Interview: Robert & Michale

Mit Embrace Of Souls erhebt sich eine Formation, die klassischen Power Metal, symphonische Opulenz, chorale Wucht und cineastische Erzählkunst zu einem mächtigen Gesamtbild verschmilzt. Was 2019 aus der Vision von Drummer und Komponist Michele Olmi entstand, hat sich längst von einem ambitionierten Studioprojekt zu einer echten Live-Band mit internationaler Ausstrahlung entwickelt. Nach dem Debütalbum »The Number Of Destiny« und dem 2024 erschienenen »Forever Part Of Me« folgt mit »The Battle Of The Dead« nun ein Werk, das wie eine ausgewachsene Epic-Power-Metal-Oper wirkt. Im Interview sprechen Michele, Xavier und Edward de Rosa über die Entstehung der Band, den Einfluss der Pandemie, symphonische Dramaturgie, neue Stimmen im Line-up und den nächsten großen Schritt mit Rockshots Records.

Embrace Of Souls – Interview zu »The Battle Of The Dead«

Robert: Embrace Of Souls entstand aus der Vision von Drummer und Komponist Michele Olmi. Wie kam die ursprüngliche Idee für die Band zusammen, und welches musikalische Ziel stand von Anfang an im Mittelpunkt?

Michele: Das Projekt entstand 2019 aus meinem Wunsch heraus, mich selbst als Komponist herauszufordern und Musiker zusammenzubringen, die dieselbe künstlerische Vision teilten. Von Beginn an war das musikalische Ziel klar: Wir wollten die Kraft und Geschwindigkeit des klassischen Power Metals der 90er mit Melodie, epischer Weite sowie der Größe symphonischer Orchestrierung und Chöre verbinden.

Robert: Euer Debütalbum »The Number Of Destiny« erhielt international sehr positive Rückmeldungen, besonders in Japan. Wie habt ihr diese erste Welle der Aufmerksamkeit erlebt?

Michele: Die Reaktionen auf »The Number Of Destiny« waren eine unglaubliche Überraschung. Zu wissen, dass internationale Hörer, besonders in Japan – einem Land, das schon immer eine starke Verbindung zu diesem Musikstil hatte – das Album so sehr schätzten, erfüllte uns mit Freude und Stolz. Diese erste Welle der Begeisterung war der entscheidende Funke, der mich davon überzeugte, das Projekt von einem Studioprojekt in eine echte Live-Band zu verwandeln.

Robert: Mit »Forever Part Of Me« seid ihr 2024 mit einer hörbaren Weiterentwicklung eures Sounds zurückgekehrt. Was hat sich zwischen dem ersten und dem zweiten Album am meisten verändert?

Michele: »Forever Part Of Me« markierte einen grundlegenden Wendepunkt in unserem künstlerischen Wachstum. Wenn das Debütalbum ein Manifest des klassischen Power Metals war, das traditionellen Standards verpflichtet war, wollten wir mit dem zweiten Album unsere eigene Identität weiterentwickeln.
Die deutlichste Veränderung lag in der Stärkung der Songstrukturen: Die Gitarren wurden aggressiver und moderner, Giacomos Chöre vielschichtiger, und der symphonische Ansatz verschmolz auf wesentlich direktere Weise mit der Rhythmussektion. Wir arbeiteten äußerst sorgfältig am Songwriting, damit jede Melodie unmittelbar wirkt, zugleich aber von komplexen Arrangements getragen wird. So entstand eine perfekte Brücke zwischen der treibenden Energie des Power Metals und der emotionalen Tiefe der behandelten Themen.

Robert: Euer neues Album »The Battle Of The Dead« klingt wie eine groß angelegte Epic-Power-Metal-Oper. War es von Anfang an als Konzeptalbum mit größerer Handlung geplant?

Michele: Absolut. Die Idee, eine echte Metal-Oper zu erschaffen, war ein Ziel, das wir schon lange in uns trugen. Bereits in den ersten Schreibsessions wurde »The Battle Of The Dead« als cineastische Erzählung konzipiert, die in Kapitel unterteilt ist. Wir wollten nicht einfach nur eine Sammlung von Songs schaffen, die durch einen oberflächlichen roten Faden verbunden sind, sondern eine immersive Reise. Die Musik wurde sorgfältig um die Handlung herum geformt: Jede Tempowechsel, jede orchestrale Ergänzung und jede atmosphärische Verschiebung dient dazu, die Entwicklung der Ereignisse darzustellen.

