Tracklist
01. Disposable – 02:43
02. Lethal Intent – 02:28
03. Dream Breakers – 02:08
04. Chains – 04:09
Besetzung und Produktion
Vasyl Kutsenko – Gesang
Franz Ridder Lopez – Gitarre
Joaquin Berrutti – Gitarre
Aleksandar Mirosavljevic – Bass
Zhenya Shepelskiy – Schlagzeug
Mix und Mastering: Chris Whited, Dead Rabbit Audio
Logo: Choopov
Aus der Asche wachsen kann nur, wer zuvor durchs Feuer gegangen ist. Auf ihrer ersten EP »Bloom In Ashes« machen Meant To Burn aus diesem Gedanken keine gefällige Durchhalteparole, sondern ein knapp zwölfminütiges Druckmittel. Die international besetzte Berliner Formation bündelt Frustration, Wut und das Gefühl, fern der Heimat nach Zugehörigkeit suchen zu müssen, in vier kompakten Deathcore-Songs. Dabei wird nicht lange um Einlass gebeten: Tiefer gestimmte Gitarren, ein massiver Bass, schweißtreibende Doublebass-Arbeit und Vasyl Kutsenkos extreme Stimme treten die Tür gemeinsam ein.
Gegründet wurde Meant To Burn 2024. Noch im selben Jahr stellte die Band mit »Smolder« ihre erste Single vor, 2025 folgte »Numbers«. Die am 10. Juli 2026 veröffentlichte EP führt den dort abgesteckten Weg weiter, setzt kompositorisch aber deutlicher auf unvorhergesehene Richtungswechsel und einen progressiven Anstrich. Die Band versteht extremen Metal nicht als klinische Studie. Technik ist hier kein Selbstzweck, sondern ein Druckmittel, mit dem Wut, Enttäuschung und der Wille zur Befreiung körperlich spürbar werden.
Der Titel »Bloom In Ashes« beschreibt das gemeinsame Zentrum der vier Stücke: Aus Verwüstung soll etwas Neues entstehen. Die Texte kreisen um das Gefühl, benutzt und weggeworfen zu werden, um gezielte Zerstörung, zerbrochene Träume und jene Ketten, die Menschen innerlich wie äußerlich festhalten. Das Bild der Blüte in der Asche wirkt deshalb nicht optimistisch im naiven Sinne. Hoffnung muss auf dieser EP erst durch Widerstand, Loslassen und Selbsterkenntnis erkämpft werden.
FÜNF MUSIKER, EIN GEMEINSAMER SCHWERPUNKT
Schon die ersten Takte zeigen, wie eng die fünf Musiker zusammenarbeiten. Zhenya Shepelskiy setzt nicht lediglich einen geraden Takt unter die Riffs, sondern führt die Songs mit komplexen Figuren, Doublebass-Salven und genau platzierten Tempowechseln. Aleksandar Mirosavljevic erschafft mit seinem tieftonigen Bass eine solide Grundlage, die den Gitarren zusätzliche Masse verleiht. Gerade in den langsameren Passagen ist der Bass nicht nur zu erahnen, sondern als eigener Puls wahrnehmbar.
Franz Ridder Lopez und Joaquin Berrutti bilden darüber eine fantastisch abgestimmte Gitarrenachse. Ihr Spiel zeichnet sich durch präzise Akkordsetzung, souveräne Rhythmusarbeit und kurze Leadakzente aus. Die Saiteninstrumente bleiben überwiegend tief gestimmt, doch die Band verlässt sich nicht allein auf den Effekt möglichst tiefer Frequenzen. Jaulende Töne, abrupte Einschnitte und kleine harmonische Verschiebungen verhindern, dass die vier Songs zu einer einzigen Breakdowndemonstration verschwimmen.
Vasyl Kutsenko besitzt dazu ein amtliches Organ. Zwischen tiefen Growls, gutturaler Schärfe und höheren Attacken bleibt seine Darbietung kontrolliert und ausdrucksstark. Auf »Chains« kommen zudem klare Gesangspassagen hinzu, die nicht als kommerzielles Zugeständnis wirken, sondern die düstere Stimmung um eine verwundbarere Ebene erweitern. Kutsenko überzeugt damit ebenso wie die übrigen Bandmitglieder, weil er Härte nicht mit Gleichförmigkeit verwechselt.
DISPOSABLE: HIER WERDEN KEINE GEFANGENEN GEMACHT
»Disposable« zeigt direkt, dass Meant To Burn keine Gefangenen machen. Auf schweißtreibenden Drums mit ausgeprägtem Doublebass-Charakter fasst die Band die Sache nicht zart an. Zu Beginn des Arrangements stehen Shepelskiy mit seinem komplexen und druckvollen Spiel sowie Mirosavljevic, dessen Bass ein schweres Fundament erschafft. Die tief gestimmten Gitarren verbinden sich damit zu einer fantastischen Grundlage, die von präziser Rhythmik, wechselnden Akzenten und kontrolliert gesetzten Leads lebt.
