MARIANAS REST – The Bereaved

cover artwork MARIANAS REST The Bereaved

Band: MARIANAS REST 🇫🇮
Titel: The Bereaved
Label: Noble Demon
VÖ: 16/01/26
Genre: Melodic Doom Metal, Melodic Death Metal 

Tracklist

01. Thank You for the Dance
02. Rat in the Wall
03. Divided
04. Again into the Night
05. Burden
06. Diamonds in the Rough
07. Pity the Living
08. Goodbyes and Good Intentions
09. Tyhjä
10. The Colour of You

Besetzung

Jaakko Mäntymaa – Vocals
Nico Mänttäri – Guitar
Harri Sunila – Guitar
Niko Lindman – Bass
Aapo Koivisto – Keyboard
Nico Heininen – Drums

Bewertung:

4,5/5

Einer der am klarsten wiedererkennbaren Sounds im melodischen Doom Metal: Die finnische Band MARIANAS REST kehrt mit ihrem neuen Album „The Bereaved“ zurück – einem Werk, das den vertrauten Bandsound behutsam in neue atmosphärische Räume führt, emotionaler wirkt als zuvor und dennoch konsequent an der eigenen musikalischen Identität festhält.

Atmosphärischer Einstieg zwischen Tradition und Melancholie

Mit einem traditionellen finnischen Lied, gesungen von einem Chor und klingend wie ein Zusammenkommen von Freunden, eröffnet das Album. „Thank You for the Dance“ setzt diesen Einstieg mit einer langsamen, traurigen Melodie fort, getragen von klarem Gesang und entfernten Keyboards. Die Atmosphäre ist dicht und bedrückend, selbst wenn später die volle Instrumentierung einsetzt. Der typische, sofort erkennbare Klang von MARIANAS REST prägt den Song deutlich: melodischer Doom Metal, der Stimmungen und emotionale Tiefe mit großer Selbstverständlichkeit transportiert. Ein sehr eindrucksvoller, gefühlvoller Auftakt und ein starker erster Eindruck.

MARIANAS REST stammen aus Kotka im Südosten Finnlands und wurden 2013 als Doom-orientiertes Nebenprojekt von Omnium Gatherum-Keyboarder Aapo Koivisto gegründet. Gemeinsam mit Gleichgesinnten – Sänger Jaakko Mäntymaa, den Gitarristen Nico Mänttäri und Harri Sunila, Drummer Nico Heininen sowie Bassist Niko Lindman – entstand eine Band aus erfahrenen Musikern, die ihre gemeinsame Vision mit großer Leidenschaft verfolgen.

Ebenso emotional aufgeladen präsentiert sich „Rat in the Wall“. Feine Keyboard- und Gitarrenlinien treffen hier auf Jaakkos verzweifelte Growls, die durch melodischen Klargesang ergänzt werden und der Musik zusätzliche Dynamik verleihen, sobald die gesamte Band einsetzt. Die Stimmung bleibt düster und bedrückend, das Tempo ist jedoch etwas höher, und der zweistimmige Refrain entfaltet eine starke Wirkung. Ein weiterer gelungener Song und ein insgesamt sehr überzeugender Beginn des Albums. „Divided“ kehrt zu einem langsameren Tempo zurück, gewinnt jedoch nochmals an Intensität. Hochgezogene Schreie verstärken das Gefühl von Verzweiflung, während die Musik melancholisch bleibt und einen starken emotionalen Sog entwickelt.

Dichte Klanglandschaften und emotionale Höhepunkte

Mit „Again into the Night“ kehren die cleanen Vocals zurück – beinahe geflüstert, feierlich und melodisch, bevor der Song in jene hoffnungslose Trostlosigkeit kippt, die MARIANAS REST so eindrucksvoll beherrschen. Keyboards verstärken die Melancholie, die Gitarren sorgen für Tiefe und stellenweise auch für eine gewisse Schärfe. Eine dichte Klanglandschaft und eines der klaren Highlights des Albums.

Burden“ beginnt fragil, entwickelt sich jedoch rasch zu einer wuchtigen, erdrückenden Nummer. Auf den ersten Blick weniger melodisch als andere Stücke, entpuppt sich der Song durch die fein verwobene Leadgitarre und die subtil eingesetzten Keyboards als einer der sensibelsten und introspektivsten Momente des Albums. Ein ferner Hall, kombiniert mit einer massiven Rhythmussektion, macht „Burden“ zugleich zu einem der schwersten Titel der Platte.

