cover artwork HEIDEN Cma

Band: HEIDEN 🇨🇿
Titel: Cma
Label: EPIDEMIE Records
VÖ: 24/04/26
Genre: Progressive Black Metal, Post-Rock

Tracklist

01. Odmítám zítřek
02. Temnoplodec
03. Vodě
04. Rozsudek
05. Bílý had
06. Stěna
07. Snažím se najít srdce
08. Svědek
09. Poslední

Besetzung

Einsk – Drums
Tom – Guitars
Werlinga – Keys
kverd – Vocals, Guitar

Bewertung:

3/5

Die tschechischen Klangwanderer von HEIDEN präsentieren mit “Cma” ihr mittlerweile zehntes Album. Es ist ein weiteres Kapitel in einer Diskografie, die von ständigen stilistischen Veränderungen geprägt ist – ein Weg, der die Band durch verschiedene musikalische Räume führte, meist in der Nähe des Black Metal, manchmal aber auch weit davon entfernt.

Komplexer Auftakt zwischen Black Metal und Prog

Atmosphärisch beginnt das Album, bevor „Odmítám zítřek“ in einen direkten Black-Metal-Sound übergeht. Doch einfach ist der Song keineswegs. Nach dem geradlinigen Einstieg entfaltet sich eine komplexe melodische Struktur mit Ausflügen in Post-Metal, melancholischen Momenten und progressiven Einflüssen, während eine nostalgische Note über dem atmosphärischen Black-Metal-Fundament liegt. Vielschichtig und scheinbar in viele Richtungen gedacht, bleibt der Song dennoch bis zum Ende kohärent – ein vielversprechender Beginn.

Aus Brno stammend und 2003 gegründet, haben HEIDEN mit nahezu jedem Album einen stilistischen Schritt in eine andere Richtung gemacht. Begonnen als Black-Metal-Band, entwickelten sie sich zunächst in Richtung Post-Black Metal und Post-Rock, bevor nun progressive Metal-Elemente hinzukommen. Der Gründer des Projekts und einzige konstante Faktor über alle Phasen hinweg ist Sänger und Gitarrist kverd. Nach und nach wurde das aktuelle Line-up komplettiert: Schlagzeuger Einsk, Gitarrist Tom und Keyboarderin Werlinga.

Sehr viel langsamer beginnt „Temnoplodec“ mit einer eindringlichen Keyboardmelodie, die schließlich in einen deutlich schnelleren Abschnitt mit unerbittlichem Schlagzeugspiel übergeht. Auch hier sind progressive Einflüsse spürbar. Der Sound befindet sich in ständiger Bewegung, wirkt dabei jedoch erstaunlich fließend und bleibt trotz aller Veränderungen im Kern im Black Metal verankert.

Vielschichtige Produktion trifft auf schwankendes Songwriting

Die Produktion ist sehr gelungen und schafft es, die unterschiedlichen musikalischen Ebenen der Songs miteinander zu verbinden. Die Instrumente treten mit variierenden Intensitäten hervor und setzen unterschiedliche Akzente, wodurch ein komplexes Gesamtbild entsteht. Fast immer findet sich im Hintergrund ein interessantes Detail von Keyboard oder Leadgitarre. Der Sound wirkt vielschichtig und sorgfältig produziert – die eigentlichen Probleme liegen eher im Songwriting.

Melancholisch und langsam bewegt sich „Vodě“ in stark atmosphärischen Gefilden, jedoch nahezu ohne Black-Metal-Einflüsse. Die Instrumentierung ist minimalistisch, selbst wenn ein unvermeidlicher Tempowechsel erfolgt, bleibt dieser eher ein Akzent innerhalb der melancholischen Struktur. Eine melodische Leadgitarre rückt den Song näher an Post-Metal oder sogar Post-Rock heran, doch wirklich in das restliche Album passt er nicht. „Rozsudek“ hingegen führt die Klanglandschaft näher an Doom Metal heran, mit gesprochenen Passagen und einer intensiven emotionalen Wirkung. Auch dieser Song steht erneut im Kontrast zum Rest des Albums und wirkt noch langsamer und emotionaler. Erst allmählich wird klar, dass genau diese Vielfalt das Album prägt – und dass die ersten beiden Songs eher die Ausnahme darstellen.

Eine überraschend heitere Stimmung bringt „Bílý had“. Experimentelle und avantgardistische Elemente unterstreichen den ungewöhnlichen kompositorischen Ansatz des Albums. Der Bezug zum Metal wirkt hier nur noch vage, dennoch bleibt der Song leidenschaftlich und emotional. „Stěna“ bewegt sich ebenfalls im experimentellen Bereich, entfernt sich jedoch noch stärker vom Black Metal und nähert sich eher leichter, fast poppiger Musik an. Gitarren, vereinzelte Schreie und harte Schlagzeugmomente sind zwar vorhanden, doch Struktur und Melodieführung haben wenig mit klassischer Metal-Ästhetik zu tun.

Die ungewöhnliche musikalische Reise setzt sich mit „Snažím se najít srdce“ fort, das verschiedene Tempos kombiniert und erneut eher an traditionelle, zugängliche Musik erinnert. „Svědek“ versucht anschließend wieder eine Annäherung an Post-Metal mit einer klagenden melodischen Linie und kalter Atmosphäre. Im finalen Stück „Poslední“ verbindet sich eine leichtere musikalische Grundstimmung schließlich mit progressiven Elementen zu einem melodischen, emotionalen Abschluss, der dem Album immerhin einen gelungenen letzten Eindruck verleiht.

Stilistische Zersplitterung prägt das Gesamtbild

Letztlich wirkt das Album stark zersplittert, da nahezu jeder Song in eine andere Richtung geht. Ein klarer stilistischer Faden, der die Stücke zusammenhält, fehlt. Jedes Instrument verfolgt im Verlauf des Albums mehrere unterschiedliche Ansätze, und innerhalb einzelner Songs entstehen zusätzliche Ebenen, die den Klang immer wieder in neue Richtungen treiben. Nach einem starken Auftakt mit den ersten beiden Songs verliert das Album zunehmend seine Orientierung und entwickelt sich zu einer Reihe überraschender, oft seltsamer Wendungen – nicht immer zum Vorteil.

Vielleicht fehlt es schlicht an einer klaren Struktur oder einer kohärenten Vision. Dennoch enthält das Album in seiner eigenwilligen Art durchaus interessante Momente, auch wenn sie selten bleiben und über die Spielzeit verstreut auftreten. Diese einzelnen starken Passagen können jedoch nicht verhindern, dass das Gesamtwerk schwer greifbar und noch schwerer zu genießen bleibt. HEIDEN zeigen erneut, dass sie zu hochwertigen Kompositionen fähig sind, doch ihr Ansatz führt hier zu einer merkwürdigen Mischung: näher an leichter, zugänglicher Musik mit plötzlichen Ausbrüchen von Härte als an Metal mit atmosphärischen Passagen. Das Ergebnis wirkt wie ein bewusst fragmentiertes Konzept – ein Album, das vor allem die eigenwillige, experimentelle Phase der Band widerspiegelt.

Fazit: Viele Ideen und gute Produktion, aber zu wenig stilistische Einheit – HEIDEN verlieren sich auf „Cma“ in zu vielen Richtungen.

Internet

HEIDEN - Cma

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