Band: Vorax 🇨🇭
Titel: Volcano Shock
Label: Eigenveröffentlichung
VÖ: 27.06.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Old School Death Metal / Death Metal

Tracklist

01. Magma Ocean
02. Devouring Raw Flesh
03. Volcano Shock
04. Burning Lava
05. Hunter Killer
06. Flight of the Pteranodon
07. Reign Supreme
08. The Great Dying

Besetzung

Beni – Gesang
Simon – Leadgitarre
Benj – Rhythmusgitarre
Frugi – Bass
Flavio – Schlagzeug

Produktion:
Musik und Texte – Vorax
Aufnahme und Produktion – Vorax
Mixing und Mastering – Beni
Weitgehend analog aufgenommen, gemischt und gemastert
Auf Band aufgenommen und gemastert
Mix über ein klassisches Studer-Mischpult
Artwork – Jon (@meat_knife)

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Death Metal und Dinosaurier? Das klingt zunächst nach einem Konzept, das entweder spektakulär einschlägt oder nach wenigen Minuten unter dem Gewicht seiner eigenen Urzeitechsen zusammenbricht. Die Zürcher Vorax lassen auf ihrem Debütalbum »Volcano Shock« jedoch keine Zweifel aufkommen. Nach der 2022 veröffentlichten EP »Jurassic Dawn« widmet sich die fünfköpfige Formation erneut prähistorischen Welten, Naturkatastrophen, Dinosauriern und dem gnadenlosen Kampf ums Überleben. Musikalisch gibt es dazu acht kompakte Stücke Old School Death Metal, die sich bewusst gegen digitale Perfektion, sterile Schlagzeugspuren und nachträglich zurechtgeschobene Rhythmen stellen. Hier wurde weitgehend analog gearbeitet, auf Band aufgenommen und mit historischem Studioequipment produziert. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob »Volcano Shock« modern klingt. Entscheidend ist, ob Vorax die Vergangenheit überzeugend zum Leben erwecken können.

Albumstream: Volcano Shock

MAGMA STATT MODERNER STUDIOKOSMETIK

»Magma Ocean« eröffnet das Album mit einem kurzen vokalen Ausbruch, bevor die Instrumente gemeinsam in einen schweren, stampfenden Rhythmus fallen. Vorax versuchen gar nicht erst, den Hörer durch ein langes Intro auf die bevorstehende Katastrophe vorzubereiten. Der Boden bricht auf, die Gitarren setzen ein und das Schlagzeug beginnt unmittelbar damit, die ersten geologischen Verwerfungen in das Fundament zu schlagen.

Simon und Benj arbeiten überwiegend mit breiten, tief gestimmten Riffs, die deutlich vom europäischen Death Metal der späten Achtziger und frühen Neunziger geprägt sind. Statt hektischer Griffbrettübungen stehen Gewicht und Wiederholung im Mittelpunkt. Einzelne Motive werden lange genug gehalten, damit sie ihre volle Wirkung entfalten können, ohne dabei in stumpfe Monotonie zu kippen.

Flavios Schlagzeugspiel verstärkt die archaische Atmosphäre. Die Schläge wirken körperlich und nicht wie exakt platzierte Markierungen aus einem Computerprogramm. Kleine Schwankungen und natürliche Dynamik bleiben hörbar. Gerade dadurch besitzt der Opener eine Lebendigkeit, die vielen technisch perfektionierten Death-Metal-Produktionen fehlt.

Beni setzt darüber einen tiefen, rauen Gesang, der gelegentlich in längere Schreie übergeht. Seine Stimme wird nicht künstlich aufgebläht und auch nicht durch mehrere übereinandergeschichtete Spuren zu einem anonymen Monster umgebaut. Sie besitzt eine erkennbare menschliche Herkunft – und genau das macht sie bedrohlich.

Im letzten Abschnitt darf Simon die geschlossene Rhythmuswand mit einem kurzen Solo aufbrechen. Die Leadgitarre wird nicht zum Mittelpunkt der Komposition, setzt aber einen deutlichen Akzent und beendet den ersten Ausbruch mit kontrollierter Unruhe.