Robert: Der Titeltrack »The Battle Of The Dead« verbindet Geschwindigkeit, orchestrales Drama, Schlachtenbilder und eine sehr cineastische Atmosphäre. Was war die zentrale Idee hinter diesem Song?

Michele: Der Titeltrack ist das schlagende Herz und der dramatische Höhepunkt des gesamten Albums. Das Hauptziel bestand darin, all die unterschiedlichen Seiten von Embrace Of Souls in einem einzigen Song zusammenzufassen: die vernichtende Geschwindigkeit nordeuropäischen Power Metals und die Größe von Filmmusik. Wir wollten, dass die Hörer beim Schließen der Augen die Spannung des unmittelbar bevorstehenden Zusammenstoßes und die verzweifelte Epik einer entscheidenden Schlacht innerhalb dieser Geschichte lebendig wahrnehmen. Das orchestrale Drama dient genau diesem Zweck: Es verleiht der Geschwindigkeit des Power Metals Tiefe und emotionales Gewicht.

Robert: »Eversun« eröffnet eine Welt voller Königreiche, Schicksal, Licht und herannahender Dunkelheit. Kannst du uns mehr über das fiktionale Universum hinter dem Album erzählen?

Xavier: Die Geschichte spielt in einer Welt, die von Harmonie beherrscht wird – zumindest scheint es so. Kriege sind zu einer fernen Erinnerung geworden, und die Bewohner der vier Königreiche leben in Frieden und helfen einander. Selbst die Herrscher der verschiedenen Regionen pflegen freundschaftliche Beziehungen, wodurch der Eindruck einer stabilen und wohlhabenden Welt entsteht. Doch unter dieser scheinbaren Balance beginnen sich bereits dunklere Kräfte zu regen, die jene Ereignisse in Gang setzen, die sich im Verlauf des Albums entfalten.

Robert: Songs wie »The Plague«, »Spine« und »Who Can Save Us« behandeln Angst, Krankheit, Verzweiflung und die Suche nach Rettung. Haben reale Erfahrungen diese dunkleren Themen beeinflusst?

Xavier: Das Konzept des Albums ist fast direkt aus der Erfahrung entstanden, die wir während der COVID-Pandemie gemacht haben. Hier in Bergamo traf die Pandemie besonders hart, und es war für alle eine extrem schwierige Zeit. Die Angst vor Krankheit, das Gefühl der Isolation und der Abkopplung von der umgebenden Welt sowie der Kampf darum, die Hoffnung nicht zu verlieren, fanden alle ihren Weg in die Geschichte. Wir haben lediglich entschieden, diese Emotionen durch ein mittelalterliches Fantasy-Setting neu zu interpretieren.
 

Desolate Lands - Musikvideo:

 

Robert: »Betrayal« wirkt wie ein Wendepunkt der Geschichte, an dem Vertrauen zusammenbricht und verborgenes Böse sichtbar wird. Wie wichtig war dieser Song für die dramatische Struktur des Albums?

Xavier: Innerhalb der Erzählung des Albums spielt dieser Song eine entscheidende Rolle, weil er einen großen Wendepunkt in der Geschichte markiert. Es ist der Moment, in dem die Quelle all des Leids endlich identifiziert wird und die Charaktere zu verstehen beginnen, was ihre Welt erschüttert und verwüstet hat. Von diesem Punkt an wird der Konflikt viel klarer, und die Geschichte bewegt sich in ihre finale und dramatischste Phase.

Robert: In »The Dark Lord« erhält der Feind schließlich ein klareres Gesicht. Welche Rolle spielt diese Figur im Gesamtkonzept von »The Battle Of The Dead«?

Xavier: Zu diesem Zeitpunkt wurde die Wahrheit endlich enthüllt, und alle vier Königreiche verstehen, dass sie einem gemeinsamen Feind gegenüberstehen. Doch auch wenn die Quelle des Chaos nun klar ist, bleibt die Hoffnung knapp. Der Dark Lord nutzt gestohlene Seelen, um seine Armee aufzubauen und Krieg gegen das zu führen, was von der Menschheit übrig ist. Er repräsentiert nicht nur den Hauptantagonisten der Geschichte, sondern auch die Verkörperung von Angst, Verlust und Verzweiflung, die sich über die ganze Welt ausgebreitet haben.

