Man Rabid - The Messiah Complex I - cover Artwork

Band: Man Rabid 🇸🇪
Titel: The Messiah Complex I
Label: Black Lodge Records
VÖ: 19.06.2026
Format: CD / Digital
Genre: Microtonal Heavy Metal / Industrial Metal / Groove Metal

Tracklist

01. Seven Days (Radio Edit) – 05:35
02. 4 Years (My Fire Is Cold) – 04:23
03. Zero Again – 05:29
04. Fokker – 03:39
05. Seven Days – 05:59

Besetzung

Tony Jelencovich Aaberg – Gesang, Gitarren und Bass
Andreas Engberg – Schlagzeug

Weitere Mitwirkende:
von Heidelberg – Keyboards, Samples und Drum Machines
Mohammed Nader – Violine auf »4 Years (My Fire Is Cold)« und »Zero Again«
Julienne Rahali Jelencovich – Gastgesang auf »4 Years (My Fire Is Cold)«

Produktion:
Produktion – Risza
Co-Produktion – von Heidelberg und Svein Jensen
Aufnahmen – Risza in den Danhage & Hoffa Studios
Gesangsaufnahmen – Dan Johansson in den Grand Recordings
Mixing – Svein Jensen
Mastering – Philip Granqvist

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Zwölf Halbtöne pro Oktave haben den meisten Musikern über Jahrhunderte hinweg vollkommen ausgereicht. Man Rabid geben sich damit allerdings nicht zufrieden. Für sein neues Projekt verwendet der schwedische Musiker Tony Jelencovich Aaberg eigens angefertigte Gitarren und Bässe, deren Oktaven nicht in zwölf, sondern in 19 gleichmäßige Tonschritte unterteilt sind. Das Ergebnis ist auf der Debüt-EP »The Messiah Complex I« unmittelbar hörbar. Die Riffs wirken vertraut und gleichzeitig merkwürdig verschoben, als hätte jemand Industrial Metal, Groove Metal und moderne Härte durch einen leicht verzogenen Spiegel betrachtet. Interessantes Sounddesign, dissonante Gitarren, mechanische Rhythmen und intensive Vocals werden auf einem bombenfesten Fundament aus Drums und Bass aufgebaut. Die druckvolle Produktion zieht den Zuhörer in ihren Bann, verlangt aber auch die Bereitschaft, gewohnte harmonische Sicherheiten für knapp 25 Minuten hinter sich zu lassen.

Audioplayer

NEUNZEHN SCHRITTE AUSSERHALB DER NORM

Hinter Man Rabid steht kein unerfahrener Newcomer. Tony Jelencovich Aaberg war unter anderem bei Transport League, M.A.N und Mnemic aktiv. Gerade die Verbindung aus Groove, industrieller Präzision und moderner metallischer Härte gehört seit Langem zu seinem musikalischen Umfeld.

Das neue Projekt soll diese Vergangenheit jedoch nicht einfach wiederholen. Der entscheidende Unterschied liegt im verwendeten Tonsystem. Übliche westliche Instrumente sind auf zwölf gleich große Tonschritte pro Oktave ausgerichtet. Die speziell angefertigten Instrumente von Man Rabid arbeiten hingegen mit 19 gleichmäßigen Abstufungen.

Für den Hörer bedeutet das nicht, dass plötzlich jeder Ton vollkommen fremdartig klingt. Viele rhythmische Grundlagen, Songstrukturen und Klangfarben bleiben zunächst vertraut. Die Abstände zwischen den Tönen verschieben sich jedoch. Akkorde wirken dadurch angespannter, Riffs scheinen sich leicht zu verbiegen und melodische Bewegungen nehmen Richtungen, die sich nicht vollständig mit den üblichen Hörgewohnheiten decken.

Die Technik wird nicht als theoretische Demonstration eingesetzt. Man Rabid wollen keine musikalische Mathematikstunde veranstalten, sondern das ungewöhnliche Tonsystem für körperlich wirkenden Metal verwenden. Gitarren und Bass erzeugen weiterhin massive Grooves, erhalten durch ihre Stimmung aber eine zusätzliche Reibung.

