Band: RIVERFLAME 🇬🇷
Titel: Lunar Crusades
Label: code666 / Aural Music
VÖ: 24/04/26
Genre: Epic Medieval Black Metal / Melodic Black Metal

Tracklist

01. Riverflame
02. Where Dragons Once Ruled
03. Lunar Crusades
04. Through Mistlands of Unearthly Worlds
05. Before the Eternal Night

Besetzung

Haris – Guitars, Synths
Abro – Bass
Romain Nobileau – Vocals
Hakon Freyr Gustafsson – Drums

Bewertung:

4,5/5

Im Black Metal gibt es Veröffentlichungen, die schon auf den ersten Blick Neugierde wecken. Der geneigte Rezensent jedenfalls hat noch nie von Medieval Black Metal gehört, zumindest nicht als so selbstbewusst gesetzte Ansage. RIVERFLAME machen mit »Lunar Crusades« aber ziemlich schnell klar, dass dieser Begriff nicht bloß nach Fantasy-Aufkleber auf der Rüstung klingt, sondern tatsächlich Programm ist. Hier treffen melodischer Black Metal, epische Synth-Flächen und ein Hauch Dungeon-Synth aufeinander, ohne dass das Ganze wie ein billiger Mittelaltermarkt mit Blastbeats wirkt.

Wenn Black Metal plötzlich Banner trägt

Schon »Riverflame« öffnet das Album wie ein Tor zu einer halb vergessenen Festung. Der Song nimmt sich Zeit, baut Atmosphäre auf und setzt nicht nur auf Raserei, sondern auf Wirkung. Die Gitarren arbeiten melodisch, die Drums treiben nach vorne, und über allem liegen Synth-Schichten, die dem Stück sofort eine erzählerische Größe geben. Das klingt nicht nach Keller, sondern nach Nebel über alten Mauern, nach Mondlicht auf rostigem Stahl und nach einem Prolog, der mehr will als nur laut sein.

Das inspirierte Sounddesign als große Stärke

Das Sounddesign ist einfach fantastisch. Und zwar nicht nur, weil »Lunar Crusades« gut produziert ist, sondern weil die Klanggestaltung hier ein zentraler Teil der Musik wird. Dieses Album ist nicht nur kompositorisch fantastisch, sondern auch im Sounddesign inspirierend und einfach mehr als nur eine weitere Black-Metal-Produktion. Die Synths sind keine bloße Dekoration im Hintergrund, sondern öffnen Räume, setzen Farbtöne und geben den Songs diese mittelalterlich-phantastische Tiefe.

Man hört, dass hier nicht einfach ein paar Keyboardflächen über fertige Riffs gelegt wurden. Die Atmosphäre ist fest in die Songs eingewoben. Gitarren, Schlagzeug, Bass und Synths greifen ineinander, sodass »Lunar Crusades« wie ein geschlossenes Klanggemälde wirkt. Das ist episch, aber nicht aufgeblasen; atmosphärisch, aber nicht beliebig. Genau darin liegt die Klasse dieser Platte.

Drachen, Galopp und Melodie

Mit »Where Dragons Once Ruled« legen RIVERFLAME noch einmal ordentlich nach. Der Song wirkt fokussierter, treibender und fast schon kämpferisch. Die Drums haben diesen galoppierenden Zug, während die Gitarren heroische Linien ziehen, ohne den Black-Metal-Kern zu verlieren. Das Stück klingt wie der Blick auf ein untergegangenes Reich: groß, stolz, aber schon vom Staub der Vergangenheit bedeckt.

Hier zeigt sich besonders deutlich, dass RIVERFLAME nicht nur Atmosphäre stapeln, sondern auch Songs schreiben können. »Where Dragons Once Ruled« besitzt Dynamik, Entwicklung und genug melodische Widerhaken, um hängen zu bleiben. Das ist nicht nur lang und breit, sondern wirklich dramaturgisch gedacht.

