Tracklist
01. True Lie
02. Hell in Veins
03. Addicted
04. Neurosis Unbound
05. Pain Monopoly
06. Magical Formula
07. Global Cooldown
08. Cold
09. Growing Back Home
Besetzung
Tomáš Skořepa – Guitars, Vocals
Ondřej Šíma – Guitars
Aleš Kostka – Bass
Tomáš Kejkrt – Drums
Band zwischen Tradition und Eigenständigkeit
Die tschechische Formation EXORCIZPHOBIA ist seit 2005 aktiv und stammt aus Trutnov. Über die Jahre hat sich die Band einen festen Platz in der europäischen Thrash-Szene erspielt, ohne sich dabei auf reines Retrodenken zu beschränken. Gitarrist und Sänger Tomáš Skořepa, Gitarrist Ondřej Šíma, Bassist Aleš Kostka und Drummer Tomáš Kejkrt setzen auf Geschwindigkeit, Präzision und eine deutliche Hardcore-Schlagseite. Mit ihrem neuen Album »Neurosis Unbound« erweitern sie dieses Fundament hörbar und gehen dabei spürbar mehr in die Tiefe.
Dunklere Töne, klarer Fokus
Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass »Neurosis Unbound« kein reines „weiter so“ ist. Die Platte wirkt kompakter, dichter und emotional aufgeladener als der Vorgänger »About Us Without Us«. Die Band verschiebt ihren Fokus leicht weg von reiner Aggression hin zu einer Mischung aus Druck, Melancholie und unterschwelliger Unruhe.
Der Opener »True Lie« legt direkt los, ohne Umwege, klassischer Thrash in hohem Tempo, scharf geschnittene Riffs, ein treibender Beat. Doch bereits hier blitzen Momente auf, die mehr wollen als bloße Energie. Kleine Breaks, rhythmische Verschiebungen und ein Gespür für Atmosphäre ziehen sich durch den Song.
Zwischen Härte und Nachdenklichkeit
Mit »Hell in Veins« und »Addicted« bleibt die Band zunächst auf vertrautem Terrain. Hier dominieren Tempo und Direktheit, gepaart mit einer deutlichen Hardcore-Kante. Gerade »Addicted« lebt von seinem fast schon punkigen Vorwärtsdrang.
Interessant wird es mit dem Titelsong »Neurosis Unbound«. Der Track wirkt strukturierter, fast schon erzählerisch. Die Gitarren arbeiten weniger rein rifforientiert, sondern schaffen Spannungsbögen. Dazu kommt ein Gesang, der zwischen aggressivem Shouting und kontrollierter Zurücknahme pendelt. Hier zeigt sich am deutlichsten, wohin die Reise geht, mehr Tiefe, mehr Kontrast.
Produktion mit Gewicht
Aufgenommen wurde das Album im Golden Hive Studio in Prag unter der Leitung von Produzent und Sound Engineer Amak Golden, der unter anderem mit KILLING JOKE und HIGH ON FIRE gearbeitet hat. Diese Erfahrung hört man. Der Sound ist druckvoll, aber nicht überladen. Jede Spur hat ihren Platz, ohne steril zu wirken.
Die Gitarren schneiden klar durch den Mix, der Bass bleibt präsent und gibt den Songs Substanz, während das Schlagzeug organisch und direkt klingt. Besonders auffällig ist, wie gut die leiseren Momente integriert sind. Sie wirken nicht wie Fremdkörper, sondern als bewusste Gegenpole zur Härte.
Zweite Albumhälfte mit mehr Mut
Mit »Pain Monopoly« und »Magical Formula« beginnt die zweite Hälfte, die sich als abwechslungsreicher erweist. Hier traut sich die Band mehr, spielt mit Dynamik und Tempo. Gerade »Magical Formula« überrascht mit einem leicht experimentellen Ansatz, ohne die Wurzeln zu verlassen.
»Global Cooldown« gehört zu den stärkeren Tracks der Platte. Der Song verbindet Groove mit Druck und bleibt sofort hängen. Ein Beispiel dafür, wie EXORCIZPHOBIA ihre Stilmittel weiterentwickeln, ohne ihre Identität aufzugeben.
»Cold« fährt das Tempo spürbar zurück und setzt stärker auf Atmosphäre. Die Melancholie, die sich durch das Album zieht, tritt hier besonders deutlich hervor. Das Finale »Growing Back Home« wirkt fast schon reflektierend, ein ruhigerer Abschluss, der die vorherige Intensität in einen anderen Kontext stellt.
Entwicklung statt Stillstand
Was »Neurosis Unbound« auszeichnet, ist weniger die einzelne Hitsingle als das Gesamtbild. Die Band denkt ihre Musik weiter, ohne sich zu verbiegen. Thrash-Metal bildet nach wie vor das Rückgrat, ergänzt durch Hardcore-Einflüsse und eine gewisse Schwere, die an alternative Sounds der 90er erinnert.
Diese Mischung funktioniert nicht immer perfekt. Einige Passagen wirken etwas zu vorsichtig, fast so, als wolle man nichts überstürzen. Gerade Fans der kompromisslosen Frühphase könnten sich stellenweise mehr Biss wünschen.
»Neurosis Unbound« ist ein Album, das sich Zeit nimmt und genau das auch vom Hörer verlangt. Es bietet keine einfache Dauerbeschallung, sondern lebt von Nuancen und Stimmungen. EXORCIZPHOBIA zeigen hier eine Band, die sich nicht mit dem Erreichten zufriedengibt.
Mit einer Bewertung von 3,5 von 5 bleibt ein Eindruck, der zwischen Respekt und leichter Zurückhaltung schwankt. Die Qualität ist unbestritten, die Entwicklung hörbar. Der letzte Schritt zur völligen Überzeugung fehlt noch, aber der Weg dorthin ist klar erkennbar.
Fazit: »Neurosis Unbound« zeigt eine Band, die sich weiterentwickelt hat, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen.