FRESSEN ODER GEFRESSEN WERDEN

»Devouring Raw Flesh« erhöht das Tempo, ohne den schweren Grundcharakter des Albums aufzugeben. Das Riffing wirkt beweglicher, die Übergänge folgen schneller aufeinander und das Schlagzeug treibt stärker nach vorn. Inhaltlich regiert das älteste Gesetz der Natur: Wer nicht selbst zum Jäger wird, endet als Nahrung.

Vorax nutzen das prähistorische Konzept nicht als humoristische Kulisse. Hinter den Dinosauriern und Naturkatastrophen steht eine Welt, in der Moral, Zivilisation und gesellschaftliche Regeln keine Bedeutung besitzen. Überleben hängt allein von Kraft, Instinkt und der Fähigkeit ab, schneller zu reagieren als das Gegenüber.

Die Gitarren wechseln zwischen treibenden Passagen und kurzen, kontrollierten Unterbrechungen. Dadurch entsteht ein permanentes Gefühl der Bedrohung. Der Angriff kann jederzeit fortgesetzt werden, auch wenn die Instrumente für einen Moment zurückweichen.

Frugi fällt erstmals besonders deutlich auf. Sein Bass wird nicht unter den Gitarren versteckt, sondern besitzt einen knurrenden Eigenklang. Er verdoppelt zwar häufig die Bewegung der Rhythmusgitarre, verleiht den Riffs jedoch zusätzliche Tiefe und hält den Klang auch dann zusammen, wenn die Leadgitarre kurz aus dem gemeinsamen Block ausbricht.

Beni gestaltet seinen Gesang variabler, als es der erste Eindruck vermuten lässt. Neben tiefen Passagen setzt er schärfere Ausbrüche und lang gezogene Schreie ein. Der Refrain verzichtet auf eine klassische Melodie, bleibt durch seine rhythmische Betonung aber dennoch hängen.

»Devouring Raw Flesh« gehört zu den unmittelbarsten Stücken des Albums. Der Song benötigt keine komplizierte Dramaturgie, weil Vorax seine zentrale Idee mit überzeugender Konsequenz ausführen.

DER VULKAN EXPLODIERT NICHT SOFORT

Der Titeltrack »Volcano Shock« setzt überraschenderweise nicht auf permanentes Höchsttempo. Statt den erwartbaren musikalischen Vulkanausbruch mit Blastbeats und pausenloser Doublebass abzubilden, wählen Vorax einen langsameren, beinahe militärisch stampfenden Rhythmus.

Die ersten Gesangspassagen wirken kontrollierter und teilweise gesprochen. Beni steigert die Aggression anschließend schrittweise. Der Song entwickelt sich dadurch wie eine Naturkatastrophe, deren Vorzeichen zunächst ignoriert werden können. Erst wenn der Druck groß genug geworden ist, wird aus dem unterschwelligen Grollen eine nicht mehr kontrollierbare Eruption.

Die Gitarrenarbeit erinnert in ihrer schweren, rollenden Bewegung stellenweise an Bolt Thrower und Asphyx. Vorax übernehmen jedoch keine einzelnen Riffs oder vollständigen Strukturen. Entscheidend ist die gemeinsame Haltung: Death Metal soll nicht durch Geschwindigkeit allein beeindrucken, sondern durch körperliche Wucht und eine Atmosphäre unausweichlicher Vernichtung.

Besonders wirkungsvoll ist die Schlagzeugarbeit. Flavio setzt kurze, beinahe marschartige Figuren ein, bevor er wieder in einen breiteren Groove zurückkehrt. Das Schlagzeug führt die Komposition und verhindert, dass das wiederkehrende Hauptriff seine Wirkung verliert.

In der zweiten Hälfte öffnet sich das Arrangement. Simon legt eine melodischere Leadspur über das Fundament, ohne den Song plötzlich in klassischen Heavy Metal zu verwandeln. Die Gitarre erzeugt vielmehr einen düsteren Gegenpol zu den massiven Rhythmusinstrumenten.

