Ravaged By The Yeti - Snowbound Horror - cover artwork

Band: Ravaged By The Yeti 🇸🇪 🇬🇧 🇺🇸
Titel: Snowbound Horror
Label: Testimony Records
VÖ: 10.07.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Old School Death Metal / Death Metal / Grindcore
Spielzeit: 34:50 Minuten

Tracklist

01. Vengeance in Fur – 02:45
02. Human Spoil – 03:03
03. By the Hands of the Beast – 02:52
04. As Fangs Go Deep – 03:10
05. Beast Prey – 03:07
06. Frozen Stiff – 02:48
07. They Came Through the Cold – 03:05
08. Tusk of the Yeti – 03:36
09. Death by Icicle – 03:33
10. Snowbound Horror – 03:09
11. Land of Ice and Snow – 03:38

Besetzung

Rogga Johansson – Gitarre und Gesang
Michael „Mike“ Borders – Bass
Jon Rudin – Schlagzeug

Aufnahme, Mix und Mastering: Håkan Stuvemark, Necrotic Audio Productions, Ransta
Coverartwork: Ivan S. Bragin
Layout: Thomas Strater

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Aus Schweden, England und den USA kommt etwas extrem Cremiges auf euch zu, Hoschies! Mit »Snowbound Horror« veröffentlicht das internationale Death-Metal-Trio Ravaged By The Yeti sein zweites Album und setzt dabei auf tief gestimmte Gitarren, druckvolle Grooves, präzise Drums und Rogga Johanssons gewohnt kräftige Growls. Das am 10. Juli 2026 über Testimony Records erschienene Werk umfasst elf Stücke in knapp 35 Minuten und konzentriert sich deutlich stärker auf Old School Death Metal als das grindcorelastigere Debüt »Apex Predator« aus dem Jahr 2023.

Auch personell hat sich einiges verändert. Neben Gitarrist und Sänger Rogga Johansson, bekannt durch Paganizer, Ribspreader, Revolting und zahlreiche weitere Underground-Projekte, sind nun der amerikanische Bassist Michael Borders und der britische Schlagzeuger Jon Rudin beteiligt. Borders spielte bereits während der frühen Jahre bei Massacre und war später erneut Teil der Band. Rudin ist unter anderem aus Monstrous, Heads For The Dead, Leper Colony und Just Before Dawn bekannt. Diese Erfahrung ist auf »Snowbound Horror« jederzeit hörbar: Das Trio arbeitet exakt zusammen, kennt die Wirkung einfacher Death-Metal-Riffs und setzt Tempowechsel gezielt ein.

Inhaltlich bleibt der Yeti das einzige große Thema. Die Texte behandeln Expeditionen, die Begegnung mit dem Schneemenschen, gefrorene Leichen, abgebissene Körperteile und verschiedene Arten, im Eis zu sterben. Dabei nimmt sich die Band nicht vollkommen ernst. Der Splatter-Humor erinnert an Tier- und Monsterhorrorfilme der Achtziger, während die musikalische Ausführung konsequent und professionell bleibt.

Ravaged By The Yeti – Vengeance in Fur

WENIGER GRINDCORE, DEUTLICH MEHR OLD SCHOOL DEATH METAL

Das Debüt »Apex Predator« enthielt 24 häufig sehr kurze Stücke und verband Death Metal eng mit Grindcore. Auf »Snowbound Horror« wurde dieses Verhältnis verändert. Die elf neuen Songs dauern meist ungefähr drei Minuten, verwenden häufiger mittlere Tempi und geben den Riffs deutlich mehr Zeit. Grindcore ist weiterhin vorhanden, beschränkt sich aber auf einzelne Beschleunigungen, Blastbeats und besonders aggressive Übergänge.

Rogga Johanssons Handschrift steht entsprechend klar im Mittelpunkt. Die Gitarren sind tief gestimmt, rhythmisch einfach gehalten und auf direkte Wirkung ausgelegt. Einflüsse aus schwedischem Death Metal treffen auf amerikanische Death-Metal-Grooves, wobei stellenweise an Obituary, Six Feet Under oder die besonders schweren Momente von Bolt Thrower zu denken ist. In den schnelleren Passagen sind zudem Spuren jener Deathgrind-Spielart vorhanden, die Napalm Death auf »Harmony Corruption« verwendeten.

