Noble Beast

 

Helden von morgen

 

Während alle Welt die aktuellen, sehr starken Alben von Gamma Ray und Iron Savior vollkommen zu Recht abfeiert, stellt eine Band mit ihrem Debüt diese locker in den Schatten. Die Rede ist von den aus dem US Bundesstaat Minnesota stammenden Noble Beast, die mit ihrem phänomenalem, selbstproduzierten Debüt soeben einen Genreklassiker ablieferten. Grund genug, bei Mastermind Sir Robert (zweiter von links) trotz knapper Zeit (die Band befand sich zu diesem Zeitpunkt mitten in den Tourvorbereitungen) um Audienz zu bitten. Nach einigen Versuchen hat es dann doch noch geklappt, herausgekommen ist ein kurzes, aber informatives Gespräch in dem sich mein Gesprächspartner als sehr sympathischer und bodenständiger Überzeugungstäter herausstelle:

Zuerst einmal: Gratulation zu einem sensationellem Debüt das sich hinter den aktuellen Alben Gamma Rays und Iron Saviors nicht zu verstecken braucht! Ausnahmslos jeder, dem ich euer Album vorgespielt habe war baff… Von den beteiligten Musikern hat man bisher noch nichts gehört, habt ihr schon in anderen Bands Erfahrung gesammelt?

Danke! Nun ja, Noble Beast ist mein großer kreativer Schwerpunkt seit ich ein Teenager war. Ich habe mich nicht wirklich an anderen namhaften Projekte beteiligt. Mein Gitarrist Matt Hodsdon hat aber ein tolles Prog-Metal-Projekt namens Chaos Frame am Start, dass jeder der das hier liest unbedingt anchecken sollte. Was meine musikalische Grund- und Ausbildung angeht habe ich, als ich anfing Gitarre zu spielen Unterricht genommen. Und ein paar Gesangsstunden, aber vertieft habe ich das nicht. Meine Musikerziehung während meiner Teeniezeit bestand im Wesentlichen aus dem hören von Painkiller und Powerslave, bis jeder Ton in mein Hirn gebrannt war.

„…was Jungs wie Dio, Bruce und Hansi außergewöhnlich macht ist, dass sie wie sie selbst klingen und jedes Wort glaubhaft vermitteln. Das ist die Art des Singens nach der ich strebe.“

Eine solides musikalisches Fundament also… Das du nur ein paar Gesangsstunden genommen hast outet dich bei der Leistung auf eurem Album als Naturtalent! Kommen wir zu den Einflüssen auf Noble Beast: ich tippe auf Helloween, Gamma Ray und alte Blind Guardian.

Da triffst du den Nagel auf den Kopf! Blind Guardian, Helloween und Gamma Ray waren alle für mich enorm wichtig, ebenso wie Falconer, Symphony X, und natürlich Maiden und Priest. Aber ja, Power-Metal war schon immer mein Favorit. Ich wollte schon immer große, heroische, inspirierende Musik schreiben. Und sogar als ich meine musikalischen Einflüsse um Bands wie Emperor, Ensiferum, Kreator und Dissection erweiterte, am Ende kam ich immer wieder zum Power Metal zurück.

Die Thrash und Black Metal Einflüsse kommen nur marginal zum Vorschein, mit einer Ausnahme: Disintegrating Force brennt alles nieder! Und das ohne den Hymnenfaktor zu vernachlässigen!! Zur Einzigartigkeit von Noble Beast trägt auch dein Gesang bei, der wie eine Mischung aus Hansi Kürsch (Blind Guardian) und Attilla Dorn (Powerwolf) klingt und dem erfrischendem Songwriting die Krone aufsetzt. Attilla ist bekanntlich ausgebildeter Tenor, das selbe kann man von dir auch denken.

Oh, vielen Dank! Ich habe den Vergleich mit Hansi oft gehört. Es macht Sinn, wenn man bedenkt dass Hansi einer der größten Einflüsse war als es darum ging auf meine Art zu singen. Ich habe immer seine Fähigkeit bewundert die Zuhörer, egal was er auch singt, nur mit dem Klang seiner Stimme ins mythische Reich zu transportieren. Ich bin auch ein großer Fan von Atilla von Powerwolf, aber ich habe definitiv nicht seine klassische Ausbildung. Wenn du denkst ich klinge als sei ich ausgebildet worden, das ist durchaus nicht verkehrt. Im Grunde habe ich meine Art zu Singen auf meine eigene Weise durch eine Menge von Versuchen und Irrtümern gefunden. Es ist immer noch ein laufender Prozess, wirklich. Aber letztlich, so groß wie eine klassische Ausbildung auch sein mag, die wichtigste Qualität die jeder Sänger haben muss, ist denke ich Überzeugung. Auch wenn sie über fantastischen Bullshit singen  ist es Ihre Aufgabe es uns glaubhaft rüber zu bringen. Es gibt alle Arten von Sängern im Metal mit immensen technischen Fähigkeiten. Aber was Jungs wie Dio, Bruce und Hansi außergewöhnlich macht ist, dass sie wie sie selbst klingen und jedes Wort glaubhaft vermitteln. Das ist die Art des Singens nach der ich strebe.

„Ich möchte Power-Metal in das 21. Jahrhundert bringen, aber nicht auf den dummen, dem Mainstreamweg.“

Euer Sound klingt sehr „deutsch“, so dass  es überraschend und eine Schande wäre, wenn noch niemandem auf dem alten Kontinent etwas von euch wahrgenommen hat. Gibt es einige Resonanzen?

