Band: Hexorcist 🇺🇸
Titel: Crucificial Imprecations
Label: Invictus Productions / Godz Ov War Productions
VÖ: 31.07.2026
Format: LP / CD / MC / Digital
Genre: Death Metal / Death-Thrash Metal

Tracklist

01. Crucificial Imprecations
02. Defacing Deities
03. Emissary Of Evil
04. Adverse Sacraments
05. Deconsecration
06. Hexorcist
07. Unconsecrated Offerings
08. Exordium Of Profanation

Besetzung

Mors Ululatus – Gesang
Pest – Schlagzeug
Maleferious – Gitarren
Lvctvs – Bass
Trucluentus – Leadgitarre

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Death Metal made in America! Genauer gesagt: aus Miami, Florida, wo der Tod seit den späten Achtzigern bekanntlich nicht in Frieden ruht. Hexorcist führen diese Tradition auf ihrem zweiten Studioalbum »Crucificial Imprecations« allerdings nicht als nostalgische Besichtigungstour fort. Die Band reißt den ursprünglichen Death Metal aus jener Zeit zurück, in der sich Black, Thrash und Death noch gegenseitig die Waffen reichten und kein Mensch über sauber getrennte Untergenres diskutieren musste. Acht Stücke, rund 31 Minuten, kein überflüssiges Vorspiel und kaum eine Gelegenheit zum Durchatmen: Hier regieren messerscharfes Tremolospiel, peitschende Blastbeats, dämonische Soli und die giftige Stimme von Gene Palubicki. Wer unter Old School Death Metal ausschließlich tiefergestimmtes Gerumpel im Schneckentempo versteht, bekommt von Hexorcist eine ausgesprochen deutliche Korrektur dieser Vorstellung verabreicht.

Albumplaylist:

AUS EINEM GESCHEITERTEN NEUSTART WIRD TOTALER TOD

Die Geschichte von Hexorcist begann 2019 mit dem Plan, die frühere Band Devastator wiederzubeleben. Weil sich dafür nicht sämtliche ursprünglichen Mitglieder zusammenbringen ließen, wurde aus der angedachten Wiedervereinigung ein neues Projekt mit einer deutlich anderen musikalischen Ausrichtung. Im Mittelpunkt stand fortan jener ursprüngliche Extrem-Metal-Geist, bei dem sich die Grenzen zwischen Death, Black und Thrash noch fließend verhielten.

Das Demo »Bestiarum Vocabulum« eröffnete 2020 den Feldzug, ehe »Evil Reaping Death« im folgenden Jahr das erste vollständige Album markierte. Weitere Demos und Split-Veröffentlichungen hielten den Namen anschließend im Untergrund präsent. Seit 2022 übernimmt Gene Palubicki unter dem Bandnamen Mors Ululatus den Gesang. Wer sich mit amerikanischem Extreme Metal beschäftigt, kennt ihn durch Angelcorpse, Perdition Temple und Malefic Throne – auch wenn er bei Hexorcist ausnahmsweise nicht die Gitarre bedient.

Fünf Jahre nach dem Debüt erscheint nun »Crucificial Imprecations«. Maleferious und Pest komponierten und arrangierten das Material, während Maleferious sämtliche Texte verfasste. Aufgenommen und gemischt wurde in zwei Etappen im April 2023 sowie im August 2025 bei Fernando „Ferny“ Coipel im Shack North Studio in Hialeah, Florida. Das Mastering übernahm Lvctvs.

KREUZ, OPFER UND VERWÜNSCHUNG

Bereits der Albumtitel kündigt an, dass hier niemand zur versöhnlichen Andacht eingeladen wird. Das Kunstwort »Crucificial« verbindet klanglich Kreuzigung und Opferhandlung, während »Imprecations« Verwünschungen oder Flüche bezeichnet. Gemeinsam mit Titeln wie »Defacing Deities«, »Adverse Sacraments« und »Unconsecrated Offerings« entsteht eine konsequente Umkehrung christlicher Riten und Symbole.

Hexorcist verwenden Blasphemie nicht als humoristische Provokation. Die gesamte Gestaltung wirkt wie eine schwarze Liturgie, deren einzelne Handlungen aufeinanderfolgen: Gottheiten werden entstellt, Sakramente umgekehrt, Opfer entweiht und die Profanierung schließlich feierlich eröffnet. Eingespielte Sprachfragmente und kurze sakrale Klänge markieren einzelne Stationen, ohne die Platte durch ausgedehnte Intros auszubremsen.

