Tracklist
01. Intro
02. Make Me Evil
03. Bedeviled Witch
04. Neckwrecker
05. Hellbound
06. How Often?
07. Monster
08. Tarot
09. Hostiles
10. Fortress
11. She
Besetzung
Nadine „Danger Dine“ Beise – Gesang
Sebastian „Iron“ Daschke – Gitarre
Matti Massaker – Gitarre
T-Moe Terror – Bass
Zaske – Schlagzeug
Space Parasites gehören zu jenen Bands, die Heavy Metal und Thrash Metal nicht künstlich modernisieren müssen, um frisch zu wirken. Auf »Make Me Evil« setzen die Berliner auf klare Riffs, hohes Tempo, klassische Soli, druckvolle Grooves und eine Frontfrau, die dem Material einen deutlichen Wiedererkennungswert gibt. Das Album wirkt nicht wie eine nostalgische Stilübung, sondern wie eine Band, die ihre Einflüsse kennt und daraus ein kompaktes, spielfreudiges Metal-Album formt.
Thematisch bewegt sich »Make Me Evil« zwischen dunklen Legenden, innerem Verfall, Täuschung, Rache, Wahnsinn und persönlicher Bedrohung. Vollständige Songtexte sind online nicht belastbar verfügbar, weshalb die Interpretation hier nicht auf Zitaten, sondern auf den offiziellen Themenangaben, den Songtiteln und dem musikalischen Kontext basiert. Die Platte zeichnet dabei kein plattes Horrorbild, sondern arbeitet mit einer wiederkehrenden Hexen- und Fluchsymbolik, die besonders durch den Gesang von Nadine „Danger Dine“ Beise getragen wird.
KLASSISCHER HEAVY METAL MIT THRASH SCHMIEDUNG
Nach dem kurzen »Intro« steigt der Titelsong »Make Me Evil« direkt in die eigentliche Marschrichtung ein. Die Band verzichtet auf Umwege und setzt früh auf Druck, saubere Gitarrenarbeit und eine Stimme, die nicht einfach nur aggressiv sein will, sondern eine Rolle innerhalb des Albums übernimmt. Danger Dine singt rau, giftig und bewusst kantig. Das ist kein klassischer Schönklang, sondern ein kontrollierter Angriff, der zur dunklen Grundstimmung des Albums passt.
Musikalisch fällt sofort auf, dass Space Parasites als Einheit funktionieren. Die Gitarren von Sebastian „Iron“ Daschke und Matti Massaker greifen eng ineinander, ohne sich gegenseitig den Platz zu nehmen. Das Riffing bleibt traditionell, aber nicht steif. Gerade die Mischung aus Heavy-Metal-Führung, thrashigem Zugriff und eingängigen Songstrukturen gibt der Platte ihren Reiz.
DIE GITARRENARBEIT TRÄGT DAS ALBUM
»Bedeviled Witch« gehört zu den zentralen Stücken der Platte. Hier zeigt sich sehr deutlich, warum das Gitarrenduo zu den Stärken der Band zählt. Die Riffs sind schnell, griffig und live-tauglich, die Soli sitzen songdienlich und wirken nicht wie nachträglich eingebaute Fingerübungen. Das Stück baut Tempo auf, ohne an Übersicht zu verlieren, und verbindet klassischen Thrash-Druck mit melodischem Heavy-Metal-Verständnis.
Auch »Neckwrecker« macht seinem Titel musikalisch alle Ehre, ohne bloß auf stumpfe Härte zu setzen. Der Song lebt von präzisem Timing, einem guten Gespür für Aufbau und dem Zusammenspiel aus Rhythmusgruppe und Gitarren. T-Moe Terror hält am Bass den unteren Bereich stabil und hörbar präsent, während Zaske am Schlagzeug die Nummer mit sehr direktem, aber kontrolliertem Spiel nach vorne bringt.
TEMPO, GROOVE UND HANDWERK
Mit »Hellbound« ziehen Space Parasites das Tempo weiter an. Hier steht weniger der Refrain als der instrumentale Zug im Vordergrund. Besonders die Leadgitarren bekommen mehr Raum und zeigen, dass die Band ihre klassischen Metal-Wurzeln nicht versteckt. Die Soli haben Substanz, bleiben aber in den Songs verankert. Genau darin liegt eine Stärke von »Make Me Evil«: Die Musiker können spielen, aber sie verlieren das Songwriting nicht aus den Augen.
»Monster« setzt später noch stärker auf Wechsel im Rhythmus und profitiert besonders vom Schlagzeug. Zaske spielt nicht einfach nur schnell, sondern setzt Akzente, verschiebt die Energie und hält auch die härteren Passagen präzise zusammen. Das gibt dem Album mehr Dynamik, als man bei einem reinen Geradeaus-Thrash-Album erwarten würde.
EINE ANDERE SEITE DER BAND
»How Often?« ist der auffälligste Bruch im Albumfluss. Die Nummer fährt das Tempo zurück und gibt dem Gesang mehr Raum. Gerade hier zeigt Danger Dine, dass sie nicht nur als aggressive Frontfrau funktioniert. Ihre Stimme bekommt mehr Tiefe und eine rauere Emotionalität, ohne in glatte Balladenroutine abzurutschen. Der Song behandelt, soweit sich aus Kontext und verfügbaren Hinweisen ableiten lässt, eher persönliche Themen wie Loslassen, innere Erschöpfung und emotionale Grenzerfahrungen.
