Luca Turilli ist ein Mann, der sowohl mit seinen Solo-Alben als auch mit seiner Band Rhapsody Of Fire einen großartigen Ruf genießt. Nach der Trennung von genau dieser Band und der Neugründung von Luca Turilli’s Rhapsody war es natürlich klar, um sich beim Meister einmal über die Trennung, das Album Ascending To Infinity und die Fußball-EM zu unterhalten.

Hi Luca, bist du schon im Stress mit der Promotion für das neue Album oder mehr im Stress mit dem Schauen der Fußball-EM?

Oh, ja ich versuche immer das letzte Interview um 17:30 zu machen, damit ich wirklich Fußball schauen kann, jetzt habe ich aber das Problem, dass ich am Hellfest in Frankreich bin und ein bisschen Promotion mache und jetzt kommt es, dass ich das erste Mal ein Spiel verpasse seit 1982. Das ist das erste Mal, dass ich wegen der Musik wichtige Spiele verpasse. Ist natürlich eine schlechte Sache für mich, zeigt aber wie wichtig mir dieses Album ist, ansonsten würde ich ja die Spiele nicht verpassen.

Bevor wir jetzt aber auf das neue Album zukommen würde ich gerne mit dir ein bisschen über deine neue Band und den Split sprechen. Wann habt ihr entschieden, dass sich die Wege von dir und Alex nach fast 15 Jahren gemeinsamer Arbeit trennen?

Wir haben schon vor drei oder vier Jahren das erste Mal darüber gesprochen, gerade in Zeiten wo es in der Band nicht so gut gelaufen ist haben wir darüber nachgedacht. Dank Nuclear Blast hatten wir aber eine Chance uns wieder zu beleben und für uns war es auch wichtig, dass wir vor dem Split den Teil fertigstellen, der durch die Saga repräsentiert wird. Wenn du einfach Sachen für 15 Jahre machst willst du einfach irgendwann etwas anderes machen, wir wollten aber einfach diesen einen Teil fertig machen. Als wir dann Album Nummer 10 fertig hatten, also From Chaos To Eternity, war dann der Punkt erreicht wo wir wirklich über den Split nachgedacht haben. Es war einfach nicht mehr so viel Spaß dabei, aber trotzdem gibt es nicht so viele Leute, die es geschafft haben über 15 Jahre, ja sogar fast 20 Jahre zusammen zu arbeiten. Ich meine wir haben ja schon 1993 zusammen angefangen, das erste Album kam halt erst 1997. Aber es ist trotzdem toll, wenn der Hauptsänger und die beiden Hauptsongwriter so lange zusammen arbeiten. Das war dann auch der Grund, warum alles freundlich auseinander ging. Jetzt ist aber jeder glücklich über sein neues Abenteuer mit verschiedenen Perspektiven und wir haben da alte Kapitel jetzt wirklich freundschaftlich abgeschlossen.

Wann habt ihr beschlossen, dass Patrice und Dominique bei dir bleiben, Fabio hingegen bei Alex bleibt?

Wenn man so lange zusammen arbeitet wie wir ist das natürlich eine schwere aber spontane Entscheidung, aber da ich schon so lange in Frankreich in der Nähe von Lyon wohne und daher nicht weit weg von Patrice und Dominique, ich meine wir sind ja fast Nachbarn, war die Entscheidung beim Split dann für mich eine eher spontane, und dasselbe war dann auch bei Fabio der Fall. Auch beim Namen war es eine spontane Entscheidung, es war klar, dass die anderen mit Rhapsody Of Fire weitermachen, da Fabio einfach die Band repräsentiert, ich wollte dann mit Rhapsody weitermachen, habe dann aber meinen Namen klein davorgestellt, wie du ja wahrscheinlich weißt hatten wir ja ein paar kleine Probleme mit dem Namen und daher konnte ich den Namen Rhapsody nicht alleine verwenden. Ich bin zwar auch kein großer Fan von meinem Namen, das war ich schon bei den Solo-Alben nicht, aber es war einfach die einzige Möglichkeit um als Rhapsody weiter zu machen. Es war auch klar, dass wir das Logo so weiterverwenden werden, da wir einfach sehr viel Geld ausgegeben haben, auch meine Familie und auch Alex, um dieses Problem damals zu lösen. Das war damals auch sehr wichtig um die Band in diesen dunklen Zeiten zu retten. Es war also alles spontan und es gab keine Kämpfe, sowohl um die Musiker als auch den Namen.

