Tracklist
- Tinkerbell
- Lights On, Nobody Home#
- Coping
- Astro Boy/Ochanomizu
- Duuude
- Freinds Of Fire
- A Chance Of A Lifetime
- Turn Of Luck
Besetzung
Sampo Kääriäinen – Guitars, Vocals, Keyboards
Marco Menestrina – Bass, Vocals, Keyboards, Percussion
Marten Gustafsson – Drums
Der Winter zieht sich langsam zurück, das Eis bricht, die Luft wird leichter – und genau in diesem Moment stehen Kaleidobolt vor der Tür. Im Gepäck: ihr neuer Longplayer „Karakuchi“. Timing ist bekanntlich alles.
Neun Songs haben die drei Finnen aus Helsinki auf das Album gepackt, und keiner davon wirkt wie Füllmaterial. Schon der Opener fährt ohne Vorwarnung dazwischen, wirbelt durch die Gehörgänge und macht unmissverständlich klar, dass hier nicht lange auf Temperatur gewartet wird. Das Power-Trio steigt sofort aufs Gas. Die Gitarren kreisen, die Soli schnellen in absurde Höhen – auf die Frage, wie schnell man eigentlich spielen kann, liefern Kaleidobolt keine Diskussion, sondern eine Demonstration.
Dabei liegt die Stärke von „Karakuchi“ weniger im Überladenen als im Präzisen. Das Songwriting wirkt fokussiert, beinahe reduziert – ohne je karg zu erscheinen. Die Arrangements verzichten auf übertriebene Komplexität oder demonstrative Virtuosität um ihrer selbst willen. Nichts wird künstlich aufgeblasen, nichts zerfasert. Genau daraus entsteht diese Frische, die sich durch die gesamte Platte zieht. Kaleidobolt verbinden Tempo und Druck mit waghalsigen Soli und eingängigen Melodiebögen. Sie beherrschen das Wechselspiel aus lässiger Psychedelik und rasender Dynamik, ziehen das Tempo an, lassen es wieder atmen und balancieren dazwischen mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit. Das Ganze wirkt wie eine ausgedehnte, farbintensive Session, bei der Kontrolle und Kontrollverlust einander die Hand reichen.
Mein Fazit: „Karakuchi“ ist ein kraftvoller Psychedelic-Rock-Trip, der von der ersten Minute an Energie freisetzt. Kein Song fällt ab, keiner verliert sich im Nebel. Stattdessen greifen rasante Soli, treibende Grooves und schillernde Melodielandschaften ineinander und tragen die Hörerschaft durch ein Panorama aus Geschwindigkeit, Atmosphäre und psychedelischer Weite. Ein Album, das nicht auftaut – sondern entzündet.