Komplizierte Songstrukturen spielen keine wichtige Rolle. Ravaged By The Yeti arbeiten mit verständlichen Riffs, klaren Tempowechseln und kurzen melodischen Gitarrenfiguren. Diese Beschränkung ist grundsätzlich eine Stärke, weil jeder Song schnell auf den Punkt kommt. Sie führt im weiteren Verlauf allerdings auch dazu, dass sich einige Riffanfänge und rhythmische Abläufe ähneln.

VENGEANCE IN FUR: DER YETI IST SCHLECHT GELAUNT

»Vengeance in Fur« eröffnet das Album mit einem einfachen Midtempo-Riff, das sofort den neuen Schwerpunkt verdeutlicht. Mike Borders setzt einen deutlich hörbaren Bass darunter, während Jon Rudin mit präzisen Schlägen und kurzen Fills arbeitet. Rogga Johanssons tiefer Gesang passt ideal zu dieser geradlinigen Ausrichtung. Der Yeti wurde von Menschen gestört und reagiert erwartungsgemäß mit Gewalt.

Die Komposition steigert das Tempo nicht permanent. Stattdessen bleibt der Groove der wichtigste Bestandteil. Gitarren und Rhythmusgruppe arbeiten fantastisch zusammen, denn jeder Akzent wird gemeinsam ausgeführt. Der Refrain ist schnell erkennbar und eignet sich auch ohne sauberen Gesang zum Mitgrölen. Als Auftakt funktioniert »Vengeance in Fur« ausgezeichnet, da alle wesentlichen Eigenschaften des Albums innerhalb von 2:45 Minuten vorgestellt werden.

HUMAN SPOIL UND BY THE HANDS OF THE BEAST: MEHR TEMPO, MEHR GRINDCORE

»Human Spoil« erhöht die Geschwindigkeit und verbindet vorwärtstreibende Riffs mit dunklen melodischen Wiederholungen. Der Song besitzt einen kräftigen Mittelteil, in dem das Tempo deutlich reduziert wird. Dieser Kontrast verhindert, dass die schnelleren Passagen gleichförmig wirken. Inhaltlich beschreibt der Text den menschlichen Körper ausschließlich als Nahrung für den Yeti. Der Humor bleibt drastisch, aber bewusst überzogen.

Bei »By the Hands of the Beast« werden die Grindcore-Wurzeln des Debüts am deutlichsten. Rudin spielt schneller und aggressiver, die Gitarren arbeiten mit kurzen rhythmischen Figuren und Johansson setzt seine Growls dichter. Langsamere Death-Doom-Abschnitte unterbrechen den Angriff und verleihen dem Stück zusätzliche Schwere. Melodische Gitarrentöne im Hintergrund ergänzen die Rhythmusarbeit, ohne den direkten Charakter abzuschwächen.

Beide Titel zeigen, dass Ravaged By The Yeti das Tempo jederzeit kontrollieren. Die schnellen Stellen wirken nicht unpräzise und die langsamen Abschnitte sind keine bloßen Unterbrechungen. Bass und Schlagzeug bereiten die Wechsel gemeinsam vor, während die Gitarre die jeweilige Hauptrichtung klar vorgibt.

AS FANGS GO DEEP UND BEAST PREY: GROOVE ALS HAUPTARGUMENT

»As Fangs Go Deep« beginnt mit einem sehr langsamen, wiederholten Riff. Die tief gestimmte Gitarre und Borders’ Bass erzeugen einen besonders schweren Gesamtklang. Sobald der Gesang einsetzt, wird die Anordnung dichter. Bei den wiederkehrenden Textzeilen erhöht die Band kurz das Tempo, bevor sie zum ursprünglichen Rhythmus zurückkehrt. Eine knappe Leadgitarre am Ende greift das Hauptmotiv auf und schließt den Song konsequent ab.

Auch »Beast Prey« setzt zunächst auf ein langsames Riff. Hier wird zugleich einer der wenigen klaren Schwachpunkte hörbar, denn der Anfang ähnelt seinem Vorgänger deutlich. Im weiteren Verlauf entwickelt das Stück jedoch einen eigenen Charakter. Die Band steigert das Tempo, verwendet kurze schnellere Einsätze und ergänzt einige Death’n’Roll-Elemente. Der Refrain besitzt unmittelbare Wirkung und dürfte live sehr gut funktionieren.

