Tracklist
01. Circus Of Mankind
02. Ashes
03. Tombstone Stories
04. Final Witness
05. Sirens And Sinners
Besetzung
Christian – Vocals
Tobias Dahs – Guitar, Bass
Hartmut Stoof – Drums
Die deutsche Melodic-Death-Metal-Formation SERPENT ICON präsentiert mit »Tombstone Stories« ein Album, das deutlich zeigt, wohin die Reise der Band gehen soll: düstere Atmosphäre, melodische Gitarrenlinien und ein Hang zu erzählerischen Songstrukturen. Hinter dem Projekt stehen Sänger Christian, Gitarrist und Bassist Tobias Dahs sowie Schlagzeuger Hartmut Stoof. Gemeinsam setzen sie auf eine Mischung aus klassischen Death-Metal-Elementen, melodischen Leads und einer insgesamt recht cineastischen Stimmung. Das Album wurde von Michael „Freio“ Haas im Big Easy Studio gemastert. Für zusätzliche stimmliche Farbe sorgt Jule Dahs, die auf zwei Songs als Gastsängerin zu hören ist.
Atmosphäre zwischen Melodie und Dunkelheit
»Tombstone Stories« bewegt sich stilistisch klar im Bereich des melodischen Death-Metal, zeigt aber auch Einflüsse aus traditionellem Thrash-Metal und gelegentlich sogar aus dem modernen Umfeld. Besonders auffällig ist der Versuch, den Songs eine erzählerische Struktur zu geben. Die Stücke wirken weniger wie lose aneinandergereihte Riffs, sondern eher wie kleine Kapitel einer düsteren Geschichte.
Gitarrist Tobias Dahs setzt dabei stark auf melodische Leads und harmonisierte Gitarren. Diese erinnern stellenweise an skandinavische Vorbilder, bleiben aber insgesamt erdig und riffbetont. Das Schlagzeug von Hartmut Stoof liefert dazu eine solide Basis aus treibenden Double-Bass-Passagen und rhythmischen Variationen.
Sänger Christian bewegt sich überwiegend im rauen Growl-Bereich, streut jedoch gelegentlich verständlichere, halb gesungene Passagen ein. Dadurch entsteht eine gewisse Dynamik, die dem Album gut steht.
Der Opener »Circus Of Mankind« startet mit einem atmosphärischen Intro, bevor ein druckvolles Riff das Tempo vorgibt. Der Song funktioniert gut als Einstieg, weil er gleich mehrere typische Elemente der Band zeigt: melodische Gitarren, groovige Midtempo-Passagen und einen klar strukturierten Aufbau.
Besonders im Refrain entfaltet sich die melodische Seite der Band. Die Gitarrenlinien bleiben im Ohr, ohne zu glatt zu wirken. Inhaltlich zeichnet der Song ein düsteres Bild menschlicher Abgründe und passt damit gut zur insgesamt morbiden Grundstimmung des Albums.
Melancholie und Gaststimme
Der zweite Track »Ashes« bringt mit der Stimme von Jule Dahs eine neue Klangfarbe ins Spiel. Ihr Gesang bildet einen deutlichen Kontrast zu Christians Growls und sorgt für eine melancholische Note.
Die Kombination funktioniert überraschend gut. Während die Instrumente weiterhin im melodischen Death Metal verankert bleiben, öffnet der weibliche Gesang den Song atmosphärisch. Gerade im Refrain entsteht dadurch ein Moment, der sich vom restlichen Material abhebt.
Das Zentrum des Albums
Der Titeltrack bildet den dramaturgischen Mittelpunkt der Platte. Hier zeigt sich besonders deutlich, dass die Band Wert auf Stimmung legt. Das Tempo ist etwas gedrosselt, die Gitarren arbeiten stärker mit melodischen Motiven, die sich durch den Song ziehen.
Der Song lebt weniger von Geschwindigkeit als von Aufbau. Mehrere ruhige Passagen sorgen dafür, dass die späteren Ausbrüche intensiver wirken. Diese Struktur erinnert teilweise an klassische Melodic-Death-Metal-Produktionen der späten Neunziger.
Dunklere Töne
Mit »Final Witness« wird das Album wieder härter. Das Stück ist riffbetonter und aggressiver als viele andere Songs auf der Platte. Besonders das Schlagzeug arbeitet hier stärker mit schnellen Double-Bass-Passagen, was dem Track zusätzlichen Druck verleiht. Trotzdem bleibt die melodische Handschrift der Band erhalten. Die Leadgitarren ziehen sich weiterhin durch den Song und verhindern, dass das Stück zu monoton wirkt.
Starker Abschluss
Der finale Song »Sirens And Sinners« greift erneut die Zusammenarbeit mit Jule Dahs auf. Der Wechsel zwischen harschen Vocals und klarem Gesang sorgt für Spannung und verleiht dem Stück eine fast dramatische Wirkung.
Musikalisch kombiniert der Track mehrere Elemente des Albums: melodische Gitarren, ein solides Midtempo-Fundament und atmosphärische Passagen. Dadurch eignet sich der Song gut als Abschluss, weil er noch einmal verschiedene Facetten der Band bündelt.
Produktion und Klangbild
Das Mastering von Michael „Freio“ Haas sorgt für einen klaren und ausgewogenen Sound. Die Gitarren stehen deutlich im Vordergrund, ohne den Rest der Instrumente zu überdecken. Besonders die Leads profitieren von dieser transparenten Produktion.
Der Gesamtsound wirkt modern, aber nicht steril. Die Songs behalten genug Rauheit, um im Death-Metal-Kontext glaubwürdig zu bleiben.
»Tombstone Stories« ist ein solides Melodic-Death-Metal-Album, das vor allem durch seine Atmosphäre und die melodischen Gitarren überzeugt. Die Band setzt weniger auf extreme Geschwindigkeit, sondern auf Stimmung und songorientierte Strukturen.
Nicht jeder Song bleibt dauerhaft im Gedächtnis, doch mehrere starke Momente und die gelungen eingesetzten Gastvocals geben der Platte ein eigenes Profil. Für Fans melodischer, leicht düsterer Death-Metal-Klänge lohnt sich ein genaueres Hinhören.
Fazit: SERPENT ICON gelingt mit »Tombstone Stories« ein Album, das durch seine dunkle Atmosphäre und musikalische Vielseitigkeit überzeugt.

