Band: Bastard 🇬🇧
Titel: Doctor Gong b/w Comfort
Label: Wap Shoo Wap Records
VÖ: 26.06.2026
Format: limitierte 7″-Single / Digital
Genre: Proto-Punk / Heavy Rock / Punk Rock

Tracklist

A-Seite: Doctor Gong
B-Seite: Comfort

Besetzung

Alan Ward – Gesang
Brian James – Gitarre
Dez Lover – Bass
Nobby Goff – Schlagzeug

Aufgenommen: 1974
Limitierung: 300 Exemplare weltweit

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Dieses Projekt ist durch und durch retro – angefangen bei der Aufmachung als limitierte 7″-Single bis hin zum Sound zwischen Proto-Punk, Heavy Rock und Punk Rock. Allerdings handelt es sich bei »Doctor Gong b/w Comfort« nicht um eine gegenwärtige Band, die mit Schlaghosen, Vintage-Verstärkern und künstlichem Bandrauschen das Jahr 1974 nachstellt. Die beiden Stücke wurden tatsächlich vor 52 Jahren aufgenommen und lagen seitdem unveröffentlicht im Archiv. Nun hat Wap Shoo Wap Records die historische Single von Bastard ausgegraben und auf 300 Vinyl-Exemplare begrenzt veröffentlicht.

Das macht die beiden Stücke zunächst zu einem interessanten Zeitdokument. Bastard bestanden unter anderem aus dem späteren The-Damned-Gitarristen Brian James sowie Alan Ward, der später als Elton Motello bekannt wurde. Entscheidend ist jedoch, dass die Single nicht nur aufgrund dieser Namen funktioniert. »Doctor Gong« und »Comfort« besitzen auch heute noch genügend Energie, um unabhängig von ihrer historischen Bedeutung zu bestehen.

Official Audio: Doctor Gong

DER DOKTOR BRINGT DAS RIFF

»Doctor Gong« beginnt mit einem finsteren Gitarrenmotiv, das aus heutiger Perspektive beinahe wie eine frühe Horrorfilm-Melodie wirkt. Brian James legt jedoch schnell nach und verbindet die bedrohliche Einleitung mit einem schweren, vorwärtsdrängenden Riff. Einflüsse von MC5, Black Sabbath und dem frühen Alice Cooper sind klar hörbar, werden aber von Bastard zu einer auffällig direkten Mischung verdichtet.

Das Schlagzeug stampft kontrolliert, der Bass hält das Stück kompakt zusammen und Alan Ward singt mit jener leicht überdrehten Angriffslust, die wenige Jahre später zum festen Bestandteil des Punk Rock werden sollte. Noch ist das kein Punk in seiner später klar definierten Form. Dafür sind die Gitarren zu stark im Heavy Rock verankert und die Spielzeit von beinahe vier Minuten zu großzügig angelegt.

Gerade diese Zwischenposition macht den Reiz aus. »Doctor Gong« steht mit einem Fuß im schweren Rock der frühen Siebziger und tritt mit dem anderen bereits gegen dessen ausufernde Strukturen. Das Stück ist roh, aber nicht primitiv, melodisch, aber nicht gefällig. Brian James lässt bereits jene scharfkantige Gitarrenarbeit erkennen, die später bei The Damned deutlich weiterentwickelt werden sollte.

COMFORT MACHT ES SICH NICHT BEQUEM

Die B-Seite »Comfort« klingt lockerer, straßentauglicher und stärker nach klassischem Rock ’n’ Roll. Der Einfluss von The Stooges ist insbesondere in der rauen Grundhaltung zu erkennen, während das Riffing gleichzeitig an die geradlinige Eleganz der Flamin’ Groovies erinnert.

Der Song besitzt mehr Bewegung als die A-Seite. Bass und Schlagzeug treiben energisch nach vorn, während Brian James zwischen Akkordarbeit und kleinen Leadakzenten wechselt. Alan Ward klingt weniger bedrohlich als bei »Doctor Gong«, dafür aber noch unmittelbarer. Sein Gesang sitzt nicht sauber auf jedem Ton, soll das jedoch offensichtlich auch nicht. Hier zählen Haltung und Energie.

Interessant ist vor allem, wie nah »Comfort« bereits an jener musikalischen Sprache liegt, die kurz darauf als Punk Rock bezeichnet werden sollte. Bastard verzichten auf ausgedehnte Soli, komplizierte Arrangements oder progressive Ausschweifungen. Der Song geht nach vorn, hält sein zentrales Motiv fest und lässt die Instrumente dennoch ausreichend atmen.

EIN FUNDSTÜCK MIT EIGENEM WERT

Historische Archivaufnahmen werden gerne aufgrund ihrer beteiligten Namen überschätzt. Bei »Doctor Gong b/w Comfort« besteht diese Gefahr ebenfalls. Brian James wurde später zu einer Schlüsselfigur des britischen Punk Rock, während Alan Ward mit Elton Motello seine eigene Spur in der Punkgeschichte hinterließ.

Die Single ist jedoch mehr als eine Fußnote vor den späteren Karrieren. Beide Stücke zeigen eine Band, die 1974 bereits verstanden hatte, dass Rockmusik wieder direkter, lauter und gefährlicher werden musste. Der Klang ist naturgemäß nicht so druckvoll wie eine moderne Produktion, doch die Instrumente besitzen Charakter und die Aufnahmen wurden nicht durch übertriebene digitale Nachbearbeitung ihrer historischen Oberfläche beraubt.

Mit insgesamt etwas mehr als acht Minuten bleibt die Veröffentlichung natürlich knapp. Zwei Stücke erlauben nur einen kurzen Blick auf Bastard und lassen offen, welches Potenzial ein vollständiges Album besessen hätte. Als 7″-Single funktioniert diese Begrenzung jedoch ausgesprochen gut. A- und B-Seite ergänzen sich und zeigen zwei unterschiedliche Facetten derselben Band.

FAZIT:

»Doctor Gong b/w Comfort« ist ein durch und durch retrospektives Fundstück, das dennoch nicht allein von seiner Vergangenheit lebt. »Doctor Gong« verbindet bedrohlichen Heavy Rock mit früher Proto-Punk-Aggression, während »Comfort« stärker auf direkten, dreckigen Rock ’n’ Roll und die bald folgende Punkexplosion verweist. Die historische Klangqualität gehört untrennbar zur Veröffentlichung und unterstreicht ihre Authentizität. Schade ist lediglich, dass nach zwei Stücken bereits Schluss ist. Bastard liefern keine nachträglich erfundene Retro-Show, sondern den echten Klang einer Band, die ihrer Zeit hörbar einige Jahre voraus war.

Internet

Bastard - Doctor Gong b/w Comfort - 7-Inch Review

Vorheriger ArtikelVorax – Volcano Shock
Nächster ArtikelValosta Varjoon – Blut, Stahl und Leid