Ja, deutsche Sachen wie Blind Guardian, Helloween, Running Wild und Edguy waren enorm wichtig für die Entwicklung des Noble Beast – Sound. Ich war noch nie so sehr an amerikanischen Metal interessiert wie an dem europäischen Zeug. Für mich ist der europäische Metal einfach viel musikalischer versiert und interessanter. Ich denke dass dieser Umstand einer der Gründe ist der uns geholfen hat sich in unserer lokalen Szene festzusetzen, da es offensichtlich nicht viele Bands in Amerika gibt, die den europäischen Power Metal Stil spielen. Gleichzeitig, glaube ich zumindest, will ich einfach nur Musik schreiben die nicht nach meinen Einflüssen klingt. Ich will etwas frisches und deutlich auf eigenen Beinen stehendes was deutlich als Noble Beast erkannt wird. Ich denke wir haben mit dem Album hat einen ziemlich guten Job abgeliefert, aber natürlich müssen das die Zuhörer entscheiden.

Definitiv habt ihr einen sehr guten Job gemacht! Lex schrieb in seinem Review nicht ohne Grund dass Noble Beast mit keiner anderen Band in diesem Genre zu vergleichen sind und vollkommen unabhängig klingen. Ich denke da zwar ein wenig anders, weil ich meine vor allem den Einfluss eines gewissen Kai Hansen auszumachen, aber trotzdem seid ihr unverkennbar! Ich gehe sogar so weit zu behaupten dass ihr mit Noble Beast einem angestaubten Genre neue Frische verliehen habt.

Danke, denn das war auf jeden Fall meine Absicht. So sehr ich den Power Metal liebe, ich denke dass die Fangemeinde manchmal ein wenig zu stur und konservativ sein kann. Power-Metal-Fans haben diese Tendenz, die gleiche Sache immer und immer wieder hören zu wollen, oder zumindest scheint es so. Aber eine Band kann nicht immer und immer wieder dieselben Platten raus bringen. Die Leute schwärmen von diesen ersten vier Hammerfall-Alben, aber niemand kümmert sich wirklich um die danach. Ich möchte Power-Metal in das 21. Jahrhundert bringen, aber nicht auf den dummen, dem Mainstreamweg. Ich möchte dazu beitragen, dass das Genre wieder eine neue Frische bekommt.

Frisches Blut durch Genrefremde Einflüsse ist auf keinen Fall verkehrt solange man es nicht übertreibt. Wer hat dich noch beeinflusst?

Andere Bands die das Debüt beeinflusst haben sind viele finnische Sachen wie Children of Bodom und Kalmah. Ich bin ein großer Fan von coolen Gitarrenmelodien, was viele finnische Bands in großer Menge haben. Es gibt wahrscheinlich auch einige Megadeth – Einflüsse drin, denn ich bin der Meinung dass Dave Mustaine einer der größten Riff – Poeten des Metals war. Auch frühe In Flames hatten einen großen Einfluss auf meine melodische Sensibilität.

Ich denke, das Album würde mit einem kompetenten Label in der Hinterhand hier wie eine Bombe einschlagen. Ich selbst habe es durch Zufall entdeckt, gute Werbung ist sehr wichtig. Wie eingangs kurz erwähnt, ihr steckt in Tourvorbereitungen. Eine Tour ist heutzutage sicherlich der beste Weg, um die CD an den Mann bringen. Für unbekannte, unsigned Bands ist es aber fast unmöglich, ihre eigene Tour auf solide finanzielle Füße zu stellen. Entweder man kauft sich für teuer Geld in eine Tour ein oder man tauscht Gigs. Abschließend interessiert mich wie ihr das handhabt und wie sieht es da zur Zeit in Amerika aus?

Viel läuft darauf hinaus nach Möglichkeiten zu suchen Kosten zu sparen. So wurde bei der letzten kleinen 3-Date Mini-Tour die wir Ende Juni hatten alles in meinen 4-Türer getan. Wir haben es geschafft, ein lokales Drum-Set und 3 Verstärker bei jedem einzelnen Tag der Tour zu sichern. Wir mussten nur unsere Instrumente und unsere Köpfe mitbringen. Zudem hat ein Kerl in Columbus uns bei sich für zwei der Nächte schlafen lassen, so dass wir nicht für ein Hotel zahlen brauchten. All diese Dinge gewährleisteten, dass wir tatsächlich Geld auf unserer ersten Tour verdient haben statt welches zu verlieren. Es war es auf jeden Fall wert alle vier von uns und unsere Koffer in einen Ford Focus zu stopfen wie Sardinen in eine Büchse. Die tatsächlichen Shows liefen sehr gut. Mit Ausnahme vom Warriors of Metal Fest in Columbus, dort war die Teilnahme nicht hoch, aber jeden Tag hatten die Menschen, die von uns schon einmal gehört sich gefreut uns zu sehen. Ein Mann in Chicago kannte meine Texte wahrscheinlich besser als ich! Es war fantastisch.

Bleibt zu hoffen dass man Noble Beast irgendwann einmal auch hierzulande Live erleben kann. Checkt den Bandchamp Link an, da könnt ihr auch das Album abgreifen.

Noble Beast im Web:

Noble Beast @ Facebook

Noble Beast @ Bandcamp