Band: Nothingness 🇺🇸
Titel: Godslaughter
Label: Everlasting Spew Records
VÖ: 31. Juli 2026
Format: Digital / CD / Kassette / Vinyl (Herbst 2026)
Genre: Death Metal / Dissonant Death Metal / Death Doom / Digressive Death

Tracklist

01. Incinerated Immediately
02. Convulsing Putrefaction
03. Skull Evulsion
04. Trenchant Glunch
05. Vanquishing Providence
06. Divine Irresponsibility
07. Incredible Violence
08. Umbral Spear
09. Novus Hegemonikon

Besetzung

Barclay Olson – Gesang
Alex Lewandowski – Gitarre, Synthesizer & zusätzlicher Gesang
John Hancock – Gitarre & zusätzlicher Gesang
Jon Grandel – Bass
Jason Hirt – Schlagzeug
Xen Hartzell – Effekte & zusätzlicher Gesang

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Heute an diesem Freitag erscheint mit »Godslaughter« das dritte Album der amerikanischen Nothingness. Hinter dem Titel verbirgt sich entweder die Schlachtung Gottes oder, mit einem gedanklich eingefügten Apostroph, das Gelächter desselben. Angesichts der neun darauf enthaltenen Stücke erscheint beides gleichermaßen plausibel. Das Sextett aus Minneapolis bezeichnet seinen Stil selbst als Digressive Death. Gemeint ist damit kein Death Metal, der sich wie im Progressive Metal stetig nach vorne entwickelt. Nothingness bevorzugen bewusst gesetzte Umwege, plötzliche Abbrüche und musikalische Gedanken, die sich in eine unerwartete Richtung bewegen. Ihre Songs gehen von einem Riff aus, nehmen es auseinander und setzen die Einzelteile anschließend in einer Form zusammen, die nicht unbedingt den üblichen Regeln folgt.

Dennoch ist »Godslaughter« keine akademische Übung. Das Album schlägt zunächst zu und stellt seine komplizierteren Fragen erst, wenn das Publikum bereits am Boden liegt. Die Amerikaner verbinden die dissonanten Strukturen von Gorguts und Nightmarer mit dem Gewicht von Immolation, Morbid Angel und Incantation. Hinzu kommen doomige Langsamkeit, vereinzelte Sludge-Einflüsse, mächtige Grooves und eine unüberhörbare Freude an vollkommen unvernünftiger Brutalität.

Albumstream

TODESSCHLÄGE MIT KÖPFCHEN

Gegründet wurden Nothingness 2018. Bereits ein Jahr später erschien mit »The Hollow Gaze Of Death« das erste Album, bevor die Band 2023 auf »Supraliminal« ihre eigenwillige Auslegung des Death Metal weiter ausarbeitete. Das neue Werk soll nun direkter und aggressiver auftreten. Dieses Vorhaben wird innerhalb weniger Sekunden unmissverständlich umgesetzt.

Der nur 99 Sekunden lange Auftakt »Incinerated Immediately« beginnt ohne ausgedehntes Intro. Die Gitarren schieben ein schweres Riff durch die Boxen, das sich irgendwo zwischen amerikanischem Death Metal, Hardcore und einer angeschlagenen Industriemaschine bewegt. Jason Hirt setzt am Schlagzeug keine unnötigen Verzierungen, sondern prügelt die Nummer mit geradliniger Konsequenz nach vorne.

Darüber steht Barclay Olson, dessen Gesang wesentlich vielseitiger ausfällt, als es der erste tiefe Ausbruch vermuten lässt. Er wechselt zwischen mächtigen Growls, aggressivem Brüllen, höheren Schreien und Lauten, die klingen, als würde sein Kehlkopf gerade gegen den Rest des Körpers rebellieren. Zusätzliche Stimmen von Xen Hartzell, John Hancock und Alex Lewandowski verstärken diesen Eindruck.

»Incinerated Immediately« ist kurz, grob und wirkungsvoll. Gleichzeitig zeigt das Stück, dass Brutalität bei Nothingness nicht mit gedankenlosem Lärm verwechselt werden darf. Das scheinbar einfache Hauptriff wird mehrfach rhythmisch verschoben und dadurch immer wieder aus seinem Gleichgewicht gebracht.

