Martyrs Saint - From Strength To Strength - cover Artwork

Band: Martyrs Saint 🇬🇧
Titel: From Strength To Strength
Label: Eigenveröffentlichung
VÖ: 03.07.2026
Format: CD / Digital
Genre: Crossover / Thrash Metal / Hardcore

Tracklist

01. From Strength To Strength
02. Enemy Of My Enemy
03. In Amber
04. The Divine Art Of War

Besetzung

Brandon Goodair – Gitarre und Gesang
Amaré Hurley – Leadgitarre und Hintergrundgesang
Harvey Lewis – Bass
Louie Hawkes – Schlagzeug

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Crossover Thrash kann ausgesprochen simpel wirken: ein paar schnelle Riffs, wütender Gesang, ein massiver Breakdown und fertig ist die nächste Aufforderung zum gepflegten gegenseitigen Umboxen. Dass zwischen bloßer Lautstärke und wirkungsvoller Härte dennoch ein erheblicher Unterschied besteht, beweisen Martyrs Saint aus Bristol mit ihrer Debüt-EP »From Strength To Strength«. Das Quartett verbindet die Geschwindigkeit des Thrash Metal mit dem Groove, der Direktheit und der konfrontativen Haltung des Hardcore. Namen wie Power Trip, Hatebreed, Terror und stellenweise Biohazard liefern sinnvolle Orientierung, ohne das Material vollständig zu erklären.

Albumstream

Vier Stücke und knapp 19 Minuten reichen den Briten, um ihre wichtigsten Stärken zu präsentieren. Muskelbepackte Rhythmusgitarren treffen auf präzise Schlagzeugarbeit, einen deutlich hörbaren Bass und eine Leadgitarre, die wesentlich mehr bietet als bloße Ergänzungen zwischen zwei Breakdowns. Besonders Amaré Hurley erweitert den grundsätzlich direkten Crossover-Stil mit melodischen Linien und technisch starken Soli. Produziert und gemischt wurde die EP von Lucas Fletcher in den Shell City Studios, während Bob Cooper das Mastering übernahm. Das Ergebnis klingt wuchtig und modern, lässt den einzelnen Instrumenten aber genügend Raum. Die ersten beiden Stücke gehen ohne lange Umwege auf körperliche Wirkung, während das ausgedehnte »In Amber« eine melodischere und ambitioniertere Seite offenbart. Der abschließende »The Divine Art Of War« führt schließlich zurück zu kontrollierter Aggression und geschlossenem Zusammenspiel.

MIT VEREINTEN KRÄFTEN IN DEN PIT

Der Titelsong »From Strength To Strength« verschwendet keine Zeit mit einem atmosphärischen Vorspiel. Ein kompakter Gitarrenanschlag eröffnet die EP, bevor Schlagzeug, Bass und Rhythmusgitarre gemeinsam ein schweres Crossover-Riff aufbauen. Das Tempo bleibt zunächst im mittleren Bereich. Statt sich ausschließlich auf Geschwindigkeit zu verlassen, setzt die Band auf kontrollierten Druck, deutlich gesetzte Pausen und eine Rhythmik, die unmittelbar auf Bewegung ausgelegt ist.

Brandon Goodair trägt seine Zeilen mit einem rauen, konfrontativen Hardcore-Gesang vor. Er schreit nicht wahllos über die Instrumente, sondern orientiert seine Betonungen eng an den Gitarren. Dadurch werden einzelne Textzeilen zu zusätzlichen rhythmischen Schlägen. Die Stimme liegt deutlich im Vordergrund, verdrängt die Instrumente aber nicht. Besonders die tiefen Gitarren und der Bass behalten genügend Präsenz.

Das zentrale Riff gehört nicht zu den kompliziertesten Figuren des modernen Thrash Metal. Seine Wirkung entsteht aus dem präzisen Zusammenspiel. Louie Hawkes setzt die Snare mit erheblicher Wucht, hält seine Schläge aber jederzeit kontrolliert. Kurze Fills markieren die Übergänge, ohne den Groove aufzubrechen. Harvey Lewis verdichtet das Fundament mit einem kräftigen Bassklang, der auch unter den verzerrten Gitarren hörbar bleibt.

Im weiteren Verlauf zieht das Tempo an. Schnellere Thrash-Passagen wechseln mit schweren Hardcore-Rhythmen, ohne dass der Song wie eine willkürliche Sammlung verschiedener Stilmittel wirkt. Die Übergänge erfolgen geschlossen und zeigen, dass Martyrs Saint ihre Wirkung nicht allein auf Lautstärke aufbauen. Die Band weiß, wann ein Riff beschleunigt werden muss und wann eine kurze rhythmische Öffnung größeren Druck erzeugt.

