Mark Tremonti gehört zweifellos zu den besten Gitarristen und Songwritern, die es derzeit in der Rock- und Metalszene gibt. Der Amerikaner vereint spielerisches Ausnahmetalent mit dem Gefühl für großartige Melodien und zeigt dies nun nach den Superstars Creed und der ähnlich besetzten Nachfolgertruppe Alter Bridge nun mittlerweile seit einigen Jahren auch bei seinem Solo-Projekt. Wir trafen den Ausnahmemusiker kurz nach seinem Auftritt am Rock in Vienna um mit ihm über kurze Live-Sets, Gitarrenunterricht auf Tour und auch seine kommenden Signature-Instrumente zu sprechen.

CE: Danke Mark, dass du dir so kurz nach der Show gleich Zeit nimmst, ihr hattet ja nur ca. 30 Minuten auf der Bühne, wie schwierig ist es für dich, so kurze Konzerte auf eurer Headliner-Tour zu spielen?

MT: Oh es ist eigentlich ganz einfach, eine halbe Stunde zu spielen ist auch ganz okay. Du hast immerhin Platz für ein paar Songs und musst halt versuchen dein Bestes zu geben. Natürlich hätten wir gerne mehr Zeit gehabt aber es waren echt schon sehr viele Leute vor der Bühne und es hat auch so gewirkt als wären sie zufrieden gewesen, und wir waren das auch.

CE: Wir habt ihr denn die Songs ausgewählt, es gibt ja mittlerweile doch schon drei Alben?

MT: Normalerweise schreibe ich jeden Tag eine neue Setlist, je nachdem wie ich mich an dem Tag fühle. Heute wollte ich meine Stimme ein wenig aufwärmen und daher haben wir Another Heart und Cauterize gewählt, die ein wenig leichter zu singen sind, da für mich jetzt 14 Uhr nicht die optimale Zeit zum Singen ist. Du bist hier ja auch noch 6 Stunden von deiner Heimatzeit entfernt und das ist dann noch sehr früh. Daher wollte ich einfach eine Setlist, die es für meine Stimme leichter macht.

CE: Wir lang bereitet ihr euch eigentlich auf eine Tour wie diese vor, ich meine auch, weil du vor nicht allzu langer Zeit auch noch im Studio mit Alter Bridge warst?

MT: Wir haben 5 Tage mit Proben verbracht, da bin ich in der Früh mit Alter Bridge ins Studio gegangen und habe dann am Nachmittag Zeit mit den Proben für Tremonti verbracht.

CE: Im Studio hattest du ja Wolfgang Van Halen am Bass dabei, heute war wieder Tanner Keegan auf der Bühne. Wie würdest du die Bass-Situation in der Band nun beschreiben, sind nun beide Mitglied oder ist Tanner nur ein Session-Bassist?

MT: Tanner ist eigentlich kein Band-Mitglied, Wolfgang ist da eher dabei, aber als wir angefangen haben mit dem Album zu touren war auch Van Halen gerade unterwegs, da war er dann mit ihnen auf Tour, als wir jetzt eine Pause hatten wollte Wolfgang auch selbst Musik aufnehmen und als wir jetzt diese Tour gebucht haben hat er schon beschlossen im Studio an seinem Solo-Album zu arbeiten, aber wenn die Terminpläne zusammen passen wird er wieder mit uns auf Tour gehen.

CE: Wenn du jetzt auf das letzte Album Dust zurückblickst, bist du mit der Reaktion der Fans zufrieden?

MT: Sehr sogar, die Meinungen der Fans sind wirklich großartig, teilweise die besten die wir je hatten.

CE: Du hast ja Cauterize und Dust in derselben Aufnahme-Session aufgenommen, wie hast du denn entschieden welcher Song auf welches der beiden Alben kommen soll?

MT: Naja, ich habe immer wieder nach den Aufnahmen Songs mit nach Hause genommen, habe mir angehört wie die Anfänge und Enden der Songs zusammenpassen, ein paar Veränderungen gemacht und auch als wir bereits mit dem Mastering fertig waren mussten wir Dust noch Re-Mastern, da ich noch die Reihenfolge verändern wollte, da ich einfach das Gefühl hatte, dass die Reihenfolge so besser passen würde.

