Band: EYE OF MELIAN 🇳🇱
Herkunft: Niederlande / internationales Projekt
Titel: „Forest Of Forgetting“
Label: Napalm Records
VÖ: 20.02.2026
Genre: Symphonic Fantasy / Neoklassik / Folk

Tracklist

  1. Of Willows and Shadows
  2. Symphonia Arcana
  3. Child of Twilight
  4. Elixir of Night
  5. Blackthorn Winter
  6. Lady of Light
  7. Dawn of Avatars
  8. Forest of Forgetting
  9. The Buried Well
  10. The Mirror
  11. Nepenthe
  12. Tears of the Dragon

Besetzung

Martijn Westerholt – Piano, Komposition
Johanna Kurkela – Gesang, Violine
Mikko Mustonen – Orchestrierung
Robin LaJoy – Texte, Backing Vocals

Gastmusiker:
Patty Gurdy – Gesang, Drehleier
Troy Donockley – Holzblasinstrumente

Bewertung:

3/5

Mit „Forest Of Forgetting“ bewegen sich Eye Of Melian bewusst fernab klassischer Metal-Koordinaten. Hinter dem Projekt stehen Martijn Westerholt und Johanna Kurkela, ergänzt von Mikko P. Mustonen und Robin La Joy. Dazu kommen auf einzelnen Stücken noch Patty Gurdy und Troy Donockley, während mit „Tears of the Dragon“ sogar eine Neuinterpretation eines Bruce Dickinson-Songs auf dem Album gelandet ist. Schon diese Eckdaten machen klar, dass hier nicht die Abrissbirne geschwungen wird, sondern eher ein cineastischer, märchenhafter Klangkosmos aufgebaut werden soll.

Sanfte Klänge statt metallischer Härte

Bereits der Opener „Of Willows and Shadows“ zeigt sehr deutlich, wohin die Reise geht. Statt auf Gitarrenwucht oder metallische Härte setzen Eye Of Melian auf ein fein austariertes Zusammenspiel aus Piano, orchestralen Flächen und einer sehr sanften, fast entrückten Gesangsperformance. Die Produktion klingt dabei offen, weich und detailreich. Nichts drängt sich unangenehm in den Vordergrund, vielmehr fließt hier alles ineinander, als wolle die Band den Hörer nicht packen, sondern langsam in diesen Wald hineinziehen. Das funktioniert erstaunlich gut, denn die Atmosphäre ist von Beginn an greifbar.

Epik, Atmosphäre und feine Melodien

Auch „Symphonia Arcana“ und „Child of Twilight“ gehören zu den stärkeren Momenten der Platte. Hier gewinnt das Album etwas mehr Profil, weil die Arrangements größer atmen und sich die Melodien stärker ins Gedächtnis schieben. Vor allem „Symphonia Arcana“ trägt eine angenehme Erhabenheit in sich, ohne ins Kitschige zu kippen. Das Stück baut seine Spannung sauber auf und zeigt, dass Eye Of Melian sehr wohl wissen, wie man epische Wirkung erzeugt, ohne dafür Lautstärke oder Härte zu brauchen. „Child of Twilight“ bringt zusätzlich eine leichte folkige Färbung hinein, die dem Album gutsteht und ihm etwas mehr Bewegung verleiht.

Gesang als Stärke und kleiner Schwachpunkt

Ein zentrales Element des Albums bleibt der Gesang von Johanna Kurkela. Ihre Stimme passt grundsätzlich hervorragend zu diesem ätherischen, beinahe schwerelosen Sound. Sie singt nicht gegen die Musik an, sondern schwebt durch sie hindurch. Genau darin liegt aber auch ein kleiner Schwachpunkt. Denn so schön und elegant ihr Vortrag auch ist, ihm fehlt in manchen der größeren Momente etwas Nachdruck. Wo die Arrangements eigentlich nach mehr Drama, mehr Wucht oder zumindest nach einem stärkeren emotionalen Höhepunkt verlangen, bleibt der Gesang mitunter zu zurückhaltend. Das macht „Forest Of Forgetting“ zwar nie schwach, aber gelegentlich etwas zu gleichförmig.