Besonders interessant ist das Zusammenspiel mit den Keyboards von von Heidelberg. Diese bleiben im gewöhnlichen Zwölftonsystem, während Gitarren und Bass mit 19 Abstufungen arbeiten. Daraus entsteht eine bewusste Spannung zwischen zwei harmonischen Welten.

Anstatt diese Reibung im Mix zu verstecken, wird sie zum zentralen Bestandteil des Sounddesigns. Manche Klangflächen wirken, als würden sie gegeneinanderdriften. Die Musik steht dadurch ständig unter Spannung, selbst wenn das Tempo reduziert wird.

SIEBEN TAGE ZWISCHEN FEUER UND WIDERSTAND

»Seven Days« eröffnet die EP zunächst als Radio Edit und kehrt am Ende in einer längeren Version zurück. Inhaltlich beschäftigt sich der Song mit dem fortwährenden Kampf des Lebens in einer Welt, die den Menschen immer wieder herausfordert und seine Existenz auf die Probe stellt.

Musikalisch ist die Nummer eine gute Einführung in das Konzept von Man Rabid. Ein schwerer, mechanischer Groove trifft auf verzerrte Gitarren, deren Tonabstände zunächst nur leicht ungewöhnlich erscheinen. Je länger die Komposition läuft, desto deutlicher wird jedoch, dass die Riffs nicht nach den gewohnten Regeln aufgebaut sind.

Andreas Engberg liefert am Schlagzeug das notwendige Fundament. Sein Spiel bleibt kontrolliert und präzise, klingt jedoch nicht wie eine vollständig programmierte Rhythmusspur. Die Schläge besitzen Gewicht und geben den verschobenen Gitarren eine verlässliche Orientierung.

Der Bass ist nicht bloß eine tieffrequente Ergänzung. Durch dieselbe 19-EDO-Stimmung wie die Gitarre verstärkt er die mikrotonalen Bewegungen und verleiht dem Groove seine eigenartige Schwere. Gerade über gute Lautsprecher wird deutlich, wie eng beide Instrumente miteinander verbunden sind.

Aabergs Gesang wirkt rau, aufgewühlt und körperlich. Er erzählt nicht aus sicherer Entfernung, sondern trägt die Zeilen wie eine direkte Auseinandersetzung vor. Die Stimme passt hervorragend zur rauen Instrumentierung und verhindert, dass das technische Konzept zu akademisch erscheint.

Zwischen den schweren Abschnitten öffnen elektronische Flächen den Klang. Samples und Drum Machines erweitern die industrielle Ausrichtung, ohne das akustische Schlagzeug zu verdrängen. Dadurch entsteht ein Wechsel zwischen menschlicher Energie und mechanischer Kontrolle.

Der Radio Edit ist mit mehr als fünfeinhalb Minuten noch immer ungewöhnlich ausführlich. Der Begriff sollte deshalb nicht mit einem klassischen dreiminütigen Format verwechselt werden. Gegenüber der längeren Version wird lediglich etwas gestrafft, ohne den grundsätzlichen Aufbau zu verändern.

Dass derselbe Song zweimal auf einer lediglich fünf Titel umfassenden EP auftaucht, ist allerdings diskussionswürdig. Die unterschiedlichen Fassungen ermöglichen zwar einen direkten Vergleich, reduzieren die Zahl tatsächlich eigenständiger Kompositionen aber auf vier.

DAS ERLOSCHENE FEUER VON VIER JAHREN

»4 Years (My Fire Is Cold)« erweitert den Klang deutlich. Neben Aabergs Hauptstimme ist Julienne Rahali Jelencovich als Gastsängerin beteiligt, während Mohammed Nader Violine spielt.

Die Violine ist keine bloße Verzierung im Hintergrund. Ihr natürlicher, beweglicher Klang bildet einen reizvollen Gegensatz zu den tiefen Gitarren und elektronischen Bestandteilen. Sie kann sich zwischen den ungewöhnlichen Tonabständen bewegen, ohne so fest an die Grenzen eines bundierten Standardinstruments gebunden zu sein.

Das Stück wirkt dadurch emotionaler und weniger rein mechanisch als der Auftakt. Die Rhythmusgruppe bleibt schwer und kontrolliert, lässt den zusätzlichen Stimmen und der Violine aber ausreichend Platz.

