Tracklist
01. Deception of Decadence
02. Echoes of Empathy
03. Cycle of Cynicism
04. Reminiscence of Regrets
05. Haunter of The Dark 2025
06. Eater of Worlds (Extended Classical Version)
07. Maere [Live @ Metal Méan Festival]
08. Tephra [Live @ Metal Méan Festival]
09. Plaigh Allais [Live @ Graspop Metal Meeting]
Besetzung
Jesse Peetoom – Vocals
Reinier Schenk – Guitar
Daan Van Egmond – Guitar
Wessel Van Oostrum – Bass
Jasper Van Minnen – Drums
SAILLE gehören seit über einem Jahrzehnt zu den konstantesten Vertretern des symphonisch geprägten Black-Metal aus Belgien. Die Band hat sich früh einen Namen gemacht mit einer Mischung aus klassischer Epik, aggressiven Riffs und einem ausgeprägten Hang zu orchestralen Arrangements. »Forebode« ist das neue Studioalbum der Formation und wurde von Reinier Schenk gemischt sowie von Tom Kvålsvoll im Kvalsonic Lab in Norwegen gemastert. Die aktuelle Besetzung besteht aus Jesse Peetoom am Mikrofon, Reinier Schenk und Daan Van Egmond an den Gitarren, Wessel Van Oostrum am Bass sowie Jasper Van Minnen am Schlagzeug.
Zwischen Erwartung und Abgrund
Der Albumtitel »Forebode« ist Programm. Schon die ersten Sekunden von »Deception of Decadence« lassen keinen Zweifel daran, dass hier kein versöhnliches Werk vorliegt. Stattdessen dominieren düstere Harmonien, pathetische Chöre und ein Soundbild, das stark auf Atmosphäre setzt. SAILLE bleiben ihrem Stil treu, erweitern ihn hörbar um noch mehr cineastische Elemente. Die Band denkt in großen Bögen, weniger in klassischen Songstrukturen.
Was sofort auffällt, ist die saubere, approximativ luxuriöse Produktion. Die Gitarren sind scharf, im Kontrast hierzu nie dünn, das Schlagzeug wuchtig, ohne steril zu wirken. Gerade im Epic-Black-Metal ist das eine Gratwanderung, da zu viel Glätte schnell die rohe Energie killen kann. »Forebode« meistert diesen Spagat erstaunlich souverän.
Epik statt Dauerfeuer
»Echoes of Empathy« und »Cycle of Cynicism« setzen die Marschrichtung fort, verzichten nichtsdestoweniger auf reines Dauergeballer. Stattdessen wechseln sich Blastbeats mit getragenen Midtempo-Passagen ab. Die Songs wirken dadurch strukturierter als auf früheren Alben. Besonders »Reminiscence of Regrets« lebt von seinen melodischen Leitmotiven, die streckenweise hymnisch wirken, ohne ins Kitschige abzurutschen.
Jesse Peetooms Gesang bleibt klassisch im Black-Metal-Spektrum verortet, wird immerhin zunehmend durch Chöre und mehrstimmige Arrangements ergänzt. Das sorgt für eine gewisse Erhabenheit, die gut zum epischen Anspruch passt. Texte und Musik greifen ineinander, thematisch kreist alles um Verfall, innere Leere und gesellschaftliche Entfremdung.
Der dramaturgische Höhepunkt
Mit »Haunter of The Dark 2025« erreicht das Album seinen ersten klaren Höhepunkt. Der Song verbindet aggressive Riffs mit einem fast filmischen Aufbau. Streicherflächen, dezente Pianolinien und ein dynamisches Drumming erzeugen ein Spannungsfeld, das über die gesamte Spielzeit trägt. Hier zeigt sich, wie stark SAILLE mittlerweile in orchestralen Strukturen denken.
»Eater of Worlds (Extended Classical Version)« treibt diesen Ansatz noch weiter. Die klassische Version wirkt weniger wie ein Bonus, sondern eher wie ein zentrales Statement des Albums. Das Stück verzichtet weitgehend auf klassische Black-Metal-Elemente und setzt stattdessen auf ein symphonisches Arrangement, das desgleichen in einem Soundtrack funktionieren würde. Mutig, im Gegensatz hierzu überzeugend.
Live-Material mit Mehrwert
Die letzten drei Tracks stammen von Live-Auftritten, unter anderem vom Metal Méan Festival und vom Graspop Metal Meeting. »Maere«, »Tephra« und »Plaigh Allais« zeigen SAILLE von ihrer direkten Seite. Die Songs klingen rauer, weniger kontrolliert, aber gerade das macht ihren Reiz aus. Man hört, dass die Band live deutlich aggressiver agiert als im Studio.
Diese Live-Versionen wirken nicht wie Füllmaterial, sondern geben dem Album einen zusätzlichen Kontext. Sie zeigen, dass die komplexen Arrangements auch auf der Bühne funktionieren und nicht nur im Studio existieren.
Klangbild und Produktion
Das Mixing von Reinier Schenk ist bemerkenswert ausgewogen. Trotz der vielen Ebenen bleibt jeder Song klar verständlich. Die Gitarren verlieren sich nicht im Orchester, das Schlagzeug bleibt präsent, ohne alles zu dominieren. Das Mastering von Tom Kvålsvoll sorgt für Druck, ohne die Dynamik zu plätten. Gerade in den ruhigeren Passagen entfaltet das Album seine volle Wirkung, weil Luft zwischen den Instrumenten bleibt.
Im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen wirkt »Forebode« reifer, fokussierter und weniger überladen. Die Band scheint genau zu wissen, wann sie aufdrehen muss und wann Zurückhaltung mehr Wirkung erzielt.
»Forebode« ist kein Album für nebenbei. Es verlangt Aufmerksamkeit, Zeit und eine gewisse Offenheit für Pathos und große Gesten. Wer mit Epic Black Metal etwas anfangen kann, bekommt hier ein rundes, hochwertig produziertes Werk, das Atmosphäre über Geschwindigkeit stellt und lieber Spannungsbögen aufbaut, als in blindem Extremismus zu versinken.
SAILLE schaffen es, ihre Wurzeln zu bewahren und gleichzeitig musikalisch erwachsen zu klingen. Die Mischung aus Studio- und Live-Tracks gibt dem Album zusätzliche Tiefe und zeigt unterschiedliche Facetten der Band. Kleine Längen gibt es vereinzelt, vor allem in den ausgedehnten symphonischen Passagen, doch insgesamt bleibt der Spannungsbogen stabil. Ein starkes Album für Fans von epischem, atmosphärischem Black Metal mit cineastischem Anspruch. Keine Revolution, indessen ein sehr souveräner Schritt nach vorne.
Fazit: »Forebode« von SAILLE ist ein kraftvolles, atmosphärisches und episches Black-Metal-Album, das durch seine Vielschichtigkeit und dunkle Tiefe besticht.