Der Titeltrack ist kein schneller Höhepunkt für den ersten Durchlauf. Er gewinnt durch seine langsame Entwicklung und gehört zu den Stücken, deren Aufbau erst nach mehrmaligem Hören vollständig sichtbar wird.

BURNING LAVA BEWEGT SICH LANGSAM, ABER UNAUFHALTSAM

»Burning Lava« bleibt im schweren Tempo und setzt auf eine Bewegung, die sich weniger wie ein plötzlicher Angriff als wie eine unausweichlich näherkommende Masse anfühlt. Die Gitarren schieben sich vorwärts, während Bass und Schlagzeug jeden Schritt zusätzlich beschweren.

Die Band widersteht erneut der Versuchung, das Thema durch offensichtliche Soundeffekte zu illustrieren. Es gibt keine Vulkanaufnahmen, keine Explosionen aus dem Archiv und keine dramatische Erzählerstimme. Vorax verlassen sich vollständig auf ihre Instrumente.

Der Song zeigt allerdings auch eine Grenze des Albums. Gitarrenton, Rhythmik und vokale Gestaltung liegen nah an den vorherigen Stücken. Die konsequente Produktion sorgt für einen geschlossenen Gesamtklang, lässt einzelne Kompositionen aber gelegentlich ineinander übergehen.

Vorax gleichen dieses Problem durch kleine Veränderungen aus. Ein kurzes Gitarrenmotiv hebt sich aus der Rhythmusarbeit heraus, das Schlagzeug verschiebt einzelne Akzente und Beni verändert die Länge seiner Phrasen. Dennoch gehört »Burning Lava« nicht zu den auffälligsten Nummern.

Im Zusammenhang des Albums funktioniert das Stück besser als für sich allein. Es hält den Druck aufrecht, führt das prähistorische Szenario konsequent weiter und bildet den schweren Gegenpol zum beweglicheren »Hunter Killer«.

DER JÄGER BESCHLEUNIGT DIE EVOLUTION

»Hunter Killer« bringt spürbar Bewegung in die Mitte des Albums. Die Gitarren greifen schneller an, das Schlagzeug arbeitet mit häufigeren Richtungswechseln und die gesamte Band wirkt nervöser. Aus der langsam fließenden Lava wird ein aktiver Verfolger.

Das Stück lebt von seinem Wechsel zwischen treibenden Riffs und kurzen Verzögerungen. Vorax lassen den Song mehrfach abbremsen, nur um anschließend mit veränderter Betonung zurückzukehren. Dadurch entsteht der Eindruck einer Jagd, bei der sich Angreifer und Beute ständig neu orientieren müssen.

Beni liefert einige seiner stärksten Schreie. Seine Stimme klingt nicht glatt oder kontrolliert, sondern angespannt und körperlich gefordert. Das passt zum Material, weil die Musik ihre Wirkung ebenfalls nicht aus technischer Sauberkeit, sondern aus unmittelbarer Energie gewinnt.

Simon erhält im letzten Drittel erneut Raum für ein Solo. Die Leadgitarre windet sich über dem Rhythmusfundament, ohne zu lange im Mittelpunkt zu bleiben. Vorax wissen, wann ein Solo einen Song ergänzt und wann es dessen Wirkung verwässern würde.

»Hunter Killer« gehört gemeinsam mit »Devouring Raw Flesh« zu den direktesten Titeln. Die Komposition ist kompakt, besitzt mehrere erkennbare Abschnitte und bringt genau zur richtigen Zeit zusätzliche Geschwindigkeit auf das Album.

DER PTERANODON BRAUCHT PLATZ ZUM FLIEGEN

Mit knapp fünf Minuten gehört »Flight of the Pteranodon« zu den längeren Stücken. Die zusätzliche Spielzeit wird genutzt, um das bisherige Klangbild etwas weiter zu öffnen. Die Rhythmusgitarren bleiben schwer, während sich darüber längere Leadlinien entfalten.

