Band: I Proélefsi 🇨🇱
Titel: Ypógeio Vasíleio · Υπόγειο Βασίλειο
Label: Depressive Illusions Records
VÖ: 10.07.2026
Format: MC / Digital
Genre: Instrumental Atmospheric Black Metal / Avant-Garde Black Metal / Dark Ambient

Tracklist

01. Apochróseis · Αποχρώσεις (Shadows) – 01:08
02. Varkáris · Βαρκάρης (Boatman) – 03:50
03. Kynigóskylo · Κυνηγόσκυλο (Hound) – 03:11
04. Dikastés · Δικαστές (Judges) – 02:45
05. Tártaros · Τάρταρος (Tartarus) – 04:23

Besetzung

M Eidolon – sämtliche Instrumente, orchestrale Arrangements und Programmierung

I Proélefsi ist ein Soloprojekt aus Chile. Sämtliche musikalischen und klanglichen Bestandteile der Veröffentlichung stammen von M Eidolon.

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Instrumentaler Black Metal benötigt klare Kompositionen, weil der Gesang als Orientierungspunkt weitgehend entfällt. Genau diese Disziplin zeigt das chilenische Soloprojekt I Proélefsi auf »Ypógeio Vasíleio · Υπόγειο Βασίλειο«. Die am 10. Juli 2026 über Depressive Illusions Records veröffentlichte EP umfasst fünf Stücke und eine Spielzeit von etwas mehr als 15 Minuten. M Eidolon verbindet atmosphärischen Black Metal, Dark Ambient, melodische Gitarrenarbeit und avantgardistische Arrangements zu einem geschlossenen Konzept über die griechische Unterwelt.

Nach der selbstbetitelten Debüt-EP von 2025 ist »Ypógeio Vasíleio« die zweite Veröffentlichung von I Proélefsi. Während das Debüt Selbsterkenntnis und die Verbindung des Menschen mit dem Universum behandelte, folgt das neue Werk einer klaren Handlung: Eine verstorbene Seele gelangt an den Styx, wird von Charon übersetzt, passiert Kerberos, steht vor den Richtern der Unterwelt und endet schließlich im Tartaros. Der griechische Titel lässt sich ungefähr mit „Unterirdisches Königreich“ übersetzen. Die Musik vermittelt diese Abfolge fast vollständig ohne Gesang; erst im Schlussstück wird eine längere gesprochene Passage eingesetzt.

I Proélefsi – Ypógeio Vasíleio (Official 4K Full Stream)

EIN KONZEPT IN FÜNF ABSCHNITTEN

M Eidolon hat die EP so angeordnet, dass jedes Stück eine konkrete Station der Erzählung behandelt. Die beiden Ambient-lastigen Kompositionen am Anfang und am Ende bilden den Rahmen. Im Zentrum stehen drei Stücke, in denen Black Metal, melodische Leadgitarren, Keyboards und orchestrale Bestandteile eng aufeinander abgestimmt sind. Diese klare Gliederung ist wichtig, denn bei einer Spielzeit von 15 Minuten bleibt wenig Raum für Nebenideen oder lange Wiederholungen.

Als stilistische Bezugspunkte lassen sich Emperor, Limbonic Art, Abigor und Varathron nennen. I Proélefsi kopiert jedoch keine bestimmte Phase dieser Bands. Die Gemeinsamkeiten liegen vor allem in der Verbindung von Black-Metal-Rhythmik, melodischer Gitarrenführung und symphonisch angelegten Arrangements. Hinzu kommen Dark-Ambient-Passagen und einige neoklassische Ansätze in den Soli. Trotz dieser Vielzahl an Bestandteilen bleibt der Ablauf nachvollziehbar.

Das fantastische Zusammenspiel der Gitarren, des Basses, der programmierten Drums, der Keyboards und der orchestralen Arrangements gehört zu den größten Stärken der EP. Obwohl sämtliche Parts von einer Person stammen, entsteht der Eindruck einer genau aufeinander eingestellten Besetzung. Die Instrumente konkurrieren nicht um Aufmerksamkeit. Leadgitarre und Keyboards erhalten ihre eigenen Aufgaben, während Bass und Schlagzeug für Druck, Tempo und deutliche Übergänge sorgen.

