WAZZARA – Arbor

WAZZARA - Arbor - album cover

Band: WAZZARA 🇨🇭
Titel: Arbor
Label: Independent
VÖ: 13/02/26
Genre: Atmospheric Blackgaze/Post-Black Metal

Tracklist

01. 9 Confines
02. Hollow
03. Her Ashes Down The River
04. Indigo Sleep
05. Dandelion
06. Nova
07. Oceans
08. zessa (reborn)

 

Besetzung

Barbara Brawand – Vocals
Tom Kuzmic – Guitar
Nick Müller – Guitar
George Necola – Bass
Nik Naumann – Drums

 

Bewertung:

4,5/5

Zwischen Wurzeln und Weite: Das neue Kapitel von WAZZARA

Die internationale Formation WAZZARA bewegt sich seit ihren ersten Veröffentlichungen an der Schnittstelle von atmosphärischem Black Metal, Shoegaze und Post-Metal. Die Mitglieder stammen aus verschiedenen europäischen Szenen, was sich auch im Klangbild widerspiegelt: rau, weitläufig und gleichzeitig melodisch. Mit Sängerin Barbara Brawand, den Gitarristen Tom Kuzmic und Nick Müller, Bassist George Necola sowie Schlagzeuger Nik Naumann steht eine Besetzung hinter der Band, die Extreme nicht scheut.

Mit ihrem neuen Album »Arbor« wagt die Gruppe nun einen Schritt tiefer in eine Klangwelt, die gleichermaßen erdig wie ätherisch wirkt. Acht Stücke, rund eine Dreiviertelstunde Musik und eine klare Vision: Atmosphäre vor Geschwindigkeit, Emotion vor bloßer Härte.

Klanglandschaften zwischen Black Metal und Shoegaze

Schon der Opener »9 Confines« macht klar, wohin die Reise geht. Ein langsamer Aufbau aus flächigen Gitarren, hallgetränkten Vocals und einem Schlagzeug, das zunächst zurückhaltend agiert. Erst nach einigen Minuten entfaltet sich die volle Wucht. Der Song funktioniert wie ein Tor in das Album. Man wird hineingezogen, ohne dass es aufdringlich wirkt.

Typisch für die Platte ist dieses Spiel mit Dynamik. WAZZARA setzen weniger auf rasende Blastbeats als auf dichte Klangschichten. Gitarren werden übereinandergelegt, bis eine Art Nebel aus Sound entsteht. Gleichzeitig bleiben die Melodien erstaunlich klar.

Gerade »Hollow« zeigt diese Balance besonders gut. Der Song verbindet fragile Passagen mit eruptiven Ausbrüchen. Brawands Stimme schwankt zwischen entrücktem Gesang und harschem Screaming. Dadurch bekommt der Track eine emotionale Spannung, die weit über klassische Genregrenzen hinausgeht.

Natur als Leitmotiv

Der Albumtitel ist kein Zufall. »Arbor« bedeutet Baum, und dieses Bild zieht sich durch viele Stücke. Die Musik wirkt oft verwurzelt, fast organisch. Gitarrenlinien wachsen langsam, verzweigen sich und bilden schließlich dichte Kronen aus Klang.

Ein gutes Beispiel dafür ist »Her Ashes Down The River«. Der Song beginnt mit fast meditativen Gitarrenflächen. Erst nach und nach schiebt sich ein schwerer Rhythmus darunter. Die Atmosphäre erinnert eher an Post-Rock als an klassischen Black Metal. Trotzdem bleibt der düstere Unterton erhalten.

Auch »Indigo Sleep« arbeitet stark mit Raum und Stimmung. Hier zeigt sich besonders deutlich, wie stark die Band mit Shoegaze-Elementen arbeitet. Die Gitarren verschwimmen zu einer schimmernden Wand, während die Vocals fast wie ein zusätzliches Instrument wirken. Solche Momente geben dem Album Tiefe. Man hört nicht nur Songs, sondern regelrechte Klanglandschaften.

Die stärksten Momente

Mit »Dandelion« erreicht die Platte einen ihrer emotionalsten Punkte. Der Song ist überraschend melodisch, beinahe melancholisch. Hinter der dichten Produktion verbirgt sich eine klare Songstruktur, die sofort hängen bleibt.

Danach folgt mit »Nova« ein Stück, das wieder stärker in Richtung Post-Black Metal driftet. Hier dürfen die Drums endlich etwas aggressiver werden. Trotzdem bleibt der Song kontrolliert. WAZZARA vermeiden es konsequent, in chaotische Raserei abzurutschen.

»Oceans« gehört zu den atmosphärisch dichtesten Tracks des Albums. Die Gitarren klingen hier fast wie Brandungsrauschen. Darüber legt sich eine Stimmung aus Melancholie und Weite. Es ist einer dieser Songs, die man eher fühlt als analysiert.

Der Abschluss »zessa (reborn)« wirkt schließlich wie ein Epilog. Langsam, getragen und beinahe hypnotisch. Der Song löst die Spannung der vorherigen Stücke auf und lässt das Album ruhig ausklingen.

Produktion und Studiobesetzung

Für die Studioaufnahmen arbeitete die Band teilweise mit einer leicht veränderten Besetzung. Neben Barbara Brawand, Tom Kuzmic und George Necola übernahm Marcel „Mäsi“ Stettler eine der Gitarren, während Andrei Jumugä am Schlagzeug saß.

Das Ergebnis ist eine Produktion, die stark auf Atmosphäre setzt. Die Gitarren sind breit und raumgreifend gemischt, der Bass bleibt angenehm präsent und die Drums klingen organisch statt überproduziert. Gerade im Post-Black-Metal-Umfeld ist diese Balance nicht selbstverständlich.

Die Vocals wurden bewusst etwas in den Hintergrund gemischt. Dadurch entsteht ein Effekt, als würde die Stimme aus der Ferne durch den Nebel dringen. Für manche Hörer mag das ungewohnt sein, doch genau dieser Ansatz verstärkt den hypnotischen Charakter der Musik.

Ein Album für Geduldige

»Arbor« funktioniert nicht als schnelle Hintergrundbeschallung. Die Songs entfalten ihre Wirkung erst mit Zeit. Wer nur auf einzelne Hooks wartet, wird hier wenig finden. Wer sich hingegen auf die Atmosphäre einlässt, entdeckt immer neue Details.

Vor allem Fans von Bands aus dem Blackgaze- und Post-Black-Metal-Umfeld dürften hier auf ihre Kosten kommen. WAZZARA zeigen ein gutes Gespür für Dramaturgie und Klangfarben. Gleichzeitig vermeiden sie es, ihre Einflüsse zu offensichtlich zu kopieren.

Das Album wirkt dadurch eigenständig und geschlossen. Jeder Track fügt sich in das Gesamtbild ein, ohne austauschbar zu sein.

Mit 4,5 von 5 Punkten ist »Arbor« ein starkes Statement. Die Platte überzeugt durch Atmosphäre, durchdachte Songstrukturen und eine Produktion, die den emotionalen Kern der Musik trägt.

WAZZARA gelingt hier ein Werk, das gleichermaßen düster, intensiv und überraschend schön klingt. Ein Album wie ein dichter Wald: dunkel, geheimnisvoll und voller verborgener Wege.

Fazit: »Arbor« von WAZZARA ist mehr als nur ein Hörgenuss, es ist eine Reise durch Schatten und Licht, durch Schmerz und Hoffnung.

Internet

WAZZARA - Arbor - CD Review

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Robert
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Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.

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