VOLBEAT, FULCI 29.06.26 Residenzplatz Salzburg
VOLBEAT & FULCI am Residenzplatz Salzburg – Metal trifft auf Sommerfest-Stimmung
Zwei Welten, eine Bühne
Wenn sich an einem milden Frühlingsabend mehrere tausend Besucher auf dem historischen Residenzplatz in Salzburg versammeln, erwartet man vieles: Rock, ausgelassene Stimmung, Bierbecher in der Luft und jede Menge Mitsingmomente. Was vermutlich die wenigsten erwartet hatten, war ein kompromissloser Auftakt aus italienischem Brutal Death Metal. Genau dafür sorgten FULCI am 29. Mai 2026 als Support für die dänischen Rock- und Metal-Giganten VOLBEAT.
Die Kombination wirkte auf dem Papier ungewöhnlich, entwickelte aber ihren ganz eigenen Reiz. Während FULCI mit extremen Sounds und Horrorfilm-Ästhetik die Grenzen des Publikums testeten, lieferten VOLBEAT später eine nahezu perfekte Mischung aus Heavy Metal, Hard Rock, Rockabilly und Groove Metal, die den Residenzplatz in eine einzige große Feier verwandelte.
FULCI fordern das Publikum heraus
Die italienische Formation FULCI gehört seit Jahren zu den spannendsten Vertretern des Brutal Death Metal. Benannt nach dem legendären Horror-Regisseur Lucio Fulci, setzen die Musiker konsequent auf extreme Härte, düstere Atmosphäre und technische Präzision. Dies wurde während der Songs ersichtlich, bei welchen Einspielungen im Hintergrund liefen, welche den Rezensenten an seine jungen Jahre erinnerten. 80er Splatter aus der Feder des oben genannten Regisseurs. Sehr gute Kombination mit dem Todesblei der Italiener.
Mit Jason Dahlke am Mikrofon, den Gitarristen Domenico Diego und Ando Ferraiuolo, Bassist Clemente Diglio sowie Schlagzeuger Edoardo Nicoloso legte die Band vom ersten Ton an ein brutales Brett vor. Blastbeats, tief gestimmte Gitarren und gutturale Growls dominierten das Geschehen auf der Bühne.
Dabei wurde schnell deutlich, dass etwa 80 Prozent der anwesenden Besucher mit dieser Form des Death Metals nicht sonderlich vertraut waren. Viele Zuschauer blickten zunächst etwas ratlos Richtung Bühne, während eingefleischte Extreme-Metal-Fans die Gelegenheit nutzten, die Italiener lautstark zu feiern und ihre Rübe ordentlich zu schütteln. Meine Person betreffend war der Sound, wie desgleichen die Kombination des Death Metal sichtlich angetan und noch heute spüre ich die Auswirkungen im Nackenbereich.
Dennoch darf man FULCI zugutehalten, dass sie ihren Auftritt ohne Kompromisse durchzogen. Anstatt sich einem breiteren Publikum anzubiedern, präsentierte die Band genau das, wofür sie stehen. Kompromisslose Härte und musikalische Extreme. Wenngleich die Resonanz im Publikum unterschiedlich ausfiel, hinterließ die Gruppe einen professionellen Eindruck und bewies, dass sie auch auf großen Bühnen bestehen kann.
VOLBEAT übernehmen das Kommando
Nach einer Umbaupause war die Spannung spürbar. Die Vorfreude auf VOLBEAT war im gesamten Areal greifbar. Als die Band schließlich die Bühne betrat und mit »The Mirror and the Ripper« eröffnete, war die anfängliche Zurückhaltung schlagartig verschwunden.
Frontmann Michael Poulsen zeigte sich von Beginn an bestens aufgelegt. Seine markante Stimme gehört mittlerweile zu den unverwechselbarsten im modernen Rock und Metal. Unterstützt wurde er von Gitarrist Flemming C. Lund, Bassist Kaspar Boye Larsen und Drummer Jon Larsen, die gemeinsam eine eingespielte und druckvolle Einheit bildeten.
Bereits bei »Lola Montez« verwandelte sich der Residenzplatz in einen riesigen Chor. Kaum ein Song demonstriert besser die besondere Fähigkeit von VOLBEAT, eingängige Melodien mit schweren Gitarrenriffs zu verbinden. Die Zuschauer sangen jede Zeile mit und sorgten für die ersten Gänsehautmomente des Abends.
Neue Songs bestehen den Praxistest
Besonders interessant war die Integration aktuellerer Stücke in die Setlist. »Temple of Ekur«, »Demonic Depression«, »Fallen« und »By a Monster’s Hand« fügten sich nahtlos zwischen die bekannten Klassiker ein.
Vor allem »Demonic Depression« entfaltete live eine beeindruckende Wirkung. Die düstere Grundstimmung des Songs wurde durch die intensive Darbietung der Band noch verstärkt. Gleichzeitig bewies das Publikum, dass auch die neueren Stücke bereits ihren Platz im VOLBEAT-Kosmos gefunden haben.
Michael Poulsen verstand es dabei immer wieder, die Zuschauer einzubinden. Seine Ansagen wirkten sympathisch und authentisch, ohne jemals künstlich oder aufgesetzt zu erscheinen.
Eine Reise durch die Bandgeschichte
Im weiteren Verlauf des Konzerts präsentierten VOLBEAT einen gelungenen Querschnitt ihrer Karriere. Mit »Sad Man’s Tongue« kam erstmals die Rockabilly-Seite der Band besonders stark zur Geltung. Sofort wurde getanzt, geklatscht und laut mitgesungen.
