Into The Dark : Chapter 2

MISANTHROPIC MIGHT, CONTAINECKS, PATER TENEBRARUM, CONFESSIONS OF PAIN, RAT KING GONE

25.04.2026, ((szene)) Wien

Poster L

Die zweite Ausgabe des lokalen Festivals wurde am Wochenende in der Szene Wien präsentiert. „Into The Dark : Chapter 2“ bleibt, wie schon die erste Ausgabe, den lokalen Bands gewidmet und noch wichtiger den lokalen Underground-Bands, die alle mit unterschiedlichen Ansätzen im Extreme Metal auftreten, vom Crossover von RAT KING GONE über Death Metal von CONFESSIONS OF PAIN, Melodic Death Metal von PATER TENEBRARUM, Black Metal mit MISANTHROPIC MIGHT bis hin zu Nu Metal mit Rap-Elementen und Metalcore bei CONTAINECKS. Die Veranstaltung wurde von ((szene)) Wien gemeinsam mit PLANET MUSIC & MEDIA und den Vereinigten Österreichischen Musikförderern präsentiert.

Eine schwierige Aufgabe, bei so vielen unterschiedlichen Stilen das Publikum zusammenzubringen, noch schwieriger durch ein weiteres Death-Metal-Konzert in einer nahegelegenen Stadt, das potenzielle Besucher abgezogen hat. Für alle Anwesenden dennoch ein Abend mit guter Musik oder zumindest mit der richtigen Haltung der Musiker – sowohl von Bands am Anfang ihrer Laufbahn als auch von etablierten, erfahrenen Namen. Die Location war nicht überfüllt, ähnlich wie im letzten Jahr eher ein freundliches Treffen unter Bekannten, begleitet von massiven Riffs und aggressiven Sounds. Eine Kollegin unseres Magazins war ebenfalls vor Ort und hielt die Veranstaltung visuell für euch fest – hier geht es zu den Fotos des Abends.

RAT KING GONE

Den Auftakt machte die Wiener Band RAT KING GONE, eine noch junge Gruppe mit einer eigenen Mischung aus Thrash und Sludge Metal, kombiniert mit einer klaren Crossover-/Hardcore-Attitüde und vielen Punk-Elementen. Ein auf dem Papier sehr gemischter Sound, der sich jedoch in eine stimmige und überzeugende musikalische Umsetzung übersetzt.

RAT KING GONE 01

Sehr aktiv in der lokalen Szene, eine Band, die man häufig live sieht und die mit ihren energiegeladenen Auftritten andere Bands unterstützt. Ursprünglich sollten GRÜMPHRÖ den Abend eröffnen, mussten aber wegen interner Probleme absagen, sodass RAT KING GONE eingesprungen sind. Eine gute Entscheidung, denn ihre Präsenz tat dem Abend sichtbar gut. Die Mischung aus Punk-Attitüde und verschiedenen Metal-Einflüssen sorgt für ein dynamisches Set. Hardcore bildet die Grundlage, kurze, effektive Songs mit Thrash- und Sludge-Elementen, aber nicht nur darauf beschränkt.

RAT KING GONE 02Abseits von Genregrenzen war das, was RAT KING GONE auf die Bühne brachten, vor allem energiegeladen und lebendig. Der Sänger bewegt sich ununterbrochen, springt und rennt über die Bühne und verleiht dem Auftritt eine zusätzliche hektische Komponente. Dazu kommen massive Riffs, gute Kompositionen, groovige Rhythmen und auch langsamere Passagen. Musikalisch stark besetzt, doch die Show wird klar vom Frontmann geprägt. Sie sind, wie bereits bekannt, ein sehr guter Opener, der sofort Energie bringt und das Publikum in Bewegung setzt. Das Publikum ging gut mit, die Stimmung war entsprechend positiv. Ein gelungener Auftakt.

 

CONFESSIONS OF PAIN

Aus Wiener Neustadt kommen CONFESSIONS OF PAIN, gegründet 2007, allerdings mit längeren Pausen in ihrer Aktivität. Musikalisch überwiegend Death Metal, ergänzt durch Deathcore-Elemente und weitere Einflüsse. Nach einem Comeback im letzten Jahr mit dem Album „Resurrection“ versuchen sie erneut, sich in der lokalen Szene zu etablieren.

CONFESSIONS OF PAINIhr Stil lässt sich als eine Art Heavy Metal mit stärkerer Brutalität und Einflüssen aus dem Black Metal beschreiben. Dissonant, aggressiv, aber nicht wirklich melodisch. Der Rhythmus ist vorhanden, doch die vielen Tempowechsel und unterschiedlichen Ideen innerhalb der Songs wirken oft zusammengewürfelt und hinterlassen einen fragmentierten Eindruck. Einzelne gute Riffs sind vorhanden, ebenso ein starker Bass, der positiv auffällt.