Gerade »Beast Prey« profitiert von der neuen Rhythmusgruppe. Borders spielt nicht ausschließlich die Gitarrennoten nach, sondern setzt eigene Betonungen. Rudin wechselt zwischen schweren Midtempo-Schlägen, Doublebass und kurzen schnelleren Folgen. Dadurch erhält der einfache Aufbau genügend Bewegung.

FROZEN STIFF UND THEY CAME THROUGH THE COLD: ZWEI UNTERSCHIEDLICHE STÄRKEN

»Frozen Stiff« gehört zu den direktesten Titeln des Albums. Kurze, abgehackte Riffs, gleichmäßiges Schlagzeug und eine plötzliche Beschleunigung bestimmen den Ablauf. Der Text beschreibt die verschneite Umgebung als natürliche Kühlung für die Opfer des Yetis. Das ist geschmacklos, eindeutig und passend zum gesamten Konzept.

Musikalisch ist der Song vor allem wegen seines Rhythmus erfolgreich. Alle drei Musiker setzen die Stopps exakt, und der Bass verleiht den Gitarren zusätzliche Tiefe. Die Produktion bleibt dabei übersichtlich. Selbst während der schnelleren Passage sind Bassdrum, Bass und Gitarrenanschläge klar zu unterscheiden.

»They Came Through the Cold« ist dagegen einer der abwechslungsreichsten Songs. Die Grundgeschwindigkeit ist höher, langsamere Abschnitte setzen deutliche Kontraste und die Leadgitarre verwendet eine ausgeprägtere Melodie. Gegen Ende erhöht sich das Tempo erneut, bevor ein besonders kräftiger Schrei den Abschnitt abschließt. Unter den elf Stücken besitzt dieser Titel die eigenständigste Kombination aus Erzählung, Melodie und Härte.

TUSK OF THE YETI UND DEATH BY ICICLE: SCHNELLER ANGRIFF UND SCHWERES TEMPO

Mit 3:36 Minuten gehört »Tusk of the Yeti« bereits zu den längeren Kompositionen. Die Band startet energisch und verbindet schnellere Deathgrind-Elemente mit einem konstanten Groove. Jon Rudin liefert hier einige seiner besten Fills ab. Sie wirken nicht wie technische Zusätze, sondern unterstützen die Übergänge zwischen den einzelnen Riffs. Johansson hält seine Gitarrenarbeit kompakt und verzichtet auf ein ausgedehntes Solo.

»Death by Icicle« reduziert anschließend die Geschwindigkeit. Die Drums besitzen viel Druck, die Gitarre verwendet längere Akkorde und der Gesang wird teilweise gedehnt. Dadurch entsteht einer der schwersten Titel des Albums. Eine dunkle Leadfigur gegen Ende ergänzt den Rhythmus und sorgt für einen klaren Abschluss. Der Song beweist, dass Ravaged By The Yeti keine Blastbeats benötigen, um aggressiv zu klingen.

SNOWBOUND HORROR UND LAND OF ICE AND SNOW: EIN STARKES FINALE

Der Titeltrack »Snowbound Horror« beginnt kontrolliert und steigert anschließend Geschwindigkeit und Dichte. Mehrfach nimmt das Trio das Tempo zurück, bevor der Groove erneut eingesetzt wird. Der Refrain ist ausgesprochen eingängig und gehört zu den stärksten Momenten der Platte. Hier finden Roggas Riffing, Borders’ satter Bass und Rudins präzise Rhythmik besonders überzeugend zusammen.

»Land of Ice and Snow« beendet das Album mit einer etwas lebhafteren Komposition. Die Riffs bleiben tief und schwer, besitzen aber stärkere melodische Bewegung. Der Song fasst die verschneite Umgebung und die ständige Bedrohung durch den Yeti noch einmal zusammen. Das Ende erfolgt recht plötzlich. Ein etwas ausführlicherer Schluss hätte dem Album gutgestanden, dennoch ist »Land of Ice and Snow« ein wirkungsvoller letzter Titel.

DRUCKVOLLE PRODUKTION UND FANTASTISCHES ZUSAMMENSPIEL

Aufgenommen, gemischt und gemastert wurde »Snowbound Horror« von Håkan Stuvemark bei Necrotic Audio Productions im schwedischen Ransta. Die Produktion gehört zu den größten Stärken des Albums. Die Gitarren klingen tief und kräftig, besitzen aber genug Kontur, damit einzelne Anschläge verständlich bleiben. Mike Borders’ Bass ist deutlich vorhanden und verleiht den Midtempo-Riffs zusätzliches Gewicht.

