MOONSPELL – Hermitage

MOONSPELL – Hermitage

Moonspell - Hermitage - album cover

Band: Moonspell
Titel: Hermitage
Label: Napalm Records
VÖ: 26/02/21
Genre: Dark Metal
Bewertung: 4,5/5

Jedes einzelne Album von MOONSPELL hat seinen ganz individuellen Charakter und das hat sich bei ihrem neuesten Werk „Hermitage“ in keinster Weise geändert!

Seit fast 30 Jahren bereichern MOONSPELL unsere Szene mit ihrer Musik, die sich stets dem Zeitgeist anpasst, aber ohne, dass dabei das Erbgut der Band verändert wird. In den ersten Alben sickern klar ihre Anfänge als Black-Metal-Band durch ihren magischen, oft romantischen Gothic Metal hindurch. Über die Jahre sind die Themen und Texte ernster geworden und haben eine fast apokalyptische Note erhalten.

Die besten Beispiele dafür liefern ihre letzten beiden Veröffentlichungen „Extinct“ und „1755“. „Extinct“ vermittelt einem unverblümt das Gefühl, als Mensch unserem Planeten nichts als Probleme zu bereiten, die am besten durch sein Aussterben gelöst werden können. „1755“ widmet sich einer Naturkatastrophe, die 1755 die Landeshauptstadt Portugals – Heimatort der Band – beinahe ausgelöscht hätte.

MOONSPELL setzen diese kritische Haltung fort und bündeln all die bitteren Fakten unseres Daseins in ihrem nun 13. Studioalbum – „Hermitage“. Auf Deutsch übersetzt bedeutet das Wort „Einsiedelei“ und bezeichnet einen Rückzugsort, den oft religiöse Menschen („hermits“) aufsuchen, um sich komplett von der Gesellschaft abzuschotten.

Die genaue Bedeutung wird einem bewusst, wenn man sich „Apophthegmata“ anhört und den Text auf sich wirken lässt. Sobald man dieses Konzept verinnerlicht hat, fügen sich alle Teile zusammen und lassen „Hermitage“ in neuem Glanz erscheinen.

Diese Erleuchtung hat bei mir – wie so oft – etwas länger gedauert. Nach den ersten Durchgängen hielt sich meine Begeisterung für das Album in Grenzen, bis mir immer mehr Details aufgefallen sind, die mich die Genialität erkennen ließen.

Um sich freiwillig von der Gesellschaft abzuschotten und in Isolation zu leben, muss es triftige Gründe geben. Besonders in den ersten Liedern wird einem unmissverständlich klargemacht, was diese Gründe sind. Alleine das Musikvideo von „The Greater Good“ spricht Bände. Der Text dazu vermittelt genau die kritische Position, auf die ich anfangs angespielt habe. Hinzu kommt die atemberaubende akustische Kulisse, die den Mix aus Melancholie, Nachdenklichkeit und Wut perfekt wiedergibt.

Insgesamt gestaltet sich das Album überaus melodisch und regt sehr zum Grübeln an. Aber natürlich wird auch für energiegeladene und aggressive Passagen gesorgt, die einem aus der Gedankenwelt reißen und die Nackenmuskulatur stimulieren.

Hermitage“ tanzt am  meisten aus der Reihe, weil es der härteste Song mit den wenigsten Harmonien und klaren Vocals ist. Gleichzeitig ist es der Song, der mir am wenigsten gefällt. Mit „The Hermit Saints“ haben MOONSPELL eine Punktlandung getroffen und eine dynamische Metal-Hymne geschaffen, die ein Highlight des Albums markiert.

Apophthegmata“ entlädt seine erbarmungslose Energie erst ganz zum Schluss. Der Song wird unglaublich gut aufgebaut und man fühlt, dass sich etwas Unheilvolles zusammenbraut. Ein ähnliches Konzept finden wir bei „Without Rule“, dem eine psychedelische, intergalaktische Atmosphäre innewohnt, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Länge zieht. 

Abgerundet wird „Hermitage“ mit dem instrumentalen Outro  „City Quitter“, das von Klavierklängen und Streichinstrumenten dominiert wird.

Fazit: MOONSPELL haben mit „Hermitage“ ein weiteres Meisterwerk erschaffen und uns auf ihre individuelle Art einen Denkzettel verpasst.

Tracklist

01. The Greater Good
02. Common Prayers
03. All or Nothing
04. Hermitage
05. Entitlement

06. Solitarian
07. The Hermit Saints
08. Apophthegmata
09. Without Rule
10. City Quitter (Outro)

Besetzung

Fernando Ribeiro (Vocals)
Ricardo Amorim (Guitar, Backing Vocals)
Pedro Paixão (Keys, Guitar)
Aires Pereira (Bass)
Hugo Ribeiro (Drums)

Internet

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