Die Songs bleiben insgesamt eher einfach und wenig einprägsam, es fehlen markante Momente. Die Mischung der Stile verstärkt den Eindruck von nicht ganz zusammenpassenden Elementen. Der Titelsong „Resurrection“ wirkt größtenteils wie Heavy Metal mit harschem Gesang, mit epischer, triumphaler Linie und soliden, aber vorhersehbaren Riffs. Auch hier bleibt der Bass hervorzuheben.

Der Auftritt konnte insgesamt nicht wirklich überzeugen. Die Halle war weiterhin nur teilweise gefüllt, die Atmosphäre blieb dennoch angenehm, sowohl im Saal als auch außerhalb. Die Musik laut und druckvoll, aber wenig inspiriert. Der Versuch, melodische Elemente einzubauen, funktioniert nur bedingt. Ein solides Set, mehr aber nicht. RAT KING GONE hinterließen den stärkeren Eindruck und sorgten für die bessere Stimmung.

Auch die Interaktion mit dem Publikum wirkte bei CONFESSIONS OF PAIN etwas erzwungen, die Erwartungen an die Reaktionen waren höher als das, was tatsächlich zurückkam. Der unangenehmste Moment entstand beim Versuch, eine Wall of Death zu initiieren. Es kam keine Reaktion, was die Situation sichtbar awkward machte. Ein Moment, der die Distanz zwischen Band und Publikum deutlich machte. Insgesamt ein misslungener Auftritt.

PATER TENEBRARUM

Von den ersten Tönen an wird klar, dass wir uns jetzt in einer anderen Liga bewegen. Gute Vocals, beeindruckende Instrumente, druckvoller Sound, solide Riffs, klare stilistische Ausrichtung, eingängige Melodien. Die Wiener Band PATER TENEBRARUM ist noch relativ jung, hat aber bereits einige starke Releases vorzuweisen, zuletzt im vergangenen Jahr „Meat Grinder“, das eine gereifte Band zeigte.

PATER TENEBRARUM 01Als Melodic Death Metal eingeordnet, gehen sie deutlich darüber hinaus, bringen typische Black-Metal-Akkorde ebenso ein wie klassischen Death Metal. Unterschiedliche Ansätze zeigen die breite musikalische Aufstellung der Band und auch die beeindruckende technische Stärke, zu der sie fähig ist. Dazu kommen zugänglichere Passagen, die gut in den aggressiven Sound integriert sind, langsamere Momente, die Atmosphäre schaffen – eine große Bandbreite an Ausdruck.

PATER TENEBRARUM 02Und sehr wichtig: eine Band, die hervorragend mit dem Publikum verbunden ist. Nicht nur die Musik ist leidenschaftlich, dynamisch und energiegeladen, auch die Performance, vor allem die des Frontmanns. Sänger und Gründungsmitglied Christian Spannbauer agiert ungehemmt, mit viel Humor, fordert das Publikum ständig zur Interaktion auf, zum Biertrinken, zum Mitgehen mit der Musik. Und das Publikum reagiert entsprechend, ein guter Teil der Energie von der Bühne überträgt sich direkt.

Der Sound ist durchgehend aggressiv und zielgerichtet, gute und inspirierte Songs. Dazu viele eigene Elemente, ein interessanter Mix verschiedener Einflüsse. Authentische Vocals mit großer Bandbreite, von tiefen Growls bis zu hohen Screams. Gute Gitarrenarbeit, der Leadgitarrist konzentriert, weniger interaktiv, aber mit entscheidendem Beitrag zum Gesamtbild.

Eine sehr authentische Band mit der richtigen Haltung. Sie werden in Zukunft noch eine Rolle spielen. Dichter Sound, starke Musiker. Ein schöner Moment, als Christian dem Licht- und Tontechniker dankt – eine seltene Geste. PATER TENEBRARUM wirken bodenständig, freundlich und talentiert. Gute Musik, ein starker Auftritt.

MISANTHROPIC MIGHT

Eine der angesehensten Underground-Bands aus Wien: MISANTHROPIC MIGHT als eigentlicher Headliner des Abends, für viele auch der Hauptgrund zu kommen. Eine Band, die nicht oft live spielt, aber jedes Mal absolut überzeugt – sehr professionelle Musiker und ebenso überzeugende Musik.