Wo hast du eigentlich die anderen beiden Jungs aus der Band, Alessandro Conti und Alex Landenburg, gefunden?

Also Alex Landenburg war eine einfache Sache, nachdem feststand, dass Alex Holzwarth nicht bei beiden Rhapsody-Bands spielen kann. Am Anfang nach dem Split war Alex Holzwarth ja einer der sich nicht entscheiden wollte und so wäre er für beide Bands geplant gewesen. Später als dann aber die Planung für die Tour losging haben wir gemerkt, dass es einfach nicht geht wenn wir den Drummer teilen. Das war der Moment wo wir einen neuen Schlagzeuger gesucht haben und wir haben ihn dank unserem Tontechniker gefunden, wir haben übrigens einen neuen Tontechniker, das erste Mal nach 10 Alben zusammen mit Sascha Paeth, da sind wir vom Norden Deutschlands in den Süden gewechselt, nach Kempten, also gar nicht mal so weit weg von der österreichischen Grenze. Wir haben da mit Sebastian Roeder zusammengearbeitet, der auch das Album letztendlich gemixt hat. Er ist ein sehr talentierter Techniker, er macht ja auch den Live-Sound von Kreator, hat auch zuletzt mit Rhapsody Of Fire gearbeitet. Er kennt auch sehr viele Leute und da kam er auf Alex Landenburg, der ja auch schon mit Stratovarius und Annihilator gearbeitet hat. Ja und Alex hat einfach die technischen Fähigkeiten um die Musik von Rhapsody zu verstehen. Bei Alessandro war es dann etwas anders, ihn hab ich dank Fabio gefunden. Das war so im Sommer letzten Jahres als schon klar war, dass ich als Rhapsody weitermachen werde, ich meine es war noch nicht alles geklärt wie wir uns trennen, nur das wir uns trennen. Man ist dann auf mich zugekommen um ein Projekt zu starten, das in die Richtung Avantasia geht. Dafür habe ich dann Sänger gesucht, habe auf YouTube gesucht, dann hat mir Fabio Alessandro Conti vorgeschlagen, ich sollte ihn ausprobieren, da er ihn an Michael Kiske erinnert. Als er mir das gesagt hat habe ich den Jungen natürlich sofort gesucht, da ich schon immer ein großer Fan von Michael Kiske bin, gerade zu den Keepers Zeiten, das waren einfach die Alben die mich zum Metal gebracht haben. Er hat mir dann gefallen, da er einfach auf verschiedene Arten singen kann, auch diesen opernhaften Gesang, er hat ja an derselben Gesangsschule studiert wie Pavarotti, und da war Ende des Sommers klar, wo die Geschichte mit Rhapsody fixiert wurde, dass ich ihn nicht für ein Projekt im Stil von Avantasia brauche sondern für die neue Rhapsody. Es war natürlich auch ein Vorteil, dass er Fan von Rhapsody ist, die Musik von Rhapsody schon lang kennt und daher war es auch sicher einer der besten Tage seines Lebens. Ja und seitdem sind wir eine große Familie, es war toll Alessandro im Studio zuzuhören, außerdem ist es ja immer wichtig, dass nicht nur die technische Seite betrachtet wird. Es ist auch wichtig, dass auch die menschliche Seite passt, dass man einfach ein Projekt zusammen machen kann.

War die italienische Herkunft von Alessandro auch dafür verantwortlich, dass du italienische Texte geschrieben hast?

