ZU – Ferrum Sidereum

cover artwork ZU Ferrum Sidereum

Band: ZU 🇮🇹
Titel: Ferrum Sidereum
Label: House of Mythology
VÖ: 09/01/26
Genre: Jazz Metal

Tracklist

01. Charagma
02. Golgotha
03. Kether
04. A.I. Hive Mind
05. La Donna Vestita Di Sole
06. Pleroma
07. Fuoco Saturnio
08. The Celestial Bull And The White Lady
09. Hymn of the Pearl
10. Perseidi
11. Ferrum Sidereum

Besetzung

Luca T. Mai – Baritonsaxophon, Electronics
Massimo Pupillo – Bass
Paolo Mongardi – Schlagzeug

Bewertung:

4/5

ZU präsentieren mit „Ferrum Sidereum“ ihr neues Album. Fast sieben Jahre nach der letzten Veröffentlichung ist die Rückkehr der Jazz-Metal-Pioniere entsprechend erwartungsvoll aufgenommen worden – sowohl im Metal- als auch im Jazz-Umfeld. Diese Erwartungen werden nicht enttäuscht: Das Album zeigt sich ebenso komplex und experimentell wie die bisherigen Arbeiten der Band und ist erneut ein eindrucksvoller Beleg für ihre technische und kompositorische Klasse.

Elektronische Einstiege und erste Spannungsbögen

Elektronische Klänge eröffnen das Album. „Charagma“ setzt zunächst auf bizarre Rhythmen, bevor nach einer langen Einleitung schließlich die typischen Jazzakkorde in den Vordergrund treten und das Stück langsam dominieren. Markante Basspassagen – schließlich eines der prägenden Elemente im Klangkosmos von ZU – strukturieren den Song, während das Baritonsaxophon zusätzliche Farbe und Tiefe einbringt. Klassische Jazzharmonik, modern interpretiert und getragen von einem massiven, dominanten Bass: ein überzeugender Einstieg ins Album.

Deutlich zurückhaltender beginnt „Golgotha“. Trotz des dissonanten Saxophons bleibt der Sound zunächst eher flächig und atmosphärisch als klar konturiert. Erst nach der ausgedehnten Einleitung gewinnen Bass und Schlagzeug an Präsenz, ergänzt durch eine Vielzahl elektronischer Elemente. Musikalisch wirkt das Stück stärker verdünnt, mit wechselnden Tempos, die bewusst chaotisch und experimentell angelegt sind. In den abschließenden Passagen entwickelt sich der Song jedoch zu einer schlüssigen und überzeugenden Komposition.

ZU stammen aus Ostia und wurden bereits 1997 gegründet. Als Veteranen ihres Genres und mit über fünfzehn Veröffentlichungen zählen sie zu den produktivsten und eigenständigsten Formationen im Grenzbereich zwischen Jazz und Metal. Ihre Musik folgt keinem festen Schema, sondern verbindet Elemente aus Metal, Noise, Prog, Elektronik, Ambient, Industrial und zeitgenössischer Musik zu einem eigenständigen Ausdruck. Der Kern der Band besteht aus Luca T. Mai (Baritonsaxophon, Elektronik), Massimo Pupillo (Bass) und Paolo Mongardi (Schlagzeug), wobei ZU auf ihren Alben regelmäßig durch Gastmusiker ergänzt werden, die dem Sound zusätzliche Facetten verleihen.

Zwischen Minimalismus, Ritual und Klangforschung

Das Album setzt seine stilistische Offenheit fort. „Kether“ kehrt zu einem langsameren, melodischeren Grundtempo zurück, während „A.I. Hive Mind“ melancholischer ausfällt und orientalische Anklänge sowie tribalartige Rhythmen integriert. Ein sehr langes, ambient geprägtes Mittelstück bestimmt die Struktur des Songs, der insgesamt eher minimalistisch angelegt ist. Das dissonante Ende wirkt konsequent, erreicht jedoch nicht die erwartete Komplexität, insbesondere angesichts der ausgedehnten Laufzeit.

Die Produktion bewegt sich zwischen Rohheit und Klarheit. In einigen Momenten klingt das Album bewusst rau, wobei Filter und Effekte den dissonanten Charakter zusätzlich betonen und dem Sound eine sperrige Oberfläche verleihen. In anderen Passagen wiederum ist das Klangbild außergewöhnlich transparent. Diese bewusste Wechselhaftigkeit folgt einer klaren künstlerischen Vorstellung, erzeugt jedoch stellenweise einen leicht fragmentierten Gesamteindruck. Hervorzuheben ist der Bass, der in allen Lagen hervorragend zur Geltung kommt. Das Schlagzeug bleibt in vielen ambienten Momenten fast im Hintergrund, was eine ungewöhnliche, fragile Feinheit entstehen lässt. Das Baritonsaxophon hingegen tritt häufig sehr dominant auf und wirkt stellenweise fast erdrückend.