Der Titeltrack ist ein kompakter Schlachtruf über Selbstbehauptung und den Willen, aus Widerständen gestärkt hervorzugehen. Inhalt und Musik greifen sinnvoll ineinander. Die Nummer besitzt ausreichend Wucht für den Pit, bleibt durch ihre klaren Strukturen aber auch außerhalb eines Konzertsaals nachvollziehbar. Als Einstieg erfüllt sie ihren Zweck nahezu ideal: keine überflüssigen Wiederholungen, kein künstlich verlängerter Mittelteil und keine technische Selbstdarstellung.

DER FEIND MEINES FEINDES

»Enemy Of My Enemy« beginnt mit verschlungenen Gitarrenfiguren und einem stärker ausgeprägten Thrash-Metal-Einschlag. Die Rhythmusgitarre arbeitet mit kurzen, scharf gedämpften Anschlägen, während die Leadgitarre erste melodische Akzente setzt. Hawkes unterstützt die Bewegung mit aggressiven Snare-Schlägen und schnellen Übergängen. Der Song wirkt dadurch nervöser und technisch anspruchsvoller als der Opener.

Goodairs Stimme bleibt tief, rau und kämpferisch. Sein Vortrag erinnert stellenweise an klassischen New-York-Hardcore, während die Instrumentierung deutlich stärker im Thrash Metal verankert ist. Dieser Gegensatz funktioniert ausgesprochen gut. Die Gitarren rasen nicht permanent, sondern brechen regelmäßig in schwere, langsamer gesetzte Figuren ein. Dadurch entsteht eine wirkungsvolle Spannung zwischen Geschwindigkeit und körperlichem Groove.

Besonders Amaré Hurley rückt in den Mittelpunkt. Seine Leadgitarre beschränkt sich nicht auf kurze Geräusche oder einfache Oktavfiguren. Das Solo besitzt eine klare melodische Entwicklung, verbindet schnelle Läufe mit kontrollierten Bendings und bleibt trotz hoher Geschwindigkeit sauber artikuliert. Hurleys Fingerfertigkeit erweitert den Crossover-Sound um eine klassische Metal-Komponente, ohne die aggressive Grundhaltung abzuschwächen.

Der Bass von Lewis trägt erheblich zur Schwere bei. In den langsameren Passagen wird er nicht vollständig von den Gitarren verdeckt, sondern setzt einen eigenen, tiefen Puls. Gerade dadurch erhalten die Breakdowns mehr Substanz. Viele Produktionen dieses Genres reduzieren den Bass auf eine kaum wahrnehmbare Verdopplung der Gitarren. Auf »From Strength To Strength« ist er dagegen ein fester Bestandteil des Gesamtklangs.

Kompositorisch ist »Enemy Of My Enemy« abwechslungsreicher als der Titelsong. Die Band verbindet schnelle Thrash-Riffs, kurze Leadpassagen, groovende Hardcore-Abschnitte und einen massiven Schluss miteinander. Trotz dieser Vielfalt bleibt die Nummer kompakt. Kein Abschnitt wirkt unnötig eingeschoben. Die Musiker wechseln präzise zwischen den verschiedenen Tempi und behalten auch während der abrupten Unterbrechungen ihre Geschlossenheit.

Der Song gehört zu den stärksten Momenten der EP. Er besitzt die unmittelbare Härte des Openers, zeigt aber deutlich mehr instrumentale Tiefe. Vor allem Hurleys Gitarrenarbeit und Hawkes’ druckvolles Schlagzeug sorgen dafür, dass Martyrs Saint nicht wie eine weitere Band klingen, die lediglich bekannte Crossover-Bausteine neu zusammensetzt.

SECHS MINUTEN IN BERNSTEIN

Mit einer Laufzeit von mehr als sechs Minuten nimmt »In Amber« eine Sonderstellung ein. Die ersten beiden Songs bleiben kurz, aggressiv und direkt. Die dritte Nummer beginnt dagegen mit harmonisierten Gitarren, einer zurückgenommenen Rhythmik und einer deutlich melancholischeren Grundstimmung. Hier zeigt sich erstmals, dass Martyrs Saint nicht dauerhaft auf Konfrontation und Moshparts beschränkt bleiben wollen.