Sagen wir so, die Tatsache, dass ich gerne italienische Texte schreibe war dafür verantwortlich, dass ich einen italienischen Sänger wollte. Ich meine ich liebe es italienische Texte zu schreiben, da auch Englisch nicht meine Muttersprache ist. Ich habe 1997 begonnen englische Texte zu schreiben und wenn ich heute zurück denke an das was ich damals geschrieben habe kann ich nur mehr „Oh mein Gott“ sagen. Ich habe mich zwar stark verbessert, auch dank sehr guter Englischlehrer, ich werde aber nie diese emotionale Intensität erreichen, die ich schaffe, wenn ich italienische Texte schreibe. Es ist ja dann auch noch leichter für den Sänger, wenn er in seiner Muttersprache singt und gerade bei diesen opernhaften Songparts kann ich mir keine bessere Sprache vorstellen als Italienisch.

Was sind denn für dich die größten Unterschiede zwischen alten Rhapsody Alben, deinen Solo-Alben und jetzt Ascending To Infinity?

Für mich ist es ja eigentlich Rhapsody Album Nummer 11, es ist aber dann auch wieder das erste Album einer neuen Generation von Rhapsody. Für mich war es sehr wichtig, dass ich durch die Aussage mit Album Nummer 11 klarstellen wollte, dass es sich hier nicht um ein neues Luca Turilli Solo-Album handelt. Welches Album es jetzt für die Leute ist, 3, 4, 10 oder 11, das ist mir eigentlich egal. Was jetzt das Komponieren der Songs angeht bin ich weniger rangegangen wie bei meinen Solo-Alben sondern mehr wie bei Rhapsody. Das Herz der Kompositionen soll einfach dieser cineastische orchestrale Teil sein. Früher war ich ja schon fast gezwungen Solo-Alben zu machen, da Rhapsody lyrisch und auch musikalisch strikt in einer Richtung waren, es alles um diese Saga, aber als Komponist, ich sehe mich nicht als Keyboarder oder Gitarrist, war es wichtig etwas anders als Rhapsody zu machen um mich als Komponist zufrieden zu stellen. Rhapsody waren einfach die Saga und deshalb klingen meine Solo Alben immer anders ans Rhapsody. Jetzt mit der neuen Rhapsody brauche ich keine Solo-Alben mehr, da ich komponieren kann was ich will, ich muss mich nicht mehr an die Saga orientieren. Es ist dann auch noch etwas anderes, da ich ja auch der Keyboarder bin, jetzt spiele ich ja zwei Instrumente.

Weil du es gerade erwähnst, wie wirst du das Live handeln mit den Keyboards?

Das wird ein Session-Keyboarder werden. Am Anfang haben wir schon überlegt, ob ich auch ein bisschen Keyboard spielen soll, aber das ist fast unmöglich.

Wie kann man sich bei dir eigentlich das Songwriting vorstellen? Wie komponierst du einen Monstersong wie Of Michael The Archangel And Lucifers Fall? Wie wird aus deinen Ideen ein Song?

Das ist ganz einfach. Es gibt da zwei Arten von Songs. Wenn man Rhapsody von den ganz alten Alben bis heute verfolgt war das schon immer das Gleiche. Da gibt es die langen, komplizierten Songs und dann auch die „easy-listening“ Songs. Die Herangehensweise ist dann ganz verschieden. Wenn wir jetzt wirklich den Song of Michael The Archangel And Lucifers Fall nehmen, da komponiere ich einen Teil, dann eine Woche später einen anderen Teil, und das geht dann so weiter bis ich mir denke, dass alle Ideen gesammelt sind. Es muss kein „easy-listening“ Song sein, da macht es dann auch nichts ob der Song 16 Minuten oder gar 25 Minuten lang ist. Wenn er aus ist, dann ist er aus. Da sind dann einfach Songs die dich als Künstler zufrieden machen. Mir gefällt das ja auch, wenn man so einen langen am Ende des Albums stehen hat, so als großes Finale. Dann sind aber auch die anderen Songs wie Tormento e Passione zum Beispiel, der leichter zu hören ist, aber auch diese Songs können dann wieder in zwei Gruppen geteilt werden, die einen die man in ein paar Tagen schreibt, wo man dann vielleicht später noch daran arbeitet, aber auch andere wie Tormento e Passione, die durch den Instinkt entstehen, die kannst du in 2 Stunden oder gar 5 Minuten komplett komponieren. Da setzt du dich an dein Instrument, zum Beispiel vor Tormento e Passione ein Klavier, da war irgendwann Mitten in der Nacht, voller Emotion, wollte ich den Song schreiben, dann habe ich wie ein verrückter am Klavier gespielt und irgendwann kam der Song heraus.