Auch Johny Prayogis Artwork und das von Morbid Art entworfene Logo fügen sich nahtlos in diese Ausrichtung ein. Das Erscheinungsbild könnte ebenso gut aus einem vergessenen Stapel amerikanischer oder südamerikanischer Extrem-Metal-Veröffentlichungen um 1990 stammen. Dennoch handelt es sich nicht um eine bloße Retroverkleidung. Bild, Texte und Musik folgen derselben kompromisslosen Idee.

FLORIDA-DEATH, BEVOR ER ZUM MARKENZEICHEN WURDE

Der Begriff Florida Death Metal wird häufig mit technisch perfekten Produktionen, tiefen Gitarren und großen Studios verbunden. Hexorcist gehen einen Schritt weiter zurück. Ihre wichtigsten Bezugspunkte liegen bei der noch ungezähmten Frühphase von Morbid Angel, bei Possessed, Necrovore, Sadistic Intent, Sarcófago und natürlich Palubickis früherer Wirkungsstätte Angelcorpse.

Die Gitarren sind nicht übermäßig tief gestimmt, sondern besitzen einen heißen, bissigen Mittenbereich. Dadurch bleibt jeder schnelle Anschlag verständlich. Maleferious jagt Tremololinien durch abrupt gesetzte Akkorde, thrashige Abwärtsbewegungen und kurze, nahezu bestialische Grooves. Trucluentus legt darüber Soli, die weniger nach sorgfältig polierter Virtuosität als nach einem elektrischen Kontrollverlust klingen. Bends, jaulende Obertöne und der großzügige Einsatz des Tremolohebels erinnern an jene Zeit, in der ein Death-Metal-Solo vor allem gefährlich wirken musste.

Pest liefert dazu keine klinisch ausgerichtete Dauerprüfung. Seine Bassdrum bleibt vergleichsweise natürlich, die Snare schlägt trocken zu und die Becken erzeugen eine ständige Bewegung oberhalb der Gitarren. Blastbeats, schnelle Doublebass-Passagen und kurze Übergangsfiguren greifen eng ineinander. Gerade diese Mischung aus Präzision und scheinbarer Entgleisung verleiht dem Album seine fiebrige Wirkung.

CRUCIFICIAL IMPRECATIONS: KEINE VORWARNUNG, KEINE GNADE

Der Titeltrack eröffnet das Album mit einer kurzen unheilvollen Beschwörung. Lange bleibt es dabei nicht. Stakkatoartige Schläge, scharfes Tremolospiel und ein sofort losbrechendes Solo reißen die Einleitung auseinander. Mors Ululatus steigt mit einem heiseren, giftigen Brüllen ein, das sich deutlich von den inzwischen verbreiteten, extrem tiefen Death-Metal-Growls unterscheidet.

Diese Stimme sitzt zwischen wütendem Bellen, schwarzem Kreischen und rauer Beschwörung. Jede Silbe klingt angegriffen, aber nicht undeutlich. Palubicki nutzt seine Erfahrung, um über den dichtesten Passagen zu stehen, ohne künstlich weit nach vorne gemischt zu werden. Das Resultat erinnert selbstverständlich an Angelcorpse, wirkt innerhalb der anders angelegten Rhythmik von Hexorcist jedoch keineswegs wie eine Wiederholung alter Zeiten.

Schon das erste Stück legt nahezu sämtliche Regeln fest, die für den Rest der Platte gelten. Geschwindigkeit besitzt Vorrang, Riffs werden nicht unnötig wiederholt und jedes Solo soll die vorhandene Unruhe weiter steigern. Einen klassischen Refrain benötigt dieses Material nicht. Wiedererkennungswert entsteht durch markante rhythmische Figuren und die Art, wie einzelne Gitarrenlinien ineinanderstürzen.

DEFACING DEITIES UND EMISSARY OF EVIL: DIE KIRCHE BRENNT

Kirchenorgeln eröffnen »Defacing Deities« und liefern für wenige Augenblicke den erwarteten sakralen Rahmen. Danach wird dieser jedoch nicht atmosphärisch ausgebaut, sondern augenblicklich zerlegt. Die Gitarren schneiden in raschen Bewegungen durch den Song, während Pest kaum eine Lücke zwischen den einzelnen Angriffen lässt.