Besonders der Gastgesang erweitert das vokale Spektrum. Die unterschiedliche Klangfarbe verhindert, dass die EP vollständig von Aabergs rauem Vortrag dominiert wird. Die Stimmen stehen sich teilweise gegenüber und erzeugen eine beinahe dialogische Wirkung.

Der Titel deutet einen längeren Zeitraum der Erstarrung oder Entfremdung an. Die Musik unterstützt diesen Eindruck durch kältere Flächen und Passagen, in denen sich die Instrumente nicht sofort zu einem massiven Gesamtklang verbinden.

Sobald der Groove einsetzt, verändert sich die Wirkung. Drums und Bass drücken das Stück nach vorn, während die höheren Instrumente eine andere emotionale Ebene aufrechterhalten. Dadurch entsteht eine Spannung zwischen Bewegung und innerem Stillstand.

Die Produktion behandelt diese Bestandteile mit großer Sorgfalt. Violine, Elektronik, Stimmen und verzerrte Saiteninstrumente bleiben weitgehend unterscheidbar. Der Mix ist druckvoll, ohne jedes Detail in einer durchgehend lauten Klangfläche zu begraben.

»4 Years (My Fire Is Cold)« gehört deshalb zu den stärksten Titeln der EP. Hier wirkt die Mikrotonalität nicht lediglich als ungewöhnliche Rifftechnik, sondern als Bestandteil eines vielschichtigen Arrangements.

IMMER WIEDER ZURÜCK AUF NULL

Auch auf »Zero Again« ist Mohammed Nader an der Violine zu hören. Der Song verwendet das Instrument jedoch in einem anderen Umfeld. Wo der vorherige Titel stärker von unterschiedlichen Stimmen und emotionaler Weite lebt, wirkt »Zero Again« kompakter und unruhiger.

Die tiefen Riffs bewegen sich in kurzen, verschobenen Figuren. Wiederholungen erhalten durch kleine Veränderungen in Tonhöhe und Betonung eine zunehmend unangenehme Wirkung. Der Hörer erkennt das rhythmische Muster, kann sich auf die harmonische Bewegung aber nie vollständig verlassen.

Engbergs Schlagzeug sorgt erneut dafür, dass diese Konstruktion nicht auseinanderfällt. Die Drums halten den Groove fest, während Gitarren, Bass, Violine und elektronische Spuren um ihn herum unterschiedliche Spannungen erzeugen.

Gerade hier zeigt sich, weshalb das ungewöhnliche Tonsystem für schwere Musik interessant ist. Ein gewöhnlicher Groove kann durch minimale Verschiebungen plötzlich fremdartig wirken, ohne seine körperliche Durchschlagskraft zu verlieren.

Die Violine setzt schärfere Akzente und hebt sich deutlich von der verzerrten Tiefe ab. Anstatt das Arrangement einfach melodischer zu machen, verstärkt sie die nervöse Atmosphäre.

Aabergs Stimme klingt aufgebracht und teilweise beinahe beschwörend. Seine Phrasierung folgt nicht immer exakt den Gitarren, sondern arbeitet gegen einzelne rhythmische Bewegungen. Dies verleiht dem Stück zusätzliche Unruhe.

Der Titel gehört zu den anspruchsvolleren Momenten der EP. Während »Seven Days« einen vergleichsweise direkten Zugang bietet, zeigt »Zero Again« deutlicher, wie ungewohnt mikrotonaler Groove Metal klingen kann.

Trotz der vielen Ebenen verliert der Song seinen Druck nicht. Bass und Schlagzeug bleiben das bombenfeste Fundament, auf dem die experimentelleren Bestandteile sicher stehen.

FOKKER VERZICHTET AUF UMWEGE

Mit weniger als vier Minuten ist »Fokker« die kürzeste und direkteste Komposition. Der Song verzichtet auf die ausgedehnteren Entwicklungen seiner Vorgänger und konzentriert sich stärker auf Rhythmus, Riff und unmittelbare Wirkung.

Die Gitarren schlagen kurze, kantige Figuren an, während Bass und Schlagzeug den Groove mit erheblichem Gewicht vorantreiben. Elektronische Bestandteile bleiben vorhanden, treten aber weniger deutlich in den Vordergrund.

