Tracklist
01. Welcome To The Pattern
02. The Shadow Self
03. Architects Of The New Weave
04. The World Is On Fire
05. Heaven
06. The Script
07. Leaving The Emptiness
08. Longing
09. A Burning Flame (Featuring Mikael Stanne)
10. Call Off Your Lions
11. Chains Of Shame
12. The Prophecy
Besetzung
Tom S. Englund – vocals, guitar
Stephen Platt – guitar
Rikard Zander – keyboard
Simen Sandnes – drums
Johan Niemann – bass
Zwischen Dunkelheit und Hoffnung
Seit mehr als drei Jahrzehnten zählen EVERGREY zu den eigenständigsten Vertretern des skandinavischen Progressive-Metal. Die Schweden um Frontmann Tom S. Englund haben sich mit ihrer Mischung aus düsterer Atmosphäre, emotionalen Texten und technisch anspruchsvollem Songwriting einen festen Platz in der internationalen Metalszene erarbeitet. Mit »Architects Of A New Weave« erscheint nun bereits das fünfzehnte Studioalbum der Band über Napalm Records. Die Erwartungen sind entsprechend hoch, schließlich gelang es EVERGREY in den vergangenen Jahren mehrfach, ihre Klangwelt weiterzuentwickeln, ohne ihre Identität zu verlieren.
Ein Album zwischen Schuld, Verlust und Aufbruch
Schon die von der Band beschriebenen Themen lassen erkennen, wohin die Reise geht. »Architects Of A New Weave« beschäftigt sich mit inneren Konflikten, brennenden Welten, Schuldgefühlen und der Suche nach einem Neuanfang. Dabei setzt das Album weniger auf Verzweiflung als auf Widerstandskraft. Die zentrale Botschaft lautet nicht Kapitulation, sondern Veränderung.
Das kurze Instrumentalstück »Welcome To The Pattern« eröffnet die Platte mit cineastischer Atmosphäre und bereitet den Boden für »The Shadow Self«. Hier zeigen EVERGREY sofort ihre bekannten Stärken, schwere Gitarrenriffs treffen auf eingängige Melodien.
Der Titeltrack »Architects Of A New Weave« gehört zu den stärkeren Momenten des Albums. Die Komposition verbindet progressive Elemente mit hymnischen Refrains und vermittelt genau jene Mischung aus Dunkelheit und Hoffnung, die sich durch das gesamte Werk zieht.
Kraftvolle Songs mit vertrauter Handschrift
Musikalisch bleibt die Band ihrem Stil weitgehend treu. Fans der letzten Veröffentlichungen werden sich sofort zu Hause fühlen. Die Gitarrenarbeit von Tom S. Englund und Stephen Platt überzeugt durch geschmackvolle Leads und druckvolle Rhythmusarbeit. Gleichzeitig sorgen die Keyboards von Rikard Zander für jene atmosphärischen Klangflächen, die seit Jahren ein wichtiger Bestandteil des EVERGREY-Sounds sind.
»The World Is On Fire« präsentiert sich als einer der härteren Titel des Albums. Das Stück entwickelt eine intensive Dynamik und verbindet moderne Produktion mit klassischen EVERGREY-Merkmalen. Besonders das Zusammenspiel von Schlagzeuger Simen Sandnes und Bassist Johan Niemann erzeugt eine stabile Grundlage, auf der sich die Songs entfalten können.
Mit »Heaven« und »The Script« folgen zwei Stücke, die stärker auf emotionale Tiefe setzen. Hier steht weniger die technische Komplexität im Vordergrund als vielmehr die Stimmung. Die Band beweist erneut, dass sie ein besonderes Gespür für melancholische Melodien besitzt, ohne dabei ins Kitschige abzurutschen.
Emotionale Höhepunkte und prominente Unterstützung
Zu den interessantesten Momenten gehört »A Burning Flame«, bei dem mit Mikael Stanne ein prominenter Gast zu hören ist. Der Sänger von Mikael Stanne ergänzt Englunds Gesang hervorragend. Die unterschiedlichen Stimmfarben verleihen dem Song zusätzliche Intensität und machen ihn zu einem der Höhepunkte der Platte.
Auch »Leaving The Emptiness« und »Longing« zeigen die emotionale Seite der Schweden. Gerade in diesen ruhigeren Passagen wird deutlich, weshalb EVERGREY über die Jahre eine derart treue Fangemeinde aufgebaut haben. Die Band versteht es, persönliche Themen glaubwürdig und nachvollziehbar zu transportieren.
Mit »Call Off Your Lions« und »Chains Of Shame« nimmt das Album anschließend wieder Fahrt auf. Beide Songs verfügen über starke Refrains und erinnern stellenweise an die erfolgreichsten Werke der jüngeren Bandgeschichte.
Starke Atmosphäre, aber wenige Überraschungen
Trotz vieler gelungener Mompositionen bleibt ein kleiner Kritikpunkt bestehen. »Architects Of A New Weave« ist zweifellos ein solides EVERGREY-Album, wagt jedoch nur selten größere Experimente. Die Band bewegt sich häufig innerhalb ihres bewährten Klangkosmos. Das sorgt zwar für Qualität und Wiedererkennungswert, nimmt dem Werk aber etwas von jener Überraschungskraft, die frühere Veröffentlichungen gelegentlich auszeichnete.
Der abschließende Song »The Prophecy« fasst die Stärken des Albums nochmals zusammen. Atmosphärische Keyboards, kraftvolle Gitarren und ein emotionaler Gesang bilden einen würdigen Schlusspunkt für eine Platte, die vor allem durch ihre dichte Stimmung überzeugt.
Mit »Architects Of A New Weave« liefern EVERGREY ein weiteres starkes Kapitel ihrer langen Karriere ab. Die Schweden verbinden Progressive-Metal, Power-Metal und emotionale Tiefe zu einem Werk, das sowohl alte Fans als auch Neueinsteiger ansprechen dürfte. Zwar fehlen die ganz großen Überraschungen, doch die Qualität des Songmaterials, die starke Produktion und die unverwechselbare Handschrift der Band sorgen für ein durchgehend hohes Niveau.
Das Album zeigt eine erfahrene Band, die genau weiß, worin ihre Stärken liegen. Wer düsteren, melodischen und emotional aufgeladenen Progressive-Metal schätzt, wird hier zahlreiche überzeugende Momente finden.
Fazit: »Architects Of A New Weave« ist ein starkes, atmosphärisch dichtes Werk, das die kreative Kraft von EVERGREY erneut unter Beweis stellt.