Robert: Martina Mazzeo ist 2025 zur Band gestoßen und hat ein operatisches, symphonisches Element in euren Sound gebracht. Wie hat ihre Stimme die Art verändert, wie ihr Songs schreibt und arrangiert?

Michele: Martinas Einstieg hat unsere kompositorischen Horizonte erweitert und stellte einen wichtigen Schritt in der Entwicklung der Band dar. Eine Sängerin mit starkem operatischem Hintergrund zu haben, die sich ganz natürlich zwischen zarten Passagen und kraftvolleren Momenten bewegen kann, eröffnete uns neue Möglichkeiten sowohl im Songwriting als auch im Arrangement.
Aus Sicht des Arrangements verlassen wir uns nicht mehr ausschließlich auf Keyboards und orchestrale Schichten, um Atmosphäre und Emotion zu erzeugen. Martinas Stimme ist zu einem integralen Bestandteil dieser symphonischen Dimension geworden. Ihr Timbre und ihr Stimmumfang ermöglichen es uns, vielfältigere melodische Ideen zu erkunden und Gesangsarrangements mit größerer Tiefe und Flexibilität anzugehen als zuvor.

Robert: Der Kontrast zwischen Giacomo Rossis kraftvollem männlichem Gesang und Martina Mazzeos operatischem Sopran verleiht dem Album eine sehr theatrale Dimension. Wie nähert ihr euch den Gesangsarrangements für zwei derart ausdrucksstarke Stimmen?

Michele: Zwei stimmliche Persönlichkeiten auszubalancieren, die beide stark und zugleich komplementär sind, ist eine spannende Herausforderung. Wir zielen nie auf ein simples, publikumswirksames Duett ab; stattdessen betrachten wir Gesangsarrangements aus einer theatralischen und erzählerischen Perspektive. Giacomo bringt die Kraft und Rauheit mit, die typisch für klassischen Power Metal ist, während Martina Eleganz und Feierlichkeit beisteuert, wie man sie mit operatischem Gesang verbindet.
Oft verweben wir ihre Gesangslinien kontrapunktisch miteinander, sodass jede Stimme die Stärken der anderen hervorhebt. Dadurch entsteht ein dynamisches Wechselspiel, das die emotionale und dramatische Wirkung der Musik verstärkt und gleichzeitig der Geschichte dient, die wir erzählen wollen.

Robert: Eure Musik kombiniert schnellen Power Metal, symphonische Elemente, Chöre, cineastische Keyboards und technisches Gitarrenspiel. Wie bringt ihr Komplexität und einprägsames Songwriting in Balance?

Edward de Rosa: Alles beginnt mit einer melodischen Linie, die gut funktioniert und zugleich mit der Geschichte übereinstimmt, die der Text erzählen möchte. Sobald dieses Fundament steht, bereichern wir die Songs mit orchestralen Arrangements, Chören und Gitarrenmelodien, achten dabei aber immer darauf, dass kein einzelnes Element die anderen überdeckt.
Jedes Instrument spielt eine wichtige Rolle; es ist wie die Wahl des richtigen Rahmens für ein Gemälde. Wir legen großen Wert darauf, die Balance zwischen all den verschiedenen Elementen zu bewahren. Selbst die Gitarrensoli verbinden aus genau diesem Grund einen shred-orientierten und einen melodischen Ansatz: Technik sollte immer dem Song dienen, statt ihn zu dominieren.

Robert: Ihr habt bereits mit Bands wie Domine, Vision Divine, Stratovarius, Sonata Arctica und Rhapsody Of Fire die Bühne geteilt. Welche Live-Erfahrung war für die Entwicklung der Band besonders wichtig?

Edward de Rosa: Jede dieser Erfahrungen hat uns etwas gegeben, das wir für immer mit Stolz in uns tragen werden. Unser Live-Debüt als Support von Vision Divine war besonders wichtig, weil wir zuvor noch nie gemeinsam auf einer Bühne gestanden hatten und vor einem so großen Publikum wirklich nicht wussten, was uns erwarten würde. Es hätte sehr gut laufen oder in einer Katastrophe enden können.
Zum Glück fügte sich alles zusammen. Diese Show half uns zu verstehen, wer wir als Band waren, und bestätigte, dass sowohl das Projekt als auch die Chemie zwischen uns bemerkenswert gut funktionierten – fast so, als hätten wir schon seit Jahren gemeinsam gespielt.
Unser Auftritt beim Wondergate Festival an der Seite von Stratovarius und Sonata Arctica war ein weiterer wichtiger Meilenstein. Er bestätigte dieselbe Chemie in einem größeren Rahmen, als Opener für Bands, deren Musik eine bedeutende Rolle in unserer Entwicklung als Musiker gespielt hat.
Die Show mit Domine war ebenfalls besonders bedeutungsvoll, auch wegen unserer engen Freundschaft zu Morby, der auf unseren letzten beiden Alben als Special Guest zu hören war. Die Unterstützung einer so wichtigen Persönlichkeit der Metal-Szene zu haben, war und ist weiterhin eine große Quelle der Motivation und Inspiration für uns.