VERWESUNG, SCHÄDEL UND EIN GLUNCH

Mit »Convulsing Putrefaction« bewegt sich das Album tiefer in den klassischen Death Metal. Jon Grandels Bass liegt schwer unter den Gitarren, während das Schlagzeug zwischen schnellem Vorwärtsdrang und abrupten Bremsmanövern wechselt. Das Riffing erinnert stellenweise an frühen amerikanischen Death Metal, wird jedoch von schiefen Akkorden und unerwarteten Tempowechseln durchbrochen.

Die Produktion lässt dabei kaum Abstand zwischen Band und Publikum. Das Material steht direkt vor dem Gesicht und denkt gar nicht daran, einen Schritt zurückzugehen. Besonders die Gitarren sind massiv verdichtet. Sie wirken beinahe übersteuert, wobei dieser Klang offensichtlich gewollt ist. Adam Tucker hat das Album im Signaturetone Recording aufgenommen, gemischt und gemastert. Er bildet den Sound nicht klinisch sauber ab, sondern lässt ihn an den äußeren Rändern bewusst ausfransen.

Mit »Skull Evulsion« folgt die primitivste und zugleich unmittelbarste Nummer des Albums. Die Band erhöht das Tempo, lässt kurze Tremololäufe auf stampfende Passagen treffen und legt schließlich einen herrlich ungehobelten Ausbruch von Barclay Olson darüber. Nach knapp drei Minuten ist bereits alles vorbei. Genau diese Kürze macht den Song so effektiv. Kein Bestandteil wird länger ausgewalzt, als es für seine Wirkung notwendig ist.

Die erfolgreichste Videoauskopplung des Albums fasst die musikalische Idee von »Godslaughter« ausgezeichnet zusammen: Nothingness können komplizierte Musik schreiben, entscheiden sich jedoch immer wieder ganz bewusst für einen Schlag mitten ins Gesicht.

Deutlich verschachtelter arbeitet »Trenchant Glunch«. Was ein Glunch genau sein soll, bleibt offen. Musikalisch beginnt das Stück mit einem stotternden Beatdown, bevor Tremoloriffs und Blastbeats die Richtung verändern. Gerade noch walzt die Nummer in mächtigen Schritten voran, im nächsten Moment bricht sie in eine hektische Bewegung aus.

Trotzdem besitzt der Song einen überraschenden Groove. Jason Hirt und Jon Grandel sorgen dafür, dass die Gitarren auf ihren Umwegen nicht den Kontakt zum rhythmischen Fundament verlieren. Selbst die härtesten Passagen entwickeln dadurch eine gewisse Sprungkraft. Der Song dürfte live für erhebliche Bewegung sorgen, auch wenn vermutlich niemand genau erklären kann, in welchem Takt er sich gerade bewegt.

DIE LANGEN WEGE DURCH DEN MITTELTEIL

Nach vier überwiegend kompakten Angriffen verändert »Godslaughter« seine Struktur. Mit »Vanquishing Providence« und »Divine Irresponsibility« stehen zwei beinahe siebenminütige Kompositionen unmittelbar nebeneinander. Beide reduzieren zunächst das Tempo und erweitern den Death Metal der Band um doomige und teilweise sludgige Bestandteile.

»Vanquishing Providence« schiebt sich auf einem der schwersten Riffs des Albums vorwärts. Die Gitarren von Alex Lewandowski und John Hancock arbeiten mit tiefen Akkorden, quietschenden Übergängen und dissonanten Figuren, die immer wieder aus dem eigentlichen Rhythmus herauszubrechen scheinen. Das Schlagzeug reagiert darauf mit rollenden Fills und plötzlichen Beschleunigungen.

Inhaltlich richtet sich der Song gegen Unterdrückung, politische Gewalt und Systeme, die Angst als Herrschaftsmittel einsetzen. Die Gegengewalt wird dabei nicht vorsichtig formuliert. Das lyrische Ich möchte die Zahnräder der Unterdrückung nicht reformieren, sondern vollständig zertrümmern. Diese drastische Sprache passt zur Musik, die ebenfalls keine Verhandlungen anbietet.

Musikalisch besitzt »Vanquishing Providence« einige ausgezeichnete Einzelmomente, wirkt in seiner Gesamtheit jedoch etwas zusammengesetzt. Mehrere starke Riffs werden miteinander verbunden, ohne immer eine zwingende Entwicklung zu ergeben. Die Nummer bleibt interessant, hätte in einer kompakteren Fassung aber noch härter getroffen.

