Bands: Varg, Eisregen, We Butter The Bread With Butter, Vitja, Nachtblut, Wolfchant Date: 04.03.16 Venue: Hellraiser, Leipzig

Auftakt des Wolfsfest 2016 und ein „Vargniss“ reihte sich am vergangenen Freitag in Leipzig an das Andere: Zum einen ist es, wie gesagt Freitag. Ob die sich da so viele Leute nach fünf Tagen Sklaverei auf den Weg in das Hellraiser machen, ist da immer etwas fragwürdig.

Sechs Bands sind zudem ein straffes Programm, dazu kommt der frühe offizielle Einlass, der 16:30 Uhr stattfinden sollte. Wer die Location allerdings schon einmal besucht hat, der weiß, dass man üblicherweise auch ein paar Minuten später erscheinen kann. So verzögerte sich auch diesmal der Einlass um circa eine halbe Stunde.

Das größte der „Vargnisse“ war jedoch die Zusammenstellung, die von Pagan über Dark Metal bis zu Metalcore und NDH alles bot und somit eigentlich zum scheitern verurteilt schien.

WolfchantGegen 17:40 Uhr betreten die Niederbayern WOLFCHANT die Bühne und legen ordentlich los. Ungewöhnlich für die seit 13 Jahren aktive Pagan Band ist der zwischen Lokhi und Nortwin aufgeteilte Gesang, welcher der Band das gewisse Etwas gibt. Musikalisch erinnert mich das zwar etwas zu sehr an Turisas, manchmal auch an alte Equilibrium, aber man macht ordentlich Dampf.
Auch wenn alle fünf sich die Hacken wund rennen, es sind hauptsächlich die Fronter, die beeindruckend gestikulieren und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Vor allem mit Der Stahl in meinem Feinde, Naturgewalt und Element erspielt man sich an diesem Abend sicherlich den einen oder anderen neuen Fan (Oder wenigstens einen, das aktuelle Album wird natürlich eingetütet, hehe.), denn das während des Gigs voller gewordene Hellraiser feiert den Opener mächtig.

Nach kurzer Umbaupause geben sich die Melodic Dark Metaller von NACHTBLUT die Ehre. Ein cleverer Schachzug, denn die meisten der heute Anwesenden sind mittlerweile eingetroffen. Ob es so gewesen wäre, wenn man Vitja hätte spielen lassen, wage ich zu bezweifeln.
NachtblutDie Niedersachsen haben sich in den Jahren ihres bestehens sicher nicht nur Freunde gemacht, vor allem ihr Können an den Instrumenten wird öfter angezweifelt.
Mmh, da gehe ich sogar mit, aber mit simplen Mitteln sehr gute Songs wie Hexe, Ich trinke Blut, Wie Gott sein oder das heute abschließende Antik zu kreieren, ist eine Kunst die man erst einmal beherrschen muss!
Zudem kommt auch heute wieder ein exzellente Liveshow, die neben einer vielfältigen Lichtshow vor allem Askeroth in den Mittelpunkt stellt. Egal ob er keifend gen Masse wütet oder theatralisch kniend auf der Bühne seine Lyrics zum Besten gibt, er bietet dem Auge großes Kino.
Und einen Gegensatz zum Stageacting von Trym und Greif. Die lassen es – im Sinne eines Rahmen für die Performance des Frontmannes – etwas ruhiger angehen, sind aber durch gelengtliches Posing genauso effektiv wie dieser.
Nach einer guten dreiviertel Stunde ist die wieder einmal sehr starke Show dann vorbei und das Publikum darf sich trotz mehrerer Zugabe – Rufe eine Pause gönnen.

VitjaUnd die hat es anscheinend auch genutzt, denn als die Djent – Metalcoreler von VITJA die Bretter betreten, feiert die aufgewärmte und schon ein wenig angeheiterte Meute die erst seit drei Jahren aktiven Kölner von Anfang bis Ende. Kaum zu glauben, es gibt Metalcorefans, die sich nicht gegenseitig auf`s Maul hauen!
Uppala, nochmal:
Kaum zu glauben, die gewagte Mischung der unterschiedlichen Acts funktioniert nicht nur gut, sie funktioniert sogar hervorragend!
Während man vor der Bühne hüpft und moscht, ist auch auf ihr die volle Action zu erleben. Sänger David schreit sich die Seele aus dem Leib, ist ohne Unterlass unterwegs und springt, zappelt oder bangt wahlweise. Seine Kollegen (Bassist Mario und Gitarrist Vladimir) stehen dem in nichts nach und lassen ebenfalls die Sau raus. Der Saal kocht förmlich, erste Crowdsurfer werden nach vorn getragen und die Pommesgabel ist in den ersten Reihen als Huldigung zu sehen. Zurecht, denn das war kein Gig, sondern ein Statement!