Wenn Gastmusiker neue Farben ins Spiel bringen

Besonders interessant wird es immer dann, wenn zusätzliche Klangfarben ins Spiel kommen. „Elixir of Night“ und vor allem „Dawn of Avatars“ profitieren hörbar von den Gastbeiträgen von Patty Gurdy und Troy Donockley. Diese Momente geben dem Album mehr Kontur und sorgen dafür, dass der verträumte Grundton nicht in zu viel Gleichmaß kippt. Gerade „Dawn of Avatars“ besitzt eine sehr schöne Balance aus Weite, Mystik und melodischer Eingängigkeit. Hier wirkt das Material am lebendigsten, fast so, als würde der Wald für einen Moment nicht nur flüstern, sondern tatsächlich sprechen.

Schöne Welt, aber nicht jeder Song bleibt hängen

In der zweiten Hälfte zeigt sich dann allerdings auch die größte Schwäche des Albums. Stücke wie „Lady of Light“, „Forest of Forgetting“, „The Buried Well“ und „The Mirror“ sind allesamt stimmungsvoll, sauber arrangiert und klanglich schön ausformuliert, setzen aber nur selten echte Widerhaken. Man hört ihnen gerne zu, doch nicht jeder Song hinterlässt eine klar konturierte eigene Identität. Das ist bei dieser Art von Musik nicht völlig überraschend, fällt hier aber dennoch auf. Eye Of Melian bauen eine wunderschöne Welt auf, verlieren dabei jedoch stellenweise ein wenig den Blick dafür, dass auch in einem verzauberten Wald nicht jeder Baum gleich aussehen sollte.

Ein stimmiger Abschluss

Der Abschluss mit „Tears of the Dragon“ funktioniert dagegen sehr ordentlich. Statt den dramatischen Charakter des Originals eins zu eins übernehmen zu wollen, überführen Eye Of Melian den Song konsequent in ihre eigene Klangsprache. Dadurch wirkt das Cover nicht aufgesetzt, sondern fügt sich erstaunlich schlüssig in das Album ein. Auch „Nepenthe“ als kurzer, fast entrückter Vorlauf zum Finale unterstützt diesen Eindruck. Das Ende der Platte hat damit noch einmal eine eigene Ruhe und Würde, die zum Gesamtkonzept passt.

Atmosphäre mit kleinen Abstrichen

„Forest Of Forgetting“ ist kompakt zusammengefasst; ein schönes, sehr stimmungsvolles Album, das seine Stärken klar in Atmosphäre, Arrangement und Klangästhetik hat. Wer hier nach Metal im engeren Sinn sucht, wird vermutlich eher ratlos im Unterholz stehen. Wer aber ein Faible für symphonische Fantasy-Klangwelten, neoklassische Eleganz und ruhige, cineastische Musik hat, bekommt ein Werk, das viel Liebe zum Detail erkennen lässt. Es fehlt stellenweise an markanter Zuspitzung und an etwas mehr Eigenprofil in der zweiten Hälfte, doch die Qualität des Songwritings und die dichte Stimmung tragen das Album trotzdem sicher.

Insgesamt reicht es für 3,5 von 10 Punkten – klangschön, verträumt und atmosphärisch stark, aber nicht jeder Moment bleibt dauerhaft im Gedächtnis.

Fazit: Eye Of Melian liefern mit „Forest Of Forgetting“ ein Album ab, das weniger über Härte als über Stimmung funktioniert und gerade dann am stärksten ist, wenn seine märchenhafte Ruhe mit etwas mehr Farbe und Dynamik aufgebrochen wird.

Internet

Eye Of Melian - Forest Of Forgetting

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