APOCHRÓSEIS: KURZE UND PRÄZISE EINLEITUNG

»Apochróseis · Αποχρώσεις (Shadows)« beginnt mit dunklen Ambient-Flächen und zurückhaltenden elektronischen Geräuschen. Das Stück dauert lediglich 68 Sekunden und verzichtet auf einen vollständigen Black-Metal-Aufbau. Seine Aufgabe besteht darin, den Ausgangspunkt am Ufer des Styx musikalisch festzulegen. M Eidolon arbeitet dabei mit tiefen Frequenzen, langsam veränderten Klangfarben und einer bewusst reduzierten Dynamik.

Die Einleitung ist kompakt genug, um den Ablauf nicht unnötig zu verzögern. Gleichzeitig vermittelt sie bereits zentrale Eigenschaften des Sounddesigns: Die elektronischen und orchestralen Elemente sind in den Gesamtklang integriert und wirken nicht wie nachträglich ergänzte Effekte. Auch der Übergang zum zweiten Stück ist sauber gesetzt. Die EP verändert dort deutlich Tempo und Lautstärke, ohne dass beide Teile voneinander getrennt erscheinen.

VARKÁRIS: TECHNIK UND MELODIE IM GLEICHGEWICHT

Mit »Varkáris · Βαρκάρης (Boatman)« beginnt der metallische Hauptteil. Tremolo-Picking, schnelle programmierte Drums und ein kräftiger Bass bestimmen die ersten Passagen. Anschließend rückt die Leadgitarre deutlicher in den Vordergrund. M Eidolon spielt technisch anspruchsvoll, verwendet sein Können aber im Dienst der Komposition. Die Soli besitzen neoklassische Anteile, bleiben melodisch verständlich und werden nicht unnötig verlängert.

Der Song wechselt zwischen schnellen, mittleren und kurzzeitig langsameren Abschnitten. Dadurch entsteht auch ohne Gesang eine klar erkennbare Struktur. Besonders stark ist die Abstimmung zwischen Rhythmusgitarre und Leadpart: Die Akkorde halten die harmonische Richtung, während die Soli eigene Melodien ergänzen. Die Drums setzen die Tempowechsel präzise um und der Bass bleibt im Mix hörbar, anstatt lediglich die Gitarrenspuren zu verdoppeln.

»Varkáris« ist der kompositorisch vollständigste Titel der EP. Hier kommen technisches Gitarrenspiel, Black-Metal-Aggression, Melodie und Atmosphäre am überzeugendsten zusammen. Das Stück zeigt außerdem, dass M Eidolon kurze Formen beherrscht. In weniger als vier Minuten werden mehrere Motive verwendet und sinnvoll abgeschlossen.

KYNIGÓSKYLO: KRAFTVOLLE AKKORDE UND KONTROLLIERTE HÄRTE

»Kynigóskylo · Κυνηγόσκυλο (Hound)« behandelt Kerberos, den Wächter der Unterwelt. Große, lange gehaltene Akkorde und eine ausgeprägte Melodieführung bestimmen den Charakter. Der Titel beginnt kontrollierter als sein Vorgänger, steigert die Intensität jedoch früh durch schnellere Drums, dichtere Gitarrenspuren und markante Leadfiguren.

Die Produktion verhindert, dass die vielen Ebenen unübersichtlich werden. Rhythmusgitarren, Bass, Leadgitarre und Keyboards bleiben unterscheidbar. Gerade bei den schnellen Passagen ist diese Trennung entscheidend. Die programmierte Rhythmik wirkt straff, ohne die melodischen Details zu verdecken. In den langsameren Abschnitten erhält der Bass genügend Platz und verstärkt die Schwere der Akkorde.