»The Devil’s Bleeding Crown«, »Guitar Gangsters & Cadillac Blood« und »Dead but Rising« sorgten anschließend für zusätzliche Dynamik. Gerade die härteren Songs entwickelten vor der beeindruckenden Kulisse des Salzburger Residenzplatzes eine enorme Wucht.
Ein besonderes Highlight blieb einmal mehr das legendär betitelte »In the Barn of the Goat Giving Birth to Satan’s Spawn in a Dying World of Doom«. Trotz seines beinahe absurd langen Titels gehört der Song zu den beliebtesten Nummern der Band und wurde entsprechend enthusiastisch aufgenommen.
Mit »Heaven nor Hell« folgte einer der emotionalsten Momente des Abends. Tausende Stimmen sangen den Refrain gemeinsam, während die Abenddämmerung langsam über Salzburg hereinbrach.
Stimmung auf Höchstniveau
Was den gesamten Abend auszeichnete, war die durchwegs ausgezeichnete Atmosphäre. VOLBEAT besitzen die seltene Fähigkeit, unterschiedlichste Fans unter einem Dach zu vereinen. Metalheads standen neben Rockfans, Familien neben langjährigen Anhängern der Band.
Bei »Shotgun Blues«, »The Devil Rages On«, »Die to Live« und »Let It Burn« erreichte die Stimmung endgültig ihren Höhepunkt. Die Besucher feierten ausgelassen, ohne dass die Veranstaltung jemals chaotisch wirkte.
Auch organisatorisch präsentierte sich das Konzert auf einem guten Niveau. Die Abläufe funktionierten reibungslos, Wartezeiten hielten sich in Grenzen und die Sicherheitskräfte agierten unauffällig, aber professionell.
Die große Schlussphase
Mit »Better Be Fueled Than Tamed« und »Seal the Deal« steuerte der Abend auf sein Finale zu. Spätestens bei »For Evigt« war klar, dass VOLBEAT ihr Publikum fest in der Hand hatten.
Als anschließend »Still Counting« angestimmt wurde, verwandelte sich der Residenzplatz endgültig in einen einzigen großen Chor. Kaum ein Song besitzt im Live-Kontext eine vergleichbare Wirkung. Die Zuschauer sangen jede Zeile mit und feierten die Band frenetisch. Besonders den Rock/Metal Nachwuchs auf die Bühne zu laden, fanden alle sichtlich sympathisch. Blickte man auf die Gesichter der Kids, war klar, diese Band aus Dänemark ist für Jung und Alt. Generationenverbindend und mit viel Kommunikation über die Absperrungen hinweg.
Den Abschluss bildete das Medley aus »A Warrior’s Call« und »Pool of Booze, Booze, Booza«. Noch einmal wurde alles mobilisiert, was an Energie vorhanden war. Fäuste reckten sich in die Luft, Bierbecher wurden gehoben und die Band verabschiedete sich unter lautem Jubel.
Ein kleiner Makel zum Schluss
So gelungen der Abend insgesamt auch war, ein organisatorischer Kritikpunkt blieb nicht unerwähnt. Unmittelbar nach dem letzten Song wurden die WC-Anlagen geschlossen. Angesichts der großen Besucherzahl führte dies zu einer wenig erfreulichen Situation. Zahlreiche Konzertbesucher sahen sich gezwungen, ihre Notdurft an umliegenden Hausmauern zu verrichten. Eine längere Öffnungszeit der Sanitäranlagen hätte dieses Problem problemlos vermeiden können und wäre im Sinne aller Beteiligten gewesen. Über die Getränkepreise will ich gar nicht erst sprechen, denn solch überteuerten Preise stießen bei mir auf Unverständnis.
VOLBEAT lieferten am Residenzplatz Salzburg ein beeindruckendes Konzert ab, das sowohl musikalisch als auch atmosphärisch überzeugte. Die Dänen präsentierten eine hervorragend zusammengestellte Setlist, spielten technisch auf hohem Niveau und schafften es mühelos, mehrere tausend Menschen in Feierlaune zu versetzen.
FULCI eröffneten den Abend mit einer kompromisslosen Demonstration des Brutal Death Metal. Wenngleich ein Großteil des Publikums mit dieser extremen Stilrichtung wenig anfangen konnte, zeigte die Band Charakter und zog ihren Auftritt konsequent durch.
Am Ende bleibt ein Konzertabend in Erinnerung, der von guter Organisation, großartiger Stimmung und einer fantastisch aufgelegten Hauptband geprägt war. VOLBEAT bewiesen einmal mehr, warum sie zu den erfolgreichsten europäischen Rock- und Metalbands der Gegenwart zählen. Salzburg bekam eine energiegeladene Show geboten, die den Fans noch lange im Gedächtnis bleiben dürfte.
Setlist Volbeat
01. The Mirror and the Ripper
02. Lola Montez
03. Temple of Ekur
04. Demonic Depression
05. Fallen
06. Sad Man’s Tongue
07. The Devil’s Bleeding Crown
08. By a Monster’s Hand
09. Guitar Gangsters & Cadillac Blood
10. Dead but Rising
11. In the Barn of the Goat Giving Birth to Satan’s Spawn in a Dying World of Doom
12. Heaven nor Hell
13. Shotgun Blues
14. The Devil Rages On
15. Die to Live
16. Let It Burn
17. Better Be Fueled Than Tamed
18. Seal the Deal
19. For Evigt
20. Still Counting
21. A Warrior’s Call / Pool of Booze, Booze, Booza