Diese Konzentration tut der EP gut. Nachdem »4 Years (My Fire Is Cold)« und »Zero Again« mit zusätzlichen Instrumenten und mehreren Klangschichten gearbeitet haben, reduziert »Fokker« das Konzept auf seine härtesten Bestandteile.

Der Song besitzt eine beinahe industrielle Körperlichkeit. Die Drums wirken wie schwere Kolbenbewegungen, ohne vollkommen maschinell zu klingen. Darüber liegen Riffs, die sich durch ihre ungewöhnlichen Intervalle immer wieder leicht aus der erwarteten Richtung drehen.

Aabergs Gesang fällt besonders aggressiv aus. Kurze Phrasen und raue Ausbrüche folgen dem rhythmischen Druck, statt eine lange melodische Linie über das Arrangement zu legen.

Der kompakte Aufbau macht »Fokker« zu einem der unmittelbarsten Titel. Man muss das verwendete Tonsystem nicht verstehen, um auf den Groove zu reagieren. Genau hier erfüllt Man Rabid das Versprechen, technische Experimentierfreude mit roher Aggression zu verbinden.

Gleichzeitig hätte die Komposition noch etwas länger ausgearbeitet werden können. Gerade als sich das ungewöhnliche Riffing vollständig festsetzt, nähert sich der Song bereits seinem Ende. Innerhalb der EP sorgt diese Kürze dennoch für einen wirkungsvollen Kontrast.

SIEBEN TAGE IN VOLLER LÄNGE

Die abschließende Langfassung von »Seven Days« ergänzt das bereits bekannte Material um zusätzlichen Raum. Übergänge können länger wirken, elektronische Bestandteile erhalten mehr Zeit und die Dramaturgie erscheint weniger auf unmittelbare Wirkung zugeschnitten.

Der Unterschied zur Radiofassung ist allerdings nicht so groß, dass daraus ein vollständig neues Hörerlebnis entstehen würde. Wer die EP in ihrer vorgegebenen Reihenfolge hört, begegnet nach drei weiteren Songs erneut sehr vertrauten Motiven.

Als Abschluss funktioniert die Langversion dennoch besser als der Radio Edit. Die Komposition kann ihren Spannungsbogen vollständiger entfalten und muss weniger schnell zum nächsten Abschnitt übergehen.

Besonders die langsameren und elektronisch geprägten Momente profitieren von der zusätzlichen Zeit. Das Stück wirkt dadurch atmosphärischer und vermittelt deutlicher den Eindruck eines vollständigen Endpunkts.

Trotzdem bleibt die Entscheidung ungewöhnlich. Bei einem Album mit zehn oder zwölf Songs wären zwei Fassungen desselben Titels kaum problematisch. Auf einer fünf Tracks umfassenden EP nimmt die Wiederholung jedoch einen erheblichen Teil der Spielzeit ein.

Eine separate Bonusposition oder eine physische Zugabe hätte den vier eigenständigen Stücken möglicherweise mehr Gewicht gegeben. Die künstlerische Qualität von »Seven Days« wird dadurch nicht geschmälert, wohl aber der Umfang des Gesamtpakets.

Immerhin zeigt der direkte Vergleich, dass Man Rabid ihre Musik nicht ausschließlich über einzelne Riffs definieren. Arrangement, Länge und Übergänge verändern die Wirkung deutlich, selbst wenn das grundlegende Material identisch bleibt.

MIKROTONALITÄT OHNE AKADEMISCHE DISTANZ

Mikrotonale Musik besitzt schnell den Ruf, vor allem für Komponisten, Musiktheoretiker und besonders experimentierfreudige Hörer interessant zu sein. Man Rabid umgehen dieses Problem, indem sie ihre technische Grundlage mit einem äußerst körperlichen Rhythmus verbinden.

Die EP verlangt keine theoretischen Vorkenntnisse. Man muss weder 19-EDO erklären noch einzelne Intervalle benennen können, um die Spannung der Riffs wahrzunehmen. Die Abweichungen werden unmittelbar als fremdartige Klangfarbe erlebt.