Goodair verändert seinen Vortrag und arbeitet stärker mit melodischen Gesangslinien. Seine klare Stimme besitzt nicht die geschliffene Perfektion eines klassischen Heavy-Metal-Sängers, wirkt aber glaubwürdig und emotional. Gerade die leichte Rauheit verhindert, dass der Song plötzlich wie ein vollständiger Stilbruch klingt. Die Hardcore-Herkunft bleibt auch in den ruhigeren Passagen erkennbar.

Die Gitarren bauen den Song schrittweise auf. Zunächst bestimmen offene Akkorde und zweistimmige Melodien das Klangbild. Anschließend treten Bass und Schlagzeug stärker hervor, bevor die Verzerrung zunimmt. Hurley und Goodair ergänzen sich dabei überzeugend. Die Rhythmusgitarre liefert breite Akkorde, während die Leadgitarre melodische Linien darüberführt. Beide Spuren bleiben klar voneinander unterscheidbar.

In der Mitte gewinnt »In Amber« deutlich an Schwere. Hawkes zieht die Intensität an, die Gitarren werden massiver und Goodair wechselt zurück zu seinem aggressiveren Gesang. Dieser Übergang funktioniert, weil die Band den Aufbau nicht überstürzt. Die anfängliche Zurückhaltung verleiht dem späteren Ausbruch mehr Wirkung als ein sofortiger Einstieg mit maximaler Lautstärke.

Hurleys Soli gehören zu den Höhepunkten der gesamten EP. Schnelle Tonfolgen, lange Bendings und melodische Wiederholungen werden nicht wahllos aneinandergereiht, sondern entwickeln den emotionalen Charakter des Songs weiter. Seine Leadgitarre wirkt gleichzeitig technisch kontrolliert und ausdrucksstark. Die Fingerfertigkeit ist deutlich hörbar, bleibt aber dem Aufbau untergeordnet.

Allerdings zeigt die ausgedehnte Laufzeit auch die Grenzen des bisherigen Songwritings. Einige Übergänge werden länger vorbereitet, als es für ihre Wirkung notwendig wäre. Besonders im ersten Drittel könnte die Komposition etwas schneller zum entscheidenden Motiv gelangen. Auch einzelne melodische Wiederholungen tragen nicht immer neue Informationen bei. Der Song verliert dadurch zeitweise den unmittelbaren Zug der ersten beiden Nummern.

Trotzdem ist »In Amber« für die EP unverzichtbar. Ohne diesen Titel wäre »From Strength To Strength« eine starke, aber stilistisch relativ vorhersehbare Crossover-Veröffentlichung. Die längere Nummer erweitert das Bild um Melodie, Dynamik und emotionalen Ausdruck. Sie deutet an, dass Martyrs Saint auf einem zukünftigen Album auch jenseits kurzer Pit-Hymnen überzeugen könnten.

DIE GÖTTLICHE KUNST DES KRIEGES

»The Divine Art Of War« führt die EP zurück zu schweren Gitarren und kontrollierter Aggression. Das eröffnende Riff arbeitet mit tiefen, deutlich voneinander getrennten Anschlägen. Jeder Akkord erhält genügend Raum, bevor das Schlagzeug die nächste Bewegung einleitet. Dadurch entsteht eine bedrohliche Spannung, die wesentlich wirkungsvoller ist als ein sofortiger Geschwindigkeitsausbruch.

Hawkes liefert hier seine stärkste Leistung. Seine Drums bilden nicht nur ein gleichförmiges Fundament, sondern bestimmen den Verlauf der Nummer. Kurze Pausen, präzise Snare-Akzente und wechselnde Bassdrum-Figuren geben den Gitarren ihre Richtung. Besonders die Tempowechsel werden geschlossen umgesetzt. Die Band klingt wie eine eingespielte Einheit und nicht wie vier Musiker, deren Spuren nachträglich übereinandergelegt wurden.

Lewis’ Bass tritt ebenfalls deutlicher hervor. Sein Klang besitzt genügend Härte, um sich gegen die Rhythmusgitarre durchzusetzen. In einigen Übergängen übernimmt das Instrument beinahe die Führung, bevor die Gitarren erneut mit voller Kraft einsetzen. Diese Präsenz gibt dem Song eine massive Tiefe und verhindert, dass die Produktion ausschließlich aus Mitten und schneidenden Höhen besteht.

Goodairs Gesang ist wieder vollständig im Hardcore verankert. Die Zeilen werden mit einer direkten, beinahe anklagenden Energie vorgetragen. Unterstützung erhält er durch Hurleys Hintergrundstimmen, die einzelne Passagen verstärken und den Eindruck einer gemeinschaftlichen Konfrontation erzeugen. Der Song besitzt dadurch eine glaubwürdige Livewirkung.