Der Song beginnt mit einem massiven Groove, der zunächst kaum auf das im Titel angekündigte Fliegen schließen lässt. Erst im weiteren Verlauf löst sich die Leadgitarre deutlicher vom Fundament. Dadurch entsteht ein Kontrast zwischen dem Gewicht des Körpers und der scheinbaren Leichtigkeit des Fluges.

Vorax beweisen hier, dass ihre Musik nicht ausschließlich aus knappen Stakkato-Riffs besteht. Simon setzt melodische Figuren ein, die trotz ihrer Eingängigkeit eindeutig im Death Metal verankert bleiben. Die Melodien wirken dunkel und bedrohlich, verleihen dem Stück aber einen größeren räumlichen Eindruck.

Flavio hält die längeren Instrumentalpassagen zusammen. Sein Spiel bleibt kontrolliert und verzichtet auf übertriebene technische Demonstrationen. Gerade weil er den Takt nicht mit permanenten Fills überlädt, können die Gitarren ihre volle Wirkung entfalten.

Der Mittelteil zählt zu den besten instrumentalen Momenten des Albums. Die Band nimmt etwas Geschwindigkeit heraus, erweitert den Klangraum und lässt die Leadgitarre über den schweren Rhythmusinstrumenten stehen. Anschließend kehrt das Hauptriff zurück, wirkt durch den vorherigen Kontrast jedoch deutlich massiver.

»Flight of the Pteranodon« ist einer der Höhepunkte und zeigt, dass Vorax besonders überzeugend klingen, wenn sie ihrem Old School Death Metal zusätzliche melodische Tiefe erlauben.

REIGN SUPREME VERTRAUT AUF KONTROLLE

»Reign Supreme« beginnt langsam und schwer. Die Gitarren setzen breit ein, während Flavio mit klaren, voneinander getrennten Schlägen ein massives Fundament errichtet. Das Stück wirkt zunächst beinahe statisch, entwickelt aus dieser Zurückhaltung jedoch beträchtlichen Druck.

Der Titel beschreibt die uneingeschränkte Herrschaft der stärksten Kreatur. Vorax übersetzen diese Dominanz nicht in hektische Gewalt. Die Musik muss ihre Macht nicht beweisen, weil sie bereits jeden verfügbaren Raum besetzt.

Beni setzt seinen Gesang stärker als rhythmisches Instrument ein. Einzelne Worte und Silben werden präzise auf die Gitarrenschläge gelegt, während längere Schreie die Übergänge miteinander verbinden. Diese Verbindung aus punktgenauer Betonung und kontrolliertem Ausbruch gehört zu seinen besten Leistungen auf dem Album.

Nach der Hälfte setzt eine ausgedehntere Leadpassage ein. Simon verlässt den schweren Rhythmus, ohne die düstere Atmosphäre aufzulösen. Das Solo wirkt nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie eine zweite Erzählebene innerhalb des Songs.

Die Stärke von »Reign Supreme« liegt in seiner Geduld. Vorax versuchen nicht, alle paar Sekunden einen neuen Einfall einzubauen. Die Band vertraut auf wenige tragfähige Motive und führt diese konsequent aus.

Gerade dadurch unterscheidet sich das Stück von den schnelleren Nummern. Es zeigt, dass kontrolliertes Midtempo innerhalb des Death Metal mindestens ebenso vernichtend wirken kann wie ein permanenter Geschwindigkeitsangriff.

THE GREAT DYING LÖSCHT ALLES AUS

Das Finale trägt den passenden Namen: »The Great Dying« bezieht sich auf ein Massenaussterben, bei dem nicht eine einzelne Kreatur, sondern ein erheblicher Teil des bekannten Lebens verschwindet. Nach Jagd, Herrschaft und Naturgewalten endet das Album damit in vollständiger Auslöschung.

Der Song beginnt langsam und beinahe feierlich. Die Gitarren lassen einzelne Akkorde länger stehen, während das Schlagzeug zunächst nur wenige Akzente setzt. Die Atmosphäre unterscheidet sich deutlich von den unmittelbaren Angriffen der ersten Albumhälfte.