Fast schon progressiv fällt die musikalische Darbietung aus. Meant To Burn bauen den Song nicht um einen einzigen Breakdown herum, sondern verschieben mehrfach die Gewichte. Kurze Beschleunigungen, gebremste Grooves und scharf gesetzte Einschnitte halten das Stück in Bewegung. Trotz seiner Komplexität wirkt »Disposable« nicht verkopft. Jede technische Figur verstärkt den unmittelbaren Ausdruck und lässt die kaum drei Minuten wie einen konzentrierten Ausbruch erscheinen.
Inhaltlich beschäftigt sich der Auftakt mit dem Gefühl, für andere austauschbar und nach Gebrauch entbehrlich zu sein. Der Text lässt sich als Abrechnung mit Menschen und Strukturen verstehen, die Nähe nur so lange gewähren, wie sie daraus einen Vorteil ziehen. Entscheidend ist jedoch der Perspektivwechsel: Die erfahrene Abwertung wird nicht zum endgültigen Urteil über den eigenen Wert. Loslassen und der Weg aus der Dunkelheit werden zu einem Akt der Selbstbehauptung. So trägt bereits der erste Song den Gedanken des EP-Titels in sich – aus dem emotionalen Schutt soll etwas Widerstandsfähigeres wachsen.
LETHAL INTENT: DER NÄCHSTE TÖDLICHE SCHLAG
Schwermütig und progressiv folgt der nächste tödliche Schlag. »Lethal Intent« kommt zunächst in gemäßigterem Tempo aus den Boxen, bevor das Stück im mittleren Bereich mächtig reinhaut. Meant To Burn liefern hier eine weitere Kostprobe aus ihrem düsteren Klangkosmos und ziehen den Zuhörer tiefer in ihr Reich. Unerwartete Wendungen verleihen dem Song beinahe avantgardistische Züge, während der druckvolle Sound unter die Haut geht.
Besonders überzeugend ist die Geduld, mit der die Band Spannung aufbaut. Die Gitarren stellen zunächst eine schwere, bedrohliche Figur in den Raum, das Schlagzeug verdichtet sie schrittweise und Kutsenko setzt seine Stimme wie eine zusätzliche Schlagwaffe ein. Wenn die Rhythmusgruppe schließlich geschlossen nach vorne stößt, entsteht keine ungeordnete Lärmwand. Jeder Akzent sitzt, und selbst die sperrigeren Übergänge behalten eine erkennbare Richtung.
Der Titel bezeichnet eine Absicht, deren Ziel nicht bloß Verletzung, sondern vollständige Vernichtung ist. Entsprechend lässt sich der Text als Auseinandersetzung mit gezielter Bosheit und jener Form von Gewalt lesen, die nicht aus einem unkontrollierten Augenblick entsteht, sondern bewusst vorbereitet wird. Die lyrische Direktheit passt zur Musik: Meant To Burn beschönigen die Bedrohung nicht, sondern machen ihre Kälte hörbar. Die Band haut ein Brett nach dem anderen raus und zieht ihre Linie konsequent durch Heavyness und Direktheit.
DREAM BREAKERS: WENN VERTRAUEN ZERFÄLLT
Der progressive Aspekt ist auch bei »Dream Breakers« unverkennbar. Bass und Gitarren werfen eine einheitliche, aber keineswegs simple Rhythmusstruktur heraus, während das Schlagzeug mit komplexen Verschiebungen arbeitet. Jaulende Gitarren setzen hier und da Akzente. Stets tief gestimmt und mit einem Sound versehen, der den Zuhörer aus den Latschen kippt, zeigt die Band mit Fingerfertigkeit, aus welchem Holz sie geschnitzt ist – und klopft mit einigen Schnörkeln im Arrangement ordentlich aufs Schnitzel.
Mit 2:08 Minuten ist »Dream Breakers« der kürzeste Titel der EP. Trotzdem wirkt das Stück nicht wie ein Fragment. Meant To Burn verdichten ihre Ideen nur radikaler als zuvor. Die Riffs greifen unmittelbar ineinander, die Vocals halten den emotionalen Pegel hoch und die rhythmischen Brüche vermitteln das Gefühl, dass unter den Füßen jederzeit der Boden nachgeben könnte. Diese Produktion ist nichts für sanfte Gemüter.
Der Text beschreibt den Schock, der eintritt, wenn vertraute Vorstellungen an der Wirklichkeit zerbrechen. Das lyrische Ich erkennt, wie naiv die Hoffnung auf ein einfaches Gegenmittel gegen Verblendung und Enttäuschung gewesen ist. Die titelgebenden Traumzerstörer stehen dabei nicht nur für einzelne Personen. Sie können ebenso für gesellschaftliche Kräfte gelesen werden, die Hoffnung systematisch abnutzen und Menschen ihre Zukunftsvorstellungen nehmen. Aus Resignation wird jedoch erneut Widerstand: Die Erkenntnis schmerzt, verhindert aber, dass die alte Täuschung weiterbesteht.
