Band: THE DEAD DAISIES 🇦🇺
Titel:  Live Plus Five
Label: The Dead Daisies Pty Ltd. / OPEN
VÖ: 01.05.2026
Genre: Hard Rock / Classic Rock / Alternative Rock

Tracklist

Disc 1

  1. Long Way To Go
  2. Rise Up
  3. Dead And Gone
  4. Light ’Em Up
  5. Bustle And Flow
  6. I Wanna Be Your Bitch
  7. I’m Gonna Ride
  8. Take A Long Line
  9. Going Down
  10. Fortunate Son
  11. Mexico
  12. Midnight Moses
  13. Resurrected
  14. Helter Skelter

Disc 2

  1. I’m Ready
  2. Black Betty
  3. Unspoken
  4. Last Time I Saw The Sun
  5. Get A Haircut

Besetzung

John Corabi – Gesang
Doug Aldrich – Gitarre
David Lowy – Gitarre
Michael Devin – Bass
Tommy Clufetos – Schlagzeug

Bewertung:

4/5

Ach ja, die Dead Daisies, wer kennt sie nicht? Diese Band ist seit Jahren so etwas wie der reisende Hard-Rock-Zirkus mit sehr gut gefülltem Werkzeugkoffer: große Namen, große Riffs, große Bühnenroutine. Doch »Live Plus Five« wirkt nicht wie eine weitere Veröffentlichung nach dem Motto „Hauptsache, es steht etwas Neues im Regal“. Das Album zeigt vielmehr, warum diese Truppe live noch immer funktioniert: weil sie ihre Songs nicht verwaltet, sondern mit ordentlich Druck, Spielfreude und klassischer Rock-Attitüde auf die Bretter stellt.

Livealbum der authentischen Reproduktion!

Der Kern von »Live Plus Five« basiert auf dem Mitschnitt vom Stonedead Festival 2025 und wird um fünf zusätzliche Live-Tracks ergänzt. Das ist grundsätzlich eine gute Idee, denn THE DEAD DAISIES sind keine Band, die man zwingend unter Studioglas betrachten muss. Ihre Musik braucht Bewegung, Lautstärke und dieses leicht verschwitzte Gefühl einer Bühne, auf der nicht lange gefackelt wird. Genau das kommt hier sehr ordentlich rüber. Schon »Long Way To Go«, »Rise Up« und »Dead And Gone« zeigen, dass die Band nicht lange warmlaufen muss. Der Motor springt an, röhrt kurz auf und dann geht es nach vorne.

Produktion mit Druck und Luft

Besonders stark ist die Produktion. »Live Plus Five« klingt satt, direkt und angenehm räumlich, ohne den Live-Charakter glattzubügeln. Die Gitarren haben Biss, die Drums stehen breit im Mix, der Bass gibt dem Ganzen ordentlich Bauch, und John Corabi sitzt mit seiner Stimme genau dort, wo er hingehört: mitten im Geschehen. Das klingt nicht nach nachträglich poliertem Live-Souvenir, sondern nach einer Aufnahme, die den Abend einfangen will, ohne ihn künstlich aufzupumpen. Gerade bei Songs wie »Light ’Em Up« und »Bustle And Flow« zahlt sich das aus, weil Groove, Riff und Gesang genügend Platz bekommen, um wirklich zu arbeiten.

Corabi und Aldrich als sichere Bank

John Corabi ist auf diesem Album ein echtes Pfund. Seine Stimme hat genau diese raue, erfahrene Rock-Färbung, die man für solches Material braucht. Kein Gekreische um der Wirkung willen, kein übertriebener Pathos-Ausflug, sondern ein Frontmann, der weiß, wie man eine Bühne kontrolliert. Dazu kommt Doug Aldrich, der seine Gitarrenparts mit viel Klasse und Feuer ausspielt. Seine Leads wirken nie wie Fremdkörper, sondern geben den Songs zusätzliche Spannung. Zusammen mit David Lowy, Michael Devin und Tommy Clufetos entsteht eine Bandchemie, die nicht nur auf Namen basiert, sondern hörbar funktioniert.