Nach und nach erhöht die Band die Intensität. Das Schlagzeug wird beweglicher, die Gitarrenfiguren werden dichter und Benis Stimme gewinnt zusätzliche Schärfe. Die Steigerung folgt keinem plötzlichen Bruch, sondern entwickelt sich kontrolliert aus dem ruhigen Anfang.

In der zweiten Hälfte setzt Simon eine längere Leadpassage ein, die dem Finale eine angemessene Größe verleiht. Die Melodie klingt nicht triumphal. Sie wirkt wie der letzte Blick auf eine Welt, deren Ende bereits beschlossen ist.

Vorax schließen das Album ohne unnötige Verlängerung ab. Es gibt keinen versteckten Bonustrack, kein minutenlanges Geräuschfinale und keine Wiederholung des Refrains bis zur völligen Erschöpfung. Nach etwas mehr als fünf Minuten ist das Aussterben vollzogen.

»The Great Dying« gehört gemeinsam mit »Flight of the Pteranodon«, »Reign Supreme« und dem Titeltrack zu den kompositorisch stärksten Stücken. Das Finale führt die wichtigsten Eigenschaften des Albums zusammen und beendet die prähistorische Reise mit der notwendigen Konsequenz.

ERFAHRUNG AUS DER SCHWEIZER DEATH-METAL-SZENE

Vorax sind zwar mit »Volcano Shock« bei ihrem ersten vollständigen Album angekommen, bestehen jedoch nicht aus unerfahrenen Musikern. Mitglieder der Band waren beziehungsweise sind im Umfeld von Messiah, Omophagia und Death Kommander aktiv. Diese Erfahrung ist im Zusammenspiel deutlich hörbar.

Simon und Benj verstehen sich als Gitarrenduo. Die Rhythmusarbeit bleibt geschlossen, während die Leadgitarre an den richtigen Stellen aus dem gemeinsamen Klangblock heraustritt. Vorax setzen Soli nicht nach einem festen Schema ein, sondern orientieren sich an der Dramaturgie des jeweiligen Songs.

Frugis Bass besitzt eine wichtige Funktion. Der Klang ist deutlich wahrnehmbar und sorgt dafür, dass die tiefen Frequenzen nicht allein von den Gitarren getragen werden. Besonders in den langsameren Passagen verleiht der Bass dem Material zusätzliche Bewegung.

Flavio hält die Musik zusammen, ohne sie durch übertriebene Perfektion zu glätten. Seine Schläge besitzen unterschiedliche Intensitäten, Becken klingen nicht bei jedem Treffer identisch und schnelle Passagen behalten einen natürlichen Bewegungsablauf. Diese Eigenschaften sind keine technischen Fehler, sondern ein wesentlicher Bestandteil der gewählten Ästhetik.

Beni steht mit seinem Gesang im Vordergrund, ohne den Instrumenten den notwendigen Raum zu nehmen. Seine tiefen Vocals passen zum klassischen Death Metal, während die schärferen Schreie zusätzliche Kontraste erzeugen. Eine noch größere Bandbreite aus Growls, gesprochenen Passagen und extremeren Höhen könnte künftige Veröffentlichungen dennoch weiter aufwerten.

Das Zusammenspiel wirkt eingespielt und diszipliniert. Vorax müssen nicht beweisen, wie viele Noten sie innerhalb weniger Sekunden unterbringen können. Die Band konzentriert sich darauf, dass jedes Riff, jeder Schlag und jeder vokale Ausbruch dem Song dient.

ANALOG IST KEIN AUTOMATISCHES QUALITÄTSSIEGEL

Vorax betonen den weitgehend analogen Entstehungsprozess von »Volcano Shock«. Die Band verwendete selbst restauriertes Studioequipment aus den Achtzigern und Neunzigern, nahm auf Band auf und mischte das Album über ein klassisches Studer-Pult. Auch das Studio wurde von den Musikern selbst aufgebaut.

Ein solcher Aufwand ist zunächst nur eine technische Entscheidung. Analoge Aufnahmeverfahren garantieren weder gute Songs noch einen überzeugenden Klang. Auf »Volcano Shock« passt die gewählte Arbeitsweise jedoch unmittelbar zur Musik.