Bemerkenswert ist erneut das Zusammenspiel der einzelnen Spuren. Die Leadgitarre übernimmt nicht permanent die wichtigste Rolle. Mehrfach wird sie zurückgenommen, damit Rhythmik und orchestrale Elemente die Entwicklung bestimmen können. Dadurch wirkt »Kynigóskylo« geschlossen und vermeidet eine Aneinanderreihung technischer Einzelparts.

DIKASTÉS: DIE KOMPAKTESTE BLACK-METAL-KOMPOSITION

Mit 2:45 Minuten ist »Dikastés · Δικαστές (Judges)« das kürzeste vollständige Metalstück der EP. Unruhige Keyboardtöne und eine zunächst kontrollierte Rhythmik bestimmen den Beginn. Danach erhöhen Schlagzeug und Gitarren das Tempo deutlich. Blastbeats, schnelle Riffs und melodische Leads folgen in kurzen, präzise gesetzten Abschnitten.

Die Komposition behandelt das Urteil über die verstorbene Seele. Dafür verwendet M Eidolon eine strengere, weniger verspielte Anordnung als bei »Varkáris«. Die Gitarrenlinien bleiben technisch, wirken aber härter und direkter. Die Keyboards sorgen für zusätzliche Spannung, ohne den Titel in symphonischen Bombast zu verschieben.

Gerade hier zeigt sich die Qualität der Produktion besonders deutlich. Die Drums besitzen ausreichend Durchsetzungskraft, die Gitarren behalten ihre Konturen und die höheren Keyboardfrequenzen werden nicht unangenehm scharf. Der Mix ist druckvoll, aber nicht überladen. Für eine derart kurze Komposition enthält »Dikastés« erstaunlich viele Details, die auch nach mehreren Durchläufen noch auffallen.

TÁRTAROS: AMBIENT, BASS UND GESPROCHENE STIMME

»Tártaros · Τάρταρος (Tartarus)« beendet die Handlung und reduziert den Black-Metal-Anteil deutlich. Tiefe Basstöne, dunkle Ambient-Flächen und langsam gesetzte elektronische Elemente bestimmen den Anfang. Später kommt eine längere gesprochene Passage hinzu. Die Stimme dient hier als Teil des Sounddesigns und nicht als klassischer Gesang. Zum Schluss werden geräuschhafte und bewusst unruhige Klänge eingesetzt.

Mit 4:23 Minuten ist »Tártaros« der längste Titel. Das langsamere Tempo schafft einen klaren Gegensatz zu den drei vorherigen Stücken. Gleichzeitig setzt das Finale die Produktion vor eine andere Aufgabe: Statt schneller Gitarren und dichter Drums müssen Bass, Stimme und Ambient-Ebenen genügend Präsenz erhalten. Das gelingt überzeugend. Der tiefe Frequenzbereich ist kräftig, bleibt aber kontrolliert, während die Sprache deutlich genug im Vordergrund liegt.

Die gesprochene Passage nimmt einen großen Teil des Stücks ein und könnte für Hörer, die vor allem den instrumentalen Black Metal der mittleren drei Titel bevorzugen, etwas lang wirken. Innerhalb des Konzepts ist diese Entscheidung jedoch nachvollziehbar. Das Finale wiederholt nicht einfach die vorherige Intensität, sondern beendet die EP mit einem eigenständigen Klangbild.

PRODUKTION UND SOUNDDESIGN AUF HOHEM NIVEAU

Die Produktion ist für eine eigenständig realisierte Underground-Veröffentlichung ausgesprochen stark. Gitarren, Bass, programmierte Drums, Keyboards und orchestrale Arrangements besitzen eine klare Gewichtung. Der Sound ist druckvoll und sauber, ohne den Black-Metal-Charakter durch eine übermäßig glatte Bearbeitung abzuschwächen. Besonders die Leadgitarren profitieren von der Transparenz: schnelle Läufe und harmonische Details bleiben auch in den dichten Abschnitten verständlich.

