Tracklist
01. Apokalyps 1618
02. Die Ahren gleich als mit dem Huf
03. Naud
04. Barhout
05. Am Abgrund steht der Junker
06. Hiofan mahnt
07. Ergot
08. At our bleakest
Besetzung
Niklas alais Nerrath – Vocals and all Instruments
Zwischen Pest, Krieg und düsterer Folklore
Seit mehr als zwei Jahrzehnten zählt HORN zu den eigenständigsten Vertretern des deutschsprachigen Pagan-Black-Metal. Hinter dem Projekt steht nach wie vor Niklas „Nerrath“, der sämtliche Instrumente einspielt und den Großteil der kreativen Arbeit allein stemmt. Mit seinem elften Studioalbum »Apokalyps 1618« knüpft der Musiker thematisch an das 2024 erschienene »Daudswiärk« an und richtet den Blick erneut auf die Wirren des frühen 17. Jahrhunderts. Dabei verbindet er historische Ereignisse wie die Anfänge des Dreißigjährigen Krieges mit Sagen, Mythen und Erzählungen aus der deutschen Folklore. Das Ergebnis ist ein vielschichtiges Werk, das musikalisch wie inhaltlich zu den ambitioniertesten Veröffentlichungen der Bandgeschichte zählt.
Ein düsteres Panorama des Untergangs
Bereits der Titeltrack »Apokalyps 1618« macht deutlich, wohin die Reise geht. Melodische Gitarrenläufe treffen auf treibende Rhythmen und jene unverwechselbare Atmosphäre, die HORN seit Jahren auszeichnet. Der Song erinnert stellenweise an die Stärke früherer Werke und fungiert gleichzeitig als Tor in eine Welt voller religiöser Ängste, Kriegsschrecken und gesellschaftlicher Umbrüche.
Die Verbindung von Pagan-Metal und klassischem Black-Metal gelingt dabei bemerkenswert organisch. Nerrath setzt weniger auf rohe Aggression als auf erzählerische Spannung und atmosphärische Dichte. Gerade diese Herangehensweise verleiht dem Album eine besondere Tiefe.
Mut zur Vielfalt
Mit »Die Ahren gleich als mit dem Huf« schlägt HORN deutlich rauere Töne an. Disharmonische Gitarren und unruhige Strukturen erzeugen eine beklemmende Stimmung, die hervorragend zum historischen Kontext passt. Der Song wirkt sperrig, entfaltet aber gerade dadurch eine enorme Intensität.
»Naud« setzt stärker auf melodische Elemente und führt den Hörer durch wechselnde Stimmungen zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Die Komposition zeigt eindrucksvoll, wie vielseitig Nerrath mittlerweile arbeitet.
Zu den experimentellsten Momenten des Albums zählt zweifellos »Barhout«. Ungewöhnliche Gesangsstile, eigenwillige Harmonien und überraschende Wendungen machen den Titel zu einem der spannendsten Stücke der Platte. Hier verlässt HORN bewusst vertraute Pfade und beweist, dass sich Pagan-Black-Metal auch jenseits etablierter Genregrenzen entfalten kann.
Geschichte als Inspiration
Ein wesentlicher Reiz von »Apokalyps 1618« liegt in seiner thematischen Ausrichtung. Die Texte greifen historische Ereignisse wie den Prager Fenstersturz und die ersten Jahre des Dreißigjährigen Krieges auf. Gleichzeitig fließen Motive aus den Sammlungen der Brüder Grimm und verschiedenen Volkssagen ein.
Dadurch entsteht ein faszinierendes Spannungsfeld zwischen Realität und Mythos. Die Vergangenheit wird nicht dokumentarisch aufgearbeitet, sondern in eine düstere Klanglandschaft eingebettet, die historische Fakten mit symbolischen Bildern verknüpft. Dieser Ansatz passt hervorragend zur musikalischen Ausrichtung des Albums und sorgt dafür, dass die Songs auch nach mehreren Durchläufen neue Details offenbaren.
Hochkarätige Unterstützung
Obwohl HORN traditionell als Ein-Mann-Projekt funktioniert, erhält Nerrath auf »Apokalyps 1618« Unterstützung von mehreren Gastmusikern. Mit dabei sind Jerff von ÄNTERBILA, LESTAYA VON FERNDAL, Meister Cagliostro von ATTIC sowie Schwadorf von EMPYRIUM.
Die Gäste werden dabei nicht bloß als dekoratives Element eingesetzt, sondern tragen gezielt zur Atmosphäre einzelner Stücke bei. Ihre Beiträge erweitern das Klangspektrum und verleihen bestimmten Passagen zusätzliche Ausdruckskraft. Besonders in den mehrstimmigen Gesangspartien und den atmosphärischen Zwischentönen zeigt sich der Mehrwert dieser Zusammenarbeit.
Ein ungewöhnlicher Abschluss
Mit »At Our Bleakest« endet das Album auf überraschende Weise. Die balladeske Coverversion schlägt deutlich ruhigere Töne an und erinnert in ihrer Stimmung stellenweise an die melancholische Schwere von TYPE O NEGATIVE oder die folkigen Momente von ULVER. Der Gastgesang fügt sich hervorragend in das Konzept ein und sorgt für einen nachdenklichen Ausklang nach den zuvor oftmals düsteren und dramatischen Kompositionen.
Gerade dieser Kontrast verdeutlicht die stilistische Offenheit des Albums. HORN beschränkt sich nicht auf traditionelle Genreformeln, sondern integriert unterschiedliche Einflüsse zu einem stimmigen Gesamtbild.
Auch optisch ein Kunstwerk
Passend zur musikalischen Komplexität präsentiert sich das Artwork außergewöhnlich detailreich. Die von den surrealen Bildwelten Hieronymus Boschs inspirierte Gestaltung lädt zum Entdecken ein und ergänzt die Themen von Krieg, Glauben, Aberglauben und Weltuntergang perfekt. Wie die Musik offenbart auch das Cover bei genauer Betrachtung immer neue Facetten.
»Apokalyps 1618« gehört ohne Zweifel zu den stärksten und zugleich vielseitigsten Veröffentlichungen in der Diskografie von HORN. Nerrath verbindet traditionellen Pagan-Black-Metal mit experimentellen Ansätzen, historischen Themen und folkloristischen Elementen zu einem Werk, das gleichermaßen anspruchsvoll wie atmosphärisch ist. Die unterschiedlichen Gesangssprachen, die Gastbeiträge und die stilistische Offenheit sorgen für Abwechslung, ohne den roten Faden zu verlieren.
Wer melodischen Black-Metal mit Tiefgang, historischer Thematik und einem Gespür für außergewöhnliche Kompositionen schätzt, findet hier ein Album, das weit über Genrestandards hinausgeht.
Fazit: »Apokalyps 1618« von HORN ist mehr als nur ein Black-Metal-Album, es ist ein künstlerisches Gesamtkunstwerk, das dunkle Legenden, historische Ereignisse und surrealistische Kunst verbindet.