Die Gitarren besitzen eine raue Oberfläche, bleiben aber klar genug, damit die einzelnen Riffs erkennbar sind. Der Bass steht hörbar im Mix und das Schlagzeug klingt nicht wie eine Sammlung voneinander isolierter Samples. Besonders Snare, Toms und Becken reagieren dynamisch auf Flavios Spielweise.

Auf Trigger, Quantisierung und umfangreiche digitale Korrekturen wurde bewusst verzichtet. Dadurch sind minimale Schwankungen hörbar, die der Musik zusätzliche Bewegung verleihen. Vorax klingen wie fünf Musiker, die gemeinsam ein Stück spielen, und nicht wie fünf getrennt bearbeitete Spuren, die nachträglich zusammengesetzt wurden.

Die Produktion besitzt trotzdem Schwächen. Manche Gitarrenpassagen könnten stärker voneinander getrennt sein, und in besonders dichten Momenten verliert der Bass einen Teil seiner anfänglichen Präsenz. Auch der Gesang sitzt nicht in jeder Passage exakt an derselben Position.

Diese Unebenheiten gehören teilweise zum Konzept, sollten jedoch nicht grundsätzlich romantisiert werden. Rohheit funktioniert nur dann, wenn die Kompositionen darunter nicht verschwinden. Vorax finden überwiegend die richtige Balance: Das Album klingt ungeschliffen, aber nicht unfertig.

DINOSAURIER STATT STANDARD-SPLATTER

Thematisch besitzt »Volcano Shock« ein ungewöhnlich geschlossenes Profil. Während zahlreiche Death-Metal-Bands erneut Friedhöfe, Leichenhallen und medizinisch fragwürdige Gewalttaten abarbeiten, wenden sich Vorax einer prähistorischen Welt zu.

Bereits die EP »Jurassic Dawn« behandelte Dinosaurier und frühe Erdzeitalter. Das Debüt führt diesen Ansatz weiter und erweitert ihn um Vulkanausbrüche, Jagd, Herrschaft und Massenaussterben.

Die Themen passen hervorragend zur Musik. Old School Death Metal lebt von archaischer Kraft, schweren Bewegungen und einer gewissen körperlichen Unmittelbarkeit. Ein stampfendes Midtempo-Riff lässt sich problemlos mit einem tonnenschweren Raubtier verbinden, während schnelle Passagen den Überlebenskampf glaubwürdig vertonen.

Vorax vermeiden dabei den Eindruck eines Kinderbuchs mit verzerrten Gitarren. Die Texte und die musikalische Inszenierung behandeln die prähistorische Welt als brutalen Lebensraum. Es gibt keine menschliche Überlegenheit, keine Technik und keine sichere Distanz. Jede Kreatur ist Teil einer Nahrungskette, die jederzeit gegen sie arbeiten kann.

Das Konzept verleiht dem Album einen Wiedererkennungswert, den viele stilistisch ähnliche Veröffentlichungen vermissen lassen. Musikalisch erfinden Vorax den Old School Death Metal nicht neu. Durch ihre thematische Ausrichtung schaffen sie dennoch eine eigene Identität.

DREIUNDDREISSIG MINUTEN OHNE AUSGRABUNGSLEERLAUF

Mit rund 33 Minuten ist »Volcano Shock« angenehm konzentriert. Keiner der acht Songs wirkt künstlich verlängert, und die Band verzichtet auf atmosphärische Zwischenspiele, die lediglich die Gesamtspielzeit erhöhen würden.

Diese Kürze ist wichtig, weil sich Vorax innerhalb eines bewusst eng gesetzten stilistischen Rahmens bewegen. Gitarrenton, Gesang und Produktionsästhetik bleiben über das gesamte Album hinweg ähnlich. Eine Laufzeit von 50 oder 60 Minuten hätte deshalb vermutlich Ermüdungserscheinungen verursacht.

