Tracklist
01. Cairn ft Johann & Lu [Asylum Pyre]
02. Sufero ft Johann & Lu [Asylum Pyre]
03. Orishas ft Rock [Arka’n Asrafokor] & Lakoélé Atalawoé
04. Bhopal ft Mathieu Gehin [Muhurta])
05. Trails Of Tears ft Michael Rose
06. Sekigahara
07. Troubles
08. Colonias ft Aileen & Gabriel Fradet
09. On Both Sides
10. Fear Is The Pandemic ft DevF [Stone Horns]
Besetzung
Greg Giraudo – Guitars and backing vocals
Steph Fradet – Lead and backing Vocals
Eric Mannella – Drums and backing vocals
Fabien Peugeot – Bass
Klangwelten zwischen Progressive und Groove Metal
Das französische Quartett PARALLEL MINDS präsentiert mit »Cairn« ein Album, das Progressive- und Groove-Metal-Elemente zu einem dichten, atmosphärischen Ganzen verbindet. Die Band setzt auf ein starkes Line-up: Greg Giraudo an der Gitarre und mit Backing Vocals, Steph Fradet als Leadsänger und ebenfalls mit Backing Vocals, Eric Mannella am Schlagzeug inklusive Gesangsparts und Fabien Peugeot am Bass. Schon das Opening deutet an, dass es hier nicht um konventionelle Metal-Riffs geht. Stattdessen entfaltet sich eine Klanglandschaft, die durch komplexe Arrangements und globale Einflüsse besticht.
Ein Intro, das neugierig macht
Der Titeltrack »Cairn« dient nicht nur als Intro, sondern auch als programmatische Einleitung. Mit mystischen Klangschichten und einem zurückhaltenden, aber präsenten Schlagzeug entsteht sofort eine Atmosphäre, die neugierig auf die nächsten Stücke macht. Johann von ASYLUM PYRE steuert Backing Vocals bei, die dem Stück eine subtile Tiefe verleihen. Schon hier zeigt sich, dass »Cairn« mehr als ein Metal-Album sein will – es ist ein Netzwerk aus Stimmungen, Melodien und Texturen.
Gäste, die den Sound erweitern
PARALLEL MINDS setzen konsequent auf Kollaborationen, die das Album über den europäischen Metal-Horizont hinaustragen. »Sufero« bringt mit Johann erneut einen vertrauten Gast und beweist, dass die Band Gesangsstimmen gezielt als dramaturgisches Mittel einsetzt. »Orishas« zeigt die wohl markanteste interkulturelle Zusammenarbeit: Rock von ARKA’N ASRAFOKOR und LAKOÉLÉ ATALAWOÉ aus Togo verbinden ihre traditionellen Gesänge mit Fradets klarer Stimme. Die Fusion aus afrikanischen Rhythmen und Progressive Metal-Riffs ist sowohl überraschend als auch organisch. Ein Höhepunkt, der das Album international verortet.
»Bhopal« integriert wiederum Sitar ähnliche Elemente, gespielt von Mathieu Gehin (MUHURTA), die dem Song eine tranceartige Qualität verleihen. Diese Instrumentierung erweitert die Bandbreite, ohne den Stil zu verwässern, sondern ihn auf eine neue Ebene zu heben.
Historische und emotionale Themen
»Trails of Tears« fällt sofort durch seinen tragischen Hintergrund auf. Michael Rose interpretiert einen Native-American-Funeral-Chant, der die Schicksale der Ureinwohner Nordamerikas aufgreift. Es ist ein Song, der sich nicht hinter dem Metal versteckt, sondern die Intensität der Geschichte in den Vordergrund stellt. PARALLEL MINDS zeigen hier, dass sie thematisch mutig sind und ihre Musik als Plattform für emotionale Tiefe nutzen.
»Sekigahara« und »Troubles« setzen auf klassische Groove-Metal-Strukturen, zeigen aber eine musikalische Verspieltheit, die über das Genre hinausgeht. Komplexe Rhythmen, unvorhersehbare Breaks und die präzise Gitarrenarbeit Giraudos sorgen dafür, dass kein Stück wie das andere klingt.
Persönliche Geschichten und Stimmen
»Colonias« ist ein weiteres Beispiel für die gezielte Einbindung externer Stimmen: Aileen aus Kolumbien und Gabriel Fradet transportieren die Qualen ihres Volkes in kraftvollen Vocals, die den Song beinahe zu einem Mini-Drama werden lassen. PARALLEL MINDS verzichten hier auf plakative Metal-Übertreibungen und lassen stattdessen die Emotionen sprechen.
»On Both Sides« vermittelt eine introspektive Ruhe, bevor »Fear Is The Pandemic« mit DevF von STONE HORNS in eine dunkle, aggressive Sphäre führt. Der Scream-Gesang kontrastiert mit den zuvor aufgebauten Atmosphären und zeigt die Band in ihrer ganzen stilistischen Bandbreite.
Zwischen Progression und Groove
»Cairn« lebt von Kontrasten: komplexe Songstrukturen treffen auf treibende Grooves, zarte Atmosphären auf wuchtige Riffs. Die Produktion ist sauber, aber nicht steril; jedes Instrument ist klar hörbar, jedes Detail bewusst platziert. Besonders die rhythmische Vielfalt macht das Album spannend. Schlagzeug und Bass agieren nie nur als Fundament, sondern als eigenständige Erzähler innerhalb der Songs.
Die Vocals von Steph Fradet stehen im Zentrum, doch die Integration von Backing Vocals und Gastsängern zeigt ein kollektives Musikverständnis. Jeder Beitrag, sei es instrumental oder gesanglich, unterstützt die narrative Dichte der Tracks.
Ein Album für Entdecker
»Cairn« ist ein Album, das neugierig macht, fordert und belohnt. Es zeigt, dass Progressive- und Groove-Metal weit über technische Fertigkeiten hinausgehen kann, wenn Emotionen, kulturelle Elemente und musikalische Experimente zusammenfinden. Die 10 Tracks bilden ein kohärentes Ganzes, das sowohl für Metal-Fans als auch für Hörer offen ist, die genreübergreifende Klanglandschaften schätzen.
Mit einer Bewertung von 4,5 von 5 Punkten hinterlässt »Cairn« Eindruck der lange nachhallt. Es ist kein leicht konsumierbares Album, sondern eines, das Aufmerksamkeit verlangt und dafür umso mehr zurückgibt. PARALLEL MINDS beweisen hier, dass sie nicht nur Musiker, sondern Erzähler sind – auf eine Weise, die tief berührt und lange nachklingt.
Fazit: »Cairn« von PARALLEL MINDS ist ein beeindruckendes Werk, das die Grenzen des progressiven und Groove-Metal auslotet.

