Er prägte mit Carcass und den Alben Necroticism – Descanting the Insalubrious und Heartwork ein ganzes Genre. Er verdient sich als Gitarrist der Stoner Rock Band Spiritual Beggars einen großartigen Ruf. Er gründete mit Arch Enemy eine der wichtigsten Melodic Death Metal Bands die auch heute nach über 15 Jahren noch nichts von ihrer Stärke verloren hat. Die Rede ist vom Gitarrenvirtuosen Michael Amott, der sich vor dem Auftritt im Komma in Wörgl noch Zeit nahm um über Touring, Besetzungswechsel und auch sein Equipment zu sprechen.

CE: Danke, dass du dir vor der Show noch Zeit nimmst. Es ist ja heute einer der letzten Termine auf dieser Headliner Tour in Europa, wie zufrieden bist du denn bisher?

MA: Es läuft richtig gut, unerwartet gut sogar. Wir haben vor 2 Wochen begonnen und es waren wirklich Killer-Shows. Ich habe es schwieriger erwartet, gerade im Mai wo alle Festivals starten und wir spielen genau da die Headliner-Shows in Clubs, aber es ist alles sehr gut gelaufen. Es waren wirklich großartige Shows in Frankreich, Spanien, Portugal und auch dann in Deutschland. Wir werden jetzt dann aber nur ein paar Tage Pause machen, so 10 Tage, und dann geht es schon weiter. Wir werden den ganzen Sommer in ganz Europa spielen, also dann im Juni und Juli.

CE: Wie würdest du denn diese Tour mit der mit Kreator im letzten Jahr vergleichen?

MA: Naja es war eine viel größere Tour, ein viel größeres Paket. Wir waren fast 3 Monate zusammen unterwegs, in den USA waren wir der Headliner und Kreator hat für uns eröffnet, dann in Europa haben wir vor Kreator gespielt. Die Shows sind alle sehr gut verlaufen, Kreator sind auch eine Band die wir sehr respektieren, aber ja es war eine viel größere Tour, gerade in Deutschland war das sehr groß, tausende Menschen jede Nacht.

CE: Im Dezember geht es dann mit Nightwish auf Tour, da werdet ihr wieder große Hallen haben, aber auch ein ganz anderes Publikum. Was erwartest du dir von dem Package?

MA: Ich denke es ist großartig, und es ist auch der Grund warum wir es machen, es ist einfach ein anderes Publikum. Es ist ja ganz einfach wenn du auf den heutigen Abend blickst, es ist zwar ein kleiner Club, aber jeder in der Halle kann dir ganz genau sagen wer Arch Enemy ist, ich hoffe die mögen Arch Enemy bereits. Bei der Nightwish-Tour wird es ganz anders sein, da werden viele Leute dabei sein, die noch nie was von uns gehört haben oder zumindest den Namen schon mal gehört haben aber nicht wissen was wir machen. Ich glaube schon, dass es eine großartige Tour wird und natürlich hoffe ich, dass wir ihnen ein paar Fans stehlen.

CE: Es folgt ja auch bald die Summer Slaughter Tour in den USA, wo würdest du denn den Unterschied zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Publikum sehen?

MA: Das ist jetzt schwer zu sagen. Jedes Land ist ein wenig anders wenn es um das Publikum geht. Es ist schwierig zu beschreiben, wenn du einmal das Publikum in Lateinamerika anschaust, die sind wirklich verrückt, total laut, sehr wild mit so viel Leidenschaft und Energie, dann spielst du in Japan, die haben zwar auch viel Leidenschaft und sehr viel Liebe für die Band, die zeigen das aber auf eine ganz andere Art. Es sind einfach andere Kulturen, vielleicht sind auch die Menschen in Österreich ein wenig reservierter und nicht so verrückt wie zum Beispiel die Spanier, lieben die Band aber trotzdem. Ich kann auch von meiner Heimat Schweden sprechen wo die Leute auch eher zurückhaltend und kühler wirken. Bei unseren Shows steigert sich das aber immer wieder und in der Mitte der Show ist das Publikum aber meist warm. Aber was jetzt die USA angeht bei der Summer Slaughter Tour kann ich jetzt gar nicht sagen was uns da erwartet. Es ist wieder ein ganz anderes Package, mit ganz anderer Musik, viele neue amerikanische Bands mit denen ich noch nicht so vertraut bin, auch eine ganz andere Generation, daher kann ich es noch gar nicht sagen.