Der Bass wurde nicht an den unteren Rand des Mixes gedrängt. In »Kynigóskylo« verstärkt er die Akkorde, während er in »Tártaros« selbst eine zentrale Funktion erhält. Die programmierten Drums klingen präzise und sind gut auf die Gitarren abgestimmt. An einzelnen Stellen ist ihre technische Herkunft erkennbar, doch innerhalb dieses kontrollierten, arrangierten Stils ist das kein wesentlicher Nachteil.

Auch das Sounddesign überzeugt. Ambient-Flächen, Keyboards, orchestrale Farben, gesprochene Stimme und geräuschhafte Elemente erfüllen jeweils eine konkrete Funktion. M Eidolon verwendet diese Bestandteile nicht zur bloßen Ausschmückung. Sie kennzeichnen die einzelnen Abschnitte der Handlung und sorgen dafür, dass sich die fünf Titel trotz der kurzen Gesamtdauer deutlich voneinander unterscheiden.

Das Zusammenspiel wirkt deshalb so überzeugend, weil jeder Part auf die übrigen Instrumente reagiert. Wenn die Leadgitarre komplexer wird, halten Rhythmusgitarre und Bass die Struktur stabil. Bei den Tempowechseln bleiben die Übergänge gemeinsam ausgeführt. Sobald Keyboards oder Ambient wichtiger werden, nimmt M Eidolon die metallischen Elemente kontrolliert zurück. Diese Abstimmung erreicht tatsächlich Bandqualität, obwohl I Proélefsi ausschließlich aus einem Musiker besteht.

KURZE SPIELZEIT ALS EINZIGER DEUTLICHER KRITIKPUNKT

Die größte Schwäche von »Ypógeio Vasíleio« liegt in der geringen Spielzeit. Das Thema der griechischen Unterwelt bietet zahlreiche Möglichkeiten, und einige Motive hätten eine längere Entwicklung vertragen. Besonders »Kynigóskylo« und »Dikastés« enden zu einem Zeitpunkt, an dem zusätzliche Variationen möglich gewesen wären. Auch der Übergang vom Urteil zum Tartaros hätte durch einen weiteren Titel ausführlicher behandelt werden können.

Andererseits gibt es auf dieser EP keine unnötigen Wiederholungen. Jeder Abschnitt erfüllt seinen Zweck und die Konzentration bleibt über die gesamte Dauer erhalten. Die Kürze ist daher kein kompositorischer Fehler, sondern eine Begrenzung des Konzepts. »Ypógeio Vasíleio« vermittelt den Eindruck, dass M Eidolon genügend Ideen für ein vollständiges Album besitzt. Eine längere kommende Veröffentlichung wäre deshalb ausdrücklich zu begrüßen.

FAZIT:

»Ypógeio Vasíleio · Υπόγειο Βασίλειο« ist eine hervorragend produzierte und kompositorisch präzise EP zwischen instrumentalem Atmospheric Black Metal, Avant-Garde, melodischer Gitarrenarbeit und Dark Ambient. M Eidolon verbindet sämtliche Instrumente, programmierten Drums und orchestralen Arrangements zu einem fantastischen Zusammenspiel, das trotz des Soloprojekt-Charakters geschlossen und organisch wirkt.

»Varkáris« überzeugt mit der stärksten Gitarrenarbeit, »Kynigóskylo« mit kraftvollen Akkorden und dichter Melodik, während »Dikastés« die härteste und kompakteste Komposition bietet. »Apochróseis« und »Tártaros« ergänzen den metallischen Hauptteil durch sorgfältig gestalteten Dark Ambient. Produktion und Sounddesign befinden sich durchgehend auf hohem Niveau.

Lediglich die kurze Spielzeit verhindert eine noch höhere Bewertung. Die fünf Stücke belegen jedoch deutlich, wie sicher M Eidolon mit Dynamik, Harmonie, technischer Gitarrenarbeit und konzeptioneller Gestaltung umgeht. Wer instrumentalen Black Metal mit deutlicher Melodik, präziser Produktion und mythologischem Konzept schätzt, sollte sich diese EP vollständig anhören.

I Proélefsi – Varkáris

Internet

I PROÉLEFSI - YPÓGEIO VASÍLEIO - EP Review

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