Der Titeltrack als Mondlicht zwischen zwei Schlachten

Der Titeltrack »Lunar Crusades« nimmt danach spürbar Tempo heraus und funktioniert fast wie ein atmosphärisches Zwischenspiel. Hier rücken die Synths stärker in den Vordergrund, und plötzlich steht weniger der Kampf im Mittelpunkt als der Blick in eine fremde, silbrig beleuchtete Landschaft. Das ist ein kluger Kontrast, weil das Album dadurch nicht in Dauerpathos versinkt.

Gerade dieser kurze Moment zeigt, wie sicher die Band ihre Stimmung führt. »Lunar Crusades« als Song wirkt wie ein Atemzug vor dem nächsten Marsch, wie ein stiller Blick auf den Horizont, bevor wieder Stahl auf Stein trifft. Das ist schlicht, aber sehr wirkungsvoll.

Durch Nebellande und alte Welten

»Through Mistlands of Unearthly Worlds« ist dann wieder große Leinwand. Schon der Titel klingt nach einer alten Karte, die irgendwo zwischen Kerzenschein und Spinnweben ausgerollt wird. Musikalisch erfüllt der Song dieses Versprechen. Die Gitarren ziehen weite Linien, die Synths legen sich wie kalter Dunst über die Struktur, und die Rhythmik hält das Ganze stabil auf Kurs.

Besonders stark ist, dass der Song trotz seiner Länge nicht auseinanderfällt. Die Band arbeitet mit wiederkehrenden Motiven, baut Spannung auf und lässt die helleren, heroischen Passagen immer wieder gegen dunklere Momente anlaufen. Das ist Fantasy-Black-Metal mit Haltung und keine Kostümparty im Burghof.

Finale vor der ewigen Nacht

Mit »Before the Eternal Night« bekommt »Lunar Crusades« ein starkes Finale. Der längste Song des Albums bündelt noch einmal alles, was diese Platte ausmacht: melodische Black-Metal-Riffs, epische Synth-Architektur, atmosphärische Weite und diesen leicht theatralischen Unterton, der hier wunderbar passt. Das Stück wirkt wie ein letzter Marsch in die Dunkelheit, nicht hektisch, sondern entschlossen.

Gerade im letzten Drittel zeigt sich, wie gut RIVERFLAME Atmosphäre soundtechnisch aufbauen können. Die Musik bekommt Raum, wächst, zieht sich zurück und öffnet sich wieder. So entsteht ein Abschluss, der nicht einfach nur endet, sondern das Album wirklich abrundet.

Alles andere als Genre-Gimmick

Natürlich kann man bei »Lunar Crusades« an epische Black-Metal-Größen denken, aber RIVERFLAME wirken nicht wie eine bloße Nachhut bekannter Vorbilder. Dafür hat das Album zu viel eigene Energie. Vor allem die Verbindung aus melodischer Gitarrenführung, starker Synth-Arbeit und diesem fantastischen Sounddesign gibt der Platte ein klares Profil.

Kleine Abstriche gibt es höchstens dort, wo der Pathos kurz sehr breit aufgetragen wird. Nicht jeder Moment ist subtil, aber mal ehrlich: Wer bei einem Album namens »Lunar Crusades« nüchterne Sachbearbeiter-Riffs erwartet, hat sich vermutlich im falschen Königreich verlaufen. Diese Platte will groß klingen, und meistens gelingt ihr das richtig gut.

Starkes Debüt mit eigener Welt

Unterm Strich ist »Lunar Crusades« ein beeindruckendes Debüt, das Medieval Black Metal nicht als albernes Etikett benutzt, sondern als ernst gemeinte Klangwelt ausformt. Das Album ist kompositorisch stark, atmosphärisch dicht und vor allem soundtechnisch inspirierend. RIVERFLAME erschaffen hier nicht einfach nur Songs, sondern ganze Szenen: Nebel, Mondlicht, Ruinen, Schlachtfelder und ein Gefühl von alter, bröckelnder Größe.

Fazit: RIVERFLAME gelingt mit »Lunar Crusades« ein episches, melodisches und fantastisch klingendes Black-Metal-Werk, das weit mehr ist als eine weitere Genreproduktion. Das Sounddesign hebt die Platte auf ein eigenes Niveau und macht aus starken Kompositionen ein echtes Kopfkino zwischen Mondschein, Stahl und Legende.

Internet

RIVERFLAME - Lunar Crusades

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