»Divine Irresponsibility« setzt diesen ausgedehnten Ansatz fort. Eine Glocke kündigt die doomige Schwere an, bevor sich das Stück langsam in Bewegung setzt. Inhaltlich beschäftigt sich die Nummer mit Vernichtung, der Absurdität des Daseins und dem menschlichen Widerstand gegen eine gleichgültige Leere. Der wiederkehrende Gedanke, dass Existenz selbst bereits einen Akt des Widerstands darstellt, verleiht dem Song eine überraschend entschlossene Seite.

Gaststimmen erweitern den ohnehin dichten Gesang, während die Instrumente zwischen Death Doom, dissonantem Death Metal und industriell anmutenden Rhythmen wechseln. Beide langen Stücke besitzen ausreichend Substanz, bremsen gemeinsam jedoch den ansonsten ausgezeichnet aufgebauten Albumfluss. Zwischen ihnen hätte eine kurze, schnelle Nummer für einen wirkungsvolleren Kontrast gesorgt.

UNGLAUBLICHE GEWALT UND EIN FINSTERER SPEER

Passenderweise heißt die folgende Nummer »Incredible Violence«. Ein gesprochenes Sample eröffnet das Stück, bevor das Schlagzeug in einen militärischen Rhythmus fällt. Nach ungefähr einer Minute präsentieren Nothingness eines der stärksten Grooveriffs der gesamten Platte. Es ist simpel genug, um sofort zu funktionieren, besitzt durch seine rhythmische Betonung aber trotzdem ein eigenes Gesicht.

Hier zeigt sich, wie gut die Band arbeitet, wenn sie ihre Ideen verdichtet. In weniger als vier Minuten verbindet die Nummer Stampfen, dissonante Gitarren, rasende Übergänge und mehrfach geschichteten Gesang. Besonders der Schluss wirkt, als würden mehrere Stimmen gemeinsam in einen bodenlosen Schacht stürzen.

Barclay Olson gehört zu den wichtigsten Bestandteilen des Albums. Sein Gesang bleibt nicht stoisch auf einer Tonhöhe, sondern reagiert auf die jeweilige Bewegung der Musik. Er growlt, brüllt, würgt und spuckt einzelne Silben heraus. Obwohl der Klang bewusst widerwärtig gehalten wird, bleiben die Betonungen präzise. Seine Stimme ist kein Geräusch, das zufällig über den Instrumenten liegt, sondern ein vollwertiger Teil des Rhythmus.

»Umbral Spear« gewährt anschließend für wenige Sekunden etwas Luft. Synthetische Klänge öffnen einen größeren Raum, bevor die Gitarren wieder hereinbrechen. Gerade dieser kurze Gegensatz lässt das anschließende Riff noch schwerer erscheinen.

Ein zusätzlicher Höhepunkt ist das Gastsolo von Gabriele Gramaglia von Cosmic Putrefaction. Sein Leadspiel bringt eine neue Klangfarbe in das ansonsten stark von Rhythmusriffs bestimmte Album. Das Solo wirkt weder aufgesetzt noch wie eine Pflichtübung, sondern führt die dissonante Grundstimmung in einer melodischeren Form weiter. Von solchen Momenten hätte »Godslaughter« ruhig noch einige vertragen können.

DAS NEUE HEGEMONIKON

Zum Abschluss erlauben sich Nothingness mit »Novus Hegemonikon« noch einmal einen längeren Ausflug. Bongos von Adam Tucker und ein Güiro, gespielt von Maddie Lewandowski, eröffnen die Nummer auf ungewöhnliche Weise. Für einige Sekunden scheint sich das Album aus seinem bisherigen Umfeld zu lösen.

Anschließend baut die Band den Song schrittweise auf. Die Gitarren arbeiten diesmal mit mehr Raum, während Bass und Schlagzeug die einzelnen Abschnitte miteinander verbinden. Doomige Passagen, technische Riffs und ein massiver Schlussabschnitt greifen deutlich schlüssiger ineinander als bei den beiden langen Stücken in der Albummitte.

Auch lyrisch nimmt »Novus Hegemonikon« eine eigene Stellung ein. Der Text stammt von Alex Lewandowski und beschäftigt sich mit Veränderung, Sterblichkeit, Gerechtigkeit und dem Versuch, inmitten einer gleichgültigen Unendlichkeit ein inneres Gleichgewicht zu finden. Nach den gewaltsamen Bildern der vorherigen Songs endet das Album damit beinahe philosophisch.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass Nothingness plötzlich sanft werden. Der Schluss entwickelt noch einmal enorme Wucht und führt die Platte in einen Rhythmus, der sich zuverlässig im Kopf festsetzt. »Novus Hegemonikon« beweist, dass die Band auch lange Kompositionen geschlossen gestalten kann, wenn sie ihren Ideen ausreichend Zeit gibt, aufeinander aufzubauen.

