Tracklist
01. Jörmungandr
02. Face To Face
03. Fight You Like A Beast
04. Hræsvelgr
05. Blazing Shores
06. Giant
07. Ulfhednar
08. The Voyager
09. Fenrir’s Fate
10. The Kraken
Besetzung
Quentin Peyrouse – Vocals
Tristan Vatrain – Guitar
Benoît Mourenas – Guitar
Seb Couriol – Drums
Zwischen Schlachtfeld und nordischer Mythologie
Die französische Melodic-Death-Metal-Band HROTHGAR widmet sich auf ihrem Zweitwerk »Tales of Valhöll« der Welt nordischer Sagen. Statt historische Genauigkeit in den Mittelpunkt zu stellen, setzt die Gruppe auf eine cineastische Interpretation bekannter Legenden. Gewaltige Riffs treffen auf eingängige Melodien, während Geschichten über Götter, Bestien und Krieger den roten Faden bilden. Sänger Quentin Peyrouse, Gitarristen Tristan Vatrain und Benoît Mourenas sowie Schlagzeuger Seb Couriol erschaffen ein Werk, das die Brücke zwischen klassischem Göteborg-Sound und moderner Härte schlägt.
Melodien mit scharfer Klinge
Bereits der Opener »Jörmungandr« macht deutlich, wohin die Reise geht. Kraftvolle Gitarrenläufe wechseln sich mit aggressiven Growls ab, ohne dass die melodische Komponente jemals verloren geht. HROTHGAR verstehen es, eingängige Leads mit druckvollen Rhythmusgitarren zu verbinden. Das Ergebnis erinnert stellenweise an die Hochphase des skandinavischen Melodic-Death-Metal, wirkt aber keineswegs wie eine bloße Kopie.
»Face To Face« setzt den eingeschlagenen Weg konsequent fort. Die Band erhöht das Tempo und verbindet rasante Drums mit hymnischen Gitarrenharmonien. Besonders die Dynamik zwischen den beiden Gitarristen sorgt dafür, dass der Song trotz hoher Geschwindigkeit abwechslungsreich bleibt.
Mit »Fight You Like A Beast« folgt einer der härtesten Momente der Platte. Der Titel lebt von kompromisslosen Riffs und einer beinahe thrashigen Energie. Gleichzeitig sorgen melodische Zwischenspiele dafür, dass der Song nicht in bloßer Härte versinkt.
Zwischen Mythos und Atmosphäre
Die nordische Thematik wird vor allem in »Hræsvelgr« und »Blazing Shores« greifbar. Ersterer entwickelt eine düstere Atmosphäre und lebt von seinen majestätischen Gitarrenmelodien. Die Musik vermittelt das Gefühl einer kalten, unwirtlichen Landschaft, in der sich gewaltige Kreaturen ihren Platz erkämpfen.
»Blazing Shores« wirkt dagegen deutlich epischer. Hier setzt HROTHGAR verstärkt auf große Refrains und harmonische Gitarrenlinien. Der Song besitzt fast schon hymnischen Charakter und dürfte sich auch live als Publikumsliebling erweisen.
Mit »Giant« nimmt das Album kurzzeitig etwas Tempo heraus. Schwergewichtige Riffs und ein druckvoller Rhythmus verleihen dem Stück eine enorme Wucht. Die Band beweist hier, dass sie nicht ausschließlich über Geschwindigkeit funktioniert, sondern ebenso über Atmosphäre und Groove überzeugen kann.
Höhepunkte im zweiten Albumteil
Einer der stärksten Titel ist »Ulfhednar«. Rasende Schlagzeugarbeit trifft auf melodische Leads, während Quentin Peyrouse seine Growls mit viel Ausdruck präsentiert. Der Song verbindet Aggression und Eingängigkeit nahezu perfekt und gehört ohne Zweifel zu den Höhepunkten des Albums.
Etwas abwechslungsreicher fällt »The Voyager« aus. Hier gönnen sich HROTHGAR ruhigere Passagen, bevor das Stück wieder mit voller Kraft nach vorne geht. Gerade diese Wechsel sorgen dafür, dass das Album auch im letzten Drittel spannend bleibt.
»Fenrir’s Fate« greift erneut tief in die nordische Mythologie. Musikalisch dominieren schnelle Gitarrenläufe und ein kraftvoller Rhythmus. Die Band versteht es, epische Stimmungen aufzubauen, ohne sich in überladenen Arrangements zu verlieren.
Den Abschluss bildet »The Kraken«. Obwohl die Kreatur nicht unmittelbar zur nordischen Götterwelt gehört, fügt sich der Song thematisch gut in das Gesamtkonzept ein. Noch einmal entfesseln HROTHGAR ihre gesamte Energie und verabschieden den Hörer mit einem kraftvollen Finale.
Starke Gitarren, kleine Schwächen
Die größte Stärke von »Tales of Valhöll« liegt eindeutig im Gitarrenspiel. Tristan Vatrain und Benoît Mourenas liefern zahlreiche eingängige Melodien, die sich schnell im Gedächtnis festsetzen. Auch Seb Couriol überzeugt mit präzisem und druckvollem Schlagzeugspiel, das sowohl schnelle Passagen als auch groovige Momente souverän trägt.
Quentin Peyrouse setzt überwiegend auf tiefe Growls, die hervorragend zur musikalischen Ausrichtung passen. Gelegentlich hätte etwas mehr stimmliche Variation den einzelnen Songs zusätzliche Eigenständigkeit verliehen. Auch bewegen sich manche Kompositionen nah an bekannten Genre-Mustern, wodurch einige Überraschungsmomente ausbleiben.
Dennoch gelingt es HROTHGAR, über die gesamte Spielzeit eine dichte Atmosphäre aufrechtzuerhalten. Produktion und Sound sind druckvoll, transparent und geben besonders den Gitarren ausreichend Raum, ohne dass das Schlagzeug oder der Gesang untergehen.
Mit »Tales of Valhöll« liefern HROTHGAR ein überzeugendes Machwerk ab, das Fans von melodischem Death-Metal viel Freude bereiten dürfte. Die Mischung aus aggressiven Riffs, eingängigen Melodien und epischer Wikinger-Thematik funktioniert über weite Strecken exzellent. Zwar verlässt die Band die bekannten Pfade des Genres nur selten, doch die Spielfreude und das handwerkliche Können machen dieses Manko weitgehend wett.
Wer melodischen Death-Metal mit mythologischem Einschlag und viel Gitarrenharmonie schätzt, findet hier ein Album, das vom ersten bis zum letzten Song mitreißt und Lust auf weitere Veröffentlichungen der Franzosen macht.
Fazit: »Tales of Valhöll« ist mehr als nur ein Album, es ist eine Reise durch die Legenden Norwegens, musikalisch umgesetzt mit Leidenschaft und Können.