Tony Jelencovich Aaberg setzt seine Spezialinstrumente nicht für permanente Griffbrettakrobatik ein. Im Vordergrund stehen schwere, wiederholbare Figuren, die durch ihr Tonsystem eine andere emotionale Färbung erhalten.

Dadurch bleibt die Musik trotz ihrer ungewöhnlichen Grundlage zugänglich. Fans von Industrial Metal, modernem Groove Metal und den mechanischeren Seiten des Alternative Metal finden genügend bekannte Ankerpunkte.

Gleichzeitig klingt das Material nicht wie eine gewöhnliche Genreproduktion mit nachträglich hinzugefügtem Effekt. Die Mikrotonalität beeinflusst die Kompositionen von Grund auf und lässt sich nicht einfach entfernen, ohne ihre Identität zu verändern.

Besonders überzeugend sind jene Momente, in denen das 19-EDO-System auf Violine oder gewöhnlich temperierte Keyboards trifft. Die unterschiedlichen Klangwelten reiben sich aneinander und erzeugen ein interessantes Sounddesign.

Gelegentlich könnte die EP diese Unterschiede noch stärker herausarbeiten. Manche Passagen verlassen sich vor allem auf den massiven Groove, obwohl das klangliche Konzept noch radikalere Möglichkeiten bieten würde. Als erster Teil einer offenbar größer angelegten Reihe lässt »The Messiah Complex I« damit bewusst Raum für weitere Entwicklungen.

DIE RHYTHMUSGRUPPE HÄLT DAS SYSTEM ZUSAMMEN

Bei aller Aufmerksamkeit für die Stimmung der Gitarren wäre das Experiment ohne eine verlässliche Rhythmusgruppe deutlich schwerer zugänglich. Andreas Engberg spielt deshalb eine zentrale Rolle.

Sein Schlagzeug liefert eine physische Ordnung, an der sich der Hörer festhalten kann. Selbst wenn die Tonabstände fremdartig wirken, bleiben Puls, Groove und Dynamik nachvollziehbar.

Engberg spielt präzise, ohne die menschliche Bewegung vollständig einer programmierten Perfektion zu opfern. Besonders die schweren Akzente besitzen genügend Körper, um den elektronischen Spuren etwas Organisches entgegenzusetzen.

Der Bass von Aaberg ist ebenso wichtig. Da er mit derselben ungewöhnlichen Stimmung wie die Gitarren arbeitet, verstärkt er deren mikrotonale Bewegung, anstatt lediglich die tiefsten Frequenzen aufzufüllen.

In den druckvollsten Passagen verschmelzen Bass und Gitarre zu einem massiven Block. Bei reduzierter Instrumentierung wird dagegen hörbar, dass der Bass eigene rhythmische und klangliche Aufgaben übernimmt.

Die Produktion stellt dieses Fundament weit nach vorn. Kickdrum und Bass besitzen erheblichen Druck, ohne sämtliche höheren Frequenzen zu überdecken. Die Musik bleibt schwer, aber nicht vollkommen undurchsichtig.

Gerade auf Kopfhörern treten kleine Bewegungen innerhalb der tiefen Instrumente hervor. Der erste Eindruck einer kompakten Wand löst sich allmählich in mehrere ineinandergreifende Ebenen auf.

EINE PRODUKTION ZWISCHEN MENSCH UND MASCHINE

Risza verantwortet die Produktion und nahm das Material in den Danhage & Hoffa Studios auf. von Heidelberg und Svein Jensen waren an der Co-Produktion beteiligt, während Jensen zusätzlich das Mixing übernahm.

Der Klang verbindet industrielle Härte mit ausreichend organischer Bewegung. Drum Machines und Samples werden nicht versteckt, ersetzen das akustische Schlagzeug aber auch nicht.

Diese Mischung passt hervorragend zum musikalischen Konzept. Die Technik soll hörbar sein, ohne den menschlichen Anteil aus der Produktion zu verdrängen. Drums und Stimmen behalten deshalb eine gewisse Rauheit.

Die Gitarren wirken breit und schwer, besitzen jedoch eine ungewöhnliche Schärfe. Ihre fremdartigen Tonabstände werden klar genug dargestellt, um nicht einfach wie unsauber gestimmte Standardinstrumente zu erscheinen.

