Die Götter müssen verrückt sein!

 

So heißt es im Promozettel der Berliner Ankh Amun, bestehend aus Andreas (Gesang) und Michael  Martens, Immo Schach (beide Gitarre), Dustin Shomer (Bass) und Victor Raso (Drums).
Die Band hat mit ihrer Debüt EP etwas erschaffen, was viele nicht mehr für möglich gehalten haben. Sie sind die erste ernstzunehmende Kapelle, der man zutraut die große Lücke zu schließen, welche die DDR Metal Legende Formel 1 hinterlassen hat.
Zur Erklärung:
Formel 1 war die bekannteste traditionelle Metalband in der DDR und verband Einflüsse von Iron Maiden und Judas Priest (zwangsweise) mit deutschen, zumeist zweideutigen Texten.
Mit den damaligen Bands schwang auch immer ein düstere Atmosphäre, die man noch heute aus den alten Veröffentlichungen heraus hört.
Etwas, was Ankh Amun ebenfalls sehr gut umsetzen. Wenn bekennende Metal Fans Sprüche wie „Endlich mal wieder eine Band, die das Metal Ding ohne Kompromisse durchzieht“ und „Ich huldige dem Metal Gott!“ vom Stapel lassen, Szeneveteranen quer durch die Republik der Band von „Die Vorlage ist eindeutig… aber warum nicht mal Priest auf deutsch! Ich finds geil. Oldschool eben…“ bis „Sauguad!“ bescheinigen, ist es mehr als Grund genug, einmal genauer zu hinterfragen, was es mit Ankh Amun auf sich hat und Euch die Band schmackhaft zu machen.
Sänger Andi gab Auskunft und  sehr interessante Antworten zu Protokoll:

 

Andi, da Euch niemand kennt, erläutere doch bitte die Entstehungsgeschichte der Band.
Wann und wie habt Ihr zueinander gefunden? Ihr seid ja eigentlich eine typische Berliner Band, sprich multikulti.

Immo und ich machen schon seit1988 zusammen Musik. Außerdem ist er mein absoluter Lieblingsgitarrist. Nachdem wir einige Jahre eher das Rockding gespielt haben, wollten wir 2011 zu der Musik unserer Kindheit und Jugend zurückkehren.
Bis wir dann soweit waren, dass man sich das Ganze auch anhören kann, hat es dann noch ein bißchen gedauert. Eine komplette Band sind wir erst seit September 2015. Zu Immo, mir und Victor Raso gesellte sich der Dustin am Bass. Mit meinem Bruder Michael an der zweiten Gitarre war das Line up dann komplett. Dustin ist aus den USA und Victor aus Brasilien.
Also ja,  multikulti!

 

„Englisch ist halt nicht unsere Muttersprache.“

 

Mit welchen Bands habt Ihr vor Ankh Amun musikalische Erfahrungen gesammelt?

Angefangen 1988 mit STUNKS, später Stunx wo Immo, Mich und ich musikalisch gestartet sind und wo wir uns vom Metal Richtung Hard Rock entwickelt haben. Die Band war bis 1995 aktiv. Danach habe ich mit Immo bei Analfunk gespielt, dass war `ne Quatschband und hat tierisch Spass gemacht. Immo war zwischenzeitlich noch bei den Berliner Majesty. Victor spielt noch bei Sunshine and Lollipops, einem Black Metal Duo.
Ich war die letzten 1,5 Jahre außerdem mit Sleeping Beauty unterwegs, der Band von Peter Paul Fincke (Formel 1). Da haben wir Priest, Maiden und Saxon aber auch F1 gecovert. Seit Anfang November bin ich da raus. Das hat aber viel Spass gemacht und mir sehr geholfen meine Stimme zu entwickeln. 😉

Na das erklärt, warum ihr in erster Linie an die Legende erinnert. Aber Euer Name klingt ungewöhnlich. Er bezieht sich aber auf Tutanchamun, dem ägyptischen König, oder? Warum dieser Name?

Oh ja der Name. Das kommt tatsächlich von TUTANCHAMUN. Wir wollten eigentlich etwas deutsches. Aber da uns wirklich nichts passendes eingefallen ist, haben wir irgendwann diesen Namen gewählt.

Also kein tieferer Sinn, sondern einfach so…
Lass uns gleich an`s Eingemachte gehen, doch bevor wir zur Abschied – EP kommen, benenne doch bitte Eure musikalischen Einflüsse.

Wir lieben eigentlich alles aus den  80ern und Bands wie Maiden, Priest, Slayer, Metallica, Anthrax, Exciter, den alten Ozzy mit Randy Rhoads und Jake E Lee. Immo mag auch sehr Steve Vai.