Jon Rudins Schlagzeug klingt natürlich und druckvoll. Bassdrum und Snare setzen sich im Mix durch, ohne die Gitarren zu überdecken. Besonders die kurzen Fills und Tempowechsel profitieren von dieser Transparenz. Rogga Johanssons Growls wurden zentral und klar platziert. Sie sind tief, rau und gut verständlich genug, um die überzeichneten Horrorgeschichten verfolgen zu können.

Das fantastische Zusammenspiel der Band ist trotz des bewusst einfachen Materials jederzeit hörbar. Johansson, Borders und Rudin spielen nicht gegeneinander, sondern konzentrieren sich auf gemeinsame Akzente und einen stabilen Groove. Der Bass entwickelt eigene Bewegungen, das Schlagzeug reagiert auf die Gitarrenwechsel und Roggas Riffs lassen genügend Raum für beide Instrumente. Gerade deshalb funktionieren die langsameren Titel so gut.

Auch das Sounddesign wurde sorgfältig umgesetzt. Die Produktion erzeugt keine künstliche Lo-Fi-Wirkung und ist ebenso wenig klinisch glatt. Melodische Leadspuren, Rhythmusgitarren und Bass besitzen klar getrennte Aufgaben. Die Platte klingt moderner und voller als das Debüt, ohne die Grundzüge des frühen Neunziger-Death-Metals zu verlieren.

DAS YETI-KONZEPT SETZT AUCH GRENZEN

So unterhaltsam »Snowbound Horror« ist, vollständig abwechslungsreich sind die 35 Minuten nicht. Mehrere Stücke beginnen mit ähnlich aufgebauten Midtempo-Riffs. Auch die wenigen Leadgitarren bewegen sich häufig in einem vergleichbaren melodischen Bereich. Wer auf überraschende Harmonien, komplexe Arrangements oder zahlreiche Soli hofft, wird hier nur wenig davon finden.

Das eng gefasste Yeti-Thema verstärkt diesen Eindruck. Nahezu jeder Text beschreibt eine weitere blutige Begegnung im Schnee. Der Splatter-Humor funktioniert, verliert gegen Ende aber etwas von seiner anfänglichen Wirkung. »They Came Through the Cold«, »Death by Icicle« und der Titeltrack fallen positiv auf, weil sie musikalisch deutlicher voneinander abweichen.

Zudem dürften Freunde des Grindcore-Anteils von »Apex Predator« die Veränderung kritisch sehen. Das neue Album ist wesentlich stärker im klassischen Death Metal verankert. Für Hörer, die Rogga Johanssons Midtempo-Riffing und schwedisch geprägten Old School Death Metal mögen, ist genau diese Entwicklung allerdings ein Vorteil.

FAZIT:

»Snowbound Horror« ist ein äußerst cremiges Old-School-Death-Metal-Album mit tief gestimmten Gitarren, druckvollen Grooves, starken Growls und einer ausgezeichneten Rhythmusgruppe. Ravaged By The Yeti haben den Grindcore-Anteil des Debüts reduziert und präsentieren elf kompakte Songs, die stärker auf Midtempo, Eingängigkeit und schwere Riffs setzen.

»Vengeance in Fur«, »They Came Through the Cold«, »Death by Icicle« und der Titeltrack gehören zu den Höhepunkten. Die Produktion von Håkan Stuvemark ist kraftvoll, transparent und genau auf diesen Stil abgestimmt. Besonders das fantastische Zusammenspiel von Rogga Johansson, Mike Borders und Jon Rudin macht die einfachen Kompositionen wirkungsvoll.

Einige ähnliche Riffanfänge, die überschaubare Zahl melodischer Ideen und das thematisch enge Yeti-Konzept verhindern eine höhere Bewertung. Trotzdem liefern Ravaged By The Yeti ein durchgehend unterhaltsames, professionell produziertes und sehr gut gespieltes Death-Metal-Album. Freunde von Bolt Thrower, Obituary, Six Feet Under, Frozen Soul und Rogga Johanssons zahlreichen schwedischen Death-Metal-Projekten sollten »Snowbound Horror« vollständig anhören.

Ravaged By The Yeti – Snowbound Horror

Internet

RAVAGED BY THE YETI - SNOWBOUND HORROR - Album Review

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