Besonders stark sind die Leads. Sie kommentieren nicht einfach das Hauptriff, sondern legen eine zweite, noch unruhigere Ebene darüber. Dissonante Biegungen und kreischende Obertöne lassen das Stück deutlich chaotischer erscheinen, als es tatsächlich gespielt ist. Hinter dieser vermeintlichen Raserei steckt ein exakt organisiertes Zusammenspiel.

»Emissary Of Evil« setzt den Angriff mit stärker ausgeprägtem Death-Thrash-Anteil fort. Einige Riffs könnten in verlangsamter Form problemlos auf einer besonders finsteren Thrash-Platte funktionieren. Hexorcist erhöhen jedoch die Geschwindigkeit und versehen sie mit abrupten Richtungswechseln. Der Bass bleibt dabei erfreulich wahrnehmbar und verhindert, dass der gesamte Klang ausschließlich aus Mitten und Beckenrauschen besteht.

ADVERSE SACRAMENTS UND DECONSECRATION: KURZ, BÖSE UND AUF DEN PUNKT

»Adverse Sacraments« gehört zu den geradlinigsten Stücken der Platte. Ein besonders griffiges Riff zieht sich durch den Titel, wird jedoch ständig von kurzen Ausbrüchen und Solofragmenten attackiert. Die Band versteht es ausgezeichnet, einen wiedererkennbaren Kern zu schaffen, ohne das Tempo für einen gewöhnlichen Groove-Refrain reduzieren zu müssen.

Mit wenig mehr als zwei Minuten ist »Deconsecration« der kürzeste Angriff des Albums. Genau deshalb entwickelt der Song eine besondere Wirkung. Sämtliche überflüssigen Wiederholungen wurden entfernt; übrig bleiben eine Folge rasender Riffs, ein wahnsinniges Solo und Schlagzeug, das den Titel regelrecht aus der Anlage prügelt.

An dieser Stelle zeigt sich zugleich die größte Stärke und mögliche Schwäche von »Crucificial Imprecations«. Hexorcist halten Intensität und Geschwindigkeit beinahe ohne Unterbrechung auf demselben hohen Niveau. Wer genau diese Form des Death Metal hören möchte, bekommt keine verwässernden Experimente. Wer stärkere Tempowechsel oder einen schwer schleppenden Gegenpol erwartet, wird ihn vergeblich suchen.

HEXORCIST UND UNCONSECRATED OFFERINGS: DER EIGENE NAME ALS DROHUNG

Ein selbstbetiteltes Stück wirkt häufig wie eine programmatische Erklärung – »Hexorcist« bildet keine Ausnahme. Das Riffing verbindet die sumpfige Bosheit früher Morbid Angel mit der schneidenden Aggression von Angelcorpse, ohne direkt bei einer einzelnen Vorlage stehenzubleiben. Kleine Pausen zwischen den Gitarrenschlägen machen den Song nicht langsamer, sondern lassen die folgenden Einsätze härter wirken.

»Unconsecrated Offerings« arbeitet anschließend mit etwas längeren Spannungsbögen. Die Riffs greifen stärker ineinander und geben dem Bass mehr Raum, während das Schlagzeug zwischen Blastbeats und peitschenden Übergängen wechselt. Das Solo besitzt erneut jene beinahe körperlich unangenehme Schärfe, die sich durch die gesamte Platte zieht.

Obwohl die Stücke einem klar festgelegten Klangbild folgen, handelt es sich nicht um wahllos vertauschbare Raserei. Die Unterschiede liegen jedoch in Details: der Position eines Rhythmuswechsels, der Länge einer Tremololinie oder der Frage, wann ein Solo in das Hauptriff einschlägt. Das Album verlangt deshalb aufmerksames Hören und erschließt sich weniger über große, sofort mitsingbare Merkmale.

EXORDIUM OF PROFANATION: DIE PROFANIERUNG BEGINNT AM ENDE

Der Titel »Exordium Of Profanation« bezeichnet eigentlich einen Anfang oder eine Einleitung zur Profanierung, steht aber am Schluss des Albums. Dieser scheinbare Widerspruch ist wirkungsvoll: Die vorangegangenen sieben Stücke erscheinen rückblickend wie die Vorbereitung auf eine Beschwörung, die mit dem letzten Ton nicht abgeschlossen ist, sondern erst richtig beginnt.