Die Leadgitarre setzt gezielte Akzente, ohne die Rhythmusarbeit zu überladen. Hurley spielt erneut technisch sauber, hält sich aber stärker zurück als bei »Enemy Of My Enemy« und »In Amber«. Das passt zum Aufbau. »The Divine Art Of War« lebt weniger von ausgedehnten Soli als von der Geschlossenheit der gesamten Band.

Als Abschluss funktioniert die Nummer ausgezeichnet. Sie verbindet die direkte Härte des Titelstücks mit der instrumentalen Präzision des zweiten Songs. Der Mittelteil erzeugt durch schwere, kontrolliert gesetzte Riffs beträchtlichen Druck, bevor das Finale noch einmal sämtliche Instrumente zusammenführt. Nach knapp 19 Minuten endet die EP ohne überflüssigen Ausklang. Die Band hat ihre Aussage gemacht und zieht sich zurück, bevor sich die Wirkung abnutzen kann.

THRASH-METAL-TECHNIK TRIFFT HARDCORE-GROOVE

Die zentrale Stärke von Martyrs Saint liegt in der Verbindung zweier unterschiedlicher musikalischer Denkweisen. Thrash Metal lebt von Geschwindigkeit, präzisem Anschlag und komplexerer Gitarrenarbeit. Hardcore setzt stärker auf Rhythmus, Direktheit und körperliche Wirkung. Auf »From Strength To Strength« werden diese Bestandteile nicht bloß abwechselnd eingesetzt, sondern sinnvoll miteinander verzahnt.

Goodairs Rhythmusgitarre liefert die notwendige Härte. Seine Riffs basieren häufig auf kurzen, gedämpften Figuren, deren Pausen ebenso wichtig sind wie die gespielten Töne. Gerade bei mittelschnellem Tempo muss jeder Anschlag exakt sitzen. Kleinere Ungenauigkeiten würden den gesamten Groove schwächen. Die Gitarrenarbeit bleibt jedoch durchgehend kontrolliert.

Hurley erweitert dieses Fundament mit klassischen Metal-Leads. Seine Soli besitzen technische Substanz und zeigen beträchtliche Fingerfertigkeit. Schnelle Läufe, präzise Bendings und flüssige Übergänge werden sauber ausgeführt. Entscheidend ist jedoch, dass seine Beiträge nicht wie Fremdkörper wirken. Die Leadgitarre greift vorhandene Motive auf und führt sie weiter, statt lediglich möglichst viele Noten über die Rhythmusgruppe zu legen.

Hawkes ist für die körperliche Wirkung der EP verantwortlich. Sein Schlagzeug klingt kräftig, aber nicht künstlich überhöht. Die Snare besitzt einen harten Anschlag, während die Bassdrum ausreichend Druck entwickelt. Technisch bleibt das Spiel abwechslungsreich. Schnelle Thrash-Rhythmen, schwere Hardcore-Grooves und zurückhaltendere Passagen werden sicher miteinander verbunden.

Lewis hält das Material am Boden. Sein Bass folgt häufig den Gitarren, erhält aber genügend Eigenständigkeit und Präsenz. Besonders bei »Enemy Of My Enemy« und »The Divine Art Of War« trägt er erheblich zur Schwere bei. Dass sämtliche Instrumente hörbar bleiben, ist nicht allein der Produktion, sondern auch dem durchdachten Zusammenspiel zu verdanken.

DRUCKVOLL, ABER NICHT VOLLSTÄNDIG GLATTGEBÜGELT

Produzent und Toningenieur Lucas Fletcher verleiht der EP einen modernen, massiven Klang. Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang sind klar voneinander getrennt, greifen in den härtesten Passagen aber dennoch zu einer geschlossenen Wand ineinander. Das Mastering von Bob Cooper sorgt für ausreichend Lautstärke, ohne sämtliche dynamischen Unterschiede einzuebnen.

Die Rhythmusgitarren besitzen einen tiefen und trockenen Klang. Sie wirken weder übermäßig digital noch künstlich aufgebläht. Anschläge und Dämpfungen bleiben nachvollziehbar. Die Leadgitarre wurde etwas heller platziert und setzt sich dadurch problemlos durch. Besonders während der Soli entsteht eine klare räumliche Trennung.

Das Schlagzeug ist druckvoll aufgenommen. Hawkes’ Snare steht deutlich im Mix, während die Becken nicht unangenehm scharf werden. Die Bassdrum unterstützt die schweren Riffs, dominiert sie aber nicht. Der Bass erhält genügend Tiefen und Mitten, um auch auf kleineren Wiedergabesystemen hörbar zu bleiben.

