Tracklist
01. Midnight Blitz
02. Tears In Rain
03. Follow Me In Death
04. Dead Until Dark
05. Barren Lands And Seas Of Red
06. War In Heaven
07. Blood Sacrifice
08. Night Raids
09. Eye Of The Storm
10. Eulogy
Besetzung
Craig Carns – Vocals
Rhea Thompson – Lead Guitar
Zach Salvini – Lead Guitar
Bones – Bass Guitar
Eddie Mariotti – Drums
TAILGUNNER gehören zu den Bands, die Heavy Metal nicht als Nostalgieprojekt begreifen, sondern als lebendige, atmende Gegenwart. Das Line-up liest sich wie ein klassisches Metal-Rollenspiel: Craig Carns am Mikro, die beiden Lead-Gitarristen Rhea Thompson und Zach Salvini als tonales Zwillingsgespann, Bones am Bass und Eddie Mariotti am Schlagzeug. Mit »Midnight Blitz« legt die Band ihr neues Studioalbum vor und zeigt ziemlich eindrucksvoll, wie zeitlos traditioneller Metal klingen kann, ohne altbacken zu wirken.
Zwischen Stahl und Neon
Vorangehend macht der Opener und Titeltrack »Midnight Blitz« klar, wohin die Reise geht. Schnelle Riffs, ein treibendes Doublebass-Pattern und ein Refrain, der sofort im Ohr bleibt. TAILGUNNER setzen auf klassische Heavy-Metal-DNA, irgendwo zwischen JUDAS PRIEST, frühen IRON MAIDEN und modernerer US-Power-Metal-Schule. Was dabei auffällt: Die Produktion ist druckvoll, nichtsdestoweniger nicht überpoliert. Gitarren haben Biss, das Schlagzeug klingt organisch und der Bass bleibt stets hörbar.
Craig Carns überzeugt mit einer Stimme, die kraftvoll und rau ist, ohne ins Schreien abzudriften. Er bewegt sich souverän zwischen melodischen Linien und aggressiveren Passagen. Gerade im Titeltrack wirkt das sehr stimmig, weil sich Gesang und Riffs gegenseitig antreiben.
Melodien mit dunklem Kern
Mit »Tears In Rain« wird das Tempo leicht zurückgenommen. Hier zeigt die Band ihre melodische Seite. Der Song lebt von einem approximativ melancholischen Grundton, getragen von harmonischen Leadgitarren. Das erinnert ein wenig an die epischeren Momente von DIO oder QUEENSRŸCHE, ohne deren Pathos zu kopieren. Die Hook sitzt, der Refrain öffnet sich und bleibt hängen.
»Follow Me In Death« geht danach wiederum deutlich härter nach vorne. Ein klassischer Midtempo-Stampfer mit düsterer Grundstimmung, schweren Riffs und einem Chorus, der sich live perfekt für Mitsing-Passagen anbietet. Besonders stark ist hier die Gitarrenarbeit. Thompson und Salvini spielen sich die Leads wie in einem Dialog zu, ohne dass es jemals nach Selbstzweck klingt.
Krieg, Blut und Apokalypse
Thematisch bleibt »Midnight Blitz« klar im Metal-Kosmos: Tod, Krieg, Untergang, mythologische Bilder. »Dead Until Dark« und »Barren Lands And Seas Of Red« gehören zu den düstersten Tracks des Albums. Gerade letzterer fällt durch seine Länge und Struktur auf. Der Song baut sich langsam auf, wechselt mehrmals das Tempo und entwickelt eine fast epische Atmosphäre. Hier zeigt sich, dass TAILGUNNER mehr können als nur geradeaus zu bolzen.
»War In Heaven« ist dann wieder ein direkter Angriff. Ein schnelles Riff jagt das nächste, Eddie Mariotti treibt das Ganze gnadenlos voran. Sein Drumming gehört ohnehin zu den Stärken der Platte. Er spielt technisch sauber, gleichwohl nie steril, immer mit spürbarem Groove.
Blutrote Highlights
»Blood Sacrifice« ist einer der eingängigsten Songs des Albums. Klassischer Heavy-Metal-Refrain, simple, aber effektive Struktur, dazu ein Solo, das buchstäblich die richtige Länge hat. Kein unnötiges Gefrickel, sondern melodisch und songdienlich. Hier merkt man, dass die Band ein gutes Gespür für Dynamik hat.
Mit »Night Raids« und »Eye Of The Storm« folgt ein starkes Doppel, das nochmal unterschiedliche Facetten zeigt. Ersterer ist schnell, aggressiv und annäherungsweise thrashig angehaucht, während »Eye Of The Storm« deutlich mehr Atmosphäre aufbaut und mit Spannungsbögen arbeitet. Besonders der ruhige Mittelteil mit cleaneren Gitarren ist ein gelungener Kontrast.
Ein würdiger Abgang
Der Abschluss »Eulogy« ist genau das, was der Titel verspricht. Ein eher langsamer, schwerer Song, der sich Zeit nimmt. Keine Hektik, dafür viel Gefühl. Carns singt hier besonders eindringlich, beinahe schon verletzlich. Der Song wirkt wie ein Abspann, der das Album sauber abrundet und ihm eine gewisse emotionale Tiefe verleiht.
»Midnight Blitz« ist ein Album, das nichts Neues erfinden will und exakt darin seine Stärke findet. TAILGUNNER liefern klassischen Heavy Metal in Reinform, im Kontrast hierzu mit genug Eigenständigkeit, um nicht in der Retro-Falle zu landen. Die Songs sind durchweg stark, das Niveau bleibt über die komplette Laufzeit hoch, echte Ausfälle gibt es keine. Besonders die Gitarrenarbeit und der Gesang sorgen ad hoc, dass sich die Platte nicht im Einheitsbrei verliert.
Die Band wirkt eingespielt, fokussiert und hungrig. Man spürt, dass hier Musiker am Werk sind, die Heavy Metal nicht bloß spielen, sondern leben. »Midnight Blitz« eignet sich perfekt für Fans traditioneller Metal-Klänge, die Wert auf starke Riffs, eingängige Refrains und ehrliche Energie legen.
Fazit: »Midnight Blitz« bestätigt erneut das Können von TAILGUNNER. Mit ihrer energiegeladenen Performance, den tiefgründigen Texten und der musikalischen Vielfalt setzen sie ein starkes Zeichen im Heavy-Metal-Genre.