CE: Ein paar Teile der Songs sind ein wenig ungewöhnlich im Vergleich zum restlichen Material, zum Beispiel würden mir da die kurzen Blastbeats in Once Dead einfallen. Wenn es jetzt ein wenig härter zur Sache geht, hast du diese Ideen dann gleich im Kopf, oder entsteht das dann eher im Studio wenn vielleicht Garret auf die Idee kommt auch einmal einen Blastbeat zu spielen?

MT: Das ist ganz einfach, ich spiele da ein Riff und er spielt dann einfach den Drum-Part dazu, den er einfach gerade dazu spielen will. Manchmal kommt da heraus, dass er etwas Ähnliches spielt was ich gerade mit meiner rechten Hand anschlage, manchmal halt eben nicht. Da liegt wirklich an ihm, was er an den Drums spielt. Es ist aber generell so, ich schreiben den ersten Teil und dann schreibt jeder seinen Part dazu.

CE: Andere Songs wie zum Beispiel Unable To See könnte durchaus auch auf ein Album einer deiner anderen Bands passen. Hast du einmal daran gedacht einen der Songs eventuell für ein Alter Bridge oder vielleicht sogar ein zukünftiges Creed Album zu verwenden?

MT: Nein, ich nehme die Songs immer für das Album, für das ich es im Moment am besten finde. Unable To See zum Beispiel ist für mich sehr wichtig für die Dynamik von Dust. Wenn du jetzt die härteren Songs wie Once Dead oder Betray me nimmst, da passt dann Unable To See dazu. Dadurch hast du einfach Hochs und Tiefs oder schnellere Songs und langsamere Songs.

CE: Ganz wichtig am Album sind ja auch wieder die starken Gesangsmelodien. Wie entstehen denn hier die Songs, hast du ein Riff und du denkst dir den Gesang dazu aus, oder ist es eher umgekehrt und die Melodie entsteht und das Riff kommt danach?

MT: Das kommt jetzt auf den Part an, die Gesangsmelodie ist für mich der wichtigste Teil in jedem Song, daran arbeite ich am meisten aber manchmal kommt auch ein Riff, wo ich einfach nicht dazu singen kann. Das kann dann auch ein Riff alleine sein. Dann arbeite ich halt wieder an einem Riff, wo ich auch dazu singen kann. Das hängt einfach immer davon ab, manchmal schreibe ich ein Riff mit Gesang, manchmal eines ohne Gesang, dann kommt wieder eine simple Akkordfolge wo ich dazu singen kann, man weiß es nie.

CE: Das Album wurde ja wieder von Elvis Baskette produziert, wie würdest du die Arbeit mit ihm beschreiben?

MT: Er ist einfach der Beste bei dem was er macht. Es pusht die Band und ist auch jemand, auf dessen Meinung du vertrauen kannst. Wenn er das Album mixt dann klingt das einfach massiv. Er hat einfach ein paar der am größten klingenden Alben.

CE: Wenn ich mich richtig erinnern kann warst du gerade auf Tour mit Alter Bridge als die anderen Jungs gerade mit Mike im Studio waren um das Album aufzunehmen. Zeigt das, dass ihr eine richtige Band seid und nicht nur ein Solo-Projekt von Mark Tremonti?

MT: Oh ja, es ist zwar jetzt meine Vision, meine Songwriting-Vision, aber wir sind eine Band. Ich sage den Jungs nicht, wie sie ihre Parts schreiben sollen und ich gebe auch keine Regeln vor, wir sind einfach Freunde.

CE: Du bietest auf Tour auch Gitarrenunterricht für Gruppen an. Wie laufen diese denn ab und kommen da auch viele Interessenten hin?

MT: Manchmal sind es nur 2, manchmal aber auch 20. Die Leute kommen so gegen 14:30 und wir setzen uns hin und besprechen mit jedem einzelnen wohin die Reise an diesem Tag gehen soll und was jeder schon als Fähigkeiten mitbringt. Wir gehen dann durch die verschiedenen Picking-Techniken, verschiedene Stile, verschiedene Stimmungen, Songwriting-Herangehensweisen, ich zeige ihnen mein Rig, sie sind dann auch die ersten VIPs in der Halle und sind ganz vorne dabei, bekommen auch etwas vom Soundcheck mit.