Goodairs Stimme wurde weit vorn platziert, was zur konfrontativen Ausrichtung passt. Dennoch besitzt sie ausreichend räumliche Einbettung, um nicht vollständig von der Band getrennt zu wirken. Die Hintergrundstimmen wurden gezielt eingesetzt und vermeiden den Eindruck künstlich vergrößerter Chöre.

Die Produktion ist sauber, bewahrt aber genügend Rauheit. Crossover Thrash verliert schnell an Wirkung, wenn jede Spur vollständig korrigiert und poliert wird. »From Strength To Strength« klingt kontrolliert, vermittelt jedoch weiterhin den Eindruck einer Band, die gemeinsam in einem Raum spielt. Diese Balance gelingt überzeugend.

STARKER EINSTIEG MIT ENTWICKLUNGSPOTENZIAL

Die EP ist mehr als eine bloße Sammlung aggressiver Riffs. Der Titelsong und »The Divine Art Of War« liefern unmittelbare Crossover-Wucht, »Enemy Of My Enemy« stellt die technische Gitarrenarbeit stärker heraus und »In Amber« erweitert das Material um Melodie und einen mehrteiligen Aufbau. Dadurch besitzt die Veröffentlichung trotz ihrer kurzen Spielzeit einen nachvollziehbaren Spannungsbogen.

Nicht sämtliche Einflüsse werden bereits zu einer vollkommen eigenständigen Sprache verbunden. Die Nähe zu Power Trip, Hatebreed, Terror und klassischem Crossover Thrash ist stellenweise deutlich. Einige Breakdowns und Gesangsrhythmen bewegen sich auf vertrautem Gebiet. Das Quartett kopiert seine Vorbilder jedoch nicht einfach. Hurleys Leadgitarren und die melodische Entwicklung von »In Amber« zeigen bereits eigene Ansätze.

Gerade der Gegensatz zwischen unmittelbarer Härte und ambitionierterer Songentwicklung macht neugierig. Auf einem vollständigen Album müsste die Band allerdings darauf achten, längere Kompositionen straffer zu strukturieren. »In Amber« besitzt starke Ideen, verliert während seiner sechs Minuten aber kurzzeitig an Zug. Die kompakteren Stücke funktionieren derzeit geschlossener.

Für eine Debüt-EP ist das Kritik auf hohem Niveau. Die Musiker besitzen eine klare Vorstellung davon, wie ihre Musik klingen soll. Sie beherrschen ihre Instrumente, schreiben wirkungsvolle Riffs und verfügen über eine Produktion, die ihre Stärken angemessen präsentiert. Vor allem fehlt es ihnen nicht an Energie. Die vier Songs klingen nicht nach vorsichtigem Herantasten, sondern nach einer Band, die ihren Platz in der britischen Underground-Szene mit Nachdruck beansprucht.

FAZIT:

»From Strength To Strength« ist eine ausgesprochen starke Debüt-EP, auf der Martyrs Saint Thrash Metal und Hardcore zu einem druckvollen, präzise gespielten Crossover verbinden. Der Titelsong eröffnet die Veröffentlichung mit kontrolliertem Groove und einer glaubwürdigen Botschaft der Selbstbehauptung. »Enemy Of My Enemy« überzeugt durch verschlungene Gitarren, massive Drums und eines der besten Soli der EP. Das ausgedehnte »In Amber« offenbart melodische und emotionale Fähigkeiten, könnte an einigen Stellen jedoch kompakter aufgebaut sein. »The Divine Art Of War« beendet das Werk schließlich mit schwerem Riffing, einem dominanten Bass und einem hervorragend aufeinander abgestimmten Zusammenspiel. Besonders die Leadgitarre von Amaré Hurley, die wuchtige Schlagzeugarbeit von Louie Hawkes und der konfrontative Gesang von Brandon Goodair verleihen der Band Profil. Die stilistischen Vorbilder bleiben erkennbar, doch genügend eigene Ideen sind bereits vorhanden. Knapp 19 Minuten reichen aus, um deutlich zu machen, dass aus Bristol eine Crossover-Band kommt, deren erster größerer Schritt seinem Titel vollkommen gerecht wird.

Martyrs Saint – In Amber – Official Music Video

Internet

Martyrs Saint - From Strength To Strength - EP Review

Vorheriger ArtikelDemetra’s Scars – Born Unbroken
Nächster ArtikelHROTHGAR – Tales of Valhöll