Ein Song den man am Album gar nicht hören kann ist March Of Time von Helloween, wie ist denn die Idee gekommen?

Wie schon gesagt, als ich Alessandro gehört habe hat er mich an Kiske erinnert. Ich wollte dann von ihm hören, welche anderen Stile er drauf hat die ich für meine Kompositionen verwenden kann, da war dann auch dieser Song dabei, er hat ja früher in einer Helloween Cover Band gesungen und der Song gefällt mir außerdem sehr gut. Als ich dann diese Version von March Of Time gehört habe war ich wirklich erstaunt, ich habe auch die Aufnahme verwendet, um ihn Nuclear Blast zu präsentieren. Ja mir hat der Song dann sehr gut gefallen und so haben wir ihn verwendet. Ich habe zwar die Orchestrierung komplett überarbeitet, da es nicht so gut passt, wenn wir das Original mit Alessandro’s Stimme verwenden.

Aber Live werden ihr den Song nicht spielen?

Oh nein, wir haben ja selbst so viel Material, aus dem es so schwer ist auszuwählen. Wir sind ja gerade dabei die Setlist für die Tour zusammen zu stellen, was eine sehr große Herausforderung ist. Ich wollte ja zuerst eine Setlist von ca. 3 Stunden vorbereiten, aber ich glaube das wäre für die Leute mit diesem Musikstil wohl einfach viel zu viel. Wir haben uns vorgenommen, dass es eher so in Richtung 1,5 bis 2 Stunden gehen wird wo wir viele neue Songs spielen werden aber auch ganz ganz alte Rhapsody Songs, wo wir diese extrem hohen Gesangspassagen haben. Wir waren da lange nicht in der Lage diese Songs zu spielen aber jetzt zu Alessandro und seiner Fähigkeit so hoch zu singen können wir sie spielen. Ein paar Überraschungen von meinen Solo-Alben werden auch kommen, da seine Stimme auch dazu sehr gut passt. Da ich jetzt dann ja auch meine Solo-Karriere beende und nur noch Rhapsody mache ist dies auch eine Chance meine alten Solo-Songs auf die Bühne zu bringen. Wir werden also eine abwechslungsreiche Show liefern und ein großes Spektakel aufziehen, nicht nur wegen der Songauswahl sondern auch wegen den visuellen Elementen die wir geplant haben. Wir können es kaum erwarten im November und Dezember in Europa unterwegs zu sein, es werden 30 Tage sein, das ist übrigens die längste Tour die Rhapsody jemals absolviert hat. Der Rest der Welt kommt dann Anfang 2013 ehe wir dann die Tour mit den Sommerfestivals nächstes Jahr abschließen.

Aber Festival-Shows wird es in diesem Jahr keine geben?

Oh nein, das wollen wir nicht. Rock The Nation aus Österreich planen ja gerade unsere Tour, und das wird eine lange Tour, oh jetzt hab ich vergessen was du eigentlich gefragt hast.

Ich wollte nur Fragen ob ihr heuer auch auf Festivals vertreten sein werdet?

Oh nein, gerade wenn man eine neue CD hat, dann auch noch einen neuen Drummer, da ist es einfach besser wenn man mit einer Tour anfängt. Ich meine auf einem Festival wirst du immer Probleme mit dem Sound haben, da macht es einfach mehr Sinn wenn man als Band unter den besten Bedingungen auftritt und den Fans so auch mehr zeigen kann. Daher wollen wir einfach mit einer Tour anfangen.

Dann wäre ich schon am Ende angelangt, die letzten Worte überlasse ich da natürlich dir.

Ich hoffe wir kommen wirklich einmal nach Österreich, ich glaube wir planen ein paar Termine, es wird alles so in zwei Wochen bekannt gegeben. Ich hoffe viele von euch kommen dann vorbei.

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