CE: Viele Musiker verkaufen mittlerweile von ihnen gespieltes Equipment, du hast ja auch studio-used Gitarren und Amps verkauft. Wie kam es zu der Idee?

MT: Mein Bruder Dan hatte diese Idee. Es war die Idee, dass wir jeden Song am Album mit einer anderen Gitarre aufnehmen und so konnte jemand die Gitarre besitzen, die wirklich einen spezifischen Song aufgenommen hat. Wir haben das dann auch mitgefilmt damit der Käufer dann auch den Film der Aufnahme hat.

CE: Auf der anderen Seite gibt es auch Musiker, Chris Kael von Five Finger Death Punch zum Beispiel, die auch stage-played Instrumente von jeder Show anbieten. Hast du jemals daran gedacht auch eine von dir auf der Bühne gespielte Gitarre zu verkaufen?

MT: Nein, dafür mag ich meine Bühnengitarren zu sehr. Die im Studio sind brandneu, die kann ich spielen und auch verkaufen, aber die mit denen ich toure sind meine Lieblinge, die verkaufe ich nicht.

CE: Letzten Sommer hast du auch einmal eine andere Gitarre gespielt als dein Standard-Signature-Modell. Was kannst du mir darüber sagen?

MT: Ich bin zur Paul Reed Smith Fabrik gefahren und habe dann gemeinsam mit Paul neue Designs gezeichnet und Paul hat mich gefragt was wir ändern sollten und da ist dann gemeinsam dieses Design entstanden. Es ist alles zu 80% fertig, ich habe die Gitarre auch hier auf Tour mit und werde sie sicher auch auf der einen oder anderen Show spielen.

CE: Es kann aber dann auch sein, dass es dein zukünftiges Signature-Modell wird?

MT: Das nächste Signature-Modell das ich herausbringe ist zuerst einmal ein Baritone-Modell. Viele Leute wollen ihre Gitarre sehr tief stimmen, dann musst du aber ein Baritone-Modell nehmen damit du auch deine Soli normal spielen kannst. Die Modelle sind ja dafür da, dass du für Soli nicht großartig umdenken musst. Da ist es dann ganz einfach dass du auf B, C# oder überhaupt C stimmst.

CE: Ein großes deutsches Musikhaus hat vor kurzem ein Foto gepostet, wo dein aktuelles Rig abgebildet war. Es schaut darauf so aus, als hättest du deinen Uberschall durch einen PRS-Amp ersetzt?

MT: Manchmal mach ich das ja, aber der Uberschall ist mein Standard-Verstärker, ich hab ihn ja auch heute wieder gespielt zusammen mit meinem Mesa Boogie Rectifier. Aber ich entwickle mit PRS gerade einen Signature-Amp. Es gibt da ein PRS-Modell das schon relativ nahe daran ist, der kann aggressiv klingen, aber auch schön clean.

CE: Wirst du dann nur noch diesen Amp haben oder bleibt dein Rectifier im Rig?

MT: Ich werde immer eine Mischung aus verschiedenen Verstärkern haben. Ich hoffe aber, dass dieser Signature-Amp dann auch so wird, dass ich diesen jeden Abend spielen will.

CE: Du hast ja jetzt vor kurzem das neue Alter Bridge Album aufgenommen, einige Termine mit Alter Bridge stehen auch schon an aber wie schaut es mit der weiteren Planung mit Tremonti aus?

MT: Wir werden jetzt einmal im Juli touren und anschließend, wenn der Alter Bridge Plan auch steht schauen, wann wir mit Dust auch noch einmal durch die USA touren. Wenn wir einmal gute 3 Wochen frei haben werden wir sehen, wir wollen mit diesem Album auch nochmal nach Europa kommen, aber wir müssen da noch abwarten und den Zeitplan ansehen.

CE: Da es ja gerade ein wenig Comeback-Zeit ist mit der Rückkehr von Guns N’Roses, wie groß ist die Chance, dass wir auch ein Comeback von Creed sehen?

MT: Im Moment nicht groß, da ich doch sehr beschäftigt bin. Es ist ja auch so, dass durch Guns N’Roses ja auch Myles dann mehr Zeit hat und dadurch auch mehr Zeit für Alter Bridge da ist.

CE: Dann wären wir schon am Ende, die letzten Worte überlasse ich natürlich dir.

MT: Dankeschön fürs Interesse an unserer neuen Musik.

 

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