Die Produktion ist sehr klar und professionell umgesetzt. Sämtliche Klangschichten bleiben jederzeit transparent, das Gesamtbild wirkt geschlossen und ausgewogen. Auch die atmosphärischen Passagen sind nahtlos in den Bandsound integriert, Übergänge wirken natürlich und schlüssig. Jede Nuance sitzt exakt dort, wo sie hingehört.

Variationen im Sound und Rückkehr zur vertrauten Schwere

Obwohl die ersten Akkorde auf ein von der Leadgitarre dominiertes Stück hindeuten, zeigt „Diamonds in the Rough“ nach dem vollständigen Einsatz aller Instrumente erneut eine dichte Instrumentierung und eine sorgfältige Komposition zwischen melodischem Doom und Death Metal. Der einfache, repetitive Refrain mit zweistimmigem Gesang – unterstützt von Gastmusiker Okko Solanterä (Horizon Ignited) – zielt klar auf Eingängigkeit ab und unterscheidet sich deutlich vom sonstigen Bandsound. Der Song ist deutlich flotter, verliert dabei jedoch einen Teil der typischen Melancholie. Die aggressiveren Strophen und der cleane Refrain fügen sich hier weniger stimmig in das gewohnte Klangbild von MARIANAS REST ein.

Mit „Pity the Living“ kehren Rhythmus und Atmosphäre jedoch wieder in vertraute Bahnen zurück. Schmerzhaft langsam, geprägt von verstörenden Vocals und einer weit hallenden Leadgitarre, die mit einem ausgedehnten, melancholischen Solo einen starken Akzent setzt. „Goodbyes and Good Intentions“ führt diese Reise fort: leidenschaftliche, gequälte Gesangslinien treffen auf schöne, zugleich zutiefst traurige Melodien und machen den Song zu einem weiteren Höhepunkt des Albums.

Nebelig und zurückgenommen wirkt das instrumentale „Tyhjä“, das den Keyboards Raum gibt und als atmosphärisches Zwischenspiel dient. Den Abschluss bildet „The Colour of You“, eingeleitet von Naturgeräuschen, akustischer Gitarre und gesprochenen Vocals. Gequälte Ausbrüche wechseln sich mit entfernten Flüstern und begleitendem Klargesang ab, der an den Opener erinnert und den Kreis schließt. Ein eher schlicht gehaltener Song mit leicht positiverem Unterton – der kathartische Moment des Albums. Musikalisch kein Höhepunkt, aber ein stimmiger Abschluss.

Reife Kompositionen und gefestigte Identität

The Bereaved“ ist ein Album von hoher Qualität und zeigt eine gereifte Band, die fest in ihrem charakteristischen Sound verankert ist. Die Musik besitzt eine ausgeprägte emotionale Tiefe, während die Schwere stets präsent bleibt. Doom-lastige Passagen verschmelzen mit melodischem Death Metal zu einer intensiven, nachhaltigen Wirkung.

Jaakko Mäntymaas unverwechselbare Stimme mit ihren gequälten Growls und Schreien ist ein zentrales Element, das den Sound von MARIANAS REST so markant und sofort identifizierbar macht. Sie verleiht der Musik enormes Gewicht. Doch auch alle anderen Musiker überzeugen durchgehend mit ihrem Können, insbesondere Keyboards und Leadgitarre verdienen besondere Erwähnung. Die Kompositionen sind stark, reich an einprägsamen Momenten und entwickeln eine dunkle, verzweifelte Schönheit, die lange nachhallt.

Insgesamt präsentiert sich „The Bereaved“ als geschlossenes, in sich stimmiges Werk. Während frühere Alben noch stärkere Schwankungen zwischen herausragenden und weniger auffälligen Songs zeigten, wirkt dieses Album homogener und konsequenter. Es zählt damit zu den stärksten Veröffentlichungen der Band, auf Augenhöhe mit ihrem Debüt und bislang besten Werk, dabei jedoch noch geschlossener in der Gesamtwirkung. Eine konsequente Weiterführung der hohen Standards, die bereits „Auer“ gesetzt hat, und ein weiterer Baustein in einer ohnehin beeindruckenden Diskografie. Eine klare Empfehlung für alle Fans langsamer, schwerer, zugleich sehr melodischer Spielarten von Doom und Death Metal.

Fazit:  „The Bereaved“ zeigt MARIANAS REST gereift, konsistent und emotional fokussiert – ein starkes Album im Spannungsfeld von Melodic Doom und Death Metal.

Internet

MARIANAS REST - The Bereaved - CD Review

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