La Donna Vestita Di Sole“ führt den minimalistischen, zugleich dissonanten Ansatz fort. Mit einer Laufzeit nahe der Zehn-Minuten-Marke eröffnet der Song mit einem eindrucksvollen Schlagzeugpart, der Percussion und Rhythmus in den Mittelpunkt stellt. Vereinzelte Saxophonakzente und ein allmählich einsetzender Bass verdichten den Klang zunehmend, bis sich eine klare rhythmische Struktur und eine erkennbare melodische Linie herausbilden. Das Baritonsaxophon verleiht dem Stück eine tiefe, eindringliche Atmosphäre, bleibt dabei jedoch vergleichsweise zugänglich. Hypnotische Effekte erzeugen ein vielschichtiges, nahezu sphärisches Klangbild. Ein klarer Höhepunkt des Albums.

Verdichtung, Auflösung und ein dissonanter Schluss

Pleroma“ beginnt mit entfernten, schwebenden Klängen und entwickelt sich langsam zu einer etwas kohärenteren Struktur, bleibt insgesamt jedoch sehr ruhig. Elektronische Texturen, zurückhaltende Bass- und Drum-Elemente prägen den Song, der zu den schwächeren Momenten des Albums zählt. Die einfache, nahezu reduzierte Elektronik mündet in einem energischen Saxophonausbruch, dessen Wirkung jedoch ambivalent bleibt. „Fuoco Saturnio“ bleibt dem atmosphärischen Ansatz treu, setzt jedoch stärker auf harmonische und feingliedrige Passagen, die sich mit schlichten Jazzakkorden abwechseln.

The Celestial Bull And The White Lady“ beginnt erneut mit einer ausgedehnten ambienten Einleitung, entwickelt sich dann jedoch zu einem dynamischen Stück mit massivem Bassfundament. In einem stetigen Crescendo greifen Schlagzeug und schließlich das Saxophon ein, bis der Song in einem komplexen Höhepunkt kulminiert. Vielschichtige Arrangements und eine dichte Instrumentierung machen den Track zu einem weiteren starken Moment des Albums.

Nach dieser Dynamik wirkt „Hymn of the Pearl“ wie eine bewusste Entspannung: elektronische Klänge, zurückhaltende Percussion und ein ruhiges, fast friedliches Grundtempo bestimmen das Stück. Wie so oft bei ZU nimmt die Komplexität im Verlauf zu, bleibt jedoch im Grenzbereich zwischen Ambient und freier Klangforschung. „Perseidi“ fungiert als kurzes, dissonantes Intermezzo mit effekthaften Einschüben, die an Schussgeräusche erinnern, und leitet zum abschließenden Titelstück über. „Ferrum Sidereum“ bildet einen unerwartet harschen Abschluss: aggressiver Bass und ebenso scharfes Saxophon treten in einen spannungsgeladenen Dialog, ergänzt durch unheimliche, verstörende Klangfarben. Ein düsteres, irritierendes Finale für ein ansonsten überwiegend ruhiges und melodisches Album.

Ein Album jenseits klarer Zuordnungen

Die Verbindung aus experimentellem und zeitgenössischem Jazz kann für viele Hörer fordernd sein, doch die technischen Fähigkeiten der beteiligten Musiker sind unübersehbar. Solche Virtuosität ist im Jazzkontext nicht neu, bleibt hier jedoch eindrucksvoll.

Weder eindeutig Metal noch klassischer Jazz – am treffendsten lässt sich ZUs Musik wohl als experimentell bezeichnen. „Ferrum Sidereum“ ist stark von elektronischen Elementen geprägt und bewegt sich stellenweise vollständig in diesem Bereich, was beide Genres bewusst unterläuft. Die Vielzahl weiterer Einflüsse fügt sich dennoch schlüssig in das Gesamtbild ein, und die künstlerische Vision der Band bleibt klar erkennbar.

Die deutlichsten metallischen Aspekte finden sich im Bass und in einzelnen dissonanten Strukturen. Riffs oder klassische Solos sollte hier niemand erwarten. Stattdessen dominieren Einflüsse aus Noise, Elektronik, Industrial und zeitgenössischer Musik. Das Album bietet starke musikalische Momente, aber ebenso viele sperrige, ruhige oder bewusst irritierende Passagen. Für manche faszinierend, für andere schwer zugänglich – „Ferrum Sidereum“ entzieht sich gängigen Maßstäben. Gerade deshalb lohnt sich ein offenes Hören für alle, die unkonventionelle Ansätze nicht scheuen.

Fazit: Komplexe Klanglandschaften zwischen Jazz und zahlreichen weiteren Einflüssen prägen ZUs  „Ferrum Sidereum“ – technisch und kompositorisch auf hohem Niveau.

Internet

ZU - Ferrum Sidereum - CD Review

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