare Gesangslinie bleibt im Ohr, ohne dabei kitschig zu wirken. Statt Pathos dominiert eine leise Tragik, die sich durch das gesamte Album zieht.
Höhepunkte im Mittelteil
Der kürzeste Track, »Asteria Beneath the Tranquil Sea«, bildet das Zentrum des Albums. Trotz der kürzeren Spielzeit entfaltet sich ein dichtes Klangbild, das fast filmisch wirkt. Langsame Tempi, fließende Übergänge und ein konsequenter Spannungsaufbau machen den Song zu einem der stärksten Momente der Platte, da dieser auf den nächsten Song aufbaut.
»Cold Heavens« überzeugt durch seine klare Struktur. Hier tritt die Rhythmussektion stärker in den Vordergrund, was dem Song eine zusätzliche Erdung gibt. Gleichzeitig bleibt genug Raum für die typischen melancholischen Melodien.
Dunkle Strömungen im Finale
Mit »Misanthrope River« und »Lethe« wird das Album noch einmal düsterer. Die Band reduziert das Tempo weiter und setzt verstärkt auf repetitive Elemente. Das erzeugt eine fast hypnotische Wirkung, die gut zum thematischen Abschluss passt.
»Lethe« als finaler Track wirkt wie ein langsames Verblassen. Keine dramatische Explosion, sondern ein kontrollierter Rückzug. Genau diese Zurückhaltung macht den Song so wirkungsvoll.
Produktion und Gesamtbild
Die Produktion von »In Somnolent Ruin« ist klar, ohne steril zu wirken. Die Instrumente sind sauber voneinander getrennt, behalten aber genug Rauheit, um die emotionale Intensität zu transportieren. Besonders die Gitarrenarbeit von Johan Ericson und Niklas Nord überzeugt durch ihre Vielschichtigkeit. Die Keyboards sind präsent, drängen sich aber nie in den Vordergrund.
Was auffällt ist, dass das Album geschlossener wirkt als einige frühere Werke. Die Songs greifen thematisch und musikalisch ineinander, ohne dabei monoton zu werden. Kleine Variationen im Songwriting sorgen dafür, dass die Spannung über die gesamte Laufzeit erhalten bleibt.
Aufbau und Quintessenz
DRACONIAN bleiben sich auf »In Somnolent Ruin« treu, ohne stehenzubleiben. Es gibt keine radikalen Experimente, aber eine spürbare Weiterentwicklung im Detail. Die Band setzt stärker auf Atmosphäre und emotionale Nuancen, was dem Album eine gewisse Reife verleiht.
Nicht jeder Track erreicht das Niveau der stärksten Momente, und gelegentlich schleichen sich kleinere Längen ein. Trotzdem überzeugt das Gesamtbild. Wer die Mischung aus Doom-Schwere, Gothic-Melancholie und Death-Metal-Elementen schätzt, bekommt hier ein durchdachtes, stimmiges Werk.
Fazit: DRACONIAN gelingt mit »In Somnolent Ruin« eine solide Veröffentlichung, die die Qualitäten der Band unterstreicht.