CHAINS: KLARE STIMME IM DUNKELSTEN MOMENT
Dramatische Gitarrenflächen empfangen den Zuhörer beim abschließenden »Chains«. Der Song kommt zunächst so wuchtig und brutal aus den Boxen wie seine Vorgänger, schleudert dann im zügigen Tempo nach vorne und zeigt Meant To Burn erneut als starke Komponisten und Songwriter. Mit mehr als vier Minuten erhält das Finale deutlich mehr Raum als die übrigen Stücke. Die Band nutzt ihn für eine sorgfältig ausgearbeitete Dramaturgie statt für eine bloße Wiederholung der bekannten Stilmittel.
Hier gibt es erstmals in größerem Umfang klaren Gesang anstelle der gewohnt fantastischen Growls. Diese Abwechslung tut der EP gut. Kutsenkos cleanere Stimme nimmt der Musik nicht ihre Schwere, sondern macht die innere Seite des Konflikts sichtbarer. Der Wechsel zwischen melodischen Passagen und gutturalen Ausbrüchen wirkt wie ein Ringen zwischen Verwundbarkeit und Gegenwehr. Dazu bauen die Gitarren eine düstere Fläche auf, während Bass und Schlagzeug den Song mit kontrollierter Wucht zusammenhalten.
Die Ketten des Titels stehen sinnbildlich für Bindungen, Abhängigkeiten und innere Blockaden, die über lange Zeit zur vermeintlichen Normalität werden können. Der Song handelt damit weniger von einer plötzlichen Flucht als von dem schmerzhaften Bewusstsein, überhaupt gefesselt zu sein. Erst diese Erkenntnis ermöglicht Befreiung. »Chains« führt den Grundgedanken von »Bloom In Ashes« folgerichtig zu Ende: Wachstum beginnt nicht mit dem Verdrängen der Zerstörung, sondern mit dem Versuch, ihre Folgen abzustreifen.
DRUCKVOLL, ABER NICHT VOLLSTÄNDIG OHNE REIBUNG
Chris Whited verleiht der EP im Mix und Mastering bei Dead Rabbit Audio einen modernen, druckvollen Klang. Die Doublebass bleibt auch unter den tiefen Gitarren deutlich, der Bass füllt den unteren Frequenzbereich und die Vocals stehen aggressiv vor der Instrumentalwand. Trotz der hohen Dichte lassen sich die rhythmischen Einschnitte gut verfolgen. Besonders »Chains« profitiert davon, dass klare und extreme Stimmen ihren eigenen Platz erhalten.
Ganz ohne kleine Schwächen bleibt »Bloom In Ashes« nicht. Die ersten drei Stücke liegen klanglich und in ihrer kompakten Angriffslust sehr nah beieinander. Die progressiven Wendungen sorgen zwar für Bewegung, doch ein stärkerer melodischer Kontrast vor dem Finale hätte der Dramaturgie zusätzliche Tiefe gegeben. Außerdem ist die EP nach weniger als zwölf Minuten bereits vorbei. Das schützt vor Leerlauf, lässt einige interessante Gitarrenideen aber enden, bevor sie ihre volle Wirkung entfalten können.
Gerade deshalb besitzt »Chains« eine wichtige Funktion. Der längere Aufbau und die klaren Vocals öffnen den bis dahin eng geführten Klangraum. Künftig dürfte die Band diesen Kontrast gerne früher und noch mutiger einsetzen. Die Grundlage dafür ist vorhanden: Meant To Burn haben genug technische Klasse, rhythmische Präzision und kompositorische Vorstellungskraft, um ihren Deathcore über die üblichen Genreformeln hinauszuführen.
FAZIT:
Mit »Bloom In Ashes« legen Meant To Burn eine kurze, aber äußerst druckvolle Debüt-EP vor. Die international besetzte Berliner Band verbindet tief gestimmten Deathcore, wuchtigen Groove und progressive Wendungen zu vier Stücken, die Wut nicht bloß ausstellen, sondern kompositorisch formen. Zhenya Shepelskiys bewegliches Schlagzeugspiel und Aleksandar Mirosavljevics satter Bass bilden eine hervorragende Grundlage für die präzisen Gitarren von Franz Ridder Lopez und Joaquin Berrutti. Vasyl Kutsenko überzeugt mit tiefen Growls, gutturaler Schärfe und den wirkungsvoll eingesetzten klaren Stimmen im Finale. Die ähnliche Klangfarbe der ersten drei Songs und die sehr knappe Gesamtlänge verhindern die Höchstwertung. Trotzdem kippt dieser Sound den Zuhörer aus den Latschen und zeigt eine Band, die aus ihrer Wut bereits eine erkennbare eigene Sprache formt. Vier von fünf Punkten.