Dass »How Often?« im Gesamtbild etwas heraussticht, ist kein Nachteil. Im Gegenteil: Der Track verhindert, dass sich das Album ausschließlich über Tempo und Riffdruck definiert. Nicht jeder Hörer wird diesen Einschub gleich stark gewichten, aber für die Dramaturgie der Platte ist er wichtig. Er zeigt, dass Space Parasites auch dann funktionieren, wenn sie den Fuß kurz vom Gas nehmen.
ZWISCHEN OCCULT-FLAIR UND THRASH-DIREKTHEIT
»Tarot« bringt anschließend wieder mehr klassischen Thrash-Drive ins Spiel. Der Song wirkt bewusst traditionell, aber nicht altbacken. Die Rhythmuswechsel sind sauber gesetzt, die Gitarren arbeiten mit klarer Linie, und die Band trifft den Punkt zwischen Nostalgie und Energie. Hier merkt man, dass Space Parasites ihre Vorbilder nicht nur kennen, sondern auch verstanden haben, warum diese Musik funktioniert.
»Hostiles« schlägt in eine ähnlich direkte Richtung. Der Song setzt auf Angriff, Groove und klare Kante. Besonders stark ist hier, wie sich Bass und Drums unter die Gitarren legen. Die Rhythmusgruppe bleibt nicht bloß Begleitung, sondern gibt dem Song den nötigen Druck. Das macht die Platte insgesamt angenehm kompakt: Selbst wenn die Gitarren im Vordergrund stehen, klingt die Band nie dünn.
STARKER SCHLUSSSPURT
Mit »Fortress« gelingt Space Parasites einer der stärkeren späten Album-Momente. Der Song bringt mehr Heavy-Groove ins Spiel und öffnet den Sound ein wenig, ohne die Härte zu verlieren. Die Gitarrenarbeit bleibt erneut stark, die Produktion gibt den Riffs genug Schärfe, und der Refrain besitzt eine gute Eingängigkeit. Hier wirkt die Band besonders geschlossen.
Der Abschluss »She« fügt sich gut in das Hexen- und Fluchmotiv des Albums ein. Die Nummer wirkt etwas atmosphärischer, bleibt aber klar im Heavy-/Thrash-Kontext. Gerade durch den Gesang bekommt der Song eine eigene Farbe. Danger Dine dominiert das Stück nicht durch Lautstärke allein, sondern durch Präsenz. Ihre Stimme polarisiert sicher, aber sie ist einer der Gründe, warum Space Parasites nicht wie eine austauschbare Retro-Thrash-Band klingen.
PRODUKTION UND BANDGEFÜGE
Die Produktion von Martin Buchwalter im Gernhart Studio ist druckvoll, klar und passend rau. Die Platte klingt nicht steril, aber auch nicht verwaschen. Die Gitarren haben Biss, der Bass bleibt im Gesamtbild stabil, die Drums drücken ordentlich, und der Gesang sitzt weit genug vorne, um den Charakter der Band zu tragen.
Besonders positiv fällt auf, dass »Make Me Evil« trotz klassischer Ausrichtung nicht wie ein reines Zitat alter Thrash-Schule wirkt. Die Band schreibt Songs, keine Stilkopien. Die Refrains sind greifbar, die Soli haben Sinn, die Rhythmik bleibt lebendig. Das ist genau jener Bereich, in dem guter traditioneller Metal heute funktionieren kann: nicht modern um jeden Preis, aber auch nicht museal.
KLEINE KRITIKPUNKTE
Ganz ohne Abzüge kommt »Make Me Evil« nicht davon. Einzelne Passagen bewegen sich sehr nah an bekannten Heavy-/Thrash-Mustern, und nicht jeder Song setzt einen gleich starken eigenen Akzent. Außerdem wird der Gesang nicht jeden Hörer sofort abholen. Danger Dine hat eine markante, kratzige und theatralisch aggressive Stimme, die hervorragend zum Konzept passt, aber bewusst nicht auf gefällige Eingängigkeit ausgerichtet ist.
Gerade das ist allerdings auch Teil der Identität der Band. Wo andere Acts im Genre sauber, aber gesichtslos wirken, haben Space Parasites Ecken. Und diese Ecken tun dem Album gut. »Make Me Evil« ist nicht perfekt, aber es hat Haltung, Energie und eine klare Handschrift.
FAZIT:
»Make Me Evil« ist ein starkes Heavy-/Thrash-Metal-Album, das klassische Metal-Tugenden mit viel Spielfreude, guter Gitarrenarbeit und einer unverwechselbaren Frontstimme verbindet. Space Parasites liefern keine Revolution, aber eine sehr überzeugende Platte, die handwerklich sauber gemacht ist und über weite Strecken richtig Druck entwickelt.
Die stärksten Momente sind »Make Me Evil«, »Bedeviled Witch«, »Neckwrecker«, »Tarot«, »Fortress« und »She«. »How Often?« ist der bewusst andere Moment des Albums und zeigt, dass die Band mehr kann als nur Tempo und Attacke.
Für Fans von klassischem Heavy Metal, deutschem Thrash, eingängigen Riffs, markantem Gesang und Bands, die ihre Songs noch mit echter Gitarrenarbeit nach vorne bringen, ist »Make Me Evil« eine klare Empfehlung. Space Parasites bestätigen hier, dass sie im Underground nicht zufällig Aufmerksamkeit bekommen, sondern musikalisch Substanz, Energie und Charakter mitbringen.