CE: Ihr werdet auch auf der Full Metal Cruise spielen, was denkst du denn prinzipiell über diese immer mehr aufkommenden Festivals auf Schiffen?

MA: Wir haben unser erstes im Januar gespielt, die 70000 Tons Of Metal, es war wirklich ein Spaß, mir hat es sehr gut gefallen, es ist halt ein ganz anderes Konzept, aber es hat mir gefallen. Es ist halt für die Fans ein teurer Spaß, da gibt es halt nicht so viele die sich das leisten können.

CE: Du hast ja die japanischen Fans schon erwähnt, ihr seid ja in Japan sehr beliebt. Ihr habt ja euch einige Awards gewonnen, du zum Beispiel als bester Gitarrist unter anderem gegen Slash oder John Petrucci, bestes Album gegen AC/DC, was bedeuten denn solche Awards für dich?

MA: Es ist ganz verschieden, wir haben in all den Jahren viele Awards von Magazinen gewonnen, aber ganz speziell sind die die du erwähnt hast in Japan im Burrn Magazine, da es sich hierbei um 100% Fan Stimmen handelt. Das ist natürlich das Wichtigste. Wenn nicht eine Jury sondern die Fans sagen, dass wir das beste Album oder den besten Songwriter oder den besten Gitarristen haben, das bedeutet wirklich viel.

CE: Du wurdest ja auch schon einmal unter die Top-100 Gitarristen im Heavy Metal gewählt, was bedeutet das für dich?

MA: Ich weiß es nicht, ich meine es gibt so viele gute Gitarristen. Jedes Mal wenn mein Name in dem Kontext genannt wird ist das natürlich schön, aber es ist jetzt nicht der Grund warum ich Gitarre spiele. Ich will einfach Musik machen, Live spielen, Songs schreiben und so weiter. Es ist natürlich ein schöner Bonus, aber es ist jetzt nicht gerade mein Ziel.

CE: War Eternal ist jetzt schon seit ca. einem Jahr auf dem Markt, wenn du jetzt mit ein wenig Distanz auf das Album zurückblickst, würdest du etwas ändern?

MA: Ich glaube jetzt nicht an das Ändern von Dingen wenn man darauf zurückblickt. Wir haben sehr hart an diesem Album gearbeitet, haben sehr viel Zeit investiert, man findet so viele Details auf diesem Album und es ist wirklich sehr gut geworden. Wir haben einen fantastischen Mix von Jens Bogren, er hat einen sehr großen Einfluss auf den Sound des Albums, wir haben prinzipiell in einem guten Team gearbeitet und ich bin sehr zufrieden. Ich habe das Album in den letzten Tagen mal wieder gehört, ich habe es dazwischen fast ein halbes Jahr nicht mehr gehört, und ich denke es ist ein großartiges Album. Ich würde wirklich nichts ändern, prinzipiell würde ich bei allen Alben die ich gemacht habe nichts mehr ändern. Auch wenn ich jetzt nicht 100%ig zufrieden bin, es zeigt einfach wo die Band zu diesem Zeitpunkt gestanden ist. Es ist einfach ein Dokument aus dieser Zeit. Ich war noch nie mit etwas zu 100% zufrieden, sei es jetzt eine einzelne Show oder die Aufnahme und das ist das Gute daran, es gibt immer wieder Spielraum zur Verbesserung, besseres Album, bessere Produktion, besserer Song, bessere Produktion für die Live Show, man bleibt dadurch einfach motiviert.

CE: Es ist ja auch das erste Album mit Alyssa am Gesang, wie würdest du denn den Gesang von ihr mit dem von Angela vergleichen?