ZWISCHEN DRUCK UND VERDICHTUNG

Die Produktion ist ein wichtiger Bestandteil der Wirkung von »Godslaughter«. Adam Tucker hat den Gitarren eine enorme Breite und eine beinahe schwammige Verzerrung gegeben. Die Riffs drücken von beiden Seiten gegen das Klangbild, während Bass und Schlagzeug versuchen, sich innerhalb dieser Masse zu behaupten.

Erstaunlicherweise bleibt Jason Hirts Schlagzeug dennoch gut hörbar. Die Snare besitzt einen trockenen, aggressiven Anschlag und die Becken verschwinden nicht vollständig hinter den Gitarren. Auch schnellere Figuren und kleinere Übergänge lassen sich verfolgen. Der Bass hat es deutlich schwerer und verschmilzt in mehreren Passagen mit dem tiefen Frequenzbereich der Gitarren.

Problematischer ist die sehr starke Verdichtung des gesamten Albums. Die meisten Songs bewegen sich konstant am oberen Rand der Lautstärke. Dadurch wirkt die Musik zwar ungeheuer mächtig, verliert aber einen Teil ihrer natürlichen Dynamik. Gerade die längeren Stücke hätten von deutlicheren Unterschieden zwischen ihren ruhigen und brutalen Abschnitten profitiert.

Einige der ausgezeichneten Riffs werden unter dieser Klangmasse begraben. Man muss genau hinhören, um zu erkennen, was die Gitarren tatsächlich spielen. Das passt zwar zur chaotischen Wirkung, steht dem musikalischen Können der Band stellenweise jedoch im Weg. Weniger Druck hätte hier nicht automatisch weniger Härte bedeutet.

FAZIT:

Mit »Godslaughter« haben Nothingness ihr bisher aggressivstes und zugleich fokussiertestes Album aufgenommen. Die Amerikaner verbinden brutalen Death Metal mit dissonanten Strukturen, doomiger Schwere, vereinzelten Hardcore-Rhythmen und einer eigenwilligen Vorstellung davon, wie ein Song aufgebaut werden darf.

Die ersten vier Stücke schlagen in schneller Folge zu und zeigen die Band von ihrer unmittelbarsten Seite. »Skull Evulsion« und »Trenchant Glunch« verbinden primitive Gewalt mit durchdachter Rhythmik. »Incredible Violence« liefert einen der stärksten Grooves des Albums, während »Umbral Spear« durch seine atmosphärische Öffnung und das hervorragende Gastsolo von Gabriele Gramaglia herausragt.

Der Mittelteil kann dieses Niveau nicht vollständig halten. »Vanquishing Providence« und »Divine Irresponsibility« enthalten viele starke Ideen, erscheinen nebeneinander aber zu ähnlich aufgebaut und stellenweise unnötig lang. Der abschließende »Novus Hegemonikon« zeigt dafür, wie überzeugend die ausgedehnte Seite von Nothingness funktionieren kann.

Auch die Produktion ist Fluch und Segen zugleich. Ihre massive Verdichtung verleiht dem Album eine gewaltige Schlagkraft, verdeckt jedoch manche Feinheit der Gitarren- und Bassarbeit. Das Material ist musikalisch stärker, als der beinahe dauerhaft überladene Klang unmittelbar erkennen lässt.

Über allem steht Barclay Olson mit einer Gesangsleistung, die Growls, Brüllen, Schreie und beinahe körperlich unangenehme Laute miteinander verbindet. Gemeinsam mit den zusätzlichen Stimmen der übrigen Musiker verleiht er der Platte jene wahnsinnige Energie, die der Titel verspricht.

»Godslaughter« ist intelligenter Death Metal, der trotzdem mit beiden Fäusten zuschlägt. Fans von Gorguts, Immolation, Morbid Angel, Nightmarer, Replicant und Aeviterne sollten dieses Album unbedingt auschecken. Gott wird hier entweder geschlachtet oder lacht sich angesichts des angerichteten Chaos kaputt. Nothingness gewinnen in beiden Fällen.

Nothingness – Skull Evulsion – Official Video

Internet

Nothingness - Godslaughter - Album Review

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