Musikalisch führt das Finale die bekannten Mittel noch einmal besonders konzentriert zusammen. Schnelle Akkordfolgen, heulende Leads, eine trocken zuschlagende Snare und Palubickis vergiftete Stimme erzeugen einen letzten kontrollierten Zusammenbruch. Hexorcist verzichten auf ein ausgedehntes Schlussritual. Nach gut vier Minuten ist die Verwünschung ausgesprochen und die Platte endet ebenso plötzlich, wie sie angegriffen hat.

Damit bleibt »Exordium Of Profanation« weniger als einzelner Höhepunkt denn als passende Schlussklammer hängen. Das eigentliche Qualitätsmerkmal des Albums ist ohnehin seine ungewöhnlich gleichmäßige Stärke. Kein Stück fällt deutlich ab, kein halbgares Zwischenspiel streckt die Laufzeit und kein aufgesetztes Experiment unterbricht die selbst gewählte Linie.

TROCKENER KLANG STATT DIGITALER STERILITÄT

Fernando „Ferny“ Coipel verleiht dem Album einen bewusst trockenen und räumlichen Mix. Die Instrumente verschmelzen nicht zu einer undurchsichtigen Masse, sondern behalten selbst bei hoher Geschwindigkeit ihre Konturen. Gitarren besitzen genügend Mitten, der Bass bleibt hörbar und Pests natürliche Bassdrum wird nicht durch ein übertriebenes Klickgeräusch ersetzt.

Lvctvs drückt beim Mastering nicht sämtliche Dynamik aus den Aufnahmen. Kurze Pausen und Samples können tatsächlich Spannung erzeugen, weil der anschließende Einsatz größer wirkt. Gleichzeitig bleibt die Produktion roh genug, um den historischen Bezug glaubwürdig zu transportieren. »Crucificial Imprecations« klingt alt, aber nicht schwach; rau, aber nicht zufällig; präzise, aber niemals steril.

Die konsequente Dauerattacke führt dennoch dazu, dass sich einzelne Stücke beim ersten Durchlauf nur schwer voneinander trennen lassen. Ein oder zwei längere Midtempo-Passagen hätten den schnellsten Abschnitten zusätzliche Wirkung verleihen können. Die knappe Gesamtlaufzeit bewahrt das Album allerdings davor, an dieser Gleichförmigkeit ernsthaft Schaden zu nehmen.

DIE WERTUNG IM SPIEGEL DER INTERNATIONALEN KRITIKEN

Die bisherigen internationalen Besprechungen bewegen sich überwiegend zwischen acht und neun von zehn Punkten. Gelobt werden nahezu einhellig die kompromisslose Kürze, der glaubwürdige Klang früher amerikanischer Death-Metal-Veröffentlichungen, Gene Palubickis Stimme und die hohe Qualität des Riffings. Unterschiedlich bewertet wird hauptsächlich die geringe stilistische und rhythmische Abwechslung.

Diese Einordnung trifft den Kern des Albums. »Crucificial Imprecations« erfindet Death Metal nicht neu und möchte das auch gar nicht. Seine Leistung besteht darin, einen häufig kopierten historischen Stil tatsächlich zu verstehen und mit gegenwärtiger Energie auszuführen. Die wenigen Kritikpunkte liegen weniger in handwerklichen Schwächen als in der bewussten Beschränkung auf eine einzige, unerbittliche Angriffsrichtung.

FAZIT:

»Crucificial Imprecations« ist eine halbstündige Death-Metal-Verwünschung, die den frühen Florida-Sound mit Black- und Thrash-Metal-Aggression zurück in die Gegenwart zerrt. Hexorcist überzeugen durch rasiermesserscharfe Riffs, wahnsinnige Leads, Pests unermüdliches Schlagzeug und Gene Palubickis unverkennbar giftige Stimme. Die geringe Tempovariation kostet den letzten halben Punkt, doch dank der kompakten Spielzeit entsteht kaum Leerlauf. Vier Komma fünf von fünf Punkten.

Crucificial Imprecations – offizieller Track:

Internet

HEXORCIST - CRUCIFICIAL IMPRECATIONS - Album Review

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