Der Bass erhält ebenfalls ausreichend Raum. Gerade bei einem derart tiefen und dichten Mix wäre es leicht gewesen, ihn vollständig mit den Gitarren verschmelzen zu lassen. Stattdessen bleibt sein Anschlag in vielen Passagen nachvollziehbar.

Die Vocals wurden von Dan Johansson in den Grand Recordings aufgenommen. Aabergs Stimme steht präsent im Zentrum, ohne jedes instrumentale Detail zu verdecken.

Das Mastering von Philip Granqvist sorgt für einen hohen Gesamtdruck. Die EP klingt laut und massiv, behält aber genügend Dynamik für ruhigere oder atmosphärischere Momente.

Nur gelegentlich werden die mittleren Frequenzen sehr dicht. Wenn Gitarren, Stimmen, Violine, Keyboards und Samples gleichzeitig aktiv sind, verlangt der Klang dem Zuhörer einiges ab. Diese Überforderung ist teilweise beabsichtigt, könnte bei längerer Spielzeit aber ermüdend wirken.

VIER SONGS UND EINE KLARE ZUKUNFT

Als Debüt erfüllt »The Messiah Complex I« seine wichtigste Aufgabe: Die EP gibt Man Rabid eine sofort erkennbare Identität. Kaum eine andere aktuelle Metalproduktion verbindet mikrotonale Spezialinstrumente auf genau diese Weise mit industriellem Groove.

Die Verbindung aus technischer Idee und körperlicher Härte funktioniert überzeugend. Das Material bleibt experimentell, ohne in reine Klangforschung abzudriften.

Mit »4 Years (My Fire Is Cold)« und »Zero Again« zeigt das Projekt, dass sich Violine und zusätzliche Stimmen sinnvoll in dieses System integrieren lassen. »Fokker« beweist wiederum, dass die Musik auch in kompakter und direkter Form funktioniert.

»Seven Days« ist ein starker Rahmen, nimmt durch seine doppelte Platzierung aber sehr viel Raum ein. Deshalb fühlt sich die Veröffentlichung gelegentlich eher wie vier Songs mit Bonusfassung als wie eine vollständige Fünf-Track-EP an.

Die Bezeichnung »The Messiah Complex I« deutet allerdings an, dass dies lediglich der erste Teil einer größeren Entwicklung ist. Das Konzept besitzt genügend Möglichkeiten für weitere Veröffentlichungen.

Besonders spannend wäre, wenn kommende Stücke die Konfrontation zwischen 19-EDO-Instrumenten und gewöhnlicher Stimmung noch stärker ausbauen. Auch weitere akustische Instrumente könnten das Klangbild sinnvoll erweitern.

Der erste Schritt ist jedenfalls gelungen. Man Rabid liefern kein Experiment um des Experiments willen, sondern eine Veröffentlichung, die ungewöhnliche Theorie in druckvolle und unmittelbar wirksame Musik übersetzt.

FAZIT:

»The Messiah Complex I« ist eine ungewöhnlichhe und mutige Debüt-EP, mit der Man Rabid mikrotonalen Heavy Metal aus der theoretischen Nische holen. Die eigens angefertigten 19-EDO-Gitarren und -Bässe erzeugen verschobene Riffs und dissonante Grooves, die durch ein bombenfestes Fundament aus Drums und Bass zusammengehalten werden. Das interessante Sounddesign, die druckvolle Produktion und die Verbindung mit elektronischen Elementen, Violine und Gastgesang ziehen den Zuhörer in ihren Bann. Besonders »4 Years (My Fire Is Cold)«, »Zero Again« und das kompakte »Fokker« zeigen das große Potenzial des Projekts. Leichte Abzüge gibt es für die doppelte Platzierung von »Seven Days«, durch die eine ohnehin kurze EP nur vier eigenständige Kompositionen enthält. Dennoch gelingt Tony Jelencovich Aaberg eine eigenwillige Verbindung aus technischer Experimentierfreude, industrieller Kälte und körperlich wirkendem Groove, die neugierig auf den nächsten Teil macht.

Man Rabid – Seven Days – Official Music Video

Internet

Man Rabid - The Messiah Complex I - EP Review

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