HELA - A Reign To Conquer - album cover

Band: HELA 🇪🇸
Titel: A Reign To Conquer
Label: ARDUA MUSIC
VÖ: 27/02/26
Genre: Melodic Doom Metal

Tracklist

01. Vessel To Nowhere
02. The Infinite Tower
03. Crystal Bridge
04. Emerald Mirror
05. Architect Of Disorder
06. Nomad

 

Besetzung

Raquel Navarro – Vocals
Julián Velasco – Guitars, fx
Tano Giménez – Bass
Miguel Fernández – Drums

 

Bewertung:

4/5

Ein neuer Anlauf aus Alicante

Die spanische Band HELA gehört zu jenen Gruppen, die sich Zeit nehmen, um ihre musikalische Vision zu schärfen. Ihr viertes Album »A Reign To Conquer« zeigt eine Formation, die genau weiß, wohin sie will. Melodic-Doom-Metal bildet weiterhin das Fundament, doch die Songs wirken größer, mutiger und atmosphärisch dichter als zuvor.

Das Quartett aus Alicante besteht aus Sängerin Raquel Navarro, Gitarrist und Soundtüftler Julián Velasco, Bassist Tano Giménez und Schlagzeuger Miguel Fernández. Gemeinsam verbinden sie klassische Doom-Schwere mit epischen Melodien und einer fast cineastischen Dramaturgie.

Aufgenommen wurde das Album im Red Records Studio in Alicante zusammen mit Produzent Jose Francisco Rojo. Den Mix übernahm Gitarrist Julián Velasco selbst, während das Mastering von Dan Swanö stammt, der bereits mit Bands wie BARREN EARTH, HYPOCRISY, NOVEMBERS DOOM oder NOVEMBRE gearbeitet hat. Seine Handschrift ist deutlich zu hören. Der Sound wirkt warm, weit und zugleich präzise.

Dunkle Melodien mit epischer Weite

Melodic-Doom lebt von Atmosphäre und Geduld. HELA verstehen dieses Prinzip hervorragend. Statt bloßer Schwere setzen sie auf Kontraste. Sanfte Passagen öffnen Räume, bevor massive Gitarrenwände einsetzen.

Raquel Navarros Stimme bildet dabei das emotionale Zentrum. Sie wechselt zwischen klaren, fast folkloristisch wirkenden Linien und dramatischen Höhepunkten, ohne jemals ins Opernhafte abzurutschen. Ihre Performance bleibt greifbar und menschlich, selbst in den größten Momenten.

Gitarrist Julián Velasco arbeitet stark mit Hall, Delay und texturalen Effekten. Dadurch entsteht ein Klangbild, das eher fließt als drückt. Die Riffs tragen Gewicht, doch sie lassen Luft zwischen den Noten. Genau dort entfaltet sich die eigentliche Stimmung des Albums.

Zwischen Mystik und kosmischer Reise

Schon der Opener »Vessel To Nowhere« setzt den Ton. Ein langsamer Aufbau, getragen von melancholischen Gitarrenlinien, mündet in einen hymnischen Refrain. Die Band wirkt sofort fokussiert. Nichts klingt überladen, jede Passage erfüllt ihren Zweck.

»The Infinite Tower« erweitert diese Idee mit progressiven Elementen. Hier zeigt sich, wie souverän HELA mit Dynamik umgehen. Das Schlagzeug arbeitet subtil mit Tempiwechseln, während Bass und Gitarren eine stetig wachsende Spannung aufbauen.

Einer der emotionalen Höhepunkte ist »Crystal Bridge«. Der Song wirkt fast schwebend. Gitarrenharmonien legen sich übereinander, während Navarros Gesang eine melancholische Eleganz entfaltet. Die Band beweist hier, dass Doom nicht nur düster, sondern auch wunderschön sein kann.

Mit »Emerald Mirror« folgt ein Stück, das stärker auf Rhythmus setzt. Die Gitarren bekommen mehr Biss, ohne den melodischen Kern zu verlieren. Der Song wirkt kompakter und zeigt eine etwas aggressivere Seite der Band.

Dramatische Architektur der Songs

Der vielleicht beeindruckendste Titel des Albums ist »Architect Of Disorder«. Hier entfaltet sich HELAs Gespür für große Spannungsbögen besonders deutlich. Langsame Passagen treffen auf eruptive Riffblöcke, während die Stimme immer wieder neue emotionale Farben annimmt.

Der Abschluss »Nomad« funktioniert wie eine epische Reise durch die musikalischen Motive des Albums. Der Song beginnt zurückhaltend, fast meditativ. Nach und nach bauen sich Melodie und Rhythmus auf, bis das Stück in einem kraftvollen Finale endet. Ein perfekter Schlusspunkt.

Produktion mit Tiefe

Der Sound des Albums verdient besondere Erwähnung. Viele Doom-Produktionen setzen auf extreme Schwere. HELA wählen einen anderen Ansatz.

Die Gitarren besitzen Tiefe, ohne alles zu überdecken. Der Bass bleibt deutlich hörbar und sorgt für Wärme im Gesamtbild. Besonders gelungen ist die Balance zwischen Atmosphäre und Klarheit. Die Details der Arrangements gehen nie verloren.

Hier macht sich die Erfahrung von Dan Swanö bemerkbar. Das Mastering verleiht dem Album eine angenehme Breite und eine fast filmische Dimension.

Reife Entwicklung einer Band

Mit »A Reign To Conquer« zeigt HELA, dass sie mehr sind als eine weitere Doom-Band. Ihre Musik lebt von Emotion, Atmosphäre und einer starken melodischen Handschrift.

Besonders die Kombination aus Navarros Stimme und Velascos Gitarrenarbeit sorgt für ein eigenständiges Klangprofil. Dazu kommt ein Rhythmusfundament, das die Songs stabil trägt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Das Album wirkt durchdacht, ohne steril zu klingen. Man hört eine Band, die ihre Ideen ernst nimmt und ihnen Raum gibt, sich zu entfalten. Ein starkes Doom-Album mit großer Atmosphäre, hervorragender Gesangsleistung und einer Produktion, die jede Nuance hörbar macht. HELA liefern hier ihr bislang überzeugendstes Werk ab.

Fazit: HELA’s »A Reign To Conquer« ist ein gelungenes Beispiel für modernen Melodic-Doom-Metal.

Internet

HELA - A Reign To Conquer - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.