Soweit ist alles noch normal, doch nun kommt das „aber“:
Ihr verwendet deutsche Texte, was in Verbindung mit traditionellem Metal auch heutzutage immer noch ungewöhlich ist. Seit der Wende haben einige Bands Texte in der Muttersprache verfasst, anfänglich die meisten eben aus der ehemaligen DDR.
Subway To Sally, In Extremo im Folk Rock Bereich, Rammstein… Sie alle haben den Metal beflügelt.

Im Heavy/Thrash Metal sind Macbeth eine Bank und mittlerweile auch respektiert.
Aber klassischer Heavy Metal ist in der Sparte eher rar gesät. Mir fallen da ehrlich gesagt nur die Hamburger Rohbau ein.

Ihr sagt selber, dass ihr außer den alten DDR Metal Bands niemanden kennt, der Eure Themen authentisch rüberbringt. Warum habt Ihr trotzdem diesen Schritt gewagt?

Wir wollen uns ein bisschen von der Masse absetzen. Und wie du sagst gibt es nicht so viele Metal Bands, die die deutsche Sprache benutzen. Da fallen wir schon auf. Ausserdem habe ich mit Analfunk die deutsche Sprache als musikalische Ausdrucksform lieben gelernt. Englisch ist halt nicht unsere Muttersprache.

 

„Allen ist klar, dass wir uns auf den Abgrund zu bewegen. Und trotzdem wollen die Entscheidungsträger und Machtmenschen es nicht ändern, sondern verkaufen faule Kompromisse.“

 

Abschied beinhaltet fünf Songs, die in erster Linie an die DDR Legende Formel Eins erinnern.
Das wäre normalerweise nur Ewiggestrigen zu empfehlen, aber Ankh Amun überraschen!
Ihr seid die erste Nachwendeband, die es schafft die Authensität und die düstere Grundstimmung einer vergangenen (und unterbewerteten) musikalischen Epoche nicht nur wiederzugeben, sondern sie in`s Jahr 2015 zubringen.
Musikalisch ist das Album eine sehr eigenständige Darbietung, deren Inspirationsquellen hauptsächlich in Judas Priest und Iron Maiden auszumachen sind.
Bei den Texten verwendet auch ihr gerne Metaphern.
Den Opener Babylon sehe ich als Kritik an der manipulativen Nachrichtenpolitik („Spieler die an den Fäden ziehen, Sklaven und Bettler, die ihren Tanz aufführ`n.“) sowie als Aufruf, sich seine eigene Meinung zu bilden („Spreng deine Ketten, tret` hervor, Du kannst es sehen.“).
Liege ich da richtig? Wenn nicht, dann verbessere mich bitte.

Da liegst du goldrichtig. Aber nicht nur die Nachrichten, überall wirst du manipuliert und du sollst dein hübsches Tänzchen nach ihren Regeln machen. Und vielen Dank für die Komplimente. Vielleicht achtet der ein oder andere gerade weil die Texte deutsch sind auch mehr auf den Inhalt. Ich fand damals die DDR Bands jedenfalls sehr geil, vor allem Biest fand ich geil. Manne (Manne (gegen Gewalt) ist einer der bekanntesten Songs der Band und von der 1989er 7″ – Daniel) lief 1988 bei mir rauf und runter…

Als ehemaliger Jüterboger kenne ich die Band natürlich, doch bevor wir abschweifen lass uns zum nächsten Song auf der EP kommen:
Voll in die Early Eighties Phase von Priest schlägt der Titelsong. Der Refrain klingt für mich nach Primal Fear, nur halt mit deutschem Text. Das kommt übrigens alles andere als befremdlich rüber, sondern ist ein absolut vereinnahmender Oberhammer.

Hauptsächlich ist dies meines Erachtens der Verdienst von dir, Andi. Du passt dich dem Level der Kompositionen an und beweist internationales Niveau.
Abschied behandelt den Tod eines/r Freundes/in. Ist der Text aus persönlicher Erfahrung entstanden?

Abschied behandelt den Tod unseres Mixers Shay Ofer. Er hat uns mit seiner hilfreichen Art eine gutes Stück nach vorne gebracht und auch den Kontakt zu Victor hergestellt.
Während der Endphase der Produktion ist er plötzlich verstorben, er war gerade mal was in die zwanzig. Wir hatten schon einen anderen Text und haben den dann noch geändert.