MISANTHROPIC MIGHT 02

Von den ersten Riffs an aggressiv, direkt und gleichzeitig extrem wirkungsvoll im Black Metal. Beim letzten Wien-Auftritt stand noch das Release ihres Albums „Qualzucht“ im Fokus, einer der stärksten Veröffentlichungen des letzten Jahres, auch über die lokale Szene hinaus. Dieses Mal war das Set breiter angelegt und deckte größere Teile der Diskografie ab.

MISANTHROPIC MIGHT 03Ein dichter, aggressiver Sound, erneut ein Beweis für ihr musikalisches Niveau. Die beiden Stimmen ergänzen sich hervorragend: das Kreischen von Purgatory (aka Marathon) und die tiefen Growls von Sic. Dazu ein überzeugender Bass und melodisch tremolierte Gitarrenlinien. Die enge Zusammenarbeit, auch aus anderen Projekten heraus (Parental Advisory als Highlight der letztjährigen Ausgabe), führt zu einem geschlossenen Gesamtbild und einer präzisen Umsetzung live.

Neue Masken sorgen für ein verändertes Erscheinungsbild, klarer im Design. Nebenbei ein praktisches Problem: Bier trinken auf der Bühne wird damit deutlich komplizierter – aber auch das lösen sie souverän.

Die Songs sind kurz, aber effektiv, mit komplexer Gitarrenarbeit. Sehr technische Herangehensweise, dabei live noch direkter und aggressiver als auf Album. Während sich beide Gitarristen auf ihre Parts konzentrieren, hält Purgatory/Marathon den Kontakt zum Publikum, ein sehr starker Frontmann. Gleichzeitig zeigt sich, wie wichtig der Bass für den Gesamtsound ist.

Das Publikum reagiert entsprechend begeistert, starke Interaktion, klare Zustimmung. Die Forderungen nach einer Zugabe bleiben aus Zeitgründen unerfüllt. Schade. Underground in seiner besten Form, ein voller, kontrollierter Sound – ein sehr erfolgreicher Auftritt.

CONTAINECKS

Als bewusster Gegenpol zu den extremen Spielarten des Abends angekündigt – mit Fokus auf Groove und Dynamik, ohne die Härte ganz zu verlieren – stehen CONTAINECKS am Ende vor nur noch wenigen Anwesenden.

CONTAINECKS 01

Die Band aus Graz bewegt sich im Bereich Rapcore bzw. Nu Metal, verbindet Synthesizer, groovige Rap-Elemente und Metalcore-Riffs. Zentral sind dabei die Texte: selbstironisch, mit satirischem Unterton und viel Energie vorgetragen.

CONTAINECKS 02Schon die ersten Töne machen klar, dass hier eine völlig andere musikalische Welt beginnt. Elektronik, Rap und ein Anteil Metal ergeben einen eigenständigen Stil, der in seiner Nische funktioniert, im Kontext des Abends jedoch fremd wirkt.

Der Sound ist wuchtig, aber die Songstrukturen unterscheiden sich stark von dem, was zuvor geboten wurde. Die Band ist permanent in Bewegung, springt über die Bühne, eine Performance, die gut zur Musik passt. Wirkungsvoll, aber nicht unbedingt für jeden Kontext geeignet.

Für sie ungünstig: Der Saal ist nahezu leer, viele Besucher bleiben draußen oder sind bereits gegangen. Nach dem Headliner fehlt schlicht das Publikum. CONTAINECKS mögen für sich funktionieren, hier passt es nicht. Eine schwierige Programmwahl für diesen Abend.

Trotzdem bemerkenswert, wie sie ihr Set vor vielleicht zwanzig Leuten durchziehen. In dieser Hinsicht absolut professionell. Ein undankbarer Moment – falscher Ort, falsche Zeit.

CONTAINECKS 03

Der Abend hat gezeigt, wie breit selbst eine klar als „underground“ verstandene Szene aufgestellt sein kann – und wie unterschiedlich diese Ansätze funktionieren, wenn sie aufeinandertreffen. Nicht alles hat zusammengepasst, manches wirkte im Kontext fremd oder unglücklich platziert, aber genau darin liegt auch ein Teil des Reizes solcher Veranstaltungen. Zwischen sehr starken Auftritten, weniger überzeugenden Momenten und stilistischen Brüchen bleibt vor allem eines hängen: ehrliche, direkte Musik von Bands am Anfang ihres Weges, die sich ihren Platz erspielen wollen, ebenso wie von etablierten, längst gefestigten Namen. Keine perfekte Veranstaltung, aber eine authentische – und genau das macht solche Abende letztlich wertvoll.

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