Tracklist
01. Make Me Whole
02. New Moon
03. Peeling Cycle
04. Contemplation In Time
Besetzung
Lina R – Vocals
Vincent Verstrepen – Drums
Lennart Bossu – Guitars
Thijs „Tace“ De Decloedt – Guitars
Kris Auman – Bass, Backing Vocals
Das belgische Quintett PREDATORY VOID meldet sich drei Jahre nach dem vielbeachteten Debütalbum „Seven Keys To The Discomfort Of Being“ mit der neuen EP „Atoned In Metamorphosis“ zurück. Das Material wirkt fokussierter und kompakter, ohne dabei die emotional aufgeladene, verstörende und atmosphärisch dichte Klangwelt der Band aufzugeben.
Zwischen fragiler Stimme und dissonanter Spannung
A-cappella-Gesang eröffnet die EP, getragen von einer eigenartig entrückten Stimmung, die vor allem durch die feminine Stimme transportiert wird. „Make Me Whole“ setzt zunächst auf Distanz und Zurückhaltung, bis ein abrupter Wechsel die Gesangslinie zurückdrängt und langsame, dissonante Gitarren sowie ein schwerer Rhythmus die Kontrolle übernehmen. Ein ungewöhnlicher, aber wirkungsvoller Einstieg: minimalistisch, atmosphärisch dicht und bewusst desorientierend.
PREDATORY VOID formierten sich 2021 im fruchtbaren Heavy-Umfeld von Gent und vereinen Musiker:innen aus bekannten lokalen und internationalen Bands. Das aktuelle Line-up besteht aus Lina R (Cross Bringer, ex-The Homeless Is Dead) am Gesang, Vincent Verstrepen (Carnation, ex-Schizophrenia, ex-Hämmerhead) am Schlagzeug, Lennart Bossu (Amenra, Living Gate, Oathbreaker, ex-Firestone, Church of Ra, ex-Your God Is Dead) an der Gitarre, Thijs „Tace“ De Decloedt (Cobra the Impaler, ex-Dust, Hæster, ex-Aborted) an der zweiten Gitarre sowie Kris Auman (EndlingR, Ladakh, Stadlander) am Bass und den Backing Vocals.
Mit einfachen, repetitiven und stark atmosphärischen Gitarrenfiguren bleibt „New Moon“ zunächst im vertrauten Klangraum, doch auch hier überrascht die Band immer wieder. Growls, ein gequälter Grundton und deutliche Einflüsse aus Screamo und Post-Metal erweitern das Spektrum. Verzweifelte Schreie, stark dissonante Gitarren und eine beinahe bewusst disharmonische Gesamtinstrumentierung prägen den Song, bevor sich die Spannung wieder zurückzieht. Ein starkes Stück, komplex, emotional aufwühlend und eindeutig eines der Highlights der EP.
Dichte Produktion und kontrollierte Eskalation
Die Produktion überzeugt durch Klarheit und Präzision. Die permanenten Wechsel innerhalb der Klanglandschaften sowie die allgegenwärtige Spannung werden sehr gut eingefangen. Die Vocals stehen dominant im Vordergrund, während die Gitarren mit subtilen Akzenten ebenso wie mit eindringlichen, geisterhaften Melodien arbeiten. Nichts wirkt überladen, der Sound bleibt roh, aber ausgewogen.
„Peeling Cycle“ beginnt mit fast verfremdet wirkenden Vocals, offensichtlich als bewusstes Mittel zur weiteren Steigerung der Unruhe. Melodien im klassischen Sinn sind hier zweitrangig, stattdessen dominieren Hintergrundgeräusche, Dissonanzen und ein eigenwilliger musikalischer Fluss mit eigenem Reiz. Die typischen Crescendo-Riffs, wie man sie auch von Amenra kennt, verweisen unüberhörbar auf die personellen Verbindungen über Gitarrist Lennart Bossu. Trotz der insgesamt ruhigeren Anlage erzeugt der Song eine enorme innere Spannung, getragen von verzweifelten, intensiven Schreien und einer spürbaren emotionalen Wucht.
Der Schlusstrack „Contemplation In Time“ verbleibt in den düsteren, unheilvollen Klangräumen, bevor sich das Stück in einer lärmenden Attacke aus Dissonanz und kaum greifbaren Gitarren entlädt. Tremolo-gepickte Lead-Gitarren, aggressive Texturen und eine bewusst unangenehme Atmosphäre bestimmen das Bild. Zwischen Dunkelheit und kurzen Lichtmomenten baut der Song Spannung auf, ohne Erlösung zu bieten – ein konsequenter, wenn auch herausfordernder Abschluss.
Verdichtete Emotionen statt leichter Zugänglichkeit
So naheliegend Begriffe wie dissonant, angespannt oder verstörend auch erscheinen mögen, handelt es sich hier keineswegs um belanglose Musik. „Atoned In Metamorphosis“ ist reich an Ideen, klanglicher Tiefe und emotionaler Substanz, verlangt dem Hörer jedoch Aufmerksamkeit und Offenheit ab. Leicht zugänglich oder eindeutig einzuordnen ist dieses Werk nicht, dafür zu vielschichtig sind die Einflüsse und Ausdrucksformen.
Im Vergleich zum aggressiveren Debüt zeigt sich die Band hier introspektiver. Die permanente Attacke früherer Songs weicht abstrakteren, konzeptuellen Strukturen: kühl, nebelverhangen und dennoch emotional aufgeladen. Trotz eruptiver Ausbrüche bleibt die Musik fragil und ätherisch.
Als kurze EP ist „Atoned In Metamorphosis“ stark verdichtet, die musikalischen Ideen werden prägnant präsentiert, ohne auszuufern. Jeder Moment wirkt durchdacht und kontrolliert. Experimentell, stilistisch vielschichtig und emotional intensiv – ein spannendes Werk und ein weiteres starkes Zeichen eines Projekts, von dem man in Zukunft noch mehr erwarten darf.
Fazit: PREDATORY VOID verdichten auf „Atoned In Metamorphosis“ emotionale Intensität, Dissonanz und Atmosphäre zu einer fordernden, aber faszinierenden EP.