Robert: Eure Alben erschienen über Elevate Records. Wie wichtig ist die Beziehung zu eurem Label für das Wachstum und die internationale Sichtbarkeit von Embrace Of Souls?

Michele: Die Beziehung zu Plattenlabels war sicherlich eine tragende Säule unseres Wachstums. Unsere Zusammenarbeit mit Elevate Records war für die ersten beiden Alben sowohl synergetisch als auch entscheidend. Sie ermöglichte es uns, durch effektive Distribution und die notwendige Promotion solide Grundlagen zu schaffen, um Hörer über Italien hinaus zu erreichen – darunter historisch anspruchsvolle Märkte wie Japan und andere Teile Europas.
Heute sind wir mit der Veröffentlichung von »The Battle Of The Dead« stolz darauf, Teil des Rosters von Rockshots Records geworden zu sein. In der heutigen Musikindustrie, besonders im Symphonic Metal, wo Produktionen unglaublich ambitioniert sein können, macht es einen enormen Unterschied, ein Label zu haben, das wirklich an die eigene künstlerische Vision glaubt. Dieser Schritt bedeutet für die Band sowohl einen großen Erfolg als auch eine natürliche Weiterentwicklung.

The Battle Of The Dead Musikvideo:

Robert: Für Fans von Rhapsody Of Fire, Stratovarius, Sonata Arctica und Nightwish: Was macht Embrace Of Souls innerhalb der heutigen Power-Metal- und Symphonic-Metal-Szene einzigartig?
Michele: Die Bands, die du genannt hast, zählen für viele von uns zu den größten Einflüssen, deshalb ist es eine große Ehre, mit ihnen verglichen zu werden.
Was Embrace Of Souls unserer Meinung nach auszeichnet, ist unser Ansatz, klassische Power-Metal-Energie mit einer starken cineastischen und erzählerischen Dimension zu verbinden. Unsere Wurzeln liegen fest in der Tradition des Genres, aber wir versuchen immer, etwas zu erschaffen, das zeitgemäß wirkt, statt nostalgisch zu sein.
Ein weiteres prägendes Element ist das Zusammenspiel zwischen Giacomos kraftvollem Power-Metal-Gesang und Martinas operatischer Stimme. Ihre unterschiedlichen Hintergründe ermöglichen es uns, eine theatralischere und dynamischere Form des Storytellings zu erschaffen, die zu einem wesentlichen Bestandteil unserer Identität geworden ist.
Letztlich ist es unser Ziel, nicht nur Songs zu schreiben, sondern immersive musikalische Reisen zu erschaffen, bei denen Melodien, Orchestrierung, Texte und Charaktere alle dazu beitragen, eine Geschichte zu erzählen.

Robert: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch alles Gute mit »The Battle Of The Dead« und allem, was als Nächstes kommt. Die letzten Worte gehören euch: Gibt es etwas, das ihr direkt an eure Fans und an unsere Leser richten möchtet?

Michele: Zunächst einmal vielen Dank für eure Zeit und euer Interesse, und danke an alle Leser für ihre Unterstützung.
Mit »The Battle Of The Dead« haben wir alles gegeben, um eine Geschichte und eine Reise zu erschaffen, von der wir hoffen, dass ihr sie gerne mit uns erleben werdet. Dieses Album steht für sehr viel Leidenschaft, Hingabe und harte Arbeit, und wir sind unglaublich aufgeregt, es endlich mit der Welt zu teilen.
Außerdem möchten wir allen herzlich danken, die uns über die Jahre unterstützt haben, und allen, die weiterhin an das glauben, was wir tun. Eure Ermutigung bedeutet uns mehr, als Worte ausdrücken können, und motiviert uns dazu, weiter zu wachsen und neue Musik zu erschaffen.
Wir hoffen, euch alle sehr bald unterwegs zu sehen!

Embrace Of Souls – Interview

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Robert
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