 

„Nicht aufgeben und weitermachen, so einfache Dinge können ja manchmal echt schwer sein.“

 

Eine Tragik, die man dem Track entnimmt. Die Songs sind fast alle hauptsächlich im Midtempo gehalten. Bis auf Krieger des Lichts, er ist der schnellste Song auf Abschied.
Sogar so schnell, dass er sich beeilen muss um die drei Minuten Marke zu erreichen. Worum geht es hier?

Der Text ging durch verschiedene Phasen. Ursprünglich hieß der Song Krieger der Nacht. Irgendwie wollte ich aber was positives, deshalb Krieger des Lichts.
Es geht um die Zerstörung der Umwelt und unserer Lebensräume. Allen ist klar, dass wir uns auf den Abgrund zu bewegen. Und trotzdem wollen die Entscheidungsträger und Machtmenschen es nicht ändern, sondern verkaufen faule Kompromisse. Die Krieger des Lichts sind für mich diejenigen, die da nicht mitspielen und die andere Wege gehen, die nicht die Scheisse fressen, die Ihnen vorgesetzt wird.

Ein Thema, welches angesichts des wieder einmal kläglichen Klimagipfels mehr denn je aktuell ist!
Das melodische Traum vom Sprung ist ebenfalls absolut gelungen. Wo andere Bands zuviel Pomp und Kitsch einbinden, bleibt das
Fundament hier sehr heavy. Und trotzdem ist dieser Song ergreifend, eine wirklich großartige Leistung.
Wieder einmal sehr poetisch ist der Text.
Die Grundaussage, die ich dem Text entnehme ist, dass man agieren muss, um seine selbstgesteckten Ziele zu erreichen.
„Wer nichts wagt, kann nichts verlieren.“ ist das Credo, im Refrain heißt es alternativ „Ein Traum vom Sprung bleibt nur ein Traum, wenn keiner springt.“ Woher holt Ihr die Einflüsse für Eure Texte?

Das sind ja alles irgendwie allgemeine Themen. Die suche nach dem Sinn und so. Trotzdem oder gerade deshalb sind es auch sehr persönlichen Geschichten. Metal Gott zum Beispiel beschreibt auch den Wunsch mit dieser Band zu starten. Den Traum Musik zu machen, die uns und vielleicht auch jemand anderem gefällt und etwas bedeutet. Nicht aufgeben und weitermachen, so einfache Dinge können ja manchmal echt schwer sein.

Kommen wir abschließend auch zum abschließenden Song, der Metal Gott heißt und in etwa wie eine deutsche Version Dream Evil klingt. Dazu habt Ihr auch ein Video am Start, das Euch als Fans outet. Eine Metalhymne, bei der man jedes Wort versteht birgt ein hohes Fremdschäm – Risiko. Doch ihr sorgt bei beinahe jedem, dem ich den Song vorgespielt habe für Begeisterung.
Der Schuß kann aber auch nach hinten losgehen und blamabel enden.
Wägt ihr vor einer Aufnahme ab, ob der Song stark genug ist oder macht ihr Euch ohne weitere Gedanken daran, „dieses Ding mit den deutschen Texten“ ohne Kompromisse durchzuziehen?

Der Song Metal Gott war unser erster Song den wir geschrieben haben. Der Song hat sich dann auch immer wieder ein wenig verändert. Ich mußte als Sänger auch erstmal mit den deutschen Texten klar kommen und schauen wie ich das rüberbringe. Das Video hat uns einige Schelte eingebracht. Wir fanden das schon geil und standen dahinter. Wie gesagt der Text ist ja auch unsere Hymne an die kleinen Metal Kids die unbedingt in einer Band spielen wollen. Mit dem Posen haben wir es vielleicht im Video ein wenig übertrieben. Wir waren jedenfalls sehr stolz auf das Ergebnis. Einige die das Video gesehen haben wußten nicht ob wir das denn ernst meinen oder ob das Spinal Tap ist… Die konnten dann auch nicht so auf die Musik achten und haben eher über das Video gemeckert.

 

Dann bedanke ich mich, wenn Du noch ein paar Worte an die Leserschaft richten möchtest, dann bitte…

Liebe Leute ich danke jedem der sich die Zeit nimmt sich mit unserer Musik auseinander zu setzen und hoffe natürlich, dass es Euch gefällt. Und vielleicht sieht man sich mal.

Abschließend dürft auch ihr euch vor dem Metal Gott verneigen oder eure Haare raufen. 😀 Die EP, welche es in der limitierten Erstauflage mit schönem DIN A 5 Booklet gibt, bekommt ihr hier.

[Bandpics by HolgerPelzer Fotografie]

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