Innerhalb der kompakten Spielzeit funktioniert die Mischung hingegen gut. »Devouring Raw Flesh« und »Hunter Killer« sorgen für Geschwindigkeit, während »Volcano Shock«, »Burning Lava« und »Reign Supreme« auf kontrollierte Schwere setzen. »Flight of the Pteranodon« und »The Great Dying« erweitern das Material um längere Entwicklungen und deutlichere Leadgitarren.

Nicht jeder Song besitzt einen sofort erkennbaren Refrain oder ein einzelnes Riff, das sich nach dem ersten Durchlauf festsetzt. Das Album wächst stattdessen durch Details. Kleine Schlagzeugfiguren, Bassbewegungen und Leadgitarren treten bei wiederholtem Hören stärker hervor.

Vorax schreiben keine komplizierten Kompositionen, verlangen aber dennoch Aufmerksamkeit. Wer »Volcano Shock« lediglich nebenbei laufen lässt, hört möglicherweise nur eine geschlossene Wand aus klassischem Death Metal. Wer genauer zuhört, entdeckt eine sorgfältig abgestimmte Rhythmusgruppe und zahlreiche kleine Veränderungen innerhalb der vermeintlich einfachen Strukturen.

VERGANGENHEIT OHNE MUSEUMSVITRINE

Old School Death Metal bewegt sich grundsätzlich in einem Spannungsfeld. Einerseits lebt das Genre von einem klar erkennbaren historischen Klangbild. Andererseits besteht die Gefahr, lediglich bekannte Produktionen vergangener Jahrzehnte nachzustellen.

Vorax lösen dieses Problem nicht durch radikale Neuerfindung. Die Band bleibt den klassischen Grundlagen treu: tiefe Gitarren, schwere Rhythmen, raue Vocals, kurze Soli und eine Produktion, die hörbar von analogen Verfahren geprägt ist.

Die Eigenständigkeit entsteht aus der Verbindung dieser Elemente mit dem prähistorischen Konzept und dem auffällig klaren DIY-Gedanken. Vorax imitieren nicht einfach den Klang einer alten Platte. Sie bauen ihr eigenes Studio, restaurieren das benötigte Equipment und übertragen die historische Arbeitsweise auf ihre eigenen Songs.

Trotzdem bleibt Entwicklungspotenzial vorhanden. Die Band könnte künftig melodische Leadgitarren häufiger einsetzen, die vokale Bandbreite erweitern und einzelne Songs durch deutlichere rhythmische oder harmonische Kontraste voneinander abheben.

»Volcano Shock« zeigt jedoch bereits eine Formation, die genau weiß, welchen Death Metal sie spielen möchte. Das Album wirkt weder suchend noch unsicher. Vorax setzen ihre Vorstellungen konsequent um und akzeptieren dabei, dass ein solcher Ansatz nicht jeden modernen Extrem-Metal-Hörer erreichen wird.

FAZIT:

»Volcano Shock« ist ein überzeugendes Debütalbum für Anhänger des klassischen europäischen Death Metal. Vorax verbinden schwere Midtempo-Riffs, kurze Geschwindigkeitsausbrüche und melodisch eingesetzte Leadgitarren mit einer weitgehend analogen Produktion, die dem Material hörbare Lebendigkeit verleiht. Das prähistorische Konzept rund um Dinosaurier, Vulkane, Naturkatastrophen und Massenaussterben schafft einen eigenständigen Rahmen, ohne zur albernen Kulisse zu werden. Besonders »Devouring Raw Flesh«, der Titeltrack, »Hunter Killer«, »Flight of the Pteranodon«, »Reign Supreme« und »The Great Dying« überzeugen. Kleinere Abzüge gibt es für die stellenweise ähnliche Klangfarbe und einige Songs, deren Konturen erst nach mehreren Durchläufen deutlicher hervortreten. Vorax holen den Old School Death Metal jedoch nicht als lebloses Fossil aus dem Boden. Die Zürcher setzen Fleisch auf die Knochen, lassen das Tier aufstehen und schicken es mit erheblichem Gewicht durch die Gegenwart.

Official Video: Devouring Raw Flesh

Official Music Video: Reign Supreme

Internet

Vorax - Volcano Shock - CD Review

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