Klassischer Hard Rock ohne Museumstaub

Natürlich erfinden THE DEAD DAISIES auf »Live Plus Five« nichts neu. Aber mal ehrlich: Wer erwartet das hier? Diese Band steht für klassischen Hard Rock mit breiter Brust, bluesigem Unterbau und genug Stadionformat, um auch große Bühnen zu füllen. Entscheidend ist, dass die Songs nicht nach bloßer Vergangenheitspflege klingen. »Make Some Noise« und »Song And A Prayer« bringen genau diese direkte Rock-Energie mit, bei der man nicht lange über Subgenres nachdenken muss. Das ist Musik, die nicht diskutieren will, sondern den Verstärker aufdreht.

Coverversionen mit ordentlich Zug

Auch die Coverstücke fügen sich gut ein. »Fortunate Son«, »Midnight Moses« und »Helter Skelter« sind natürlich keine unbekannten Nummern, aber THE DEAD DAISIES behandeln sie nicht wie zerbrechliche Museumsstücke. Sie nehmen die Songs, drücken ihnen ihren eigenen Bühnenstempel auf und lassen sie ordentlich laufen. Besonders »Helter Skelter« bekommt genau die richtige Mischung aus Respekt, Kante und Kontrollverlust. Das ist nicht revolutionär, aber es macht Spaß – und manchmal ist genau das der Punkt.

Die fünf Zusatzstücke als Bonus mit Sinn

Die zusätzlichen fünf Tracks sind kein lieblos angeklebter Nachschlag. »I’m Ready«, »Black Betty«, »Unspoken«, »Last Time I Saw The Sun« und »Get A Haircut« erweitern das Album sinnvoll und zeigen noch einmal andere Facetten der Band. Besonders »Black Betty« passt mit seinem treibenden Charakter hervorragend zu diesem rauen Live-Rahmen. Zwar merkt man an einigen Stellen, dass diese Songs nicht komplett aus demselben Konzertfluss stammen, doch das stört den Gesamteindruck kaum. Vielmehr wirkt es wie ein gut gefüllter Zugabenteil nach einem ohnehin schon kräftigen Set.

Handwerk, Erfahrung und Spielfreude

Was »Live Plus Five« so angenehm macht, ist die Selbstverständlichkeit. Hier spielt keine Band, die zwanghaft beweisen muss, dass sie noch relevant ist. THE DEAD DAISIES wissen, was sie können, und genau das setzen sie ein. Die Rhythmusgruppe hält alles stabil auf Kurs, die Gitarren liefern Druck und Farbe, und der Gesang gibt den Songs ihre rauchige Rock-Seele. Das ist handwerklich stark, aber nicht steril. Es hat Kraft, aber auch genug Luft zum Atmen. Genau diese Balance macht das Album hörenswert.

Nicht überraschend, aber verdammt wirkungsvoll

Wenn man meckern möchte, dann höchstens darüber, dass »Live Plus Five« keine großen Überraschungen bereithält. Die Band bewegt sich sicher auf ihrem Terrain, manchmal vielleicht sogar etwas zu sicher. Ein unerwarteterer Song im Set oder ein kleiner Ausbruch aus der Komfortzone hätte dem Ganzen noch eine zusätzliche Würze geben können. Aber das ist keine schwere Schwäche, sondern eher der Wunsch nach einem kleinen Extra bei einem ansonsten sehr stimmigen Livealbum.

Starke Livescheibe mit ehrlichem Rock-Herz

Unterm Strich ist »Live Plus Five« eine starke Livescheibe, die zeigt, warum THE DEAD DAISIES auf der Bühne funktionieren. Die Produktion ist druckvoll und transparent, die Band spielt mit sichtbarer Routine und hörbarer Lust, und die Songauswahl bietet genug Klassiker, Cover und Zusatzmaterial, um Fans ordentlich abzuholen. Das ist kein revolutionäres Livealbum, aber eines, das genau weiß, was es sein will: kerniger, ehrlicher Hard Rock mit Bühne im Blut.

Fazit: THE DEAD DAISIES präsentieren sich auf »Live Plus Five« als eingespielte Hard-Rock-Maschine mit starkem Sound, viel Bühnenenergie und einer Produktion, die den Live-Charakter überzeugend einfängt. Kein Firlefanz, keine künstliche Dramatik – einfach eine Band, die weiß, wie man Rock’n’Roll auf die Rampe schiebt.

Internet

THE DEAD DAISIES - Live Plus Five

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