Kurzes Zwischenfazit meinerseits, als ich in den Hells Garden gehe um mir eine Rostbratwurst mit Toast für 2,50 Ocken zu gönnen:
Musikalisch vielfältig, athmosphärisch beeindruckend.
Als der Verkäufer nur 1,50 von mir möchte, weil der Toast (!!!) alle ist, dachte ich:
„Besser kann es nicht mehr werden!“

We Butter The Bread With ButterUnd nur ein paar Minuten später wird dieser Irrtum widerlegt, denn der nächste Act läuft zur Höchstform auf.
Auf Platte muss ich die nächste Band auch nicht wirklich haben, aber wenn WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER Live irgendwo zu sehen sind, ein gut gemeinter Rat:
SCHAUT VORBEI!
Denn die Berliner Butterstullen sind zwar mit ihrem Stilmix aus allem was die Musikwelt so hergibt auf Dauer nervig, aber deren Show ist Party pur. Zeit also, das limbische Gehirn nach draußen zu schicken und mit zu feiern.
Und gefeiert wird heftig, Crowdsurfer, ein kleiner Moshpit sowie Tänze auf und vor der Bühne machen diesen Gig zu einem weiteren Highlight. Sänger Paul animiert das Publikum im letzten Drittel sogar zum Gruppenspringen. Die Choreographie der Buletten ist bekanntlich auch nicht von schlechten Eltern. Untermalt werden die musikalischen Partyhöhepunkte Berlin, Berlin, Ich mach was mit Medien und Bang Bang Bang wie gewohnt mit bangen, Hüftschwüngen und albernden Posen. Schönes Ding, und nun raus, Hirn suchen…

Eisregen…denn „der Tod ist ein Meister aus Thüringen“ und in Gestalt von EISREGEN heute anwesend. Es ist nun schon zwei Lenze her, als ich eine meiner Lieblingsbands zuletzt Live sehen konnte. Oder auch 20 Kilogramm später, wenn ich mir Micha „Blutkehle“ Roth so anschaue.
Dem zum Trotz bewegt sich besagter Herr aber auch nicht mehr als füher, was er dank seiner dezent grazielen Bewegungskünste für eine Show auch nicht nötig hat. Sein Organ und seine Gestik sind einmalig, die Musik ohnehin große Kunst.
Während die Blutkehle sich eher spartanisch bewegt, sind seine Mitstreiter auch wenig auffällig zu Gange, was keine Kritik sein soll. Das vergleichsweise eher schlichte Stageacting ist ein prima Kontrast zum bisherigen Programm und das Publikum nimmt sich daran erwartungsgemäß auch kein Beispiel. Nur eine Sache stört noch:
„Gibt es eigentlich noch Metalkonzerte, auf denen man headbangt?“ wirft der Frontman in den Raum und gibt die Anleitung mit „Ihr müsst nur den Kopf vor und zurück zur Musik bewegen. Das sieht zwar doof aus, erfüllt aber seinen Zweck.“.
Und siehe da, es geht doch! Zum Dank gibt es neben eher aktuellen Nummern (Gott der Panzer, Marschmusik, Panzerschokolade) unter anderem mit Eisenkreuzkrieger, Herzblut und Elektro Hexe auch Klassiker, die gebührend gefeiert werden. Das sehr gut gefüllte Hellraiser erlebt gerade den besten Gig des Abends, bis in die hinteren reihen wird mitgegangen, da ist er auch schon wieder nach knapp 60 Minuten mit den Klängen der Elektro Hexe vorbei.

VargSchade, aber nach mittlerweile fünf starken Bands und schon gut fünf Stunden ist es an VARG, noch einen drauf zusetzen. Und das gelingt dann leider nicht.
Die Gründe finden sich allerdings nicht in der Show. Kostüme, Bühnenbild, Lichtshow, Sound, alles ist wirklich Klasse. Doch schon nach dem Intro (der Chaplin – Rede) mit den ersten Klängen von Das Ende aller Lügen stehen hinten und beidseitig am Rand nicht wenige, die ungläubig dreinschauen.
Mit Wolfszeit feiern dann aber vorerst alle den Headliner. Im Laufe des Gigs staunt selbst Freki über das Durchhaltevermögen der Fans, die „ihre Band“ für eine sehr beeindruckende Show feiern. Die Wall Of Death bei Blutaar bildet dabei eines von vielen Highlights. Die überwältigende Menge bejubelt jeden Song, aber eben erwähnte Skeptiker werden mehr, aktuellere Songs wie Guten Tag und die brandneuen Revolution, Steyfzug und Dunkelheit täuschen nicht darüber hinweg:
Der Wolf ist für einige zum Schoßhund mutiert. Der Weg der Coburger wird aber trotzdem weiter nach oben führen, was dieses Event eindrucksvoll bestätigt hat.

Das ist wirklich selten bei solchen Events, aber es gab tatsächlich nichts zu bemängeln. Der Sound war bei jeder Band klasse, die Spielzeiten angemessen. Für mich persönlich schade ist, dass der Headliner alte Songs nicht mehr spielen möchte, weil er angeblich den braunen Mob anzieht.
Liebe Varg, falls ihr das lest:
Wenn das wirklich der Grund ist, dann lasst ihr euch von diesen Idioten die Setlist diktieren und somit in eurer Freiheit einschränken. Wer hat da wohl eher gewonnen?

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