I PREVAIL & DREAM STATE, 06. 03. 2020 Gasometer Wien

I_Prevail_Trauma_Tour

So dermaßen sind die Fetzen selten geflogen im Wiener Gasometer. I PREVAIL und DREAM STATE haben letzten Freitag die Location ordentlich aufgemischt – und zwar wortwörtlich.

Das Konzert sollte ursprünglich in der Szene stattfinden, aber konnte aufgrund der immensen Nachfrage ins Gasometer verlegt werden. Die Tickets waren in kurzer Zeit restlos ausverkauft!

Vorab möchte ich klarstellen, dass ich von dem Abend nicht viel erwartet habe. I PREVAIL kenne ich zwar praktisch seit es sie gibt, die Musik gefällt mir aber nicht mehr allzu sehr. Deswegen war es mir auch egal, dass ich durch die Presseakkreditierung keine Chance hatte, in die erste Reihe zu kommen (was normalerweise immer mein Ziel ist). Ich habe mich daher irgendwo in die Mitte gestellt mit dem Gedanken: „Wenn der Mosh Pit zu mir kommt und die Stimmung passt, stürze ich mich ins Geschehen“.

Dream State

Die Band kam extrem sympathisch rüber, sie war energetisch und hatte Spaß am Musikmachen. Mir hat die Musik allerdings überhaupt nicht gefallen, weil es schlichtweg nicht mein Genre ist. Die Akustik war obendrein grauenhaft.

Unbekannt waren Dream State nicht, denn ich habe einige Fans mit ihrem Bandmerch gesehen und viele waren textsicher, wenn es darum ging, mitzusingen. Was mich so gewundert hat, war, dass bereits hier ein Mosh Pit nach dem nächsten die Menge durchmischte. Ich habe nicht mitgemacht, weil mich die Musik komplett kalt gelassen hat. Aber ich fand es toll, dass so viele die Band gefeiert haben. Als Sängerin Charlotte zur Wall of Death aufforderte, teilte sich der mittlere Bereich sofort auf! Auf den meisten Konzerten im Gasometer oder größeren Veranstaltungsorten, auf denen ich war, passiert meistens gar nichts, oder in wirklich kleinem Ausmaß. Ganz nach dem Motto: „Was interessiert mich bitte die Vorband?“

Crowd Surfer gab’s gegen Ende auch einige. Charlotte wollte ihnen unbedingt die Hand geben, was ich total nett fand. Man hat gemerkt, wie überwältigt die Band von der Stimmung war. Die Sängerin sprang voller Euphorie während „White Lies“ sogar ins Publikum und sang auf den Händen der Zuschauer eine Weile weiter.

Setlist

01. Made Up Smile
02. Hand in Hand
03. In This Hell
04. Are You Ready to Live?
05. New Waves
06. Open Windows
07. Twenty Letters
08. White Lies
09. Primrose
10. I Feel It Too

I Prevail

Das Konzert war unfassbar geil. Es gab einen Mosh Pit nach dem anderen, eine Wall of Death nach der anderen… Nicht mal während den ruhigeren Liedern hat sich die Menge beruhigt. Für I Prevail war es der zweitgrößte (‼) Auftritt als Headliner ihrer Karriere, entsprechend überwältigt waren die Amerikaner. Sänger Brian hat immer wieder zwischen den Liedern davon erzählt, dass sich die Band beinahe aufgelöst hätte. Brian musste an den Stimmbändern operiert werden, litt an schrecklichen Depressionen und wollte seinem Leben ein Ende setzen. Zum Glück haben die Jungs diese schwere Zeit überwunden. Man hat gefühlt, wie dankbar sie sind, dass es die Band noch gibt und dass sie aus dieser schwarzen Epoche Kraft schöpfen konnten. Kraft, die das Publikum unweigerlich angenommen und reflektiert hat.

Wie oben erwähnt, bin ich nicht mehr so begeistert von I Prevails Musik wie früher. Aber verdammt! Während des Konzerts war das scheißegal, denn die Stimmung war extrem ansteckend und explosiv. Es ist jedes Mal wieder faszinierend, wie die Atmosphäre kippt, sobald der Hauptact die Bühne betritt. Als würde man einen Schalter umlegen und zack – Chaos!

Ich habe mich immer wieder in die Mosh Pits reingeschmissen! Es war für mich das erste Mal, dass ich erfahren durfte, wie dieses Gefühl ist. Im Zentrum bekommt man kaum Luft, man wird hin- und hergeschleudert wie ein Ping-Pong-Ball, aber es macht höllisch Spaß. Zwischendurch musste ich zwar fliehen und Sauerstoff tanken, ich konnte aber dem Drang, in den nächsten Mosh Pit reinzuspringen, nicht lange widerstehen. So musste es sehr vielen gegangen sein, weil es einerseits dauernd einen neuen Pit gab und andererseits ich viele Leute wiedererkannt habe.

I-Prevail-Gasometer-2020Ich habe ehrlich gesagt nicht allzu viel mitbekommen von dem, was auf der Bühne passiert ist. Irgendjemand von der Crew hatte Geburtstag und dem haben wir lauthals gratuliert. Einmal habe ich Eric mit einer Akustikgitarre erwischt, die er während eines langsameren Liedes gespielt haben muss. Ein anderes Mal hat uns Brian gefragt, ob wir wüssten, was ein Circle Pit wäre –ernsthafte Frage?! Und wie wir das wussten!

Mit elf von dreizehn Songs der neuen CD „Trauma“ haben I Prevail die „Trauma Tour“ verdammt ernst genommen. Ein bisschen enttäuscht war ich schon, dass sie kein einziges Lied ihrer EP „Heart vs. Mind“ gespielt haben, aber wie gesagt, im Prinzip hat das keine Rolle gespielt. Nach dem Konzert hat mir das neue Album plötzlich extrem gut gefallen. Was so ein Live-Auftritt alles verändern kann…

Dieses Konzert war legendär. Ein Freitag, an dem man ordentlich die Sau rauslassen konnte, an dem wortwörtlich die Fetzen geflogen sind. Ich habe ständig einzelne Schuhe herumliegen gesehen und gegrinst. Bis ich nach der Show gemerkt habe, dass ich selbst einen Absatz verloren hatte und der vom anderen Schuh nur mehr halb an der Sohle hing. Gegen Schluss war ich kurz unter einem Berg von Menschen begraben. An dieser Stelle ein fettes Dankeschön an all die hilfsbereiten netten Leute, die (nicht nur) mir aufgeholfen haben und die Rücksicht genommen haben an diesem verrückten Abend!

I PREVAIL haben in kurzer Zeit eine steile Karriere hingelegt. Es wird äußerst spannend, die Band weiterzuverfolgen. Wenn ihr die Gelegenheit bekommt, sie live zu sehen, nutzt sie! Ihr werdet es nicht bereuen.

Setlist

01. Bow Down
02. Gasoline
03. Scars
04. Rise Above It
05. Hurricane
06. Stuck In Your Head
07. Blank Space (Taylor Swift Cover)
08. Low
09. Goodbye (Interlude)
10. Every Time You Leave
11. Paranoid
12. Deadweight
13. DOA

Encore:
14. Breaking Down
15. Come and Get It

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