MA: Sie sind beide großartig in ihrer eigenen Art und auch in ihrer Technik wie sie diesen aggressiven Ton von sich geben. Beide haben großartige Resultate geliefert und sind auch sehr talentiert. Es gibt aber natürlich Unterschiede. Alyssa würde ich eher als technischer sehen und bei Angela ist es eher mehr Power. Ich arbeite aber sehr gerne mit Alyssa zusammen, sie ist sehr talentiert und auch ein großartiger Mensch um in einer Band zu spielen.

CE: Mit Jeff Loomis habt ihr auch einen neuen Gitarristen, wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass ihr ihn ausgewählt habt?

MA: Wir sind jetzt schon seit ca. 15 Jahren Freunde, ich hab ihn auch schon öfter gefragt ob er mit uns spielen will, aber er war immer mit anderen Dingen in seiner Karriere beschäftigt weshalb er nicht mir Arch Enemy spielen konnte. Dieses Mal hab ich ihn glaube ich das dritte Mal in den letzten 10 Jahren gefragt und es hat irgendwie genau in seinen Zeitplan gepasst. Er war ja vorher die treibende musikalische Kraft hinter Nevermore und hat das nun glaube ich seit 2011 nicht mehr gemacht, hat kleinere Dinge gemacht, war auf Clinic-Tour, hat ein Soloalbum aufgenommen, war aber jetzt nicht mit einer Band wie Arch Enemy unterwegs, die einfach einmal 2 Jahre auf Tour geht. Wir sind wirklich froh dass wir ihn haben, er ist ein Weltklasse-Gitarrist und auch einer meiner besten Freunde. Wir haben viel Spaß auf und neben der Bühne, das ist wirklich ein gutes Gefühl. Kurz vor diesem Interview haben wir auch noch ein wenig gejammt und ein paar Ideen gesammelt. Ich hoffe wirklich dass das eine gute Songwriting-Beziehung wird und dass wir auch einige Ideen für das nächste Album verwenden können.

CE: Du hast ja jetzt seit einigen Jahren deine Dean Signature Gitarren. Sind diese jetzt spezielle Custom Shop Modelle oder kann die wirklich jeder auch in den Shops kaufen?

MA: Das sind jetzt schon Modelle aus dem Custom Shop aus den USA, aber die sind ziemlich ähnlich. Ich habe aber auch schon die koreanischen Modelle gespielt. Es gibt auch Modelle die leistbarer sind, die auch aussehen wie meine jedoch andere Tonabnehmer haben oder auch ein paar andere Details, aber ich bin sehr zufrieden mit dem Endorsement. Ich habe auch derzeit das meistverkaufte Dean Signature-Modell in Europa.

CE: Was kannst du mir über dein restliches Equipment so erzählen, welche Verstärker und Effekte verwendest du denn?

MA: Ich verwende derzeit Marshall Amps, den JCM 800 2205, das sind alte 50 Watt Verstärker aus der Mitte der 80er, dann einen Ibanze Tubescreamer und noch ein Digitech GSP 1101 für Effekte und dann noch ein Wah-Pedal und das war es schon, natürlich ein Wireless-System. Ich halte es relativ einfach, ich hatte vor Jahren auch schon ein viel komplexeres Rig mit vielen verschiedenen Dingen, aber ich habe gemerkt, dass ich gar nicht so viel brauche. Ich habe lieber den puren Sound und stehe auch eher auf Zuverlässigkeit, ich meine wir Touren durch die ganze Welt, Asien, Russland, Kolumbien, in Nordkanada, ich will einfach dass alles jede Nacht funktioniert und daher halte ich es auch relativ einfach.

CE: Dann sind wir auch schon am Ende des Interviews, die letzten Worte überlasse ich natürlich dir.

MA: Ich möchte den österreichischen Fans danken, wir haben ja schon am Nova Rock und anderen Shows gespielt und wir freuen uns schon darauf zurückzukommen.

 

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