Tracklist
01. Vida Nueva
02. Kickboxer
03. House of Cards
04. Heaven Sent
05. Bleed
06. Break These Chains
07. Beso De La Muerte
08. Swan Dive
09. Speaking in Tongues
10. Afterlife
11. Reap What You Sow
12. Eternal War
Besetzung
Joel Birch – Vocals
Jonathan Reeves – Vocals/Bass
Daniel Brown – Guitar
Joe Longobardi – Drums
Seit gut zwei Jahrzehnten gehören THE AMITY AFFLICTION zu den verlässlichen Größen im modernen Post-Hardcore und Metalcore. Die Australier haben sich mit ihrer Mischung aus brachialer Härte, hymnischen Refrains und sehr offenen Texten über mentale Abgründe eine treue Fanbasis erspielt. Mit Joel Birch am Mikro, Jonathan Reeves an Bass und Clean-Vocals, Daniel Brown an der Gitarre und Joe Longobardi am Schlagzeug wirkt das Line-up eingespielt und zielgerichtet. Auf ihrem aktuellen Album »House of Cards«, produziert von Dan Brown, setzt die Band genau dort an, wo sie zuletzt stand, und schiebt gleichzeitig ein paar Details nach vorne, die den Sound frischer wirken lassen.
Zwischen Melancholie und Druck
Schon der Opener »Vida Nueva« macht klar, dass die Band weiterhin keine halben Sachen macht. Ein kurzer, fast cineastischer Aufbau, läutet den Reigen ein. Dieses Muster zieht sich wie ein roter Faden durch das Album, wirkt aber selten berechenbar. »Kickboxer« legt eine Spur roher nach, direkter, fast schon aggressiv im Tempo, ohne die eingängigen Hooks zu verlieren.
Der Titelsong »House of Cards« gehört zu den stärksten Momenten der Platte. Hier trifft alles zusammen, dichte Atmosphäre, ein Refrain, der hängen bleibt, und eine Dynamik, die sich organisch steigert. Inhaltlich bleibt die Band bei ihren Kernthemen, Zerbrechlichkeit, Selbstzweifel, das Gefühl, jederzeit einzustürzen. Das wirkt nicht konstruiert, sondern ehrlich, auch weil Birch seine Texte mit spürbarer Dringlichkeit vorträgt.
Feinschliff im Sound
Produzent Dan Brown sorgt dafür, dass die einzelnen Elemente klar voneinander getrennt bleiben, ohne steril zu klingen. Die Gitarren haben genug Biss, wirken aber nie überladen. Der Bass von Reeves bekommt mehr Raum als auf früheren Releases und trägt oft subtil zur Atmosphäre bei. Besonders auffällig ist das Schlagzeugspiel von Longobardi, das zwischen präziser Härte und fast schon groove-orientierten Passagen wechselt.
»Heaven Sent« zeigt diese Balance besonders gut, ruhiger Einstieg, dann ein kontrollierter Ausbruch, der sich nicht in bloßer Lautstärke verliert. »Bleed« hingegen geht direkt nach vorne, ein klassischer Moshpit-Track mit kurzen Verschnaufpausen. Hier blitzt die Metalcore-DNA der Band deutlich durch.
Emotionale Klammer
Ein zentrales Element bleibt der Kontrast zwischen den harschen Vocals von Birch und den melodischen Parts von Reeves. »Break These Chains« lebt genau von diesem Spannungsfeld. Während die Strophen fast schon verzweifelt klingen, öffnet sich der Refrain in eine fast hoffnungsvolle Richtung. Diese Dualität gehört seit jeher zur Identität der Band und funktioniert hier wieder sehr gut.
Mit »Beso De La Muerte« und »Swan Dive« nimmt das Album eine etwas düsterere Wendung. Die Songs sind schwerer, teilweise schleppender im Tempo, dafür dichter in ihrer Wirkung. Gerade »Swan Dive« baut eine bedrückende Stimmung auf, die sich erst spät entlädt und lange nachhallt.
Starke zweite Hälfte
Die zweite Albumhälfte hält das Niveau. »Speaking in Tongues« bringt wieder mehr Tempo ins Spiel und wirkt fast wie ein Gegenpol zu den vorherigen Tracks. »Afterlife« setzt auf große Melodien und könnte sich schnell zu einem Live-Favoriten entwickeln. Hier zeigt sich die Erfahrung der Band! Die Hooks sitzen, ohne billig zu wirken.
»Reap What You Sow« ist einer der härteren Tracks der Platte, mit kantigen Riffs und einem fast schon kompromisslosen Grundton. Das Finale »Eternal War« greift viele Elemente des Albums noch einmal auf und bündelt sie in einem würdigen Abschluss. Der Song wirkt wie ein Fazit, musikalisch wie thematisch.
»House of Cards« ist kein radikaler Neuanfang, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. THE AMITY AFFLICTION bleiben sich treu, feilen aber an Details und sorgen dafür, dass ihr Sound nicht stagniert. Die Mischung aus Härte, Melodie und emotionaler Offenheit funktioniert weiterhin, auch weil die Band genau weiß, wo ihre Stärken liegen.
Mit einer Spielzeit, die genug Raum für Abwechslung lässt, ohne sich zu verlieren, und einer Produktion, die Druck und Klarheit verbindet, liefert die Band ein Album ab, das sowohl alte Fans als auch Neueinsteiger abholen kann. Kleine Längen gibt es, vor allem weil sich einige Strukturen wiederholen, doch das fällt im Gesamtbild kaum ins Gewicht.
Fazit: »House of Cards« ist ein bedeutendes Kapitel in der Diskografie von THE AMITY AFFLICTION.






